Langzeitgedächtnis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. Januar 2017
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Unter dem Langzeitgedächtnis versteht man eine neuronale, multimodale Funktion, die Informationen verarbeitet und langfristig speichert.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Langzeitgedächtnis?

Das Langzeitgedächtnis kann in ein deklaratives und nondeklaratives Gedächtnis unterteilt werden. Das deklarative Gedächtnis enthält konkretes Wissen, im nondeklarativen Gedächtnis sind hingegen Informationen gespeichert, die auf Erfahrungen zurückzuführen sind.

Deklarative Inhalte werden dabei in jenen Cortexregionen abgespeichert, die an der Verarbeitung auch beteiligt waren. Dem nichtdeklarativen Langzeitgedächtnis ordnet man ziemlich heterogene Gedächtnisleistungen zu. Dazu zählen beispielsweise assoziatives bzw. nicht-assoziatives Lernen, Priming bzw. Gewohnheiten und Fertigkeiten.

Das nichtdeklarative Gedächtnis steht unter anderem mit dem Kleinhirn (Cerebellum), der Amygdala sowie dem Striatum in Beziehung und ist nicht von der bewussten Erinnerung abhängig, wohingegen das deklarative Wissen bewusst erinnert werden kann und daher auch flexibel einsetzbar ist. Endel Tulving (*1972) nennt diese zwei Formen auch semantisches bzw. episodisches Langzeitgedächtnis.

Unter dem Langzeitgedächtnis versteht man eine neuronale, multimodale Funktion, die Informationen verarbeitet und langfristig speichert.

Das episodische Gedächtnis umfasst konkrete Ereignisse einer Person, wobei auch raum-zeitliche Charakteristika gespeichert werden. Dieses Gedächtnis ist auch als so genanntes Quellengedächtnis bekannt. Im semantischen Langzeitgedächtnis sind Wortbedeutungen, Fakten bzw. Regelsysteme enthalten. Beim episodischen Erinnern kann demnach ein einzelnes Ereignis abgerufen werden, was beim semantischen Erinnern nicht möglich ist.

Eine weitere Form ist das prozedurale Gedächtnis, das auch als Verhaltensgedächtnis bezeichnet wird. Es speichert automatisierte Fähigkeiten wie Autofahren oder Laufen. Diese Handlungen werden durch ständiges Üben erlernt und können dann ohne nachzudenken abgerufen werden.

Funktion & Aufgabe

Im Gehirn werden die Informationen nicht an einer spezifischen Stelle gespeichert, sondern finden sich in der Gesamtstruktur der Nervenzellen sowie in ihren Verbindungen. Beteiligt sind dabei beispielsweise das limbische System, der Stirn- und Schläfenlappen sowie der Hippocampus, der Inhalte vom Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis überführt.

Gelangen Inhalte ins Langzeitgedächtnis, so werden sie hier dauerhaft gespeichert. Dafür werden so genannte Engramme gebildet (Gedächtnisspuren als strukturelle Änderung im Gehirn durch Reizeinwirkung), durch die das Erinnern möglich wird. Beispiele für Fähigkeiten des Langzeitgedächtnisses sind das Erinnern eines Gedichtes, einer unangenehmen Situation oder des Gesichtes eines Bekannten. Informationen werden dabei aktiv enkodiert, verarbeitet, abgespeichert und wieder reproduziert bzw. erinnert.

Eine wesentliche Funktion des Langzeitgedächtnisses besteht daher im Bereitstellen von Informationen, um anschließend Entscheidungen optimal treffen zu können. Insgesamt unterscheidet man vier Prozesse des Langzeitgedächtnisses: Lernen, Behalten, Erinnern und Vergessen.

Das Langzeitgedächtnis verfügt über eine beinahe unbegrenzte Kapazität. Das Lernen findet zwischen dem motorischen und sensorischen Neuron (Nervenzelle) statt. Bei einer Stimulierung des sensorischen Neurons, werden verstärkt Neurotransmitter freigesetzt und eine starke Muskelaktivierung tritt auf. Der Lernprozess findet zunächst als Kurzzeitspeicherung und später als Langzeitspeicherung statt, wobei sich die Synapse vergrößert und ihre Funktion verändert.

Indem der Lernstoff zu bereits Bekanntem in Beziehung gebracht wird, können Informationen im Langzeitgedächtnis gespeichert werden. Nur äußerst selten werden aber bestimmte Sachverhalte oder Ereignisse originalgetreu wiedergegeben. Beim Erinnern spielt anscheinend das Vorwissen eine bedeutende Rolle, aber auch das Nachdenken oder bestimmte Abrufprozesse können Inhalte modifizieren oder verzerren.

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Krankheiten & Beschwerden

Eine mögliche Erkrankung im Zusammenhang mit dem Langzeitgedächtnis sind Gedächtnisprobleme. Störungen des Merkvermögens, Konzentrationsschwäche und Vergesslichkeit sind, wenn sie nicht verstärkt auftreten, oftmals auf Erschöpfung bzw. Stress zurückzuführen. Nehmen die Probleme jedoch zu und gestalten sich normale Tagesabläufe problematisch, so sollte ein Arzt aufgesucht werden, da sich hinter der Vergesslichkeit auch eine ernstere Erkrankung verbergen kann.

Eine mögliche Erkrankung ist die Demenz, die das Denkvermögen bzw. die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigt. Die Betroffenen haben Probleme, neue Inhalte aufzunehmen und sie anschließend wiederzugeben. Außerdem sind auch das Sprechen, das Rechnen sowie die Orientierungsfähigkeit davon betroffen.

Die häufigste Form stellt dabei die Alzheimer-Krankheit dar, bei der Gehirnzellen auf Grund von Eiweißklumpen, die außerhalb bzw. innerhalb der Nervenzellen auftreten, zugrunde gehen. Eine weitere häufige Form ist die vaskuläre Demenz, die auf Durchblutungsstörungen im Gehirn zurückzuführen ist. Seltener ist die so genannte Lewy-Körperchen-Demenz.

Als Lewy-Körperchen bezeichnet man kugelförmige Strukturen, die in der Großhirnrinde bzw. im Hirnstamm zu finden sind. Bei den Betroffenen tritt eine fortschreitende Gedächtnisstörung auf und die Patienten leiden an Bewegungsstörungen sowie an psychotischen Symptomen.

Eine Demenz kann auch im Rahmen der Pick-Krankheit auftreten. Hier ist vor allem die Fähigkeit abstrakt zu denken gestört und bestimmte Gehirnregionen sterben langsam ab. Sehr schnell entwickelt sich hingegen die Demenz bei der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit. Es treten vorwiegend Störungen der Konzentration, der Aufmerksamkeit bzw. der Merkfähigkeit auf, wobei die Ursache dafür giftige Eiweißstoffe sind, durch die das Gehirngewebe abstirbt. Eine begleitende Demenz ist auch bei Parkinson bzw. bei HIV möglich. Weitere Erkrankungen, bei denen Vergesslichkeit auftreten kann, sind:

Weitere Ursachen können Medikamente, Flüssigkeits- und Nahrungsmangel, Schlafstörungen, Stress, Alkoholmissbrauch und Krebstherapien sein.

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