Konvergenzreaktion

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 24. Januar 2017
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Als Konvergenzreaktion bezeichnet man zum einen die reflektorische Engstellung der Pupillen bei Konvergenz und zum anderen die Einwärtsbewegung beider Augen bei Fixierung von nahen Objekten. Beeinträchtigungen der Konvergenz können unter anderem Schielen hervorrufen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Konvergenzreaktion?

Konvergenz ist eine bestimmte Art von gegensinnigen Augenbewegungen. Ohne Konvergenzreaktion könnten Objekte nicht aus der Nähe betrachtet werden. Die Konvergenzreaktion gehört zu einem neurophysiologischen Prozess. Zu diesem Regelkreis gehören auch die Akkommodation und die Verengung der Pupille (Miosis). Der Komplex aus Konvergenzreaktion, Akkommodation und Miosis wird auch als Naheinstellungstrias bezeichnet.

Funktion & Aufgabe

Die Konvergenzreaktion wird über den dritten Hirnnerv vermittelt. Dieser heißt in der medizinischen Fachsprache Nervus oculomotorius. Er ist zusammen mit dem Nervus trochlearis und dem Nervus abducens für die Bewegungen der Augen zuständig.

Die Konvergenzreaktion lässt sich in zwei Reaktionsschritte unterteilen. Über den motorischen Kern des Nervus oculomotorius, den Nucleus nervi oculomotorii, wird eine Kontraktion der Musculi recti mediales ausgelöst. Die Musculi recti mediales sind Muskeln der äußeren Augenmuskulatur. Sie sorgen für eine Einwärtsdrehung der Augäpfel. Diese Bewegung bezeichnet man auch als Konvergenzbewegung.

Über den parasympathischen Anteil des Nervus ocolumotorius, genauer über den Nucleus oculomotorius accessorius, wird zudem eine Miosis induziert. Eine Miosis ist eine temporäre Verengung der Pupille. Diese wird durch eine Kontraktion des Musculus sphincter pupillae ausgelöst.

Konvergenz ist eine bestimmte Art von gegensinnigen Augenbewegungen. Ohne Konvergenzreaktion könnten Objekte nicht aus der Nähe betrachtet werden.

Parallel zur Konvergenzreaktion wird über den parasympathischen Teil des dritten Hirnnervs zudem eine Kontraktion der Ziliarmuskeln ausgelöst. Die Ziliarmuskeln befinden sich an der Außenseite des Strahlenkörpers (Corpus ciliare) und sind für die Nahakkommodation zuständig.

Bei der Konvergenzreaktion wird durch die Eindrehung der Augen eine Überschneidung der beiden Gesichtslinien ermöglicht. Ohne diese Reaktion könnte ein Objekt nicht aus der Nähe betrachtet werden, ohne dass dabei ein Doppelbild entsteht.

Die Konvergenz ermöglicht überhaupt erst das dreidimensionale Sehen. Für dieses Sehen ist es notwendig, dass die beiden Augäpfel auf denselben Punkt gerichtet sind. Nur so kann aus dem wahrgenommenen Bild im Zentralnervensystem (ZNS) ein dreidimensionales Bild erzeugt werden.

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Krankheiten & Beschwerden

Beeinträchtigungen der Konvergenzreaktion können zu einer Über- oder einer Unterfunktion führen. Die Art der Konvergenzstörung wird anhand des AC/A-Quotienten beurteilt. Der AC/A-Quotient gibt das Verhältnis von akkommodativer Konvergenz zu geleisteter Akkommodation wieder. Das Verhältnis liegt durchschnittlich bei zwei bis drei Grad Konvergenzbewegung pro Dioptrie erfolgter Akkommodation. Der AC/A-Quotient lässt sich mittels Heterophoriemethode und mittels Gradientenmethode bestimmen.

