Kontraindikation

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. September 2017
Startseite » Behandlungen » Kontraindikation

Eine Kontraindikation liegt vor, wenn bestimmte Faktoren wie Alter, Vorerkrankungen oder Verletzungen gegen eine besondere therapeutische oder medizinische Maßnahme sprechen. Dieser medizinische Fachbegriff leitet sich aus der lateinischen Sprache von „contra“ = „gegen“ und „indicare“ = anzeigen ab. Die Fachsprache spricht auch von Gegenanzeige. Ignorieren Mediziner das Vorliegen einer Gegenanzeige, kann es beim Patienten zur Verschlechterung der bestehenden Vorerkrankung oder einer Schädigung des Organsystems kommen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Kontraindikation?

Eine Kontraindikation liegt vor, wenn der behandelnde Arzt erkennt, dass ein Zustand, eine Krankheit oder eine Situation die Anwendung therapeutischer oder medizinischer Maßnahmen am Patienten verbieten. In diesem Fall verhindert das Vorliegen der Kontraindikation das Erreichen eines positiven Behandlungsziels.

Im Fall der absoluten Kontraindikation sind die Ärzte gezwungen, auf eine geplante Maßnahme zu verzichten, da sich diese negativ auf den Gesundheitszustand des Patienten auswirkt. Bei Vorliegen einer relativen Kontraindikation führen die Mediziner die geplante therapeutische Maßnahme durch, wenn der erwartete Nutzen die befürchteten Gesundheitsschäden überwiegt. Vor Beginn dieser Maßnahme schätzen die Ärzte die Nutzen-Risiko-Relation sorgfältig ab.

Eine Schwangerschaft stellt in den meisten Fällen eine absolute Kontraindikation dar, da von der Verabreichung vieler Medikamente und therapeutischer Maßnahmen während dieser Zeit abzusehen ist, um eine pränatale Schädigung des Embryos zu verhindern.

Funktion, Wirkung & Ziele

Die Gründe für das Vorliegen einer Kontraindikation sind vielfältig. Manche Arzneimittel wirken unter besonderen Bedingungen zu stark oder zu schwach. Das bekannte Schmerzmittel Acetylsalicylsäure kann Magenbeschwerden als mögliche Nebenwirkung verursachen. Bei der überwiegenden Anzahl der Patienten ist die Einnahme dieses Schmerzstoffes über einen kurzen Zeitraum unbedenklich.

Bei Patienten mit Magengeschwüren können sich die gastritischen Beschwerden verschlimmern. Magengeschwüre sind bei diesem Wirkstoff daher eine Kontraindikation. Manche Gegenanzeigen sind stringent einzuhalten (absolute Kontraindikation), andere lassen den Medizinern Handlungsspielraum (relative Kontraindikation). Ein absoluter Fall liegt vor, wenn die Vergabe von Medikamenten beim Patienten so gravierende Nebenwirkungen verzeichnet, dass von einer Anwendung unter allen Umständen abzusehen ist.

Bei der Anwendung von Acetylsalicylsäure sind neben den Magengeschwüren eine krankhaft erhöhte Blutneigung oder das letzte Drittel einer Schwangerschaft (3. Trimenon) eine absolute Gegenanzeige. Diese liegt ebenfalls vor im Fall einer allergischen Schockreaktion auf die Vergabe von Penicillin. Ein Patient, der einmal allergisch auf die Vergabe dieses Medikamentes reagiert hat, darf dieses nicht mehr einnehmen. Im Fall der relativen Indikation entscheidet der Mediziner in jedem Fall individuell, ob eine Medikamentenvergabe angebracht ist oder nicht und der erwartete Nutzen höher ist als das mit der Indikation verbundene Gesundheitsrisiko.

Eine Kontraindikation liegt vor, wenn der behandelnde Arzt erkennt, dass ein Zustand, eine Krankheit oder eine Situation die Anwendung therapeutischer oder medizinischer Maßnahmen am Patienten verbieten.

Eine relative Gegenanzeige bei der Vergabe von Acetylsalicylsäure sind das erste und zweite Schwangerschaftsdrittel (1. und 2. Trimenon), Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren sowie Asthma bronchiale. Kardiologen setzen Betablocker im Fall einer koronaren Herzerkrankung (Angina pectoris) sowie bei Bluthochdruck erfolgreich ein. Eine Nebenwirkung von Betablockern besteht in der Verkrampfung der Bronchialmuskulatur. Leidet ein Herzpatient zusätzlich an Asthma und bekommt Betablocker verabreicht, wird er mit großer Wahrscheinlichkeit an Luftnot leiden und die Erstickungsgefahr ist groß. In diesem Fall liegt eine absolute Kontraindikation vor.

