Kreuzimmunität

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 24. Januar 2017
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Menschen, die eine Kreuzimmunität aufweisen, sind bei Kontakt mit einem Erreger gleichzeitig gegen einen homologen (gleichartigen) weiteren Erreger immun. Synonyme sind erworbene Immunität und Kreuzreaktion.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Kreuzimmunität?

Die Kreuzimmunität richtet sich durch eine spezifische Immunantwort gegen ein bestimmtes Antigen (Erreger). Die Fähigkeit, den Erreger abzuwehren, muss zuvor jedoch durch einen Erstkontakt mit diesem Antigen erworben werden. Die Immunantwort auf den Erreger erfolgt nicht sofort, sondern verzögert in Form einer spezifischen Antigen-Antikörper-Reaktion.

Die Kreuzreaktion greift erst dann ein, wenn das unspezifische (natürliche) Immunsystem versagt oder der Organismus wiederholt befallen wird. Die Kreuzimmunität benötigt einige Tage oder Wochen, bis ihre Wirkung eintritt. Mit spezifischer Treffsicherheit richtet sie sich nur gegen einen Angreifer (Erreger) und reagiert erst nach erneutem Kontakt mit dem Antigen.

Funktion & Aufgabe

Um Erreger, denen es gelungen ist, in den Organismus einzudringen, kümmert sich das natürliche Abwehrsystem in Form sogenannter Fresszellen, die als Makrophagen, neutrophile Granulozyten und Monozyten auftreten. Auch im Blut lösliche Eiweiße mit eigener Abwehr gehören dazu. Es handelt sich um eine zelluläre Verteidigungsfront, die durch chemische Botenstoffe aktiviert und angelockt wird. Sie ist bei Wunden und Infektionsherden stets als Erste am Tatort.

Diese natürliche Abwehr wird auch unspezifische Abwehr genannt, weil sie sich nicht wie die angeborene Immunität oder die erworbene Immunität (Kreuzimmunität) gegen bestimmte Antigene richtet, sondern umgehend jeden potentiell bedrohlichen, unbekannten und körperfremden Erreger auffrisst. Eine Analyse des Angreifers findet nicht statt, genauso wenig wie sich die Abwehrzellen den Erregertyp merken. Sie umschließen diesen durch Fresszellen und „schmeißen“ ihn raus.

Die Kreuzimmunität richtet sich durch eine spezifische Immunantwort gegen ein bestimmtes Antigen (Erreger).

Pilze, Viren, Mykobakterien, Bakterien und Parasiten sind die ungebetenen Untermieter, die das Immunsystem regelmäßig aktiv halten. Häufig stellen sie eine gesundheitliche Bedrohung dar und müssen ausgeschaltet werden.

Die anatomischen Barrieren sind die äußeren Grenzen wie Haut, Schleimhaut, Flimmerhärchen, Nasenhase oder die Bronchialschleimhaut, die die gröbsten Angriffe von außen abwehren. Sie machen Keime unschädlich. Werden diese anatomischen Barrieren gereizt oder verletzt, können Erreger leicht in den geschwächten Organismus eindringen.

Die Kreuzimmunität richtet sich nicht nur gegen das ursprüngliche Antigen, sondern auch gegen weitere, verwandte Antigene. Erkrankt ein Mensch an einer bakteriellen Infektion, ist eine Kreuzimmunität gegen weitere verwandte Bakterien möglich. Der erkrankte Mensch steckt sich mit der bakteriellen Folgeerkrankung nicht mehr an, da er durch die Kreuzreaktion immun gegen die auslösenden Erreger ist. Sein körpereigenes Abwehrsystem entwickelt eine Widerstandsfähigkeit gegen eine erneute Erkrankung.

