Lidschluss

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. Januar 2017
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Beim Lidschluss treffen sich Ober- und Unterlid, bis die Lidspalte voll verschlossen und das Auge nicht mehr sichtbar ist. Am Lidschluss ist vor allem der siebte Hirnnerv der mimischen Muskulatur beteiligt, der das Auge so vor dem Austrocknen und vor gefährlichen Reizen mit Hilfe des Lidschlussreflexes schützt. Bei einer Lähmung des Nervs ist der Lidschluss unvollständig.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Lidschluss?

Neben einem Oberlid ist das menschliche Auge mit einem Unterlid ausgestattet. Zwischen den Lidern liegt die sogenannte Lidspalte, durch die das Auge sichtbar ist. Wenn sich Ober- und Unterlid treffen, ist die Lidspalte vollständig geschlossen und das Auge wird voll bedeckt. Die aktive Zusammenführung von Ober- und Unterlid wird auch als Lidschluss bezeichnet.

Das Auge des Menschen wird durch den Lidschluss geschützt und befeuchtet. Im Rahmen des sogenannten Lidschlussreflexes findet der Lidschluss auf bestimmte Reize hin automatisch, in Form eines Fremdreflexes, statt.

Der Lidschluss wird über die mimische Muskulatur vorgenommen und kann neben der reflexartig unbewussten Variante auch bewusst erfolgen, solange die Kontrolle über die mimische Muskulatur gegeben ist. Vor allem der Musculus orbicularis oculi und mit ihm der siebte Hirnnerv sind am bewussten und unbewussten Lidschluss beteiligt. Der Muskel ist zur Befeuchtung und zum allgemeinen Schutz der Hornhaut damit unersetzlich. In Form einer Benetzung mit Tränenflüssigkeit verhindert der Muskel beim Lidschluss, dass das Auge austrocknet. Der Begriff des Lidschlusses ist eher mit einem bewusstem, nicht-automatisierten Lidschluss assoziiert als mit dem zugehörigen Reflex.

Funktion & Aufgabe

Die Augen sind als visuelles Wahrnehmungssystem des Menschen eine der wichtigsten Wahrnehmungsinstanzen überhaupt. Im Laufe der Evolution haben sie dem Menschen mitunter das Überleben gesichert. Aus diesem Grund sind die Augen mit vielen unterschiedlichen Schutzfunktionen ausgestattet. Eine davon ist der Verschluss der Lidspalte. Durch den Lidschluss trocknen die Augen nicht aus. Der Lidschlussreflex hält zusätzlich Umweltgefahren vom Auge fern und findet auf Reize hin statt, die sich auf das Auge zubewegen.

Der Musculus orbicularis oculi ist für die Lidschluss-Funktion des Auges der wichtigste Muskel. Er liegt im Bereich der Orbitaöffnung und wird auch als Augenringmuskel bezeichnet. Kreisförmig umgibt er das Auge und umschließt so die Lidspalte. Der Muskel zählt zur mimischen Muskulatur und besteht aus drei verschiedenen Teilen. Der Pars orbitalis entspringt am Processus frontalis an der Maxima und dem Pars nasalis am Os frontale. Dieser Teil umgibt die Lidspalte. Der Pars palpebralis nimmt am Ligamentum palpebrale mediale seinen Ursprung und der Pars lacrimalis entspringt der Crista lacrimalis posterior, wo er die Tränensäcke umschließt. Die Innervation des Musculus orbicularis oculi erfolgt durch den Rami temporales und den Rami zygomatici des siebten Hirnnervs. Weil der Muskel mit dem Korium verwachsen ist, folgt die Haut seinen Bewegungen.

Beim Lidschluss treffen sich Ober- und Unterlid, bis die Lidspalte voll verschlossen und das Auge nicht mehr sichtbar ist.

Die reflexartige Lidschluss-Bewegung wird als Lidschlussreflex bezeichnet und entspricht einem Fremdreflex, der Afferenzen und Efferenzen nicht im gleichen Organ trägt. Der afferente Schenkel des Reflexes ist der Nervus ophthalmicus, falls taktile Reize den Lidschluss auslösen. Wenn dagegen optische Reizen, wie grelles Licht, an dem Schutzreflex beteiligt sind, bilden die Sehnerven den afferenten Schenkel. Nach der Umschaltung der Reize auf den Trigeminuskomplex werden sie über den Colliculus superior oder den Nucleus ruber ins Formatio reticularis geleitet, von wo aus sie ins Reflexzentrum des Hirnstamms wandern und so den Fazialiskern erreichen. Der efferente Schenkel des Reflexes ist der siebte Hirnnerv, der als Antwort auf die Reize die Kontraktion des Musculus orbicularis oculi hervorruft. Der Lidschlussreflex findet immer auf beiden Augen statt. Das gilt auch dann, wenn nur eines der Augen von einem Reiz bedroht wird.

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Krankheiten & Beschwerden

Der Ausfall des Musculus orbicularis oculi ist eine der deutlichsten Beschwerden, die im Zusammenhang mit dem Lidschluss auftreten kann. Ein solcher Teil- oder Komplettausfall ist die Folge aus einer Lähmung der mimischen Muskulatur und wird dementsprechend vor allem durch den Ausfall des Nervus Facialis hervorgerufen. Eine Lähmung dieses Nervs ist eine periphere Lähmung und kann beispielsweise im Rahmen einer Polyneuropathie oder einer Nervenverletzung auftreten. Einer Polyneuropathie kann wiederum Vitaminmangel, eine zurückgelegene Infektion oder eine Vergiftung als primäre Ursache zugrunde liegen.

Bei einer Lähmung des siebten Hirnnervs entspricht das symptomatische Bild einem unvollständigen Lidschluss, der als sogenannter Lagophthalmus bekannt ist. Durch den unvollständigen Lidschluss trocknet in vielen Fällen die Hornhaut aus und lässt eine sogenannte Xerophthalmie entstehen. Patienten mit unvollständigem Lidschluss nehmen die Beschwerden daher meist als Brennen oder Fremdkörpergefühl am Auge wahr.

Manchmal bildet sich im Rahmen eines unvollständigen Lidschlusses auch eine Keratitis e lagophthalmo. Dabei handelt es sich um eine Entzündung der Hornhaut, die in einigen Fällen Geschwüre hervorruft. Diese Geschwüre sind auch als Hornhautulci bekannt. Wenn sich der Patient trotz Geschwür am Lidschluss versucht, tritt das Bell'sche Phänomen in Erscheinung. Der Augapfel dreht sich temporal nach oben.

Neben peripheren Lähmungen des siebten Hirnnervs können zum Beispiel Narben einen unvollständigen Lidschluss hervorrufen. Bei Narbengewebe in diesem Bereich verkürzen sich die Augenlider und treffen sich aus diesem Grund nicht mehr, da sie sich längenmäßig nicht erreichen. Weitere Ursachen für unvollständigen Lidschluss sind Exophthalmus, Koma oder ein Ektropium. Bei letzterem Krankheitsbild handelt es sich um eine Fehlstellung des Lids, die den unzureichenden Lidschluss hervorruft.

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