Lipodystrophie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 11. September 2017
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Die Lipodystrophie ist eine Veränderung des Unterhautfettgewebes oder des Fettgewebes, welches die Organe umhüllt. Dabei werden zwei Formen unterschieden, der Schwund von Fettgewebe und die Zunahme der Fettdepots.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Lipodystrophie?

Der Schwund von Fettgewebe wird Lipoatrophie genannt und tritt überwiegend im Gesicht, an Armen und Beinen auf, während eine Vermehrung des Unterhaut-Fettgewebes - die Lipohypertrophie - eher am Rumpf und im Nacken auftritt. Bei beiden Arten handelt es sich um Stoffwechselstörungen, die sich je nach Ursache wieder zurückbilden, aber auch bleibend sein können.

Die Krankheit selbst hat nur selten schwerwiegende Folgen, allerdings leiden die meisten Betroffenen psychisch stark unter ihrem veränderten Aussehen und außerdem haben die Betroffenen häufig unter bestimmten Stoffwechselkrankheiten zu leiden.

Ursachen

Die Ursachen einer Lipodystrophie können sehr vielfältig sein und die Wissenschaft kennt noch längst nicht alle Auslöser. Eine der bekannten Ursachen sind Insulin-Injektionen. Wenn Diabetiker sich häufig in derselben Körperregion und dazu noch an der gleichen Stelle die Spritze setzen, kann es durch die Wirkung des Insulins an dieser Stelle zu vermehrter Bildung von Fettgewebe kommen.

Dann entstehen zum Beispiel am Bauch große Beulen aus Fettgewebe. Das sieht nicht nur sehr unschön aus, sondern führt auch zu einem weiteren gesundheitlichen Problem. Das gespritzte Insulin wird immer schlechter vom Körper aufgenommen. Ein anderer Auslöser von Lipodystrophie ist Aids beziehungsweise die HIV-Behandlung. Hier sind die Ursachen noch nicht vollkommen klar.

Die Forschung geht aber davon aus, dass es unter anderem an den Anti-HIV-Arzneimitteln liegt. HIV-Infizierte erhalten spezielle Medikamente, die den Ausbruch der Krankheit verhindern sollen und diese hochwirksamen Medikamente lösen sehr wahrscheinlich eine Fett-Auszehrung im Gesichtsbereich und an den Beinen, einen sogenannten Stiernacken und Fettansammlungen im Bauchbereich aus.

Die Angaben darüber, wie viele Patienten davon betroffen sind, schwanken sehr. Neuere Studien besagen, dass zwischen 5 und 50 Prozent aller Menschen, die mit anti-retroviralen Medikamenten behandelt werden, diese Nebenwirkungen bekommen. Aber auch andere Faktoren könnten eine Rolle spielen. In diesem Bereich ist die Forschung noch am Anfang.

Es gibt auch einige genetisch bedingte Lipodystrophien. Dazu gehören das Dunningan-Syndrom und das Köbberling-Syndrom. Beide sind eher seltene vererbliche Stoffwechselerkrankungen. Sie entstehen durch Genmutationen, die die Laminin-Synthese stören und betreffen eher die untere Körperpartie. Nicht erblich dagegen ist das Barraquer-Simons-Syndrom, eine weitere Genmutation, die sehr selten ist und im Kindesalters auftritt.

Vermehrt sind Mädchen davon betroffen. Auch hier entsteht ein Verlust von Unterhautfettgewebe im Gesicht und am Rumpf. Ebenso selten ist das Parry-Romberg-Syndrom. Es ist charakterisiert durch eine halbseitige Gesichtsverkrümmung. Hier ist nicht nur das Unterhaut-Fettgewebe betroffen sondern häufig auch die Knochen und Muskeln.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Wenn jemand unter Lipodystrophie leidet, machen sich die äußerlichen Symptome erst in einem spätem Stadium bemerkbar. Die Erkrankung verursacht neben den kosmetischen Problemen und der damit verbundenen seelischen Belastung anfangs auch kaum Beschwerden.

Neben dem veränderten Aussehen besteht aber auch das Risiko verschiedener Begleiterkrankungen. So bekommen Patienten mit einer Lipodystrophie häufiger als andere Menschen Diabetes, eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse, Nierenentzündungen und bestimmte Stoffwechselerkrankungen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Durch Insulin-Spritzen entstandene Beulen erkennt der Arzt natürlich leicht und bei HIV-Patienten gehört die Suche nach Anzeichen einer Lipodystrophie sicher zum Behandlungsschema. In allen anderen Fällen ist die Diagnose schwierig und häufig wird die Krankheit nicht sofort erkannt. Auch der Krankheitsverlauf ist je nach Ursache sehr unterschiedlich.