Ein Schielen, das durch eine überschießende Konvergenzreaktion ausgelöst wird, wird auch als Konvergenzexzess bezeichnet. Dabei ist der Nahschielwinkel sehr groß und der Fernschielwinkel sehr klein oder komplett fehlend. In der Regel zeigen die Augäpfel beim Schielen nach innen. Doch auch das Auswärtsschielen gehört zu den Konvergenzexzessen. Hier ist der Nahschielwinkel geringer ausgeprägt als der Fernschielwinkel.

Insgesamt lassen sich drei Formen von Konvergenzexzessen unterscheiden. Beim nichtakkommodativen Konvergenzexzess ist das Schielen rein motorisch bedingt. Es erfolgt in der Regel keine Beeinflussung durch akkommodative Komponenten. Der nichtakkommodative Konvergenzexzess lässt sich durch eine Brille korrigieren. Eventuell ist eine Schieloperation nötig. Der hyperkinetische Akkommodationsexzess wird durch Akkommodation ausgelöst. Dabei ist die Akkommodationsbreite normal, die Konvergenzleistung ist jedoch zu hoch. Somit ist auch der AC/A-Quotient erhöht. Die Therapie erfolgt durch spezielle Brillengläser.

Beim hypoakkommodativen Konvergenzexzess ist der Nahschielwinkel stark vergrößert, die Akkommodationsbreite ist dementsprechend deutlich herabgesetzt. Durch die verminderte Akkommodation versucht der Körper mit einer überschießenden Konvergenzbewegung in der Nähe scharf zu sehen. Auch hier ist der AC/A-Quotient erhöht. Die Therapie des hypoakkommodativen Konvergenzexzesses erfolgt mit einer Bifokalbrille. Eine Schieloperation darf unter keinen Umständen durchgeführt werden.

Ein Konvergenzspasmus ist eine überschießende krampfige Konvergenzbewegung. Sie geht mit starker Akkommodation und einer Pupillenengstellung einher.

Bei einer Konvergenzinsuffizienz ist der AC/A-Quotient erniedrigt. Häufig liegt dem eine Störung der Änderung des Vergenzwinkels zugrunde. Die Ursachen für eine Konvergenzinsuffizienz sind vielfältig. So können senso-motorische Störungen oder auch neurogen bedingte Läsionen zugrunde liegen. Die Therapie erfolgt mit Prismenbrillen, anderen speziellen Brillen oder Sehübungen. Auch Schieloperationen können zum Einsatz kommen. Die besten Erfolge werden in der Regel mit einer Kombination aus mehreren Maßnahmen erreicht.

Auch bei der endokrinen Orbitopathie besteht eine Konvergenzschwäche. Diese bezeichnet man auch als Möbius Zeichen. Die endokrine Orbitopathie ist eine Erkrankung der Orbita (Augenhöhle). Die Erkrankung gehört zu den Autoimmunerkrankungen und tritt meist im Rahmen einer Schilddrüsenfehlfunktion auf. Charakteristisch für die endokrine Orbitopathie ist das Hervortreten der Augäpfel. Dieses Phänomen wird auch als Exophthalmus bezeichnet. Verbunden mit diesem Hervortreten der Augen ist auch eine Erweiterung der Lidspalte.

Auslöser für die endokrine Orbitopathie sind Gewebeveränderungen hinter dem Augapfel. Von diesen strukturellen und größenmäßigen Veränderungen sind Muskel-, Fett- und Bindegewebe betroffen. Der Exophthalmus bildet zusammen mit einer Vergrößerung der Schilddrüse und Herzrasen die sogenannte Merseburger Trias. Diese Symptomentrias ist ein klassisches Zeichen des Morbus Basedow.

Durch die Schwellungen und Infiltrationen hinter dem Auge wird die Dehnbarkeit der Augenmuskeln eingeschränkt. Dadurch kommt es zu Schmerzen bei der Blickwendung und zu Bewegungseinschränkungen der Augäpfel. Das Möbius-Zeichen ist ein typisches Symptom der endokrinen Orbitopathie. Weitere klinische Zeichen sind das Graefe-Zeichen oder das Stellwag-Zeichen.

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