Leistenkanal

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. November 2016
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Der Leistenkanal ist eine röhrenförmige Verbindung zwischen der Bauchhöhle und der äußeren Schamgegend. Beim Mann verläuft hier der Samenstrang, bei der Frau nur ein Halteband des Uterus und Fettgewebe. Treten durch den Leistenkanal Teile des Darms nach außen, spricht man von einem Leistenbruch.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Leistenkanal?

Der Leistenkanal (Canalis inguinalis) ist vier bis sechs Zentimeter lang. Er verläuft röhrenförmig von der Bauchhöhle ausgehend durch die Bauchwand schräg nach vorne. Sowohl bei Männern als auch bei Frauen verlaufen durch den Leistenkanal der Nervus genitofemoralis und der Nervus ilioinguinalis, zwei Nerven, die Teile des Oberschenkels, der Bauchmuskulatur sowie der äußeren Geschlechtsteile innervieren. Zudem passieren die Lymphgefäße des Leistenlymphknotens den Leistenkanal.

Anatomie & Aufbau

Das Dach des Leistenkanals wird durch den inneren schrägen Bauchmuskel (Musculus obliquus internus abdominis) und den queren Bauchmuskel (Musculus transversus abdominis)gebildet. Der Boden des Leistenkanals besteht aus den Fasern des Leistenbandes (Ligamentum reflexum). Dieses zieht vom vorderen oberen Darmbeinstachel zum Schambein und bildet eine Begrenzung der Bauchwand.

Ein Teil des äußeren schrägen Bauchmuskels, des Musculus obliquus externus abdominis, stellt zugleich eine untere und vordere Begrenzung des Leistenkanals dar, sodass eine schräg zur Mitte verlaufende bindegewebige Rinne entsteht. Die Hinterwand des Leistenkanals wird aus der inneren Bauchwandfaszie, der Fascia transversalis, einer bindegewebigen Hülle, die die Innenseite der Bauchwand überzieht, gebildet. Der Leistenkanal beginnt an der Fossa inguinalis profundus, einer flachen Grube auf der Innenseite der Bauchwand, und endet seitlich des Schambeins (Os pubis) am Knochenhöckerchen Tuberculum pubicum. Der Leistenkanal verfügt über eine innere und eine äußere Öffnung.

Die innere Öffnung, auch als innerer Leistenring oder Anulus inguinalis profundus bezeichnet, liegt oberhalb des Leistenbandes. Sie ist durch eine Einziehung des Processus vaginalis von innen erkennbar. Beim Mann zieht sie als Fascia spermatica interna, also als eine dünne den Samenstrang umhüllende Faszie, in Richtung Hoden. Als äußeren Leistenring, Anulus inguinalis superficialis, bezeichnet man eine schlitzförmige Öffnung, die sich in der Sehnenplatte des Musculus obliquus externus abdominis, also dem äußeren schrägen Bauchmuskel, befindet.

Die äußere Öffnung des Leistenkanals ist von der oberflächlichen Bauchfaszie bedeckt, welche sich beim Mann ebenso wie die Fascia spermatica interna um den Samenstrang legt. Hier spricht man allerdings von der Fascia spermatica externa.

Funktion & Aufgaben

Beim männlichen Fötus verlagern sich die Hoden aus der Bauchhöhle, wo sie sich ursprünglich entwickeln, durch den Leistenkanal in den Hodensack. Dabei stülpt der Hoden sämtliche Schichten der Bauchwand mit aus. Diese Ausstülpung umhüllt den Hoden und wird auch als Scheidenhautfortsatz oder Processus vaginalis bezeichnet. Die mit ausgestülpten Schichten der Bauchwand bilden im Leistenkanal dann den Samenstrang (Funiculus spermaticus).

Im Samenstrang verlaufen Blutgefäße wie die Arteria testicularis, die Vena testicularis, die Arteria ductus deferentis und die Vena ductus deferentis. Zudem verlaufen verschiedene Nerven wie der Plexus testicularis und der Plexus ductus deferentis sowie der Ramus genitalis durch den Funiculus spermaticus.

Bei Frauen verläuft das Gebärmutterband, das Ligamentum teres uteri, durch den Leistenkanal bis hin zu den Schamlippen. Dabei wird es von einer versorgenden Arterie, der Arteria ligamenti teretis uteri, begleitet. Das Gebärmutterband dient der Befestigung der Gebärmutter und wird im Leistenkanal von Fettgewebe zusätzlich gestützt. Der beim Mann noch vorhandene Processus vaginalis bildet sich bei der Frau im Normalfall zurück. Tut er dies nicht, bezeichnet man das als weibliche Hydrozele oder als Nuck-Zyste. Diese Anomalie ist sehr selten und tritt am ehesten bei Frühgeborenen auf.

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Krankheiten

Treten Eingeweide aus einer Schwachstelle des Leistenkanals aus, spricht man von einem Eingeweidebruch, einem Leistenbruch oder fachsprachlich von einer Hernie. Der Leistenbruch gehört neben dem Schenkel- und dem Nabelbruch zu den häufigsten Hernien. Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen. Je nach Lokalisation des Bruchs unterscheidet man zwischen direkten und indirekten Leistenhernien.

Der direkte Leistenbruch zieht durch die Hinterwand des Leistenkanals. Die Bruchpforte befindet sich dabei in unmittelbarer Nähe der medialen Leistengrube im sogenannten Hesselbach-Dreieck. Das Hesselbach-Dreieck ist ein Teil der Bauchwand, der muskelfrei und damit prädestiniert für eine Leistenhernie ist. Der indirekte Leistenbruch kann im Gegensatz zum direkten Leistenbruch auch angeboren sein. Die Bruchpforte befindet sich immer im inneren Leistenring. Die Leistenhernie kann dabei bis in den Hodensack ziehen und dort zu massiven Schwellungen führen.

Im Erwachsenenalter kann ein Leistenbruch entweder durch eine Bauchwandschwäche oder einen zu weiten Leistenkanal verursacht sein. Auch eine Erhöhung des Drucks im Bauch beispielsweise durch chronischen Husten, Pressen beim Toilettengang oder durch starke körperliche Anstrengung kann einen Leistenbruch verursachen. Symptome des Leistenbruchs sind meist schmerzlose Schwellungen im Bereich der Leiste. Die Schwellung kann im Liegen in der Regel weggedrückt werden. Treten plötzlich starke Schmerzen in Kombination mit einer nicht wegdrückbaren Schwellung auf kann die Ursache ein eingeklemmter Leistenbruch sein. Dies führt zu Durchblutungsstörungen der eingeklemmten Eingeweideteile mit der Gefahr des Absterbens. Auch ein lebensgefährlicher Darmverschluss kann die Folge sein.

Ein Leistenbruch wird in der Regel operativ behandelt. Der Eingriff kann mit einem offenen oder einem minimalinvasiven Verfahren erfolgen. Von klinischer Bedeutung ist zudem das Gebärmutterband welches durch den Leistenkanal verläuft. Durch den verbindenden Leistenkanal können Tumorzellen über das Gebärmutterband von der Gebärmutter bis in die Schamlippen wandern und dort Metastasen bilden.

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