Limbische Enzephalitis

Letzte Aktualisierung am 19. April 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Bei der Limbischen Enzephalitis handelt es sich um eine Krankheit des Zentralnervensystems, die mit entzündlichen Prozessen verbunden ist. Der Begriff ‚Limbische Enzephalitis‘ umfasst eine Reihe verschiedener subakuter Erkrankungen, die das zentrale Nervensystem betreffen. Die Limbische Enzephalitis zeigt sich überwiegend bei erwachsenen Personen, die infolge der Krankheit an Beschwerden wie Epilepsie, Problemen der Psyche oder Gedächtnisschwierigkeiten leiden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Limbischen Enzephalitis?

Der Krankheitsbegriff stammt von mehreren Neurologen aus Großbritannien, die bei einigen erkrankten Menschen Entzündungen im Bereich des limbischen Systems identifizierten. Grundsätzlich ist die Limbische Enzephalitis bei circa 60 Prozent aller Patienten mit Krebs verbunden. Der medizinische Fachterminus dafür lautet paraneoplastische limbische Enzephalitis. Ebenso existieren nicht-paraneoplastische limbische Enzephalitiden, die in den meisten Fällen Krankheiten des menschlichen Immunsystems darstellen.

Ursachen

Die Ursachen der Limbischen Enzephalitis werden nach den zwei Subkategorien der Krankheit differenziert:

Bei der paraneoplastischen limbischen Enzephalitis handelt es sich um einen Erkrankungstyp, der oftmals durch Krebs ausgelöst wird. Bei über der Hälfte der betroffenen Personen entwickelt sich diese Form der Limbischen Enzephalitis in der Folge von Karzinomen. Die Entzündungsvorgänge treten dann als unmittelbares Resultat der Krebserkrankung auf.

Die Erkrankung an der nicht-paraneoplastischen limbischen Enzephalitis hingegen ist nicht auf maligne Tumore zurückzuführen. Stattdessen leiden die erkrankten Personen in diesem Fall an Krankheiten des körpereigenen Abwehrsystems. Möglich ist zudem, dass eine mögliche Krebserkrankung noch nicht diagnostiziert wurde.

Die genauen Gründe der Entstehung der Autoimmunstörung sind bisher nicht genügend erforscht. Bei einigen Patienten finden sich bestimmte Antikörper, die spezielle Strukturen des zentralen Nervensystems und der Neuronen angreifen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome der Limbischen Enzephalitis sind im überwiegenden Teil der Fälle relativ allgemein und treten auch bei einer Vielzahl von anderen Krankheiten auf. Aus diesem Grund ist eine Diagnose der Limbischen Enzephalitis häufig schwierig. Typischerweise erleiden die an der Limbischen Enzephalitis erkrankten Personen zum Beispiel Krampfanfälle epileptischer Art oder weisen Gedächtnisschwierigkeiten auf.

Hinzu kommen bei manchen Personen auch psychische Probleme, etwa Euphorie, Depressionen, Apathie oder Veränderungen der Persönlichkeit. Grundsätzlich zeigen sich bei den Symptomen keine Unterschiede zwischen der paraneoplastischen und der nicht-paraneoplastischen Form der Limbischen Enzephalitis.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Oft dauert es lange, bis die Limbische Enzephalitis korrekt diagnostiziert wird. Denn die typischen Beschwerden der Krankheit kommen auch bei diversen anderen Erkrankungen vor, da es sich in erster Linie um häufig auftretende Allgemeinsymptome handelt. Erst vor einigen Jahren wurden entsprechende Standards zur Diagnose der Krankheit festgelegt.

Dabei gilt in jedem Fall, dass die Patienten am sogenannten limbischen Syndrom leiden. Der Beginn dieses Phänomens liegt nicht mehr als fünf Jahre zurück. Entscheidende Kriterien bestehen in Affektstörungen, Schwierigkeiten beim Neugedächtnis sowie Anfällen der Temporallappen.

Der betroffene Patient wird in der Regel von einem Neurologen betreut und untersucht. Die Anamnese vor der Untersuchung klärt die individuellen Beschwerden in Verbindung mit dem Lebensstil der Person ab. Die Auskunft über eventuell bestehende chronische Krankheiten oder bestimmte Erkrankungen in der Vergangenheit des Patienten hilft dem Arzt, sich der vorliegenden Erkrankung anzunähern.

