Kunsttherapie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. September 2017
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Eine Fachrichtung unter den künstlerischen Therapien im rehabilitativen, klinisch-psychischen und sozial-präventiven Bereich ist die Kunsttherapie.

Kunst ist der Gegensatz zur materialistisch-technischen Welt. Gewohnheiten, Einseitigkeit oder Schwerfälligkeit können über den schöpferischen Vorgang gelöst werden. Durch methodisch-interventorische Erlebnisformen und Ausdrucksmöglichkeiten ist es so möglich, innerpsychische Zustände und Gefühle in Form eines Bildes, einer Grafik, einer Fotografie oder Plastik auszudrücken und darüber hinaus mehr über das Innenleben, die Emotionen und Psyche des Patienten zu erfahren.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Kunsttherapie?

Kunsttherapie ist mit Bereichen der Psychologie, Pädagogik und Kunstwissenschaft verbunden. Sie kann sich auch noch einmal in Bereiche der Mal- und Gestaltungstherapie verzweigen, wobei bei der Maltherapie alleine die Malerei im Vordergrund steht, bei der Gestaltungstherapie der tiefenpsychologische Ansatz eine Rolle spielt, ohne von Kunst zu sprechen.

Kunsttherapie ist relativ jung auf psychotherapeutischem Gebiet und soll die Fähigkeit des Menschen fördern, seine Umwelt und Gefühle unmittelbar über seine Sinne zu erfassen und überhaupt wahrzunehmen. Der gestalterische Ausdruck in Form von bildender Kunst ermöglicht, sowohl zum eigenen Ich als auch zu anderen Menschen einen Kontakt herzustellen.

Behandlungen & Therapien

Innere Prozesse werden durch Kunst sichtbar gemacht. Das ist besonders bei somatischen und psychischen Erkrankungen hilfreich. Farben und Formauswahl stehen unmittelbar in Verbindung zur eigenen Lebensauffassung und den eigenen Erlebnissen.

Der Gestaltungsprozess ist dabei im therapeutischen Sinne genauso wichtig wie das fertige Werk. Es dient als Anschauungsmaterial und als Fläche, Handlungen und Denkweisen besser zu erfassen, dabei auch in sinnvoller Veränderung weiterzuentwickeln. Nicht selten werden bei der Kunsttherapie neue kreative Quellen entdeckt, die Selbstheilungskräfte gefördert und Veränderungsprozesse der Psyche angeregt.

Kunsttherapie und Kunstgeschichte stehen dabei in engem Zusammenhang. Über die Kunst versuchten einige Künstler ihre Gefühle auszudrücken und sich mit der Wirklichkeit intensiver auseinanderzusetzen. Bekannt sind das Bild „Der Schrei“ von Edvard Munch, die Kriegsgeschehens- und Albtraumbilder von Francisco de Goya oder der intensive und surreale Verarbeitungsprozess aller Schmerzen und Depressionen der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo.

Eine Weiterführung solcher Darstellungen innerer Gefühle wurde dann auch in Psychiatrien umgesetzt. Bekannt ist die Sammlung „Bildnerei der Geisteskranken“ von Hans Prinzhorn, der die Werke seiner Patienten ausstellte, die in ihren Ausdrucksformen sehr bezeichnend sind. Zum Beispiel befindet sich darunter ein über Seiten lang mit gleichen Schriftzügen geschriebener Brief ohne Wortsinn.

Kunsttherapie ist relativ jung auf psychotherapeutischem Gebiet und soll die Fähigkeit des Menschen fördern, seine Umwelt und Gefühle unmittelbar über seine Sinne zu erfassen und überhaupt wahrzunehmen.

Intellekt, also die Auseinandersetzung mit dem Umfeld und der Wirklichkeit, und Phantasie, als die Darstellung des inneren Prozesses, sind die wesentlichen Aspekte der Kunsttherapie als therapeutische Behandlung. Innerer und äußerer Ausdruck der schöpferischen Handlung ermöglichen einen Gestaltungsprozess, der wiederum dem Betrachter Deutungsmöglichkeit und Interpretation aller Gefühle gestattet.

