Lärm

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. Januar 2017
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In der Gesetzgebung der altgriechischen Siedlung Sybaris (600 vor der Zeitrechnung) lesen wir: "Da sich die Geräusche ungünstig auf die Nerven auswirken, darf kein Handwerk, bei dem gehämmert wird, innerhalb der Stadtmauern ausgeübt werden. Außerdem ist es verboten, Hähne zu halten, da sie den Schlaf stören." Sicherlich stand zu damaliger Zeit der Lärm der Intensität nach überhaupt in keinem Verhältnis zu dem Lärm, dem der moderne Mensch heute täglich ausgesetzt ist.

Inhaltsverzeichnis

Lärm ist gesundheitsschädigend

Als gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts der Fortschritt der Technik mit den Fabriken und Verkehrsmitteln die ersten wirklichen Lärmquellen schuf, äußerte sich der große deutsche Arzt und Mikrobiologe Robert Koch, dass "eines Tages der Mensch den Lärm ebenso unerbittlich werde bekämpfen müssen, wie die Cholera und Pest".

Heute kommen Klagen über ständige Lärmeinwirkung vor allem aus Groß- und Mittelstädten. Umfragen haben gezeigt, dass rund ein Fünftel der Bevölkerung unter Lärm leidet, vier Fünftel fühlen sich durch Lärm in der Arbeit gestört. Interessant dabei ist, dass - nach den angeschuldigten Lärmquellen geordnet - der Straßenverkehrslärm weitaus an der Spitze steht, während Eisenbahn- und Flugzeuglärm, Radio-, Kinderlärm usw., erst in weitem Abstand folgen. Im übrigen sind Kleinkinder und alte Menschen und erst recht kranke Menschen besonders lärmempfindlich. Der zunehmende Lärm in der Umwelt mag auch einer der Gründe für den zur Zeit steigenden Verbrauch von Schlafmitteln sein; denn der Schlaf als wesentliches Mittel zur Wiederherstellung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit, wie auch zur Erhaltung der Gesundheit des Menschen, ist unter Lärmeinfluss nicht bei jedem gewährleistet.

Durch die Zusammenballung der Wohn- und Arbeitsstätten zu Großstädten und großen Industriegebieten ist der Lärm, der in der Umwelt durch eine große Anzahl von Lärmquellen und in hoher Intensität entsteht, zu einem Problem unserer Zeit geworden. Analysiert man die subjektiven Klagen der Bevölkerung über den Lärm näher, ergeben sich interessante Feststellungen.

Je stärker ein Geräusch ist, um so häufiger sind naturgemäß die Klagen. Tiefe und hohe Frequenzen sind lästiger als Geräusche im mittleren Frequenzbereich. Ständig, zu- und abnehmender Lärm ist unangenehmer als kontinuierlicher Lärm. Ein regelmäßiger Rhythmus der Lärmspitzen wirkt nicht so störend wie ein unregelmäßiger Rhythmus.

Heute kommen Klagen über ständige Lärmeinwirkung vor allem aus Groß- und Mittelstädten. Umfragen haben gezeigt, dass rund ein Fünftel der Bevölkerung unter Lärm leidet, vier Fünftel fühlen sich durch Lärm in der Arbeit gestört.

Lärm, der aus verschiedenen Richtungen kommt, ist unangenehmer als ständiger Lärm aus der gleichen Richtung. Vermeidbarer Lärm ist besonders lästig. Ob man den Lärm als mehr oder weniger unangenehm empfindet, hängt von der jeweiligen Beschäftigung ab. Bekanntlich wirkt Lärm bei geistiger Arbeit besonders störend. Manchen Menschen erscheint Lärm, den sie selbst verursachen, keineswegs lästig, im Gegensatz zu ihrer Umwelt. Scheinbar vermag man sich gegebenenfalls an den Lärm zu gewöhnen, auf den Organismus wirkt jedoch der Lärm objektiv ein. Er kann die Gesundheit beeinträchtigen, gefährden und schlimmstenfalls auch schädigen.

Krankheiten & Beschwerden

Es ist allgemein bekannt, dass beispielsweise in den sogenannten Lärmbetrieben intensiver Lärm zu Schäden am Hörorgan, also am Ohr, führen kann, sofern nicht - wie wir es heute tun - ärztlicherseits entsprechende Vorsorgemaßnahmen getroffen werden. Wir müssen aber davon ausgehen, dass der Lärm auf den Gesamtorganismus und nicht nur auf das Ohr einwirkt. Das ist beim Umweltlärm der Fall und hängt von der Lautstärke, der Tonhöhe und anderen Faktoren ab.

