Krummdarm

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. November 2016
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Der Krummdarm ist der letzte Abschnitt des Dünndarms, der durch die sogenannte Ileozäkalklappe vom Dickdarm getrennt ist. Auf der anderen Seite geht er jedoch ohne scharfe Grenze aus dem Leerdarm hervor.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Krummdarm?

Der Krummdarm, auch Ileum genannt, stellt den dritten und letzten Teil des Dünndarms dar. Er folgt dem Leerdarm (Jejunum) ohne erkennbare Grenze und endet vor der sogenannten Bauhinschen Klappe (Ileozäkalklappe), die Dünn- und Dickdarm trennt. Das Ileum übt zusammen mit dem Jejunum und dem Duodenum die Funktionen des Dünndarms aus.

Besonders Krumm- und Leerdarm bilden zusammen eine Funktionseinheit. Ihre feingeweblicher Aufbau ändert sich ab Ende des Duodenum bis zur Ileozäkalklappe nur allmählich. Eine klare Grenze zwischen beiden Dünndarmabschnitten ist somit nicht zu erkennen.

Innerhalb dieses Bereiches werden die Nährstoffe aus dem Speisebrei resorbiert. Angepasst an die Änderung der Zusammensetzung des Speisebreis während der Dünndarmpassage ändern sich jedoch die Größe, Gestalt und Anzahl der Darmzotten und anderer feingeweblicher Strukturen insbesondere innerhalb des Ileums.

Anatomie & Aufbau

Das Ileum ist zusammen mit dem Jejunum über die Mesenterien im Bauchraum befestigt. Dort wird es über die Arteriae ileales, die aus der Arteria mesenterica superior entspringen, mit Blut versorgt.

Beim Menschen besitzt der Krummdarm eine Länge von etwa drei Metern und macht damit 60 Prozent der Länge des Dünndarms aus. Die Unterschiede zwischen dem Ileum und dem vorangegangenen Jejunum sind unauffällig. So ist das Ileum etwas blasser und hat einen etwas geringeren Durchmesser. Das Mesenterium des Krummdarms ist allerdings etwas fettreicher.

Am auffälligsten ist jedoch die Tatsache, dass das Ileum im Gegensatz zum Jejunum terminal eine Vielzahl von Peyerschen Plaques enthält. Die Peyerschen Plaques sind eng zusammenliegende Lymphfollikel. Sie haben die Aufgabe, die mit der Nahrung aufgenommenen Keime abzuwehren. Des Weiteren enthält das Ileum nur noch sehr wenige Kerkring-Falten, die für die Darmperistaltik verantwortlich sind.

Zum Ende hin verschwinden auch die Darmzotten, weil der Speisebrei vor Eintritt in den Dickdarm keine resorbierbaren Nährstoffe mehr enthält. Analwärts schließt das Ileum mit der sogenannten Bauhinschen Klappe (Ileozäkalklappe) ab. Die Ileozäkalklappe ist ein funktioneller Sphinkter, der aus den Ringmuskelschichten von Krummdarm und dem Colon vorgeschaltetem Blinddarm (Ceacum) hervorgeht. Sie soll den Rückfluss der bakterienreichen unverdaulichen Nahrungsreste aus dem Dickdarm in das sterile Ileum verhindern.

Funktion & Aufgaben

Das Ileum hat, wie bereits das vorangegangene Jejunum, die Aufgabe, weiterhin Nährstoffe aus dem Speisebrei zu resorbieren. Dafür ist eine große Oberfläche der Darmschleimhaut notwendig, die durch die Darmzotten und Mikrovilli gewährleistet wird. Allerdings werden die Darmzotten in Richtung Dickdarm immer kleiner und zum Ende verschwinden sie ganz, weil im terminalen Bereich des Ileums keine resorbierbaren Nährstoffe im Speisebrei mehr vorhanden sind.

Dafür werden hier neben der unveränderten Resorption von Wasser Vitamin B12 (Cobalamin) und Gallensäuren von der Darmschleimhaut aufgenommen. Vitamin B12 ist für die Blutbildung, Zellteilung und die Funktion des Nervensystems verantwortlich. Das unterstreicht die besondere Bedeutung des Ileums, denn eine Aufnahmestörung von Vitamin B12 führt zu einer perniziösen Anämie (bösartige Blutarmut).

Die Resorption von Vitamin B12 erfolgt mithilfe des intrinsischen Faktors. Der intrinsische Faktor ist ein Glyko-Protein, welches Cobalamin zum Schutz vor den im Magen erzeugten Verdauungsenzymen Pepsin und Trypsin an sich bindet. Dieses Protein wird wiederum von den Belegzellen der Magenschleimhaut gebildet. Weiterhin nimmt der Dünndarm insgesamt 80 Prozent des Wassers aus dem Speisebrei auf.

Das gilt jedoch für alle Dünndarmabschnitte gleichermaßen. Nicht zuletzt finden im Ileum mithilfe von Lymphfollikeln (Peyersche Plaques) Abwehrreaktionen gegen die mit der Nahrung aufgenommenen Bakterien statt.

Krankheiten

Erkrankungen des Ileums kommen meist nicht isoliert vor. In der Regel sind auch andere Bereiche des Darms betroffen. Die Darmentzündungen können sowohl infektiöser als auch nichtinfektiöser Natur sein. Selten kann allein anhand der Symptome bereits eine befriedigende Diagnose gestellt werden.

So rufen sowohl Dünndarm- als auch Dickdarmentzündungen ähnliche Krankheiterscheinungen hervor. Eine Dünndarmentzündung wird als Enteritis bezeichnet. Ist beispielsweise der Magen beteiligt, handelt es sich um eine Gastroenteritis. Wenn neben dem Dünndarm auch der Dickdarm betroffen ist, liegt eine Enterokolitis vor.

Infektiöse Bakterien, die eine Enteritis auslösen können, sind unter anderem Salmonellen, Shigellen, Clostridien oder Escherichia coli. Auch Viren, wie Rotaviren, Adenoviren oder Noroviren führen oft zu schweren Dünndarmentzündungen. Nichtinfektiöse Enteriten werden beispielsweise durch Medikamente, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Allergien oder Autoimmunprozesse hervorgerufen.

So sind Morbus Crohn und Colitis ulcerosa Autoimmunerkrankungen. Während Morbus Crohn den gesamten Darm betrifft, ist die Colitis ulcerosa häufig nur auf den Dickdarm beschränkt. Aber auch die Colitis ulcerosa kann auf den Dünndarm übergreifen. Entzündliche Prozesse im Dickdarm betreffen oft auch die Bauhinsche Klappe zwischen Ileum und Dickdarm. Wenn die Ileozäkalklappe entzündet ist, kann sie nicht mehr richtig schließen. Die Folge ist ein Übertreten von Bakterien aus dem Dickdarm in den sterilen Krummdarm.

Da das Ileum auch für die Resorption von Vitamin B12 verantwortlich ist, kann bei entzündlichen Prozessen in diesem Bereich auch dessen Aufnahme gestört sein. Neben dem Fehlen des intrinsischen Faktors durch Magenerkrankungen ist das eine der häufigsten Ursachen für das Auftreten einer perniziösen Anämie. Krebserkrankungen des Ileums sind selten, weil die schnelle Passage des Speisebreis das Ansammeln kanzerogener Substanzen in diesem Bereich verhindert.

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