Relevant sind außerdem familiäre und genetische Dispositionen der Limbischen Enzephalitis bei dem betroffenen Patienten. Die klinische Untersuchung besteht in der Regel aus einer MRT-Untersuchung sowie histologischen Analysen. Anhand bestimmter Kriterien ist die Limbische Enzephalitis vergleichsweise eindeutig zu diagnostizieren.

Entscheidend ist dabei unter anderem der Nachweis einer sogenannten chronischen temporomedialen Enzephalitis. Bei labortechnischen Untersuchungen wird in erster Linie das Nervenwasser analysiert. Der sogenannte Liquor cerebrospinalis stammt aus einer Lumbalpunktion.

Bei der Limbischen Enzephalitis finden sich hier im überwiegenden Teil der Fälle Hinweise auf entzündliche Vorgänge. Charakteristisch für die Krankheit ist außerdem, dass sich die Lymphozyten vermehren, was auch als lymphozytäre Pleozytose bezeichnet wird. Mitunter werden auch oligoklonale Banden sowie Schrankenstörungen festgestellt.

Komplikationen

In den meisten Fällen wird diese Krankheit erst relativ spät diagnostiziert, sodass es auch erst zu einer späten Behandlung der Krankheit kommt. Ebenso sind die Beschwerden nicht besonders charakteristisch und können dabei auch mit verschiedenen anderen Erkrankungen auftreten. Die Betroffenen leiden dabei in der Regel an epileptischen Anfällen und an starken Muskelkrämpfen. Diese sind in den meisten Fällen mit starken Schmerzen verbunden.

Ebenso kann es zu einer Verwirrtheit des Patienten kommen und weiterhin auch zu Gedächtnisbeschwerden. Die Betroffenen können sich an Geschehnisse nicht mehr richtig erinnern und sind dadurch in ihrem Alltag deutlich eingeschränkt. Weiterhin führt die Krankheit auch zu Depressionen und zu anderen psychischen Verstimmungen. Auch die Persönlichkeit des Betroffenen kann sich durch die Krankheit negativ verändern, wobei es vor allem zu sozialen Beschwerden kommt.

Die Behandlung der Krankheit kann mit verschiedenen Medikamenten stattfinden. Nicht selten müssen auch die Angehörigen oder die Eltern behandelt werden, da es auch bei diesen nicht selten zu psychischen Beschwerden kommt. Eine vollständige Heilung kann in der Regel nicht durchgeführt werden. Besondere Komplikationen treten allerdings nicht auf.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei einem epileptischen Anfall ist grundsätzlich zur Abklärung der Ursache ein Arztbesuch notwendig. Krampfanfälle jeder Arzt sind von einem Arzt untersuchen und behandeln zu lassen. Kommt es zu Veränderungen der Gedächtnistätigkeit, Einschränkungen der gewohnten Merkfähigkeit oder kann erworbenes Wissen nicht wie gewohnt abgerufen werden, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Eine verringerte Leistungsfähigkeit oder leichte Ermüdbarkeit bei dem Abruf von Gedächtnisinhalten müssen von einem Arzt näher untersucht werden.

Werden wiederholt objektiv falsche Erinnerungen bemerkt oder leidet der Betroffene unter Gedächtnislücken, wird ein Arzt benötigt. Plötzliche Veränderungen der gewohnten Persönlichkeit des Betroffenen oder Auffälligkeiten seines üblichen Verhaltens, sollten von einem Arzt abgeklärt werden. Bemerken Personen aus dem nahen Umfeld starke Abwandlungen im Auftreten, in den Äußerungen oder den Einstellungen des Erkrankten, sollte ein Arzt alarmiert werden.

Ein sozialer Rückzug, depressive Stimmungen oder ein apathisches Verhalten gelten als besorgniserregend. Sie sind einem Arzt vorzustellen, sobald sie über mehrere Wochen anhalten oder an Intensität zunehmen. Ein stark euphorisches Auftreten ohne Grund oder eine erhöhte Reizbarkeit sind ebenfalls mit einem Arzt zu besprechen. Erlebt der Betroffene ein diffuses Krankheitsgefühl, ein allgemeines Unwohlsein oder Veränderungen in seiner Wahrnehmung, sind die Beschwerden mit einem Arzt zu besprechen.

