Koprostase

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 30. Oktober 2017
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Unter Koprostase ist die Aufhäufung beziehungsweise Ansammlung von Stuhl im Dickdarm zu verstehen. Sie wird daher alternativ auch Kotstauung oder Stuhlimpaktion genannt. Die englischen Bezeichnungen lautet coprostasis respektive fecal impaction.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Koprostase?

Die Koprostase ist im eigentlichen Sinne keine Erkrankung. Sie stellt als Symptom vielmehr eine gravierende Störung der Endverdauung und damit ein ernsthaftes gesundheitliches Problem dar. Der im Enddarm vorhandene Stuhl wird bei betroffenen Patienten nicht weitertransportiert und sammelt sich vor allem im letzten Bereich des Enddarms, dem Mastdarm, an.

Es folgt ein stetiger Wasserentzug des Stuhls, der dazu führt, dass der Kot eindickt und sich verfestigt. Das Ergebnis sind wasserarme, verhärtete Kotballen, medizinisch auch Skybala genannt. Diese gebundenen Kotballen verschließen nach und nach den Darm und bewirken, dass der Betroffene seinen Darm nur noch bruchstückhaft entleeren kann.

Setzt sich der Kotballen, ähnlich eines Pfropfes, gänzlich fest, ist die Darmentleerung auch unter Druck nicht mehr möglich. Der Wasserentzug des Darminhaltes wird weiter fortgesetzt und es kommt zur Bildung von Kotsteinen. Diese steinähnlichen Gebilde bestehen aus massivem und stark eingedicktem Stuhl. Sie sind von einer Schleimschicht und eingetrockneten Stuhlresten umgeben.

Ursachen

Eine Koprostase bildet sich meist aus einer chronischen Obstipation heraus. Die Zivilisationskrankheit Obstipation, gemeinhin als Verstopfung bekannt, weist die verschiedensten Ursachen auf. Größtenteils sind eine ballaststoffarme, trockene Ernährung und ein zeitgleicher Bewegungsmangel (auch bei Bettruhe und Immobilisation) Auslöser für die Darmträgheit. Darüber hinaus können Darmerkrankungen wie Abszesse, Verwachsungen, Hämorrhoiden oder sogar Tumore Grund für eine Verstopfung sein.

Aber auch Nervenerkrankungen, wie Parkinson oder Multiple Sklerose, Muskelerkrankungen und Hormonschwankungen in der Schwangerschaft sind als Ursache für eine Obstipation möglich. Letztlich sind selbst Nebenwirkungen von Medikamenten nicht zu unterschätzen. Unter anderem führen Antidepressiva, Opiate und Antiepileptika immer wieder zu unerwünschter Verstopfung.

Bei älteren Patienten liegt die Ursache einer Koprostase häufig in einer zu geringen Flüssigkeitszufuhr. Hinzu kommt, dass mit zunehmendem Alter die Rektalmuskulatur erschlafft und zugleich die Darmperistaltik des Öfteren gestört ist. Koprostase kann darüber hinaus auch aufgrund eines erworbenen oder angeborenen Megacolons (Dickdarmerweiterung) und nach einem Darmverschluss entstehen.

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Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Koprostase geht im Allgemeinen mit starken Schmerzen im Unterbauch einher. Sie treten zumeist rechtsseitig auf und verstärken sich, sobald es zu einem Defäkationsreflex kommt. Vor allem in sitzender Position führen bei diesem ins Leere laufenden Darmentleerungsreflex Kotballen und Kotsteine zu Schmerzen. Gemeinhin klagen Betroffene zusätzlich über einen ausgeprägten Meteorismus.

Diese Ansammlung von Darmgasen sorgt für intensive und damit unangenehme Flatulenz. Seltener treten dagegen Übelkeit und Erbrechen im Zusammenhang mit einer Koprostase auf. In Verbindung mit den rechtsseitigen Schmerzen sind diese jedoch oft Anlass für eine Verwechslung mit einer Appendizitis (Blinddarmentzündung). Eine entsprechende Abklärung mit einem Facharzt sollte vorgenommen werden.

Besondere Vorsicht ist geboten, sofern es zu einer vorgetäuschten Diarrhoe kommt, bei der Dickdarmsekrete an der Kotstauung vorbei nach außen gelangen. Auf sie kann eine Stuhlinkontinenz folgen, durch welche ein Zurückhalten des Stuhls und eine willkürliche Darmentleerung nicht mehr möglich sind.

Diagnose & Verlauf

Eine Diagnose lässt sich nur über einen Facharzt stellen. Dieser kann die verhärteten Kotballen und Kotsteine im besten Fall bereits durch die freigelegte Bauchdecke ertasten, die hiernach Koprom oder auch Sterkorom genannt werden. Einen eindeutigen Befund liefert hingegen ausschließlich eine Röntgenaufnahme der Bauchregion.

