Kriechender Günsel

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Mai 2017
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Jede Pflanze produziert Inhaltsstoffe, Vitamine, Gerbstoffe und Säfte, die ihr helfen, sich an ihrem Standort zu etablieren. Primär ermöglichen es diese Verbindungen der Pflanze, ihren Stoffwechsel aufrecht zu erhalten und ihre Sicherheit etwa gegen Fressfeinde zu gewährleisten. Sekundär macht sich der Mensch diese Stoffe zunutze, so auch die des kriechenden Günsel.

Inhaltsverzeichnis

Vorkommen & Anbau des Kriechenden Günsel

Der Kriechende Günsel wird seit dem frühen Mittelalter etwa bei Hildegard von Bingen genannt. Die krautige Pflanze wird 10 bis 30 Zentimeter hoch und trägt blaue Blüten. Als Lippenblütler sind zwei seiner fünf Kronblätter dorsal miteinander verwachsen, die restlichen drei ventral. Gestärkt werden die Kronblätter durch einen Kranz aus fünf Kelchblättern, die meist grün, gelegentlich mit bläulichem Einschlag erscheinen.

Beschützt wird die gesamte Blüte an der Unterseite von einem geflügelten Deckblatt. Am vierkantigen Stängel stehen einander zwei Blüten in bis zu sechs Reihen gegenüber. Die Abstände werden nach oben kürzer und die Wirtel dreht sich kreuzgegenständig. Vier Staubblätter und zwei Fruchtblätter komplettieren die zweigeschlechtliche Blüte. Die krautige Pflanze bildet am Boden eine Blattrosette aus, deren Blätter eiförmig bis länglich ausgebildet sind.

Die Spitze eines Blattes ist rund, der Blattrand schwach gekerbt und die Oberfläche meist kahl, gelegentlich kurzbehaart. Die Klausenfrucht zerfällt in vier nussähnliche Klausen. Daneben stellt der Günsel seine Vermehrung auch mittels Ausläufer sicher und Rhizome ermöglichen das Überwintern. Holzbildendes, sekundäres Dickenwachstum entfällt. Auf Feldern in der Nähe von Ruinen und Höfen sowie an Feldwegen findet der Günsel nährstoffreichen Boden.

Wirkung & Anwendung

Der Kriechende Günsel gilt seit alters her als Heilpflanze. Gesammelt werden alle Teile im Laufe des Vormittags bis zum Mittag, weil die meisten Säfte in den warmen Tagesstunden mit Mineralien angereichert sind. Im Mai und Juni wächst der Kriechende Günsel in die Höhe und setzt Blüten an. Zu dieser Zeit gestalten sich die Suche und das Sammeln am erfolgreichsten.

Die Pflanze wird während der Blüte geschnitten und zum Trocknen aufgehängt. Auch die im Rhizom (Stängelspross und Speicher unter der Erde) gespeicherten Säfte werden zu pharmazeutischen Produkten verarbeitet. Auf die Schleimhäute wirkt der Günsel beruhigend und auf den gesamten Organismus stärkend sowie heilend auf Wunden. Die äußerliche Anwendung ist von der inneren zu unterscheiden.

Gequetschter Günsel wird mit Öl übergossen und etwa zwei Wochen in die Sonne gestellt. Dann wird abgeseiht und das Öl bei Quetschungen und Verstauchungen angewendet. Ähnliche Hilfe verspricht eine Salbe, die sich mit Schweinefett herstellen lässt. Der Günsel wird kleingehackt, im Fett kurz scharf angebraten und kalt gestellt. Nach etwa 24 Stunden wird wieder aufgewärmt, durch ein Sieb gefiltert und die fertige Salbe im Kühlschrank aufbewahrt.

Der Kriechende Günsel wird seit dem frühen Mittelalter etwa bei Hildegard von Bingen genannt. Die krautige Pflanze wird 10 bis 30 Zentimeter hoch und trägt blaue Blüten.

Die Inhaltsstoffe des Günsels, wie Gerbstoffe, besitzen adstringierende, also zusammenziehende, Wirkung, die bei Halsschmerzen und Rachenentzündungen genauso Anwendung finden wie bei der Versorgung von Wunden und ihrer nachträglichen Behandlung. Solche Tannine sind es auch, die beispielsweise dem Tee und dem Wein einen leicht herben Geschmack verleihen.

Ein Aufguss wird durch Übergießen der Pflanzenteile mit heißem oder kaltem Wasser gewonnen, wobei trockene Blätter und die Früchte zuerst vorsichtig zerstoßen werden. Heißes Wasser löst die Aromastoffe und dient als Inhalation bei Schnupfen und Erkältung. Des Weiteren regt ein Tee, zubereitet aus trockenen oder frischen Pflanzenteilen den Appetit an, hilft bei Magenverstimmung und wirkt blutdrucksenkend.

Für ein Bad werden beliebige oberirdische Teile der Pflanze zerkleinert und zunächst ebenfalls mit kochendem Wasser übergossen, bevor sie ihre Wirkung entfalten. Aus dem Kriechenden Günsel kann eine Tinktur mit Doppelkorn oder Weingeist angesetzt werden, von der bei Bedarf ein bis dreimal täglich 10 bis 15 Tropfen eingenommen werden.

Die jungen Triebe des Günsels geben Wildkräutersalaten einen herb-säuerlichen Geschmack und als Beigabe zu Fleisch wird der Günsel vorher in Butter weich gedünstet. Weitere, wichtige Inhaltsstoffe, die dem menschlichen Körper helfen, sich etwa vor Mangelkrankheiten zu schützen, sind Saponin und Ascorbinsäure (Vitamin C) sowie ätherische Öle. In Afrika wurde der Günsel wegen des ebenfalls enthaltenen Harpasogids gegen Fieber und Diabetes angewendet.

Bedeutung für die Gesundheit, Behandlung & Vorbeugung

Die Blüten werden von Schmetterlingen gerne besucht, was den Günsel zu einer wichtigen Gartenpflanze macht. Für Bienen ist er bezüglich der Ertragsmenge des Nektars weniger interessant. Trotzdem fliegen sie den Günsel regelmäßig an, da die Gerbstoffe ein wichtiges Mittel gegen Fäulnis darstellen und einerseits antiviral, andererseits antibakteriell wirken.

Jene Gerbstoffe, die Tannine, wirken beruhigend auf den menschlichen Organismus und dienen gleichermaßen als Einschlafhilfe und gegen Schlafstörungen. Bei Sodbrennen sowie bei Gallenerkrankungen und gegen Entzündungen im Mund- und Rachenraum wird der Günsel gerne eingenommen.

Verdauungsstörungen werden ebenfalls behandelt, wobei der Günsel eine stopfende Wirkung entfaltet. Tee aus getrockneten Blüten und Blütenteilen helfen vorbeugend gegen Rheuma und Hautentzündungen und bringen Linderung bei Hämorrhoiden und Angina. Bei Mandelentzündungen und Geschwüren, bei Gelenksentzündungen, Narben und nach Knochenbrüchen wird der Kriechende Günsel gleichermaßen angewendet und hilft dem Körper bei seiner Regeneration und Gesundung.

Außerdem beeinflusst er die Filtration von Wasser ins Gewebe und vermindert die Gefahr von Ödemen. Die im Günsel enthaltenen Iridoide, allen voran das Ajugol, verwendet die Pflanze selber, um Fressfeinde abzuhalten sie zu beschädigen oder zu vernichten. Nebenbei erschwert es in der Anwendung beim Menschen die Aufnahme von Cholesterin im Darm.

Dadurch wird der Körper in der Folge angeregt, endogenes, also körpereigenes, Cholesterin zu bilden. Aucubin ist im Pflanzensaft enthalten und wirkt entzündungshemmend. Auf das Jucken und die Schwellungen nach Insektenstichen wirkt der zerdrückte Pflanzenteil durch Aucubin reizmildernd.

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