Bei Herzpatienten ohne Asthmaerkrankung ist die Vergabe von Betablockern dagegen in der Regel unbedenklich (relative Gegenanzeige). Fachinformationen weisen diese Gegenanzeigen unter den Punkten „Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen“, „Besondere Warnhinweise“, „Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung“ sowie „Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit“ aus. Jedes Medikament enthält einen Beipackzettel, den Patienten vor der Einnahme sorgfältig lesen müssen. Dies gilt insbesondere bei rezeptfreien Präparaten wie Nahrungsergänzungsmitteln und anderen scheinbar unbedenklichen Arzneimitteln. Auf dem Beipackzettel sind alle Kontraindikationen in Form von Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten aufgezählt.

Die Anwender nehmen diese Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel ohne ärztlichen Rat ein. Im Fall der Unsicherheit ist die Einholung eines medizinischen Fachrates durch einen Arzt oder Apotheker notwendig. Es existieren bestimmte Umstände, die irrtümlich für eine Gegenanzeige gehalten werden. Diese „falschen Kontraindikationen“ treten häufig in Verbindung mit der Durchführung von Impfungen auf. Laien haben mehr Angst vor den möglichen Nebenwirkungen als vor dem Schaden, der eventuell durch eine Nichtbehandlung vorliegender Krankheitssymptome eintritt. Lange Beipackzettel zu den Medikamenten mit der Auflistung möglicher Nebenwirkungen erhöhen die Angst, ohne das Risiko einer Nichtbehandlung zu benennen.

Verantwortungsvolle Mediziner wägen stets die Risiken einer angezeigten Therapie gegen die Risiken einer Nichtbehandlung ab. Patienten können Kontraindikationen und Wechselwirkungen einzelner Medikamente nicht abschließend beurteilen. Dieses Wissen gehört in den pharmakologischen Teil des Medizinstudiums. Entsprechende Listen geben den Medizinern eine umfassende Übersicht über Kontraindikationen und Wechselwirkungen. Vor der Behandlung fragen die Ärzte Unverträglichkeiten, Allergien und Vorerkrankungen ab, um eine Kontraindikation bei der Medikamentenverschreibung und Wechselwirkungen auszuschließen. Apotheker gleichen die verschreibungspflichtigen Medikamente vor Herausgabe an die Patienten über Computerlisten ab. Diese doppelte Kontrolle erhöht die Therapiesicherheit.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Mit zunehmenden Alter erhöhen sich die Risiken im Zusammenhang mit Kontraindikation, da ältere Menschen in vielen Fällen unter mehreren Krankheiten gleichzeitig leiden, gegen die sie unterschiedliche Medikamente einnehmen.

Mit zunehmenden Alter bauen Organe wie Nieren und Leber die schädlichen Stoffe verschiedener Medikamente aufgrund eines verlangsamten Stoffwechsels langsamer ab. Nehmen Patienten gegen die typischen Alterserscheinungen wie Herzinsuffizienz, Alterszucker, Bluthochdruck und Schmerzen durch Verschleiß mehrere Medikamente gleichzeitig ein, wird es für die Mediziner zunehmend komplizierter, dieser Situation Rechnung zu tragen und alle Medikamente leitliniengetreu und standardmäßig einzusetzen.

Nicht nur die Kontraindikationen in Form von Wechselwirkungen der einzelnen Medikamente erschweren die Behandlung, sondern auch Nebenwirkungen, die unter Umständen den Einsatz weiterer Medikamente erfordern. Eine derartig komplizierte Situation, die bei vielen älteren Menschen vorliegt, erfordert eine fach- und hausärztliche Untersuchung. Ideal ist die Situation, wenn sich Patient und Arzt schon länger kennen, um eine für die vorliegende komplizierte Krankheitssituation optimale Medikation herauszuarbeiten. So ist der Mediziner in der Lage, zu beurteilen, auf welches Medikament der Patient unter Umständen verzichten kann.

Ferner wird das Risiko durch eine weit auseinandergezogene Einnahmezeit der Medikamente vermindert. Der Arzt hinterfragt kritisch die üblichen Leitlinien der Behandlung und überlegt, welche Medikamente unbedingt rezeptiert werden müssen und welche nicht.

Bücher über Nahrungsergänzungsmittel

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Braun, J., Dormann, A .J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Ferlinz, R. (Hrsg.): Internistische Differentialdiagnostik. Thieme, Stuttgart 1999

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: