Kurzdarmsyndrom

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 23. Oktober 2016
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Bei manchen Darmerkrankungen ist es nicht zu vermeiden, erkrankte Teile des Dünndarms zu entfernen. Wenn große Teile des Dünndarms entfernt werden müssen, kann sich daraus ein Kurzdarmsyndrom entwickeln.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Kurzdarmsyndrom?

Unter dem medizinischen Fachbegriff Kurzdarmsyndrom (KDS) werden eine Reihe von Beschwerden zusammengefasst, die nach operativen Eingriffen zu erheblichen Verlusten der Darmlänge führen können und einer unzureichenden Verdauung und Verarbeitung von Nährstoffen.

Wenn nur noch 60 bis 100 Zentimeter Dünndarm verbleiben, kann die Nährstoffverarbeitung nicht mehr ausreichend gesichert werden, wodurch es zu Mangelerscheinungen kommt. Normalerweise ist der Dünndarm fünf bis sechs Meter lang, so dass es nachvollziehbar ist, dass ein Verlust an Länge zu gesundheitlichen Einschränkungen führt.

Ein Kurzdarmsyndrom tritt am häufigsten bei Patienten mit einer schweren Morbus Crohn-Erkrankung auf, aber auch als Folge von Operationen durch Krebserkrankungen, Bestrahlungen und Gefäßverschlüssen.

Ursachen

Die häufigste Ursache für ein Kurzdarmsyndrom ist eine schwere Morbus-Crohn-Erkrankung mit wiederkehrenden Entzündungen des Dünndarms. Aber auch akute Gefäßverschlüsse im Dünndarm (Mesenterialinfarkte), Darmkrebs und Bestrahlungen im Bauchraum aufgrund einer Krebserkrankung, Darmverletzungen, -fisteln und –Darmverschlingungen können dazu führen, dass große Teile des Darms entfernt werden müssen.

Im Kindesalter tritt ein Kurzdarmsyndrom meistens auf, wenn es bei Frühgeburten zu Komplikationen kommt, angeborene Fehlbildungen oder Verschlingungen vorhanden sind. Auch Leisten-, Nabel- und Narbenbrüche können als Ursache in Frage kommen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Beschwerden bei einem Kurzdarmsyndrom hängen von der Ursache, der noch verbleibenden Dünndarmlänge und dem Darmbereich, der herausoperiert werden musste, ab. Durch den verkürzten Darm und den damit verbundenen Nährstoffmangel können an verschiedenen Organen Beschwerden hervorgerufen werden. Es kommt zu massiven, klebrigen Durchfällen mit starker Geruchsbildung, besonders bei hohen Kohlenhydratanteilen.

Infolge der gestörten Verdauung treten Blähungen und Bauchkrämpfe auf, oft auch starke Gewichtsverluste. Der durch die Verkürzung auftretende Mangel an Vitaminen und Nährstoffen kann sich, je nach fehlender Substanz unterschiedlich äußern kann. Bei einem Vitaminmangel ist die Haut trocken, eine erhöhte Blutungsneigung, Nachtblindheit zu beobachten.

Ebenso kann ein Mangel an Vitamin B12 und Folsäuremangel zu einer Blutarmut, begleitet von einer blassen Hautfarbe, Abgeschlagenheit und Leistungseinbußen. Der Vitaminmangel kann auch Nerven im Rückenmark beeinträchtigen und Missempfindungen in Händen und Füßen verursachen, zum Beispiel Gehprobleme.

Bei einem Mangel an Blutsalzen wie Magnesium und Calcium verkrampfen sich die Muskeln und die Knochen schmerzen. Durch einen Eiweißmangel kann es zu einer starken Gewichtsabnahme kommen und Knöchel und Unterschenkel können durch Wassereinlagerungen anschwellen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose eines Kurzdarmsyndroms richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung und welche Teile des Darms entfernt werden mussten. Wichtig nach einer Operation ist eine regelmäßige Kontrolle der Blutwerte, um festzustellen, ob der Körper mit ausreichend Vitaminen und Nährstoffen versorgt wird, regelmäßige Gewichtskontrollen und Stuhluntersuchungen, um rechtzeitig Komplikationen zu vermeiden.

Sinnvoll können bei Bedarf auch Röntgenuntersuchungen oder eine Computertomographie (CT) sein, um den Darm zu überwachen. Der Darm ist in gewissem Umfang in der Lage, sich an die neuen Verhältnisse anzupassen und die Funktion fehlender Abschnitte auszugleichen (medizinisch Adaption). Die Umstellungsphase nach der Operation kann bis zu einem Jahr dauern und ist anfangs häufig mit starken Durchfällen verbunden, besonders in den ersten Wochen nach der Operation.

In der Regel erholt sich der Darm nach einer gewissen Zeit und Betroffene spüren nach dieser Anpassungsphase eine Besserung der Beschwerden. Wenn Medikamente nicht helfen, kann vorübergehend eine künstliche Ernährung erfolgen oder ein künstlicher Darmausgang gelegt werden.

Bei einer verbleibenden Darmlänge von unter einem Zentimeter kann dauerhaft eine künstliche Ernährung erforderlich sein. Wenn es in schwereren Fällen trotz der künstlichen Ernährung zu weiteren Gewichtsverlusten kommt, hilft oft nur noch eine Darmtransplantation.

Behandlung & Therapie

In der Regel wird der Darm direkt nach einer Operation für zwei Wochen auf künstliche Ernährung umgestellt, um das Risiko einer massiven Gewichtsabnahme zu minimieren. Sie wird während dieser Zeit über einen Venenverweilkatheter intravenös verabreicht.

In den ersten paar Wochen können gehäuft starke Durchfälle auftreten, die medikamentös behandelt werden müssen, darüber hinaus muss die Flüssigkeits- und Nährstoffaufnahme überwacht werden, gegebenenfalls Nährstoffe zugeführt werden. Nach dem Nachlassen der Durchfälle kann langsam eine normale Ernährung aufgebaut und die künstliche Ernährung schrittweise wieder abgebaut werden.

Musste ein Großteil des Dünndarms entfernt werden, kann diese Phase entsprechend länger dauern. Treten weiter Beschwerden auf, obwohl der verbliebene Rest des Dünndarms lang genug ist, kann chirurgisch ein Stück vom Dünndarm herausgeschnitten, um 180 Grad gedreht und an der gleichen Stelle wieder angenäht werden.

Die Darmmuskulatur sorgt dann dafür, dass der Nahrungsbrei in Wellen verkehrt herum wieder in Richtung Magen transportiert wird. Dadurch verweilt die Nahrung länger im Darm und die Aufnahme von Nährstoffen wird gefördert.




Vorbeugung

Generell ist bei einem Kurzdarmsyndrom keine Vorbeugung möglich, aber Betroffene können durch das Befolgen von Verhaltensmaßnahmen dafür sorgen, dass der Restdarm geschont wird und sich der Zustand nicht verschlechtert. Um das zu erreichen, ist es wichtig, sich an die Ernährungsempfehlungen der Ärzte zu halten, regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen zu gehen, Medikamente entsprechend ihrer Verordnung einzunehmen und sofort einen Arzt aufzusuchen, wenn es zu Komplikationen kommt.

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