Leukozyten-Apherese

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 23. November 2016
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Bei der Apherese wird mittels eines Schlauchsystems das Blut eines Patienten in eine Zentrifuge geleitet, wo sich durch die Schwerkraft die einzelnen Blutbestandteile des Plasmas in verschiedene Schichten trennen. Auf diese Weise können bei einer Leukozyten-Apherese zum Beispiel gezielt Leukozyten aus dem Blut des Patienten "gewaschen" werden. Dieses Verfahren ist beispielsweise im Rahmen von Autoimmunerkrankungen relevant.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Leukozyten-Apherese?

Das therapeutische Verfahren der Apherese wird umgangssprachlich als Blutwäsche bezeichnet. Das Blut wird dabei von überzähligen Bestandteilen gereinigt. Das Verfahren findet extrakorporal und damit außerhalb des Patientenkörpers statt, indem die krankmachenden Substanzen ähnlich wie bei einer Dialyse über einen Katheter entfernt werden.

Bei den pathogenen Substanzen kann es sich um Proteine, proteingebundene Stoffe oder ganze Zellen handeln, die im Blutplasma vorliegen. Der Patient erhält das gereinigte Blut nach der Säuberung wieder zurück. Die Leukozyten-Apherese ist eine Unterform der Apherese, bei der es um die Säuberung des Plasmas von Leukozyten geht. Dabei handelt es sich um weiße Blutzellen die mitunter an der Abwehr von Krankheitserregern oder anderen körperfremden Strukturen beteiligt sind. Leukozyten sind damit ein Teil des Immunsystems. Eine Apherese der Immunzellen ist vor allem dann erforderlich, wenn die Zellen in einer ungewöhnlich hohen Konzentration vorliegen und dem Patienten schaden. Das kann zum Beispiel im Rahmen von autoimmunologischen Reaktionen der Fall sein.

Funktion, Wirkung & Ziele

Die Leukozyten-Apherese finden zur Behandlung unterschiedlicher Autoimmunerkrankungen statt. So kann das Therapieverfahren zum Beispiel im Rahmen von Multiple Sklerose zum Einsatz kommen und hat sich als Therapie für akute Schübe bereits etabliert, so vor allem an Patienten mit abnormen Reaktionen auf Kortison.

Autoimmunologische Prozesse sind gegen körpereigenes Gewebe gerichtet und rufen in diesem Gewebe Entzündungen hervor. Bei der Leukozyten-Apherese werden überzählige Leukozyten aus dem Blutplasma des Patienten entfernt, um beispielsweise autoimmunologische Entzündungen zu bekämpfen. Therapeutische Apherese hat sich bereits in verschiedenen Formen etabliert. Neben der unselektiven zur vollständigen Substituierung des Plasmas existiert die selektive Plasmapherese, bei der eine Filtration oder Adsorption pathogene und überzählige Substanzen vom Plasma trennt und das gereinigte Plasma wieder zurück in den Körper des Patienten führt.

Das therapeutische Verfahren der Apherese wird umgangssprachlich als Blutwäsche bezeichnet. Bei einer Leukozyten-Apherese können zum Beispiel gezielt Leukozyten aus dem Blut des Patienten "gewaschen" werden.

Die Leukozyten-Apherese entspricht damit einer selektiven Apherese. Bei dem Apherese-Verfahren wird das Blut des Spenders mittels Katheter aus einer Vene entnommen, so zum Beispiel der Bein- oder Halsvene. An den Katheter wird ein geschlossen steriles Schlauchsystem angeschlossen, das je nur einmal verwendbar ist. Das Blut fließt in das Schlauchsystem und wird dort mit einer geringen Menge Antikoagulanz-Lösung durchsetzt, um eine Blutgerinnung innerhalb des Systems zu verhindern. Mischung aus Blut und Antikoagulanz wandert über das Schlauchsystem in eine Zentrifuge, die ein künstliches Schwerefeld erzeugt. Die Blutbestandteile trennen sich in diesem Feld abhängig von ihrer Dichte in einzelne Schichten auf.

Auf diese Weise können die Leukozyten abgesammelt werden. Alle anderen Blutbestandteile erhält der Patient über das geschlossene Schlauchsystem wieder zurück. Die Dauer des Apherese-Verfahrens kann bis zu zwei Stunden in Anspruch nehmen. Apherese-Verfahren werden ausschließlich stationär durchgeführt und erfordern eine regelmäßige Kontrolle des Plasmas, da bei der Apherese unter Umständen weitere Blutbestandteile ausgewaschen werden, die dann ersetzt werden müssen.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Für den Patienten sind Apherese-Verfahren in den meisten Fällen wenig belastend. Die mitunter häufigsten Nebenwirkungen sind Reaktionen auf das verabreichte Antikoagulanz wie beispielsweise ein metallischer Geschmack im Mund und ein kribbelndes Gefühl an den Lippen oder den Extremitäten. Nur in den seltenen Fällen tritt Übelkeit auf.

Auch ein Kältegefühl ist während des Verfahrens denkbar. Kreislaufschwachen Patienten wird nach der Leukozyten-Apherese dazu geraten, sich nicht zu stürmisch aufzusetzen oder gar übereilt aufzustehen. Der Kreislauf des Patienten soll sich nach der Apherese zumindest fünf Minuten erholen. Nur in Extremfällen treten nach der Apherese Ohnmachtsanfälle ein. Ein Extremfall liegt auch dann vor, wenn das Antikoagulanz von der Leber des Patienten nicht ausreichend abgebaut wird. In einem solchen Fall kann die Leukozyten-Apherese die Blutgerinnung dauerhaft einschränken. In solchen Fällen besteht vorübergehend Blutungsneigung und die Gerinnung muss durch Spenderblut wieder normalisiert werden.

Das ist auch dann der Fall, wenn zu viele physiologisch nötige Substanzen zusammen mit den Leukozyten aus dem Blut entfernt wurden. Da die Leukozyten eine immunologische Funktion erfüllen, müssen nach der Apherese noch genügend Leukozyten im Blut vorhanden sein, um den Patienten vor Krankheitserregern zu schützen. Leukozyten werden ständig nachproduziert. Im Normalfall sind die Patienten also nicht von einer dauerhaften Beeinträchtigung des Immunsystems betroffen. Während der Therapie sind sie allerdings meist anfälliger für Infektionen. Sollten aus unbekannten Gründen Leukozyten nicht in ausreichendem Maß nachproduziert werden, ist auch in diesem Zusammenhang eine Substitution durch eine Spende erforderlich.

Eine Besonderheit der Leukozyten-Apherese ist ihre Einsatzfähigkeit im Rahmen von Leukozytenspenden. So kann einem gesunden Menschen mittels des Verfahrens eine gewisse menge an Spendersubstanz entnommen werden. Anders als die Vollblutspende kann die Apherese die zu spendenden Blutbestandteile einzeln und in hoher Reinheit gewinnen. Aphereseverfahren sind daher auch im Zusammenhang mit Spendern relevant und gelten als die einzigen Verfahren, um von einem Spender in ausreichender Menge bestimmte Blutbestandteile gewinnen zu können. In diesem Zusammenhang profitiert zum Beispiel die moderne Krebstherapie von Apherese-Verfahren. Die Apheresetechnik ermöglicht im Rahmen der modernen Krebstherapie zum Beispiel die Transplantationen von Blut-Stammzellpräparaten.

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