Lipödem

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. Oktober 2017
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Das Lipödem ist eine Fettverteilungsstörung, bei der es zu vermehrten Fetteinlagerungen im Gesäß und in den Hüften, in ausgeprägteren Fällen auch in den gesamten Beinen und Armen kommt. Betroffen sind meist Frauen. Geheilt werden kann ein Lipödem zwar nicht, jedoch können die Symptome durch konservative Therapien gelindert werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Lipödem?

Lipödem ist das altgriechische Wort für „Fettschwellung“. Es handelt sich um eine Fettverteilungsstörung, die zumeist Frauen betrifft. Die Erkrankung wird häufig auch als Reiterhosensyndrom bezeichnet. Es kommt zu einer vermehrten Ansammlung von Körperfett an den Beinen und an den Armen. Die Körpermitte hingegen bleibt weiterhin schlank, ebenso die Hände und die Füße.

Wenn die Schwellung sich vollständig vom Gesäß bis zu den Knöcheln ausgebreitet hat, spricht man auch vom „Säulenbein“. Die Diagnose eines Lipödems ist schwierig, da es im Anfangsstadium mit den Symptomen einer Adipositas einhergeht. Zudem kennen sich nicht viele Ärzte mit Lipödemen aus. Geheilt werden kann das Lipödem nicht.

Die Symptome werden meist durch manuelle Behandlungen bei einem Physiotherapeuten eingedämmt. Eine Fettabsaugung, welche die auftretenden Probleme am weitesten beheben könnte, wird von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen.

Ursachen

Auch wenn es den Betroffenen schnell unterstellt wird, ist eine falsche Ernährung und damit einhergehendes Übergewicht nicht die Ursache eines Lipödems. Übergewicht kann jedoch bei einem Ausbruch der Erkrankung den Verlauf verschlimmern.

Das Lipödem ist genetisch bedingt und tritt zumeist in Phasen auf, in denen sich das Hormonsystem stark umstellen muss, beispielsweise in der Pubertät, in den Wechseljahren oder im Zuge der Schwangerschaft. Bei Männern tritt das Lipödem nur äußerst selten und wenn meist in Folge einer Hormonbehandlung auf.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Fettzellen im Unterhautgewebe von Beinen und Armen vermehren sich und schwellen auf ein größeres Volumen an. Vor allem im seitlichen Bereich der Hüften und der Oberschenkel kommt es zu einer vermehrten Speicherung von Körperfett. Das Körperfett setzt sich meist symmetrisch ab. Zudem wird vermutet, dass die Kapillaren im betroffenen Gewebe durchlässiger werden, wodurch auch das Lymphsystem angegriffen wird.

Dadurch, dass der Oberkörper schlank bleibt, werden die Proportionen des Körpers unstimmig. Die Beine können weitaus dicker wirken, als sie tatsächlich sind. Bei sehr vielen Betroffenen führt dies zu psychischen Problemen sowie zu Schamgefühlen, die sie von Schwimmbadbesuchen oder vom Tragen von modischer, kurzer Kleidung abhalten.

Zusätzlich kommt es zu Wassereinlagerungen an den betroffenen Stellen, die bei langem Stehen oder Sitzen sowie bei Wärme stärker werden. Betroffene bemerken ihr Lipödem häufig zuerst daran, dass sie abends unter schweren Beinen leiden. Häufig wird ein Lipödem noch von weiteren Beschwerden begleitet. Dazu zählen Schmerzen an den entsprechenden Körperstellen, Cellulite, ein Druck- oder Spannungsgefühl an den betroffenen Stellen, Besenreiser und eine Empfindlichkeit für blaue Flecke.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose eines Lipödems erfolgt im Rahmen eines Sicht- und Tastbefunds sowie gegebenenfalls durch einen Ultraschall. Des Weiteren sollte der behandelnde Arzt andere Krankheiten ausschließen, die ähnliche Symptome hervorrufen können. Dazu zählen Adipositas, Lymphödeme und Lipohypertrophien, bei denen es sich um harmlose Fettansammlungen handelt.

Im Anfangsstadium ist das Lipödem optisch kaum von einer beginnenden Adipositas zu unterscheiden. Bei fortschreitender Erkrankung wird die Ansammlung von Körperfett an den spezifischen Stellen immer stärker. Die Erkrankung wird aufgeteilt in fünf Typen oder Schweregrade, die jeweils von der Ausbreitung abhängen. Das Lipödem beginnt an Gesäß und Hüften, breitet sich dann, teils Fettlappen bildend, über die Knie bis zu den Knöcheln und Handgelenken aus.

Im schwersten Stadium entsteht ein ausgeprägtes Lipolymphödem, das sogar Hand- und Füßrücken bis zu den Fingern und Zehen erreichen kann. Auch die Stadien der Hautveränderung sind erfasst. Anfangs entstehen feine Knoten in der Hautoberfläche, die sogenannte Orangenhaut. Bei weiterem Fortschritt werden diese Knoten größer und es kommt zu größeren Dellen in der Haut. Im schlimmsten Fall entstehen unförmige Hautlappen.

