Leigh-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 11. Oktober 2017
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Beim Leigh-Syndrom handelt es sich um eine Erbkrankheit. Es zählt zu den Mitochondriopathien.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Leigh-Syndrom?

Als Leigh-Syndrom wird eine erblich bedingte Erkrankung bezeichnet, bei der es zu einer Störung des mitochondrialen Energiestoffwechsels kommt. Die Krankheit trägt auch die Bezeichnungen Morbus Leigh, Leigh´s disease und Subakute nekrotisierende Enzephalomyelopathie.

Die Bezeichnung Leigh-Syndrom geht auf den britischen Psychiater und Neuropathologen Archibald Denis Leigh zurück. Dieser erwähnte die Erkrankung erstmalig im Jahr 1951. Dabei beschrieb er einen sechs Jahre alten Jungen, der unter Entwicklungsstörungen litt, die schnell voranschritten. So starb der Junge innerhalb von sechs Monaten. In seinem Gehirn erfolgte der Nachweis einer Kapillarenvermehrung sowie von umfangreichen Nekrosen. Morbus Leigh setzt in der Regel im Säuglings- oder Kleinkindalter ein. Dagegen kommt es nur sehr selten zu adulten Formen.

Ursachen

Verursacht wird Morbus Leigh durch eine Störung des mitochondrialen Stoffwechsels. Diese betrifft die Region zum Gewinnen und Bereitstellen von Energie. Dabei sind unterschiedliche Defekte im Atmungskettenbereich Komplex I bis IV möglich. Die Atmungskette gewinnt durch Glykolyse ATP (Adenosintriphosat) als Lieferanten von Energie. Weiterhin kann es zu Defekten im Zitronensäurezyklus kommen.

Verantwortlich für die Störungen sind oftmals Deletionen innerhalb der mtDNA. Mitunter werden der Komplex II, die Biotinidase oder die mitochondriale ATPase von Punktmutationen betroffen. Die Veränderungen innerhalb des mitochondrialen Genoms erfolgen durch eine Vererbung mütterlicherseits. So bringen die männlichen Spermien beim Befruchten der weiblichen Eizelle ihre mtDNA nicht in die Zygote ein. Gene, deren Codierung in der nDNA erfolgt, sind in den meisten Fällen autosomal-rezessiv.

Die Häufigkeit von Mitochondriopathien liegt zwischen 1 und 1,5 auf 10.000. So zählt das Leigh-Syndrom zu den selten vorkommenden mitochondrialen Krankheiten. Bei Jungen tritt die Erbkrankheit häufiger auf als bei Mädchen. Zurückführen lässt sich dieser Umstand auf Mutationen, die an das X-Chromosom gebunden sind. Sie kommen in einigen Familien gehäuft vor. Besteht bereits bei einem Familienmitglied das Leigh-Syndrom, fällt die Häufigkeit der Erkrankung mit 33 Prozent umfangreicher aus, als bei einer Vererbung, die autosomal-rezessiv erfolgt. Dort liegt die Häufigkeit bei 25 Prozent.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Etwa 70 bis 80 Prozent aller Erkrankten sind von der klassischen Form des Leigh-Syndroms betroffen. Bei ihnen beginnt die Krankheit im Baby- oder Kleinkindalter, während im Vorfeld ihre Entwicklung normal verläuft. Erste Symptome zeigen sich in einem Zeitraum vom 3. Lebensmonat bis 2. Lebensjahr und können schleichend, subakut oder akut auftreten. Bei etwa 75 Prozent verlaufen die Beschwerden schleichend.

Welche Symptome sich zeigen, hängt davon ab, welche Gehirnregion von der Erkrankung betroffen ist. So kann es zu Muskelschwächen, Muskelparesen, epileptischen Anfällen, Schluckbeschwerden, Erbrechen, Hypotonie und einer verzögerten Entwicklung kommen. Des Weiteren bestehen Augensymptome wie eine Lähmung der Augenmuskeln, ein Nystagmus und Atemstörungen. Bei rund 37 Prozent aller betroffenen Kinder liegt zudem eine geistige Behinderung vor.

Durch die epileptischen Anfälle besteht die Gefahr von kritischen Situationen. Etwa 55 Prozent aller Kinder leiden auch unter Appetitlosigkeit und Ernährungsproblemen. Ein weiteres typisches Merkmal der Erbkrankheit ist das Zurückbleiben des körperlichen Wachstums. Ebenfalls im Bereich des Möglichen sind kardiale Störungen wie eine Herzschwäche, Taubheit, Nierenveränderungen, Hormonstörungen und Sensibilitätsstörungen. Nicht selten drohen schwere Komplikationen, die zum Tode des Kindes führen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Diagnostizieren lässt sich das Leigh-Syndrom durch seine Symptome sowie eine Anamnese der Familie des Kindes. Nicht selten liegen bei Morbus Leigh psychomotorische Entwicklungsstörungen vor. Weitere Diagnosemöglichkeiten sind das Ermitteln des neurologischen Status durch das Testen von pathologischen Reflexen, eine Magnetresonanztomographie (MRT) sowie eine Lumbalpunktion, bei der eine Untersuchung des Hirnwassers (Liquor) erfolgt.

Um Ragged-Red-Fibers nachzuweisen, lässt sich eine Muskelbiopsie durchführen. In der Regel nimmt das Leigh-Syndrom einen ungünstigen Krankheitsverlauf. So sterben die betroffenen Kinder in der Regel schon nach wenigen Jahren, was zumeist auf Atemregulationsstörungen zurückzuführen ist. Günstiger fällt die Prognose aus, wenn eine juvenile oder adulte Form der Erkrankung vorliegt.

Die Medizin hofft, die gefährliche Mitochondriopathie in Zukunft durch den Einsatz von Sirolimus aufhalten zu können, was sich positiv auf die Überlebenszeit auswirken würde.

Komplikationen

Das Leigh-Syndrom führt zu verschiedenen Beschwerden, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich verringern und einschränken. In der Regel sind die Patienten aufgrund des Syndroms auf die Hilfe anderer Menschen in ihrem Alltag angewiesen. Vor allem bei Kindern kommt es dabei zu einer starken Verzögerung der Entwicklung. Die Patienten leiden dabei an einer stark ausgeprägten Muskelschwäche und an epileptischen Anfällen.

Diese können auch mit Schmerzen verbunden sein. Weiterhin treten auch Schluckbeschwerden auf, sodass die Betroffenen Nahrung und Flüssigkeit nicht mehr in gewöhnlicher Art und Weise zu sich nehmen können. Die Lebensqualität wird dadurch erheblich eingeschränkt. Ebenso kommt es zu einer Appetitlosigkeit und weiterhin auch zu einer Herzschwäche, sodass die Patienten im schlimmsten Falle an einem Herztod versterben können.

Eine kausale Behandlung des Leigh-Syndroms ist leider nicht möglich. Die Betroffenen sind in der Regel ihr gesamtes Leben lang auf Therapien angewiesen, die den Alltag erträglicher machen können. Auch die Eltern sind nicht selten auf psychische Behandlungen angewiesen, da diese oft an Depressionen und anderen psychischen Beschwerden erkranken. Eventuell wird durch das Leigh-Syndrom auch die Lebenserwartung des Betroffenen verringert.

Therapie & Behandlung

Eine kausale Behandlung des Leigh-Syndroms ließ sich bislang nicht erreichen. So gibt es unterschiedliche Therapieansätze, zu denen u. a. das Verabreichen von Antioxidantien oder Elektronentransportern, das Stimulieren der restlichen Enzymaktivität durch Cofaktoren wie Vitamin B1 (Thiamin), das Auffüllen des Energiespeicherpools, eine ketogene Diät, das Vermindern von toxischen Metaboliten oder eine Supplementierung bei sekundärer Defizienz gehören.

Auf welche Weise die mitochondriale Störung des Stoffwechsels behandelt wird, richtet sich letztlich nach der jeweiligen Diagnose, die individuell unterschiedlich ausfällt. Dazu sind meist komplexe molekulargenetische und biochemische Analysen erforderlich. Die aussichtsreichsten Möglichkeiten sind also sorgfältig zu überprüfen. Liegt ein Pyruvatdehydrogenase-Defekt vor, gilt eine ketogene Diät, die einen hohen Fettanteil bei nur wenigen Kohlenhydraten aufweist, als erfolgversprechend. Eine Azidose ist durch die Anwendung von Natriumcarbonat beeinflussbar.

Für die Therapie von Anfällen werden spezielle Medikamente verabreicht. Einige Arzneimittel wie zum Beispiel Valproat oder Tetrazykline sind jedoch ungünstig und sollten daher gemieden werden. Zur Linderung der Symptome stehen weitere Therapiemaßnahmen wie eine Ergotherapie, eine Physiotherapie oder Logopädie zur Verfügung. Darüber hinaus forscht die Medizin nach weiteren sinnvollen Behandlungsmaßnahmen.

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Vorbeugung

Morbus Leigh gehört zu den angeborenen Erbkrankheiten. Aus diesem Grund gibt es keine sinnvollen vorbeugenden Maßnahmen gegen das Syndrom.

Das können Sie selbst tun

In Ermangelung einer spezifischen Behandlung, die zu einer Heilung des neurologischen Leidens beitragen könnte, bleiben Betroffenen dennoch einige Selbsthilfemöglichkeiten. Diese können dabei helfen, die Beeinträchtigungen ihres Alltags durch die starken körperlichen wie geistigen Einschränkungen in bescheidenem Rahmen abzumildern.

Wie einige Therapien in Einzelfällen gezeigt haben, kann eine Ernährungsumstellung auf besonders kohlenhydratarme Kost die Konzentration von Milchsäure und den damit verbundenen Abfall des pH-Wertes im Blut reduzieren. Vor dem Hintergrund sollten vorwiegend Gemüse und Milchprodukte auf dem täglichen Speiseplan stehen, um eine Abschwächung der Symptome und eine leichte Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands herbeizuführen. Zusätzlich empfohlen werden Vitamin B1 (Thiamin) und B2 (Riboflavin). Stark zuckerhaltige Lebensmittel sind zu meiden.

Für Betroffene versprechen auch ergotherapeutische Maßnahmen Aussicht auf Linderung ihrer Symptome. Behandlungsziel ist, maximale Selbstständigkeit im Alltag aufrechtzuerhalten. Da Betroffene im Regelfall neben körperlichen Einschränkungen auch über kommunikative Defizite verfügen, kann sich der Besuch eines Logopäden als wertvolle Hilfestellung im Alltag erweisen. Hierbei werden mögliche Artikulationsdefizite und Sprachstörungen durch gezieltes Training abgemildert und bestmöglich ausgeglichen. Damit können sich am Leigh Syndrom Erkrankte in verstärktem Maße soziale Teilhabe im täglichen Miteinander erarbeiten und sichern. Die Inanspruchnahme physiotherapeutischer Angebote hilft dem Einzelnen, seine allgemeine Bewegungs- und Funktionsfähigkeit zu verbessern.

Bücher über den Stoffwechsel

Quellen

  • Gortner, L., Meyer, S., Sitzmann, F.C.: Duale Reihe Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Witkowski R., Prokop O., Ullrich E.: Lexikon der Syndrome und Fehlbildungen. Springer, Berlin 2003

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