Wenn vor einigen Jahren die durchschnittliche Lautstärke auf den Großstadtstraßen noch 60 bis 80 Dezibel betrug, so erreicht sie heute weitaus höhere Werte. In engen Straßen sind Lärmbelästigungen besonders gross, da erhebliche Schallreflexionen entstehen. Bei den höheren engbegrenzten Frequenzanteilen ist die Lärmdämmung zwischen Wohnung und Straße weniger stark, als bei Breitbandgeräuschen mit Tiefenanteil. Daher werden zum Beispiel Motorroller, die Geräusche von 500 bis 1000 Hertz verursachen, bekanntlich als Lärmquellen besonders unangenehm empfunden. Bei den meisten Verkehrsgeräuschen handelt es sich jedoch um Breitbandgeräusche.

In allen Städten und Gemeinden wächst der Geräuschpegel mit zunehmender Verkehrsdichte etwa proportional. Der Umweltlärm dringt in Wohnhäuser, Schulen und Krankenhäuser ein und schafft so ungünstige Bedingungen für Erholung, geistige Arbeit und eine erfolgreiche Krankenbehandlung. Da es sich nicht um extrem starken Lärm handelt, entstehen keine Schäden am Ohr oder direkt am Zentralnervensystem. Doch bleibt die physische Wirkung, das heisst die Belästigung, bestehen, die zwar die Gesundheit nicht beeinträchtigt, aber die augenblickliche Leistungsfähigkeit mindern kann, abgesehen von den schon erwähnten nachteiligen Folgen für die notwendige Erholung, wie zum Beispiel den Schlaf.

Symptone & Beschwerden

Bestehen bleibt bei höherer Lärmintensität auch die Einwirkung auf das vegetative Nervensystem. Ermüdungserscheinungen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Bluthochdruck und weitere Reaktionen sind dafür kennzeichnend. Interessant ist, dass diese vegetativen Reaktionen wie Blutdruckveränderüngen unabhängig davon auftreten, ob dem Betreffenden der Lärm bewusst wird oder nicht. Wenn nun die einzelnen Schallreize so stark werden oder sich so häufig wiederholen, dass zwischen den Reizen keine Erholung möglich ist, kann eine chronische Regulationsstörung des vegetativen Nerverfsystems, also ein manifester Schaden, eintreten.

Der Umwelt¬lärm unserer Zeit birgt deshalb auch die Möglichkeit in sich, die Gesundheit des Menschen zu gefährden. Um die Frage zu beantworten, ob Geräusche gesundheitsschädlich sind oder nicht, gehe man nicht von dem subjektiven Empfinden des Betroffenen oder vom Empfinden übersensibler Personen aus. Ergibt sich auf Grund der allgemeinen ärztlichen Erfahrung die begründete Besorgnis, dass ein Schaden eintreten wird, ist die Schadensmöglichkeit anzumehmen. Die medizinischen Erkenntnisse über die objektiven schädigenden Einflüsse des Lärms auf den menschlichen Organismus sind auch bei den Grenzwerten berücksichtigt, die für Deutschland in den Lärmgrenzwerten niedergelegt wurden.

Diese, von Bundesland zu Bundesland, unterschiedlichen Vorschriften enthalten die zulässigen Grenzwerte des Schallpegels oder der Lautstärke in Gebäuden oder in deren Umgebung. Um die Gesundheit der Bevölkerung zu erhalten, zu fördern und vor schädlichen Lärmeinflüssen aus der Umwelt zu schützen, sind planerische, technische und administrative Maßnahmen zur Lärmbekämpfung und Lärmminderung in der Umwelt nötwendig. Insbesondere gilt es, die oben erwähnte Schallschutznorm in der Praxis auch einzuhalten und sie durchzusetzen.

Die Hauptsache ist jedoch die Bekämpfung der Lärmquelle selbst, und das ist vor allem ein technisches Problem. Die Verkehrsgeräusche werden bei der vorauszusehenden Steigerung der Verkehrsdichte weiter erheblich zunehmen. Andererseits verbietet aber die Bebauung unserer Städte, Gebäude viele Meter von der Straße wegzurücken. Die Lärmbekämpfung muss also als technische Maßnahme primär an der Lärmquelle einsetzen. Am wirkungsvollsten und sparsamsten lässt sich der Lärm bekämpfen, indem verhindert wird, dass er entsteht.

Solche Maßnahmen können aber nur Erfolg haben, wenn Städteplaner, Architekten, Ärzte, Verkehrspläner, Techniker, Ingenieure und Konstrukteure zusammenarbeiten und der Kampf gegen den Lärm zu einer Sache der ganzen Bevölkerung wird.

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