Komplikationen

Bei einer Koprostase können erhebliche Komplikationen auftreten. Durch die Stauung des Kots im Darm besteht das Risiko einer Darminfektion, auch eine sogenannte Durchwanderungsperitonitis kann auftreten. Zunächst kommt es allerdings zu Durchfall und Übelkeit, oft begleitet von Verstopfung und weiteren Darmbeschwerden.

Im weiteren Verlauf kann eine unbehandelte Koprostase einen Darmverschluss bedingen, der für den Patienten oft lebensbedrohlich ist. In weniger schweren Fällen führt die Koprostase zu Harninkontinenz und später zur fäkalen Inkontinenz. Im fortgeschrittenen Stadium führt Koprostase oft zu schweren Vergiftungszuständen und Infektionen im Darm.

Dadurch kommt es zunächst zu Kreislaufbeschwerden, später treten lebensbbedrohliche Organstörungen und weitere Komplikationen auf. Dazu zählen etwa: Proktalgie, Darmverlegung und Blinddarmdurchbruch, abhängig vom Grundleiden und dem Zeitpunkt der Behandlung. Durch den Kotstau erhöht sich außerdem das Risiko von Kotsteinen, die eine vollständige Entleerung des Darmes verhindern und dadurch eine Vielzahl von Magendarmerkrankungen wie Infektionen und Verstopfung begünstigen.

Wird die Koprostase frühzeitig behandelt, bleiben langfristige Komplikationen meist aus. Abführende Präparate können kurzfristig zu Mangelerscheinungen, Dehydration und körperlicher Abgeschlagenheit führen, während chirurgische Eingriffe das Risiko von Verletzungen am Darm bergen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei starken Beschwerden im Unterbauch, auch wenn sie rechtsseitig auftreten, denken die meisten Menschen an eine harmlose Symptomatik, die Sie evtl. mit einer bestimmt nur vorübergehenden Stuhlproblematik (Verstopfung) in Verbindung bringen. Doch diese Beschwerden sind meistens keine harmlosen Bauchschmerzen und sollten deshalb zumindest mit einem Arzt besprochen werden, der dann nach einer Erstdiagnose die eventuell erforderlichen weiteren Untersuchungen festlegen kann. Wenn dann Entwarnung gegeben werden kann, besteht zumindest eine beruhigende Klarheit.

Treten die Schmerzen besonders im Sitzen auf oder wird ein ausgeprägter Meteorismus (Ansammlung von Darmgasen) bemerkt, sollte umgehend ein Facharzt aufgesucht werden, damit anhand spezieller Darmuntersuchungen eine differenzierte Diagnose gestellt werden kann. Die häufig parallel auftretenden intensiven Flatulenzen untermauern die Dringlichkeit einer ärztlichen Konsultation.

Wie bei einer Appendizitis (Blinddarmentzündung) kann es bei rechtsseitigen Unterbauchbeschwerden zu Erbrechen und Übelkeit kommen. Eine genaue Abgrenzung zwischen der Koprostase und einer Appendizitis ist fachärztlich umgehend vorzunehmen.

Treten Dickdarmsekrete nach außen oder kommt es sogar zu einer Stuhlinkontinenz, ist höchste Eile für einen Arztbesuch geboten.

Behandlung & Therapie

Auch die Behandlung einer Koprostase sollte dem Facharzt überlassen werden. Von einer Selbsttherapie mit Abführ- oder Hausmitteln wird bei der schwerwiegendsten Form der Verstopfung abgeraten, da sowohl ein Darmverschluss (medizinisch Ileus) als auch eine Darminfektion, eine Bauchfellentzündung sowie eine sogenannte Autointoxikation die Folge sein können. Die Autointoxikation ist ein Vergiftungszustand, der durch ein bakterielles Eindringen zustande kommt.

Zersetzungsstoffe des Darminhaltes gelangen in die Blutbahn und rufen Fieber, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und ein Schwächung des Immunsystems hervor. Besonders ältere Menschen, Kinder und Personen mit einem geschwächten Immunsystem sollten daher bei einer Koprostase unverzüglich Hilfe aufsuchen.

Die Behandlung der Koprostase erfolgt je nach Schweregrad und Zustand des Patienten. Leichte Fälle werden mit Einläufen und einer kontrollierten Einnahme von Abführmitteln therapiert. Üblich sind eine orale Gabe einer PEG-Lösung und eine anschließende orthograde Darmspülung.

Bei schwereren Fällen erfolgt eine digitale Stuhlausräumung. Hierbei wird der Kotpfropf manuell vom Facharzt entfernt und anschließend ein Reinigungseinlauf durchgeführt. Eine Stuhlausräumung ist für den Betroffenen meist schmerzhaft. Auf einen chirurgischen Eingriff und die Einnahme von Schmerzmitteln wird nur in Ausnahmefällen zurückgegriffen.

Um zu verhindern, dass die Koprostase chronisch wird, muss nach der vollständigen Leerung des Darms die Neubildung von Kotballen aufgehalten und die Stuhlkonsistenz reguliert werden. Bei Kindern hat sich diesbezüglich ein Stuhltraining bewährt.

Aussicht & Prognose

Bei der Koprostase kommt es in den meisten Fällen zu starken Schmerzen im unteren Bereich des Bauches. Die Schmerzen werden im Sitzen in der Regel verstärkt. Neben den Schmerzen sammeln sich beim Patienten auch Darmgase an, welche zu unangenehmen Druckgefühlen im Bauch und zu unangenehmen Gerüchen führen können.

Die Koprostase kann bei einem Arzt relativ gut mit Hilfe einer Röntgenaufnahme diagnostiziert werden. Außerdem kann der Arzt das Vorhandensein der Kotballen auch mit der Hand ertasten. Falls das Symptom nicht behandelt wird, kann es zu einem lebensbedrohlichen Darmverschluss kommen. Dieser kann im schlimmsten Falle auch zu einer Inkontinenz führen. Hinzu kommen etliche Infektionen und Entzündungen im Darm, die zu starken Schmerzen führen.

Die Behandlung findet in den meisten Fällen durch Medikamenten statt. Falls diese frühzeitig gestartet wird, kommt es zu keinen weiteren Beschwerden oder Komplikationen. Nur in schwerwiegenden Fällen ist ein operativer Eingriff notwendig, bei welchem eine Säuberung des Darmes vorgenommen wird. Die Koprostase kann jedoch nach der Behandlung nochmals auftreten und wird somit nicht komplett ausgeschlossen.

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Vorbeugung

Ansonsten gehören eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und eine ballaststoffreiche Ernährung mit Getreide, Gemüse und Hülsenfrüchte zu den gängigsten Vorbeugungsmaßnahmen. Aktive Bewegung und eine Gewichtsreduzierung bei Übergewicht fördern darüber hinaus ebenfalls die Darmtätigkeit.

Bei einer Anfälligkeit für Obstipation und Koprostase werden dagegen leichte Darmspülungen empfohlen. Sie lösen verhärtete Stellen und halten die Darmwände geschmeidig. Bei Kindern und Patienten mit Kreislaufproblemen sollte vor der Anwendung vorsichtshalber mit dem Haus- oder Facharzt gesprochen werden.

Von einer dauerhaften Einnahme von Abführmitteln wird dringend abgeraten. Trotz scheinbarer Erfolge können Abführmittel eine Koprostase fördern.

Das können Sie selbst tun

Gegen die Stauung des Kots im Dickdarm gibt es gute Selbstbehandlungsmöglichkeiten. Grundsätzlich ist allerdings festzuhalten, dass die Therapie unter Aufsicht eines Facharztes erfolgen sollte. Der unkontrollierte Einsatz von Haus- und Abführmitteln kann schwerere Krankheiten wie einen Verschluss oder eine Infektion des Darms, eine Bauchfellentzündung oder eine Vergiftung durch eingedrungene Bakterien nach sich ziehen.

Unter Koprostase Leidende sollten verstärkt flüssige Nahrung und ballaststoffreiche Lebensmittel wie zum Beispiel Getreide, Gemüse und Hülsenfrüchte zu sich nehmen. Abführende Kost wie Sauerkraut, Ananas und Sauermilch ist ebenfalls anzuraten. Im akuten Fall hilft es, viel Wasser zu trinken. Auch durch die Einnahme eines Esslöffels Olivenöls vor dem Frühstück erhöht sich die Gleitfähigkeit harten Stuhls erheblich.

Viel Bewegung hält den Darm aktiv, stärkt die Rektalmuskulatur und beugt der Bildung von Kotballen beziehungsweise Kotsäulen vor. Tägliche Bauchmassagen sind ebenfalls eine Option, da sich dadurch die Form, die Lage und der Spannungszustand der Muskulatur des Verdauungsapparates verbessert. Bei Koprostase-Anfälligkeit sind regelmäßige leichte Darmspülungen zu empfehlen. Dadurch werden verhärtete Stellen gelöst und die Darmwände geschmeidig gehalten. Unter gar keinen Umständen sollten Abführmittel dauerhaft eingesetzt werden. Jene Präparate bewirken zwar oft kurzzeitig eine Linderung, verstärken aber eine Koprostase auf lange Sicht. Unter Umständen rufen diese Mittel eine Kotstauung sogar erst hervor.

Bücher über Verstopfung

Quellen

  • Braun, J., Dormann A. J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Messmann, H.: Klinische Gastroenterologie. Thieme, Stuttgart 2012

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