Eine Lipodystrophie durch die Insulinspritze verschwindet von selbst wieder, wenn der Patient sich an der betroffenen Stelle keine Nadel mehr setzt. Ärzte raten deshalb dringend, die Einspritzstelle immer wieder zu wechseln. Bei den HIV-positiven Patienten mit Lipodystrophie ist der Krankheitsverlauf schwieriger einzuschätzen.

Zum einen ist noch nicht wirklich klar, welche Wirkstoffe in den Medikamenten für die Fettgewebe-Störung verantwortlich sind, oder ob es noch andere Faktoren gibt. Zum anderen kann man auf die Medikamente auch nicht einfach verzichten, weil mit ihnen der Ausbruch von AIDS verhindert werden kann. Bei den durch Genmutationen hervorgerufenen Formen der Lipodystrophie lässt sich der Krankheitsverlauf ebenfalls nicht vorhersagen.

Komplikationen

In den meisten Fällen führt die Lipodystrophie vor allem zu seelischen und psychischen Belastungen und Beschwerden. Die Betroffenen sind dabei mit ihrem Aussehen in der Regel unzufrieden und leiden dabei an einem verringerten Selbstwertgefühl oder an Minderwertigkeitskomplexen. Dabei können sich weiterhin auch psychische Beschwerden oder sogar Depressionen ausbilden und damit die Lebensqualität des Patienten deutlich verringern.

Ebenso führt die Lipodystrophie zu einem erhöhten Risiko für Diabetes oder für Entzündungen der Bauchspeicheldrüse. Diese können auch an den Nieren auftreten. Diese können im schlimmsten Falle zu einer vollständigen Niereninsuffizienz und damit auch zum Tod führen. Die Patienten sind dann auf eine Dialyse oder auf ein Spenderorgan angewiesen, um weiterhin zu überleben. Ebenso kann die Lipodystrophie verschiedene Stoffwechselerkrankungen verursachen und damit den Alltag des Betroffenen einschränken.

Die Behandlung der Lipodystrophie kann mit Hilfe von Medikamenten stattfinden. Ebenso können die Beschwerden mit Hilfe einer Fettabsaugung gelindert werden. Komplikationen treten dabei in der Regel nicht auf. Auch die Lebenserwartung des Patienten wird aufgrund der Lipodystrophie in den meisten Fällen nicht verändert. Weiterhin können auch operative Eingriffe vorgenommen werden, um die Beschwerden einzuschränken.

Behandlung & Therapie

Wie bereits dargestellt, besteht zurzeit keine Möglichkeit, eine Lipodystrophie zu heilen. Gegen die aus der Erkrankung häufig resultierenden Folgeerkrankungen wie Insulinresistenz, gestörte Glukose-Toleranz, Fettstoffwechselstörungen und Entzündungen von Bauchspeicheldrüse und Nieren gibt es natürlich sehr wirksame Medikamente.

Weil die bei der Lipohypertrophie vorhandenen Fettdepots im Nacken-, Bauch- und Brustbereich nicht nur ungesund, sondern häufig auch kosmetisch sehr störend sind, ist in manchen Fällen auch eine Fettabsaugung eine Behandlungsmöglichkeit. Ihre Nachhaltigkeit ist aber sehr fraglich und sie wird auch nicht von den Krankenkassen bezahlt.

Bei fehlendem Unterhautfett, besonders im Gesichtsbereich, gibt es mittlerweile die Möglichkeit mit einer Injektion Füll-Substanzen einzubringen. Diese bieten je nach Material eine Haltbarkeit von etwa zwölf Monaten. Die Methode wird ebenfalls nicht von den Krankenkassen übernommen und sollte nur von erfahrenen Fachärzten vorgenommen werden.

Nur so lassen sich zufriedenstellende kosmetische Ergebnisse erreichen und mögliche Nebenwirkungen minimieren. Beim Parry-Romberg Syndrom werden aufgrund der Schwere der Beschädigungen und der Beteiligung der Knochensubstanz plastisch-chirurgische Eingriffe vorgenommen.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Vorbeugende Maßnahmen gegen die Entstehung einer Lipodystrophie gibt es nicht.

Bücher über HIV-assoziierte Lipodystrophie, Übergewicht & Fett

Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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