Lichen simplex chronicus

Letzte Aktualisierung am 20. Februar 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Lichen simplex chronicus ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die sich im Erwachsenenalter zeigt. Am häufigsten sind Menschen im Alter zwischen Anfang 20 bis 60 Jahren betroffen, wobei Frauen deutlich anfälliger sind als Männer. Im folgenden Artikel werden Ursachen, Symptome, Beschwerden, Diagnose und Krankheitsverlauf sowie Behandlungsmöglichkeiten durch verschiedene Therapien näher erläutert.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Lichen simplex chronicus?

Lichen simplex chronicus ist eine chronische, juckende Entzündung der oberen Hautschichten, die in Schüben verläuft. Sie zählt zu den chronischen ekzematösen Hautkrankheiten und tritt auch oft unter dem Namen Neurodermitis cirumscripta, Lichen chronicus vidal oder Vidal-Krankheit auf.

Ursachen

Genauer Ursachen sind derzeit noch nicht vollständig geklärt. In den meisten Fällen tritt die die ekzematöse Entzündung der Haut als Folge einer Arzneimittelreaktion oder Allergie auf. Untersuchungen weisen aber auch auf Juckreiz auslösende systemische Erkrankungen durch Diabetes mellitus, Lebererkrankungen, Magen-Darm-Störungen, Niereninsuffizienz oder anderen Grunderkrankungen sowie durch Umweltfaktoren infolge Kälte, Hitze, Luftverschmutzungen oder unspezifischen Reizstoffen hin.

Des Weiteren spielen psychosomatische Faktoren als Auslöser eine durchaus wesentliche Rolle. Bisher wurde davon ausgegangen, dass Menschen, die über eine längere Dauer psychischen Belastungen und großem Stress ausgesetzt sind, besonders anfällig für Lichen simplex chronicus sind.

Eine klinische Studie untersuchte daraufhin den Zeitraum der Schübe, in denen die Krankheit mit seinen Symptomen besonders aktiv war. Dabei kristallisierten sich auch Perioden mit relativer Entspannung und Inaktivität heraus. Demzufolge steht fest, dass der unwillkürliche Kratzmechanismus auch bei vom Juckreiz ablenkenden Aspekten gegeben ist.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Lichen simplex chronicus äußert sich durch unentwegten starken Juckreiz, der auch durch Kratzen nicht gelindert wird, sondern weitere Kratzattacken provoziert. Dabei entsteht ein noch stärkerer Juckreiz. Diesen Teufelskreis von Juckreiz und Kratzen nehmen viele Betroffene gar nicht mehr wahr. Sie handeln wie in Trance und kratzen manchmal selbst ohne ersichtlichen Grund.

Die Erkrankung kann überall am Körper auftreten. Störungen durch Lichen simplex chronicus zeigen sich vorzugsweise auf Brust- und Nackenbereich, an Armen, Beinen, Kniekehlen, auf der Kopfhaut und am Hals, aber auch im Genitalbereich. Situationen von Angstzuständen oder Depressionen begünstigen die Reaktion des übermäßigen Kratzens und das Hautbild verschlimmert sich.

Im Frühstadium hat die Haut noch ein normales Aussehen. Sie beginnt zu jucken und im weiteren Verlauf trocken und schuppig zu werden. Durch das Reiben und Kratzen entwickeln sich auf der Haut streifenförmige Veränderungen, die an Größe zunehmen. Es bilden sich erbsengroße, rötlichbraun bis graubraune Papeln, die sich auf der flächenhaft lederartigen Verdickung der Haut (Lichenifikation) als meist zerkratzte lichenartige Knötchen vermehren.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Um Lichen simplex chronicus sicher diagnostizieren zu können, müssen Hautkrankheiten, die ähnliche Symptome aufweisen, ausgeschlossen werden. Dazu zählen beispielsweise allergisches Kontaktekzem, atopisches Ekzem oder Lichen ruber planus. Tritt der Juckreiz jedoch im Vaginal oder Analbereich auf, können hierfür Pilze, lokaler Ausfluss, Warzen, Schuppenflechte und Kontaktdermatitis verantwortlich sein. Der Arzt wird dazu die nötigen Untersuchungen einleiten.

Schon während der Anamnese müssen dem Arzt alle in Kenntnis befindlichen Details über familiäre Gegebenheiten, Krankheiten oder auch bestehende psychischen Leiden mitgeteilt werden. Neben einer Differenzialdiagnostik auf dem medizinischen Gebiet bringt meist der histologische Befund Klarheit über das tatsächliche Vorliegen von Lichen simplex chronicus.

Dabei wird an der betreffenden Stelle mittels Biopsie eine Gewebeprobe entnommen und histologisch analysiert. Die Diagnose bei Patienten mit starken Symptomen ist ohne Schwierigkeit aus dem chronischen Verlauf und den entzündlichen Erscheinungen der typischen Lichenknötchen zu erkennen.

Komplikationen

Durch Lichen simplex chronicus leiden die Betroffenen in den meisten Fällen an einem sehr starken Juckreiz. In der Regel wird dieser Juckreiz nur noch verstärkt, wenn sich der Betroffene an der jeweiligen Stelle kratzt. Die Lebensqualität der Patienten wird durch Lichen simplex chronicus erheblich verringert.

Ebenso kann diese Krankheit zu psychischen Beschwerden führen, da der Juckreiz dauerhaft auftritt. Mitunter treten Rötungen auf der Haut auf. Vor allem im Bereich des Kopfes und des Gesichtes sind diese Beschwerden sehr unangenehm und können dabei auch zu Minderwertigkeitskomplexen oder zu einem verringerten Selbstwertgefühl führen. Weiterhin treten nicht selten auch Depressionen auf.

Die Haut wird durch Lichen simplex chronicus deutlich geschädigt und wirkt dabei trocken und schuppig. Weiterhin führt diese Erkrankung zur Ausbildung von Papeln und Pusteln, die die Haut an verschiedenen Stellen bedecken können. Ebenso kann die Krankheit den Schlaf des Patienten negativ beeinflussen und damit zu einer Gereiztheit führen.

Die Behandlung dieser Krankheit erfolgt mit Hilfe von Medikamente. Sie führt in der Regel zu einem positiven Krankheitsverlauf. Besondere Komplikationen treten dabei nicht auf. Auch die Lebenserwartung des Patienten wird durch Lichen simplex chronicus in der Regel nicht verringert oder beeinflusst.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Leidet der Betroffene unter einem starken anhaltenden Juckreiz auf der Haut, sollte er einen Arzt aufsuchen. Kommt es zu keiner Linderung der Beschwerden trotz des Kratzens der betroffenen Körperstellen, ist dies eine Besonderheit und ein Hinweis auf die Lichen simplex chronicus. Ein Arztbesuch ist notwendig, bevor es zu weiteren Erkrankungen oder Komplikationen kommt. Über die vorhandenen Wunden können Krankheitserreger in den Organismus gelangen und weitere Krankheiten auslösen. Ein Arztbesuch ist daher erforderlich, sobald der Betroffene keine ausreichende Wundversorgung gewährleisten kann. Bei weiteren Veränderungen des gewohnten Hautbildes oder einer Ausbreitung der vorhandenen Beschwerden wird ein Arzt benötigt.

Bildet sich Eiter, droht dem Betroffenen eine Blutvergiftung. Ein Arztbesuch ist notwendig, damit es zu keinem lebensbedrohlichen Zustand kommt. Bei Fieber, Schmerzen oder Schweißausbrüchen sollte unverzüglich ein Arzt konsultiert werden. Stellen sich diffuse Ängste aufgrund der Beschwerden ein oder kommt es zu Stimmungsschwankungen des Betroffenen, ist ein Arztbesuch anzuraten. Ein depressives Verhalten gilt als besorgniserregend und muss abgeklärt werden. Ein Arzt ist aufzusuchen, sobald die Verhaltensauffälligkeiten über mehrere Wochen oder Monate anhalten. Entwickelt sich allmählich ein trockenes oder schuppiges Hautbild, sollte ein Arztbesuch erfolgen. Bilden sich Pappeln oder andere Schwellungen auf der Haut, ist die Abklärung der Hautveränderungen durch einen Arzt anzuraten.

Behandlung & Therapie

Die Therapie der Erkrankung erweist sich oft als sehr komplex, was für Betroffenen allein schon eine zusätzliche und frustrierende Belastung darstellt. Das Behandlungsziel besteht jedoch immer darin, den Juckreiz zu minimieren und in dessen Folge das Ekzem zu beseitigen. Hier helfen allgemeine Maßnahmen zur Lokalanwendung von Feuchtigkeitscreme, Kortikosteroide oder eine Veränderung des Lebensstils.

In Ausnahmefällen wirken leichte Schlafmittel unterstützend, um den lästigen Juckreiz einzudämmen oder ein Antihistaminikum, welches vor dem Schlafengehen eingenommen wird. So wird drohenden Schlafstörungen oder Schlafmangel vorgebeugt, die nicht selten auch Auslöser von psychischen Leiden sind.

Bei psychischen Belastungen als Folge von Lichen simplex chronicus ist es empfehlenswert, noch vor Beginn einer klinischen Therapie einen Psychologen zu Rate zu ziehen, um eventuell mögliche seelische Ursachen erkennen zu können. Juckreiz im Genitalbereich ist besonders unangenehm. Hier sind regelmäßige Anwendungen von Sitzbädern mit gerbenden Zusätzen oder Anwendungen mit Salben auf Steinkohleteerbasis sowie Pasten mit Zinkoxid hilfreich und können eine beträchtliche Linderung erzielen.

Heilsame Ergebnisse bei der Behandlung von Hauterkrankungen erzielen oft Klimatherapien. Es heißt: Je größer der Unterschied im Klima ist, desto günstiger sind die heilenden Auswirkungen für das Krankheitsbild! Demzufolge ist ein Aufenthalt im Mittelgebirge weniger erfolgreich als die Durchführung einer Therapie im Hochgebirge oder direkt an der Nordsee, wo das ultraviolette Licht besonders intensiv ist.

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Vorbeugung

Die chronische und wiederkehrende Erkrankung Lichen simplex chronicus ist für Betroffene meist ein lebenslanger Begleiter. Die Auswirkungen der Symptome sind auf medizinischem Wege jedoch positiv beeinflussbar. Im täglichen Alltag sollte der Patient stets darauf achten, die betroffenen Hautstellen nicht unnötig zu reizen, indem keine aggressiven Kosmetikprodukte verwendet oder kratzende Kleidungsstücke getragen werden. Aufenthalte an der frischen Luft und Sonneneinstrahlung in Maßen sind für eine Linderung oder schnellere Abheilung hingegen empfehlenswert.

Das können Sie selbst tun

Patienten mit Lichen simplex chronicus leiden durch den Juckreiz und die durch das Kratzen entstehenden Hautschädigungen unter einer starken Einschränkung der gewohnten Lebensqualität. Die wichtigste Selbsthilfemaßnahme für die Betroffenen ist daher, sich die Krankheit bewusst zu machen und den Entschluss zu fassen, eine ärztliche Behandlung einzuleiten. Denn zahlreiche Patienten mit der Erkrankung kratzen sich tranceartig und verstärken den Teufelskreis von Juckreiz und Hautverletzungen immer weiter.

Der Hautarzt verschreibt gegen die Beschwerden Medikamente und Salben, die vom Patienten meist täglich anzuwenden sind. Solange die Behandlung der Krankheit noch nicht abgeschlossen ist und sich sichtbare Veränderungen auf der Haut zeigen, leiden die Betroffenen oftmals unter Scham wegen des kosmetischen Makels.

Um die Heilung zu beschleunigen, befolgt der Betroffene die ärztlichen Anweisungen hinsichtlich Körperpflege, Verwendung von Kosmetika und Kleidung, die möglichst aus hautverträglichen Fasern bestehen sollte.

Zentral für den Erfolg der Behandlung der Krankheit ist auch, den oftmals psychischen Auslöser für den Juckreiz zu finden. Auch hier spielen die Patienten selbst die wichtigste Rolle, die sich seelische Beschwerden zunächst einmal selbst eingestehen müssen. Anschließend wenden sie sich an einen Psychologen, um die entsprechenden Probleme zu bearbeiten und das seelische Gleichgewicht wiederherzustellen.

Bücher über Hautkrankheiten

Quellen

  • Abeck, D.: Häufige Hautkrankheiten in der Allgemeinmedizin. Springer, Berlin Heidelberg 2011
  • Dirschka, T., Hartwig, R.: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2011
  • Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010

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