Komplikationen

Als Lipödem werden übermäßig starke Wassereinlagerungen bezeichnet, die natürlich auch verschiedene Komplikationen hervorrufen können. In den meisten Fällen kommt es im Zusammenhang mit einem Lipödem zu einem langanhaltendem Schmerzen, die auch im Ruhezustand nicht nachlassen. Wird gänzlich auf eine Behandlung durch einen Arzt verzichtet, dann können werden sich die Wassereinlagerungen erheblich verstärken.

Die betroffene Person ist sehr stark eingeschränkt im täglichen Alltag, sodass dringend eine ärztliche und medikamentöse Behandlung erfolgen sollte. Mit den richtigen Medikamenten kann jedoch eine schnelle Besserung beziehungsweise vollständige Besserung und Genesung erzielt werden. In besonders schlimmen Fällen kann es sogar zu einer Entzündung kommen beziehungsweise zur Bildung eines Abszesses.

Ist ein Abszess oder besser gesagt die Bildung von Eiter zu erkennen, so sollte zeitnah ein Besuch bei einem Arzt stattfinden. Nur durch eine entsprechende Behandlung können diverse Komplikationen und Beschwerden gelindert beziehungsweise beseitigt werden. Wird an dieser Stelle gänzlich darauf verzichtet, dann besteht sogar die akute Gefahr von Folgeschäden. Wer dieses Risiko nicht eingehen möchte, der sollte bei ersten Anzeichen und Symptomen eines Lipödems einen Arzt aufsuchen.

Behandlung & Therapie

Lipödeme sind nicht heilbar, jedoch können die Symptome eingedämmt werden. Die Therapie basiert anfangs darauf, die auftretenden Schwellungen, die durch zusätzliche Ödeme entstehen, zu reduzieren. Dazu führt ein Physiotherapeut regelmäßige Lymphdrainagen durch. Zusätzlich können Kompressionsstrümpfe eingesetzt werden, die konsequent getragen werden müssen.

Da das vermehrte Fett in Beinen und Armen nicht von einer falschen Ernährung kommt, ist eine Diät beim Lipödem wenig hilfreich. Dennoch sollte zusätzliches Übergewicht vermieden werden, da es die Problematik verstärken kann. Bewegung kann die Symptome bei einem Lipödem lindern. Insbesondere Wassersportarten sind besonders zu empfehlen, da sie die Gelenke schonen und ähnlich wie eine Lymphdrainage wirken.

Langfristige Abhilfe schafft beim Lipödem lediglich eine Fettabsaugung. Die Kosten für eine Fettabsaugung beim Lipödem werden von den gesetzlichen Krankenkassen jedoch nicht übernommen. Auch eine homöopathische Behandlung des Lipödems kann einen Versuch wert sein. In der Alternativmedizin werden Schüssler Salze und Jojobaöl eingesetzt.

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Vorbeugung

Da das Lipödem genetisch oder hormonell verursacht wird, gibt es keine zuverlässige Methoden zur Vorbeugung. Lediglich die Risikofaktoren lassen sich eindämmen. Dazu zählen Alkoholkonsum und Rauchen. Auch eine allgemein gesunde Lebensweise mit einer ausgewogenen Ernährung und viel Bewegung kann wirksam sein. Falls ein Lipödem in der Zukunft auftritt, verringert ein niedrigeres Gewicht den Leidensdruck.

Das können Sie selbst tun

Ein Lipödem ist nicht heilbar. Jedoch können im Alltag einige Vorkehrungen getroffen werden, durch welche die Krankheit langsamer fortschreitet.

Das wichtigste Ziel im Alltag von Lipödem-Patienten ist, eine Zunahme an Fettgewebe zu vermeiden. Hierbei helfen eine gesunde Ernährung mit einer mäßig hohen Kalorienzahl und regelmäßige Bewegung. Zum einen hilft diese dabei, das Körpergewicht zu halten oder sogar abzunehmen. Zum anderen verringern Sport oder Bewegung das Ausmaß von Wassereinlagerungen im Gewebe. Besonders gut geeignet sind Ausdauersportarten. Zu gezieltem Muskelaufbau an den betroffenen Stellen ist hingegen nicht zu raten. Empfehlenswert sind gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen, Wassergymnastik, Fahrradfahren oder auch Walking.

Eine weitere Maßnahme, die Lipödem-Patienten selber treffen können, ist die richtige Hautpflege. Die Haut neigt an den betroffenen Körperstellen häufig zu kleinen Rissen, die sich infizieren und entzünden können. Das Risiko hierfür kann durch das Verwenden von unparfümierten, pH-neutralen Waschlotionen sowie durch regelmäßiges Eincremen verringert werden. Zudem ist es wichtig, dass Patienten mit einem Lipödem bei ihren Therapien gut mitwirken. Eine wesentliche Säule der Behandlung stellt die Entstauungstherapie dar. Durch sie soll überschüssige Flüssigkeit aus den Lymphen entfernt werden. Hierfür ist es wichtig, dass der Patient die verschriebenen Kompressionsstrümpfe im Alltag regelmäßig trägt.

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Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Greten, H., Rinninger, F., Greten, T. (Hrsg.): Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2010
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016

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