Koronarangiographie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. September 2017
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Die Koronarangiographie ist eine invasive Untersuchung der Herzgefäße zu diagnostischen oder therapeutischen Zwecken. Sie wird auch als Herzkranzgefäßuntersuchung bezeichnet. Die Koronarangiographie hat höchste Bedeutung und Aussagekraft bei allen arteriosklerotischen Veränderungen der Herzkranzgefäße.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Koronarangiographie?

Die konventionelle Koronarangiographie ist ein bildgebendes Verfahren zur Darstellung der Koronararterien, also der sogenannten Herzkranzgefäße. Diese Blutstrombahnen versorgen den Herzmuskel permanent mit Nährstoffen und Sauerstoff. Es geht bei der Untersuchung darum, den Innenraum dieser fein verästelten Blutgefäße, das Lumen, sichtbar zu machen.

Zu diesem Zweck kommen neben Kontrastmittel auch Röntgenstrahlen zum Einsatz, sodass Engstellen in Echtzeit erkannt und behandelt werden können. Diese Verengungen der Herzkranzgefäße sind der häufigste Grund für die sogenannte koronare Herzkrankheit und für einen Herzinfarkt. Das Ausmaß der Beschwerden und der Funktionseinschränkung bei einem Infarkt ist stets vom Grad der Verengung abhängig. Vom asymptomatisch verlaufendem Mikroinfarkt bis zum schweren Transmuralinfarkt mit letalem Ausgang sind alle Zwischenstufen möglich.

Durch die konventionelle Koronarangiographie lassen sich Ausmaß und Auswirkung von Stenosen der Herzkranzgefäße präzise darstellen. Die Untersuchung erfolgt mit Hilfe eines Linksherzkatheters. Die diagnostische Aussagekraft einer Herzkatheteruntersuchung wird als hoch bis sehr hoch eingeschätzt. Das Verfahren kann ambulant oder unter stationären Bedingungen als Routineeingriff oder im Rahmen einer Notfalldiagnostik bei Verdacht auf Herzinfarkt durchgeführt werden.

Funktion, Wirkung & Ziele

Die Koronarangiographie ist eine in Deutschland häufig durchgeführte Untersuchung, es liegen deshalb genügend Erfahrungswerte für einen zielgerichteten und sicheren Untersuchungsablauf vor. Sie hat sich sowohl in der Vorsorge von schweren Herzerkrankungen als auch in der Notfalltherapie gegen die koronare Herzkrankheit, KHK, bestens bewährt und kann bei medizinischer Indikation auch mehrfach wiederholt werden.

Die Koronarangiographie wird unter Sedierung und Schmerzstillung in Teil- oder kurzer Vollnarkose durchgeführt. Die konkrete Durchführung hängt immer auch vom Zustand eines Patienten ab. Die ärztlichen Leitlinien sorgen bei der Durchführung von Herzkatheteruntersuchungen für standardisierte Abläufe. Obwohl es je nach Krankheitsbild gewisse Variationen geben kann, ist der grundsätzliche Ablauf bei jeder selektiven Koronarangiographie zunächst gleich. Nach Palpation der linken Leistenarterie wird mit einem Skalpell ein winziger Schnitte gesetzt, dadurch kann der Linksherzkatheter von dieser Stelle aus langsam und unter Röntgenkontrolle bis in die Aorta descendens vorgeschoben werden.

Nachdem der Katheter an die korrekte Position gebracht wurde, erfolgt unmittelbar die Applikation des Kontrastmittels, ebenfalls über den Katheter. Das Kontrastmittel verteilt sich nun mit dem Blutstrom sehr zügig in den Koronararterien, genau dieser Vorgang wird in mehreren Röntgenaufnahmen dokumentiert. Das dabei angewendete Verfahren ist die sogenannte Röntgendurchleuchtung.

Die Koronarangiographie ist eine invasive Untersuchung der Herzgefäße zu diagnostischen oder therapeutischen Zwecken. Abbildung zeigt die Herzkranzgefäße.

Es werden dabei mehrere Röntgenbilder in kurzen Abständen angefertigt, die auch eine Darstellung des schlagenden Herzens ermöglichen. Der Arzt kann also in Echtzeit genau den Weg des Kontrastmittels durch die Koronarien beobachten und dabei eventuelle Engstellen in Form und Größe beurteilen. Bereits seit Einführung des Verfahrens hat sich eine Dokumentation auf CD, Video oder DVD bewährt. Denn mit diesem Bildmaterial kann eine sorgfältige Analyse auch noch nach der eigentlichen Untersuchung stattfinden.

Besonders bei komplexen Befunden hat sich die sorgfältige nachträgliche Auswertung des Bildmaterials als sehr hilfreich im Hinblick auf die Therapie erwiesen. Um die Koronardurchblutung mit Hilfe der Koronarangiographie genau beurteilen zu können, wird die TIMI-Klassifikation angewandt. Dieses System teilt die Durchblutung der Herzkranzgefäße in 4 Grade ein. Grad 3 bedeutet uneingeschränkte, vollständige Perfusion. Bei Grad 2 ist die Durchblutung partiell bereits eingeschränkt, bei Grad 1 staut sich bereits etwas Kontrastmittel vor einer Engstelle und beim schlimmsten Grad 0 findet keine Perfusion mehr statt, in diesem Fall dringt das Kontrastmittel also nicht über den Verschluss hinaus.

Therapeutisch kann über den Katheter auch ein aufblasbarer Ballon oder ein feines Drahtgeflecht, der sogenannte Stent, vorgeschoben werden, um die Durchblutung an der Engstelle wieder herzustellen. Bei der Ballondilatation wird der Ballon nach dem Aufsprengen der Engstelle wieder entfernt, ein Stent verbleibt an der Engstelle und stützt die meist brüchige Gefäßwand von innen.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Trotz aller Routine bei der Koronarangiographie dürfen die Risiken und Gefahren niemals unterschätzt werden. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Unverträglichkeitsreaktionen gegen Kontrastmittel, Gefäßverletzungen während des Eingriffs oder kardiale Komplikationen wie Kammerflimmern oder Asystolie, beides intensivpflichtige, medizinische Notfälle mit Lebensgefahr.

Zentrale Embolien können durch eingeschleppte Thromben in die Blutstrombahn zu Schlaganfällen führen. Nachblutungen, Hämatome oder Infektionen gehören zu den weiteren, unspezifischen Gefahren einer Koronarangiographie. Werden bei dem Eingriff Nerven verletzt, so können bleibende Sensibilitätsstörungen die Folge sein. Nicht unterschätzt werden darf auch die relativ hohe Belastung an ionisierender Strahlung, die sowohl für den Patienten, aber auch für das ärztliche und nichtärztliche Personal eine Gefahr darstellt.

Bleischürze und Bleihandschuhe schützen den Arzt während des Eingriffs zwar vor einem Großteil dieser Strahlung, eine gewisses Maß an Streustrahlung kann jedoch nicht vermieden werden. Der medizinische Nutzen übersteigt die Gefahren durch mögliche Risiken aber bei Weitem. Bei Hochrisikopatienten gibt es mittlerweile auch gute Alternativen zur herkömmlichen Koronarangiographie. Die koronare Magnetresonanz-Angiographie arbeitet ganz ohne schädliche Röntgenstrahlung durch Kernspin, die Ergebnisse sind der einer konventionellen Koronarangiographie nahezu gleichwertig. Eine weitere Alternative ist die nichtinvasive Koronarangiographie mittels Computertomographie.

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Quellen

  • Erdmann, E.: Klinische Kardiologie. Springer, Heidelberg 2011
  • Müller, S.: Notfallmedizin. Thieme, Stuttgart 2011
  • Roskamm, H., et al.: Herzkrankheiten. Springer, Heidelberg 2004

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