Leberkoma

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. Oktober 2017
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Das hepatische Koma, auch als Leberkoma oder Coma hepaticum bekannt, stellt eine Bewusstseinsstörung - in Form eines Komas - dar. Der Auslöser ist Leberversagen. Das Leberkoma verläuft in fast allen Fällen tödlich.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Leberkoma?

Kommt es zu einem Leberkoma, können die Betroffenen nicht durch äußere Reize geweckt werden. Die Ursache, warum es zu einer derartigen Bewusstseinsstörung kommt, ist ein Versagen der Leber. Kommt es zu einer fehlenden Entgiftungsfunktion oder einem Absterben von Lebergewebe, versagt das Organ.

Zunächst kommt es zu einer hepatischen Enzephalopathie. Dabei wird derart viel Ammoniak im Blut angereicht, dass es zu einer Störung und in weiterer Folge zum Koma kommt. Es gibt zwei Formen: das sogenannte Leberausfall- und das Leberzerfallskoma. Kommt es zum hepatischen Leberkoma, endet diese - in fast allen Fällen - mit dem Tod des Patienten.

Ursachen

Die Ursachen, warum es zu einem Leberkoma kommt, sind unterschiedlich. Handelt es sich um das Leberzerfallskoma, auch als endogenes Leberkoma bezeichnet, kommt es zum Absterben von Lebergewebe. Das endogene Leberkoma wird im Regelfall durch toxische Schädigungen des Organs, etwa durch Medikamente, Chemikalien oder Gifte, ausgelöst.

Mitunter können auch Hepatitis (Typ B oder D, umgangssprachlich auch als Gelbsucht bezeichnet) und eine Schwangerschaftsfettleber (eine äußerst selten auftretende Schwangerschaftskomplikation) zu einem Leberzerfallskoma führen. Kommt es zu einem Leberausfallkoma, besteht eine Leberzirrhose.

Die Leberzirrhose ist das Endstadium einer chronischen Leberkrankheit; das Lebergewebe hat sich bereits verändert (Knotenbildung), sodass die Leberzellen nicht mehr ihrer Funktion nachgehen können. In weiterer Folge kommt es zu Durchblutungsstörungen und einer kompletten Funktionseinstellung des Organs.

Eine Leberzirrhose wird, zumindest in Europa, vorwiegend durch Alkoholmissbrauch begünstigt; mitunter kann auch die Virushepatitis für die Leberzirrhose verantwortlich sein. Aber auch bestimmte Immun- und Tropenerkrankungen können eine Zirrhose auslösen.

Es kommt zu einer Ansammlung von Giftstoffen, so etwa Ammoniakverbindungen, die dazu führen, dass die Entgiftungsfunktionen des Organs beeinträchtigt werden. Die Giftstoffe werden in weiterer Folge in das Gehirn des Betroffenen weitergeleitet, sodass es zu einem Leberkoma kommt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Zu den Symptomen gehören Bewusstlosigkeit, Mundgeruch, Areflexie, Bewusstseinsstörungen, Gedächtnisstörungen und auch Inkontinenz. Je nach Stadium, können die Symptome unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Während im ersten Stadium noch kaum Probleme mit der Müdigkeit bestehen, stellt die Schläfrigkeit im dritten Stadium - neben der Muskelanspannung - das größte Problem dar.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Der Mediziner stellt die Diagnose anhand der vorliegenden Beschwerden, wobei dabei auch die Krankengeschichte eine wesentliche Rolle spielt. Damit sich der Arzt überzeugen kann, dass es sich tatsächlich um ein hepatisches Koma handelt, lässt er Blutuntersuchungen durchführen, wobei hier die Entgiftungsfunktion der Leber und in weiterer Folge die Ammoniak-Konzentration festgestellt werden.

Im weiteren Verlauf kann ein Ultraschall des Organs einen Einblick darüber geben, wie groß die Leber bereits ist und mitunter welche Beschaffenheit oder Struktur vorliegt. Weitere Verfahren, wie eine Computertomographie (CT), werden ebenfalls angewendet, um die Diagnose zu sichern. Bevor der Betroffene das Bewusstsein verliert, verläuft das hepatische Koma in drei Stadien (I bis III), wobei es zu einer zunehmenden Störung des Bewusstseins kommt.

Im ersten Stadium (Stadium I) wird eine Abnahme der intellektuellen Leistungsfähig bemerkt. Das Schlafbedürfnis nimmt zu. Im zweiten Stadium (Stadium II) kommt es vermehrt zu Müdigkeit, zu Gedächtnis- und Orientierungsstörungen und einer erhöhten Muskelspannung. Mitunter reagiert der Betroffene auch verlangsamt auf die direkte Ansprache.

Im dritten Stadium (Stadium III) sind die Patienten kaum noch zu wecken; wenn sie munter sind, wirken sie orientierungslos und verwirrt. Es besteht eine erhöhte Muskelspannung, wobei der Betroffene weder Urin oder Stuhl halten kann. Im vierten Stadium (Stadium IV) kommt es zum Leberkoma.

Komplikationen

In den meisten Fällen kommt es bei einem Leberkoma zum Tod des Betroffenen. Diese können dabei an verschiedenen Beschwerden und Störungen leiden und sind damit in ihrem Alltag extrem eingeschränkt. Es kommt dabei in den meisten fällen zu einem sehr üblen Mundgeruch und auch zu einer Bewusstlosigkeit. Die Betroffenen leiden auch an anderen Störungen des Bewusstseins und an Lähmungen.

Ebenso kann es zu einer Inkontinenz oder zu Gedächtnisstörungen kommen. Die Patienten sind aufgrund des Leberkomas extrem müde und abgeschlagen. Auch die Belastbarkeit des Betroffenen sinkt durch diese Krankheit deutlich ab. In vielen Fällen leiden auch die Angehörigen des Patienten an Depressionen und an andren psychischen Beschwerden und benötigen eine entsprechende Behandlung.

Nicht in jedem Fall kommt es bei einer Behandlung zu einem positiven Krankheitsverlauf. In einigen Fällen können Vergiftungen mit Hilfe von Medikamenten behandelt werden. Der Betroffene ist dann allerdings auf eine Dialyse angewiesen. Falls diese nicht möglich ist, wird eine Transplantation der Leber notwendig, damit der Betroffene weiterhin überleben kann. In vielen Fällen wird die Lebenserwartung des Betroffenen durch das Leberkoma deutlich eingeschränkt und verringert.

Behandlung & Therapie

Kommt es zu einem hepatischen Koma, wird der Patient sofort auf die Intensivstation gebracht. Es besteht akute Lebensgefahr. Da es sich beim Leberkoma jedoch um ein Symptom handelt, wird die ursächliche Erkrankung, die zu dem Zustand geführt hat, in erster Linie behandelt. Nur wenn die Mediziner die Grunderkrankung behandeln, kann der Patient aus dem Koma erwachen.

Liegt eine Virushepatitis vor, werden antivirale Therapien - in Form von Medikamenten - durchgeführt. Ist eine Vergiftung, etwa durch Pilze, der Grund für das Leberkoma, werden ebenfalls Medikamente verabreicht. Aufgrund der Tatsache, dass sich die Leber, selbst bei einer Schädigung von rund 90 Prozent, noch selbstständig erholen kann, setzen die Mediziner häufig auf die sogenannte Leberdialyse.

So erhält das geschädigte Organ die notwendige Zeit, die für die Regeneration benötigt wird. Mit derartigen Dialysen ist es auch möglich, dass die Zeit, die für eine Lebertransplantation benötigt wird, überbrückt werden kann. In vielen Fällen stellt die Leberdialyse die einzige Behandlungsmöglichkeit dar, das hepatische Koma zu behandeln.

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Vorbeugung

Das hepatische Koma kann vorgebeugt werden, sofern potentielle Ursachen - wie Virushepatitis oder Alkoholmissbrauch - durch eine relativ gesunde Lebensweise gemieden werden. Besteht bereits eine Alkoholabhängigkeit, ist es ratsam, eine Therapie zu machen, sodass weitere Leberschädigungen verhindert werden können.

Hepatitis wird vorwiegend durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen. Geschützter Sex oder auch hygienisches Verhalten, da das Virus auch über den direkten Blutkontakt übertragen wird, vermindert die Gefahr einer Infektion. Gegen Hepatitis B besteht zudem die Möglichkeit einer Schutzimpfung.

Das können Sie selbst tun

Mit der Diagnose Leberkoma verbleiben für den Erkrankten wenige bis gar keine Möglichkeiten, um sich selbst im Alltag zu helfen. Diese Krankheit bietet keine Alternativen zu einer medizinischen Behandlung.

Der Betroffene sollte bei den ersten Beschwerden ein Expertenteam aufsuchen und auf die ärztliche Versorgung vertrauen. Den Anweisungen des Ärzteteams ist Folge zu leisten. Je nach Stadium des Komas ist der Erkrankte nicht mehr ansprechbar und kann daher auch keine selbständigen Aktivitäten durchführen. Angehörige sollten sich umfassend über die Krankheit und deren Folgen informieren. Benötigen sie bei der Bewältigung der Situation emotionale Unterstützung, empfiehlt es sich, einen Therapeuten aufsuchen.

In einer anfänglichen Phase der Erkrankung leidet der Betroffene unter einer abnehmenden Leistungsfähigkeit und einem erhöhten Schlafbedürfnis. Sofern es ihm in diesem Zustand möglich ist, sollte der Lebenswandel optimiert werden. Dazu zählt die vollständige Vermeidung von Gift- und Schadstoffen sowie eine gesunde Ernährung. Ein Alkoholkonsum ist schnellstmöglich einzustellen. Der weitere Zerfall des Gewebes der Leber kann durch dieses Verhalten in einigen wenigen Fällen reduziert werden. Die Zusammenarbeitet mit Leberspezialisten ist hilfreich, um deren Expertise für eine optimale Weiterbehandlung in Anspruch zu nehmen. Gemeinsam sollte erarbeitet werden, welche individuellen Möglichkeiten der Patient hat, um sein Wohlbefinden zu verbessern.

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Quellen

  • Braun, J., Dormann, A .J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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