Leydig-Zwischenzellen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. November 2016
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Die Leydig-Zwischenzellen befinden sich zwischen den Samenkanälchen der Hoden und produzieren das männliche Sexualhormon Testosteron. Sie sind somit für die sekundären Geschlechtsmerkmale des Mannes und die Aufrechterhaltung aller Sexualfunktionen verantwortlich.

Inhaltsverzeichnis

Was sind die Leydig-Zwischenzellen?

Die Leydig-Zwischenzellen wurden nach ihrem Entdecker Franz von Leydig benannt. Sie sind in den Zellzwischenräumen (Interstitium) der Hoden befindlich und machen etwa 10 bis 20 Prozent der Hodenmasse aus. Ihre Aufgabe ist es, das Sexualhormon Testosteron zu bilden. Die Testosteronproduktion hat zwei Höhepunkte.

So werden die Leydig-Zwischenzellen durch die Stimulierung mit dem Schwangerschaftshormon Choriongonadotropin ab der achten Schwangerschaftswoche zur Bildung von Testosteron angeregt. Dabei bilden sich die männlichen Sexualmerkmale aus. Nach ihrer Ausdifferenzierung wird ab dem sechsten Schwangerschaftsmonat zunächst kein Testosteron mehr produziert. Die zweite Phase der Hormonproduktion beginnt mit der Pubertät. Zur Identifizierung von Hodengewebe wird der sogenannte Leydig-Zell-Stimulationstest durchgeführt. Dabei wird das zu untersuchende Gewebe mit dem humanen Choriongonadotropin versetzt. Wenn Leydig-Zwischenzellen vorhanden sind, wird Testosteron gebildet, was dann nachgewiesen werden kann.

Anatomie & Aufbau

Wie bereits erwähnt, sind die Leydig-Zwischenzellen die wichtigste Zellart der Hoden. Sie sind zwischen den Hodenkanälchen im Interstitium anzutreffen und stellen große, azidophile Zellen dar. Ihr Zellkern ist hell und rundlich. In ihren Zellen sind viele Mitochondrien enthalten. Sie sind gruppenweise zwischen den Samenkanälen der Hoden angeordnet. Meist befinden sie sich in der Nähe der Kapillaren. Die Zellen zeichnen sich außerdem durch das Vorhandensein von Lipidtröpfchen und viel endoplasmatischem Reticulum aus.

Das deutet auf die Produktion von Steroidhormonen hin. Neben Testosteron wird dort auch noch Dihydrotestosteron (DHT), Dihydroepiandrosteron (DHEA) und Östradiol gebildet. Im Zytoplasma kommen zuweilen sogenannte Reincke-Kristalle aus kristallinen Proteinablagerungen vor. Die Bedeutung der Reincke-Kristalle ist noch nicht geklärt. Es scheint sich jedoch um Abfallprodukte zu handeln. Die durch das Testosteron angeregte Spermienproduktion findet in den Hodenkanälen statt. Sie sind durch Sertolizellen geschützt und durch Hodenbindegewebe, in welchem sich die Leydig-Zwischenzellen befinden, getrennt.

Funktion & Aufgaben

Die wichtigste Funktion der Leydig-Zwischenzellen ist es, Testosteron neben einer geringen Menge anderer Sexualhormone zu produzieren. Die Ausgangssubstanz für die Hormonsynthese ist Cholesterin. Über das Blut erreicht das Testosteron die Geschlechtsorgane, Haut und Prostata. Dort wird es in Dihydrotestosteron umgewandelt. Im Fettgewebe und der Leber wird aus Testosteron das weibliche Sexualhormon Östradiol hergestellt. Deshalb kommt es bei übergewichtigen Männern oftmals zu einer gewissen Verweiblichung, wobei sich auch ihre Brust vergrößern kann.

Testosteron bestimmt in erster Linie die Entwicklung und Funktion der männlichen Geschlechtsorgane sowie die Reifung der Spermien. Des Weiteren fördert es das Wachstum, beeinflusst den Körperbau, den Behaarungstyp, die Aktivität der Talgdrüsen oder die Größe des Kehlkopfes. Während der Pubertät bekommen deshalb männliche Jugendliche durch die erhöhte Talgproduktion oft Akne. Der normale Geschlechtstrieb und die Potenz des Mannes sind von Testosteron abhängig. Es ist auch verantwortlich für die verstärkte Blutbildung und den Muskelaufbau. Deshalb wird es missbräuchlich oft auch als Doping-Mittel verwendet. Nicht zuletzt erzeugt Testosteron oft auch eine gewisse Aggressivität, die als männliche Eigenschaft angesehen wird. Die Produktion von Testosteron in den Leydig-Zwischenzellen wird vom Hypothalamus und der Hypophyse kontrolliert.

Bei einem höheren Bedarf an Testosteron produziert der Hypothalamus das Hormon Gonadotropin-releasing Hormon (GnRH). Dieses Hormon regt wiederum die Hypophyse, speziell den Hypophysenvorderlappen, zur Bildung der regulierenden Hormone FSH (Follikel-stimulierendes Hormon) und LH (luteinisierendes Hormon) an. LH stimuliert dann die Leydig-Zwischenzellen zur Bildung von Testosteron. Im Zusammenwirken mit FSH fördert Testosteron nun die Entwicklung und Reifung der Spermien. Im Rahmen einer negativen Rückkopplung wird die Produktion von GnRH, FSH und LH gestoppt, wenn genügend Testosteron vorhanden ist. Diese Rückkopplung wird von der in den Sertoli-Zellen gebildeten Substanz Inhibin an Hypothalamus und Hypophyse gemeldet. Die Leydig-Zwischenzellen reduzieren daraufhin wieder die Testosteron-Produktion.

Krankheiten

In den Leydig-Zwischenzellen kann es zu Störungen der Produktion von Testosteron kommen. Meist handelt es sich dabei um eine Unterproduktion. Diese reduzierte Testosteron-Produktion wird als Hypogonadismus bezeichnet. Dabei muss zwischen einem primären und einem sekundären Hypogonadismus unterschieden werden. Beim primären Hypogonadismus sind die Leydig-Zwischenzellen aufgrund krankhafter Veränderung oder gar durch ihr Fehlen nicht in der Lage, genügend oder überhaupt Testosteron zu produzieren.

Die Hoden können durch verschiedene Einflüsse, wie Entzündungen, Tumoren, Unfälle, Bestrahlungen, Operationen oder Medikamente geschädigt werden. Manchmal fehlen sie sogar bereits von Geburt an. So kann beispielsweise eine Infektion mit Mumps die Hoden so zerstören, dass keine Hormonbildung mehr möglich ist. Manchmal führt auch eine genetische Erkrankung, wie das Klinefelter-Syndrom, zum Hypogonadismus. Beim Klinefelter-Syndrom ist ein X-Chromosom zu viel vorhanden. Der sekundäre Hypogonadismus wird durch Erkrankungen im Hypothalamus oder der Hypophyse ausgelöst.

Wenn die Produktion der Hormone LH, FSH oder GnRH gestört ist, können die Leydig-Zwischenzellen auch nicht mehr ausreichend zur Testosteron-Synthese angeregt werden. Die Symptome eines Testosteronmangels sind abhängig davon, in welchem Lebensalter der Hypogonadismus auftritt. Besteht er bereits im Kindes- oder Jugendalter, kommt es nur sehr verzögert oder gar nicht zur Ausbildung der männlichen Geschlechtsmerkmale. Wenn sich der Testosteronmangel erst in späteren Jahren einstellt, treten neben Impotenz sehr unspezifische Symptome auf. Da die Leistungsfähigkeit der Leydig-Zwischenzellen im Laufe des Lebens abnimmt, ist ein Hypogonadismus im höheren Lebensalter typisch.

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