Durch die Kunsttherapie soll die Kreativität gefördert und der Heilungsprozess unterstützt werden. Das wiederum ermöglicht eine innere Auseinandersetzung mit sich selbst, um darüber neue Lebensentscheidungen treffen zu können oder sich mit dem Sinn des eigenen Lebens tiefer zu beschäftigen. Kunst ist dabei eine Konfrontation mit der eigenen Innenwelt, in der nicht immer ganz klar sichtbar ist, wer und was der Mensch ist.

Erst durch den von innen nach außen beförderten Ausdruck in Form der Gestaltung von Bild oder Skulptur, Fotografie oder Grafik wird etwas Unverbindliches festgesetzt und ermöglicht einen Dialog. Dabei können durch den Therapeuten dann auch seelische Konflikte erfasst und zum Gesprächsthema werden. Die Deutung des Werkes bleibt dabei allerdings im Hintergrund. Es geht vielmehr um die Ausdrucksmöglichkeit selbst. So ist es nicht verwunderlich, dass neben der gestalterischen Darstellung auch andere Künste mit einbezogen werden, so z. B. Tanz, Musik oder Sprache.

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Diagnose & Untersuchungsmethoden

Natürlich gibt es daneben psychologische Testverfahren, die als Diagnostik dienen. Solche sind der Rorschach-Test, bei dem der Patient über Tintenkleckse deuten soll, was er sieht, den thematischen Apperzeptionstest, wobei dem Patient schwarz-weiß Bildtafeln mit alltäglichen Szenen gezeigt werden, die er interpretieren soll, und den Wartegg-Zeichentest, bei dem der Patient mit geometrischen Figuren nach genau definierten Vorgaben konfrontiert wird, in die er ein eigenes Bild zeichnen soll. Die Vorgaben können dabei mitbenutzt werden, die Wahl des Motivs bleibt dem Patienten überlassen.

Dem gegenüber stehen die üblichen kunsttherapeutischen Methoden zur künstlerischen Gestaltung. Dazu zählen das „Messpainting“, wobei durch spontanes und schnelles Malen und das Benutzen von viel Farbe die Kreativität angeregt werden soll, die Ausdrucksmalerei, bei der nicht das Ergebnis, sondern die Gestaltung selbst im Vordergrund steht, das begleitende Malen, das Formzeichnen oder das dialogische Malen, bei dem ein gemeinsames Bild gemalt wird.

Durch die Kunst entsteht ein Kontakt zwischen Therapeut und Patient und führt zu einer Interaktion in Einzelgesprächen oder auch in der Gruppe. Vordergründig bildet die Therapie in ihren Schwerpunkten ein Beziehungsdreieck, auch als kunsttherapeutische Triade bezeichnet. Die drei Ebenen bilden die Gestaltung des Kunstwerks als Ausdrucksform und Selbstauseinandersetzung, die Beziehung zwischen Patient und Therapeut und das Betrachtung und die Deutung des entstandenen Werkes.

Die Kunsttherapie orientiert sich dabei an verschiedenen Praktiken und Disziplinen, darunter z. B. an der Lehre von C. G. Jung. Sie wendet interdisziplinäre Methoden und verschiedene kreative Verfahren an, nutzt Grundlagen der Psychoanalyse, Psychologie und Verhaltenstherapie, aber auch Erkenntniswissenschaften wie die systemischen Therapien oder die Anthroposophie.

Krankheiten haben immer ihre Ursachen. Die tiefere Auseinandersetzung mit der Krankheitssituation geht Hand in Hand mit der eigenen Biografie. Durch kunsttherapeutische Verfahren wird die Wahrnehmung des Patienten verändert und kann eine Fixierung auf seine Erkrankungen lösen. Sie eignet sich daher für Menschen mit somatischen oder psychischen Störungen, aber auch in krisenhaften Entwicklungen oder in anderem psychosozialen Zusammenhang.

Bücher über Psychotherapie

Quellen

  • Möller. H.-J., Laux, G., Deister, A., Braun-Scharm, H., Schulte-Körne, G.: Duale Reihe Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Möller, H.-J.: Therapie psychischer Erkrankungen. Thieme, Stuttgart 2006
  • Reinhardt, D., Nicolai, T., Zimmer, K.-P.:Therapie der Krankheiten im Kindes- und Jugendalter. Springer, Berlin Heidelberg 2014

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