Leistenbruch bei Kindern Teil 2
Nehmen wir einmal an, im Bruchsack befindet sich eine Dünndarmschlinge. Der Darminhalt geht in solchem Fall durch den zuführenden Schenkel in den Darmteil, der im Bruchsack lagert, und dann weiter in den abführenden Schenkel. Zweimal also muss der Darminhalt (der immer Bakterien enthält und in dem chemische Prozesse ablaufen) den in der Bruchpforte eingeengten Darmabschnitt passieren. Ein krampfartiges Zusammenziehen der Bauchdeckenmuskulatur würde die Bruchpforte verengen. Eine Stauung des Darminhalts innerhalb des Bruchsacks und eine Schädigung der Darmwand durch chemische und bakterielle Prozesse wären die Folge.
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Symptome und Anzeichen für Leistenbruch
Eine Verengung der Bruchpforte führt auch immer zur Beeinträchtigung der Kreislaufverhältnisse, insofern, als die dünnwandigen Venen zuerst eingeengt sind und dadurch der Blutabfluß behindert ist. Bleibt der arterielle Zufluß in die Darmschlinge des Bruchsacks bestehen, kommt es zur Blutstauung, zum Blutaustritt aus den Gefäßen in die Gewebsspalten, wodurch wiederum Entzündungsprozesse begünstigt werden.
Auch die Nahrungsaufnahme wird verweigert, der Bauch langsam aufgetrieben. Die Haut über der äußerlich sichtbaren Bruchgeschwulst rötet sich, die Geschwulst schmerzt, sobald Druck auf sie ausgeübt wird. Schon bei den ersten Anzeichen eines eingeklemmten Leistenbruchs empfiehlt es sich, einen Arzt aufzusuchen. Obwohl sich viele Einklemmungen im Kindesalter spontan lösen, was beispielsweise nicht selten während des Transports ins Krankenhaus geschieht, muss doch eine sofortige Beseitigung der Einklemmung angestrebt werden.
Behandlung und Operation bei Leistenbruch
Zur Behandlung des Leistenbruchs kommen prinzipiell zwei Wege in Betracht: der konservative und der operative. Vom Alter und Allgemeinbefinden des Patienten hängt es in erster Linie ab, welche Behandlung der Arzt vornehmen wird. Die nicht eingeklemmte Leistenhernie im frühen Säuglingsalter wurde bis vor einiger Zeitfrüher mit einem Bruchband behandelt, das durch Druck auf den Leistenkanal das Austreten der Bruchgeschwulst verhindern sollte. Man nahm an, dass dadurch die Schließung des offengebliebenen Bauchfellfortsatzes gefördert würde.
Heute weiss man jedoch, dass ein Leistenbruch nach den ersten Lebensmonaten nicht mehr, weder mit noch ohne Bruchband, spontan ausheilt. Außerdem ist ein längeres Tragen des Bruchbandes immer ungünstig, weil sich die Haut in der Umgebung des Bandes und darunter beim Säugling leicht entzündet. Auch die darunter liegenden Muskeln werden allmählich geschwächt und rückgebildet, und die Gewähr, dass sich der Bauchfellfortsatz geschlossen hat, ist nie gegeben.
Deshalb soll mit der Operation, wenn sie dem Kind zugemutet werden kann, nicht zu lange gewartet werden. Der Operationsvorgang ist leicht verständlich. Der Chirurg reponiert den Bruchsackinhalt in die Bauchhöhle, vernäht zunächst das Bauchfell und danach die anderen Schichten der Bauchdecke über der ehemaligen Bruchpforte miteinander. Zuletzt schneidet er überflüssige, durch den Bruch stark überdehnte Hautteile weg und setzt eine Hautnaht.
Bei komplikationslosem Heilungsverlauf können die Kinder schon wenige Tage nach der Operation aus dem Krankenhaus entlassen werden. Zur Erleichterung der endgültigen Ausheilung ist es noch eine Zeitlang nötig, Blähungen und übermäßige Anstrengungen der Bauchpresse zu vermeiden. Aus diesem Grund befreit der Arzt schulpflichtige Kinder nach einer leistenbruchoperation ca. drei Monate vom Schulsport. Das Kind der ausgeheilten Operationsnarbe wegen zu verwöhnen und es von körperlichen Verrichtungen im Haushalt zu befreien, ist grundsätzlich falsch. Eine verlängerte Ruhigstellung schwächt nur, so dass bei denen, die sich schonen, leicht ein Bruchrückfall eintreten kann.
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