Behandlung & Therapie

Bei beiden Formen der Limbischen Enzephalitis kommt zunächst eine Immuntherapie zum Einsatz. Schon ein Verdacht auf die Krankheit ist Anlass genug, entsprechende behandlungstechnische Maßnahmen einzuleiten. Sobald die MRT-Untersuchung Hinweise auf die Limbische Enzephalitis gibt, beginnt in zahlreichen Fällen auch die Immuntherapie.

Dabei werden in der Regel Substanzen wie Immunglobuline und Glukokortikoide verwendet. Darüber hinaus ist es möglich, die Limbische Enzephalitis mit Hilfe einer Plasmapherese zu behandeln. Sobald genauere Erkenntnisse über die im Einzelfall vorhandenen Antikörper oder Karzinome vorliegen, nimmt der Arzt entsprechende Änderungen in der Behandlung vor.

Wenn ein Tumor identifiziert wird, steht dessen Therapie im Fokus der Bemühungen. In Fällen ohne Krebs wird der Erfolg der Immuntherapie nach einem Vierteljahr ausgewertet. Bei ausbleibenden positiven Auswirkungen wird in der Regel die Art der Immuntherapie verändert. Wenn die Behandlung danach noch immer nicht den erwünschten Effekt zeigt, ist eine Weiterführung der Immuntherapie nur bei einer Limbischen Enzephalitis angebracht, die mit VGKC-Antikörpern in Verbindung steht.

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Vorbeugung

Die heutigen Möglichkeiten zur Prävention der Limbischen Enzephalitis sind begrenzt. Die bisher identifizierten Ursachen wie Autoimmunkrankheiten und Krebs stellen selbst pathologische Phänomene dar, die bisher nicht hinreichend erforscht sind. Patienten mit charakteristischen Symptomen der Limbischen Enzephalitis wird empfohlen, umgehend einen Facharzt zu konsultieren und den Ursprung der Beschwerden abklären zu lassen.

Das können Sie selbst tun

Patienten mit einer limbischen Enzephalitis haben keine Möglichkeit, um aus eigener Kraft eine Heilung der Erkrankung zu erzielen. Im Alltag können verschiedene Maßnahmen ergriffen werden, um eine Verbesserung des Wohlbefindens zu erzielen, aber eine Genesung ist nur in der Zusammenarbeit mit Ärzten gegeben.

Für eine Stärkung der Psyche helfen Gespräche mit Freunden und Vertrauten. Darüber kann der Patient seinen Emotionen Ausdruck verleihen und erhält eine Rückmeldung sowie wertvolle Tipps, die zu einer Änderung der eigenen Gedanken beitragen können. In Selbsthilfegruppen oder Foren können sich Erkrankte untereinander austauschen und ihre Erfahrungen miteinander teilen. Zusätzlich sind Entspannungsverfahren geeignet, um den Stress des Alltags abzubauen und eine innere Ruhe sowie Ausgeglichenheit zu erzeugen. Techniken wie Yoga, Meditation, autogenes Training oder Qi Gong kann der Patient eigenverantwortlich sowie in Kleingruppen anwenden und eine Stabilisierung des inneren Gleichgewichts erleben.

Mit einer positiven Grundeinstellung und einer grundsätzlich optimistischen Haltung gegenüber den Herausforderungen des Lebens, kann der Betroffene eine deutliche Verbesserung seiner Situation erzielen. Ausreichende Bewegung, verschiedene Freizeitaktivitäten und eine gesunde Lebensführung helfen bei dem Aufbau der Abwehrkräfte sowie der Überwindung der psychischen Beschwerden. Ausreichender Schlaf und die Vermeidung von schädlichen Einflüssen auf verschiedenen Ebenen können dem Patienten eine wertvolle Stütze bei der Bewältigung der Erkrankung sein.

Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Hacke, W.: Neurologie. Springer, Heidelberg 2010

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