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Krankheiten & Beschwerden

Da das Immunsystem oft auf seine natürlichen Grenzen stößt, aktiviert der Organismus das intelligente Abwehrsystem. B-Lymphozyten, die sich im Knochenmark bilden, übernehmen die Regie. Sie sammeln sich in der Milz und den Lymphknoten und bilden an dieser Stelle Antikörper gegen die eindringenden Erreger. Die T-Lymphozyten reifen im Thymus und bilden zusammen mit den B-Zellen die „spezifische Abwehr“. Zu dieser Immunart gehört auch die Kreuzimmunität, weil sie sich gegen einzelne, bestimme Erreger zur Wehr setzt.

Die Kreuzreaktion setzt sich in der Regel gegen homologe (gleichartige) Erreger zur Wehr, kann vereinzelt jedoch auch gegen heterologe (andersartige) Antigene wirken. Das Besondere an diesem Prozess ist, das sich das Immunsystem die Beschaffenheit der angreifenden Erregertypen merkt. Im Fall einer wiederholten Infektion kann der Organismus wirkungsvoll und schnell reagieren. Diese Form der erworbenen Abwehr setzt jedoch nicht gleich ein, sondern braucht einige Tage oder Wochen, bis sie ihre volle Wirkung entfaltet, da im Körper ein Lernprozess stattfindet. Dieser Immunschutz bleibt durch Gedächtniszellen (immunologisches Gedächtnis) über Jahre oder sogar ein ganzes Leben bestehen.

Nach diesem erlernten Prozess und dessen Umsetzung kann das Immunsystem stärker werden. Basierend auf diesem Prinzip erfolgen auch Impfungen. Mit der Vergabe des Impfstoffes wird dem Organismus vorgegaukelt, dass eine Infektion mit einem speziellen Keim besteht, da der Impfstoff in seiner äußerlichen Beschaffenheit dem Erreger der Infektion sehr ähnlich ist. Er ist dabei jedoch so konzipiert, dass er nicht zu einer Erkrankung führt.

Der Körper bildet Abwehrstoffe und merkt sich diese. Kommt es zu einer tatsächlichen Infektion, fährt der Organismus umgehend sein ganzes Arsenal an Abwehrstoffen auf, um den eindringenden Erreger zu bekämpfen. Das Gedächtnis der Abwehrzellen lässt mit der Zeit jedoch nach, so dass eine erneute Impfung notwendig ist. Gegen Tetanus muss dreimal geimpft werden, während für eine Grippe eine einmalige Impfung ausreichend ist.

Regelmäßig ist der Mensch von Viren und Bakterien umgeben und fast immer versuchen diese, die körpereigene Abwehrbarriere zu durchdringen, meistens jedoch ohne Erfolg. Funktioniert das körpereigene Abwehrsystem nicht so, wie es soll, kann das viele Beschwerden und Erkrankungen wie Husten, Heuschnupfen, verschiedene Allergien, Fieber und eine große Anzahl unterschiedlicher Infektionskrankheiten nach sich ziehen. Eine durch Antibiose erreichte Schutzwirkung kann zu einer Fehlbesiedlung mit resistenten Pathogenen führen, wenn durch die Vergabe von Antibiotika bestimmte, nützliche Bakterien unterdrückt oder abgetötet werden. Pilze und Staphylokokken breiten sich dann ungehindert aus und werden pathogen.

Die verschiedenen Infektionskrankheiten immunisieren auf unterschiedliche Art und Weise. Masern erzeugen bei vielen Menschen eine lebenslange Immunität, während es nicht ausgeschlossen ist, dass Menschen, die einmal an Scharlach leiden, im Laufe ihres Lebens ein zweites Mal erkranken. Bei Denguefieber entwickelt der Organismus zwar schützende Antikörper gegen den infizierenden Subtyp, diese wirken im Fall einer erneuten Infektion mit einem Dengue-Virus der drei weiteren Subtypen jedoch verstärkend auf den Krankheitsverlauf und erhöhen die Pathogenität. Diese Infektionskrankheit ist ein Beispiel dafür, dass eine Kreuzimmunität durch den Erstkontakt mit einem Virus, nicht immer den Organismus gegen die weiteren, ähnlichen Typen immunisiert.

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