Konditionierung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. September 2017
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Der Begriff Konditionierung stammt aus dem Bereich der Psychologie. Man unterscheidet hier die klassische Konditionierung und die instrumentelle oder operante Konditionierung.

Konditionierung findet in erster Linie beim Lernen und der Erziehung Anwendung. Kritiker empfinden die Betrachtungsweise der Konditionierung als zu einseitig, weil zu viele andere Formen des Lernens dabei außer acht gelassen werden oder sogar gefährlich, wenn Lernen in Dressur ausartet.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Konditionierung?

Der Begriff der Konditionierung stammt aus der Lernpsychologie. Grundsätzlich handelt es sich dabei darum, bestimmte Reaktionen durch bestimmte Reize zu erreichen.

Unterschieden werden dabei die klassische Konditionierung und die instrumentelle beziehungsweise operante Konditionierung. Bei der klassischen Konditionierung werden durch kontinuierliche bestimmte Reize und anschließende Belohnung dabei zuverlässig körperliche Reaktionen oder Verhaltensreaktionen ausgelöst. Das erste Beispiel dieser klassischen Konditionierung waren die Pawlowschen Hunde. Iwan Petrowitsch Pawlow entdeckte diese Reaktionen zufällig und verfeinerte diese Beobachtung dann durch ein Experiment, indem er vor der Verabreichung von Futter an seine Laborhunde immer einen Glockenton erklingen ließ.

Er erreichte damit bei seinen Versuchshunden, dass bei diesen schon vor dem Verabreichen des Futters ein Speichelfluss einsetzte. Die instrumentelle oder operante Konditionierung geht immer von einem bereits vorhandenen Grundverhalten aus, das spontan auftritt. Durch Belohnung oder Bestrafung, was in der Lernpsychologie als positive oder negative Verstärker bezeichnet wird, ist es möglich, so ein Verhalten bei positiven Verstärkern entweder zu erhöhen oder bei negativen Verstärkern zu verringern.

Funktion, Wirkung & Ziele

Die klassische Konditionierung kann zwar gezielt im Experiment eingesetzt werden, ist aber in dieser Form in der Lernpsychologie nicht nützlich. Sie dient nur als Erklärungsmodell für früher nicht verstandene Verhaltensweisen.

Nützlich sind diese Erkenntnisse vielmehr häufig bei der Aufklärung psychosomatischer Beschwerden. So kann es unbewusst in angsteinflößenden Situationen durch das Vorhandensein eines zufällig auch gerade anwesenden Reizes, um ein Beispiel zu nennen, zu allergischen Reaktionen kommen. Bei der Behandlung so einer Allergie kann es hilfreich sein zu ermitteln, wann diese Reaktion erstmalig aufgetreten ist und so den Zusammenhang herauszufinden. Durch gezielte Gegenkonditionierung können derartige psychosomatische Erkrankungen dann oft gut behandelt, verringert oder sogar geheilt werden.

Bei der operanten beziehungsweise instrumentellen Konditionierung ist das anders. Diese Form der Konditionierung findet heute sehr häufig Anwendung. Es liegt immer ein bestimmtes Verhalten zugrunde, das durch die Konditionierung verändert werden soll. Positive Verstärker werden auch als Belohnung bezeichnet, negative Verstärker als Bestrafung. Es kommt darauf an, was mit der Konditionierung erreicht werden soll, ob es besser ist, mit positiven oder negativen Verstärkern zu arbeiten. Bei der heutigen Lernpsychologie gilt es als sicher, dass nur positive Verstärker bewirken können, bestimmte Stärken beim Lernen so zu beeinflussen, dass sie ausgebaut und vermehrt gezeigt werden. Wer gelobt wird, gibt sich Mühe, um noch mehr Lob zu erhalten.

Ein Beispiel wäre, ein Pferd, das in einer Freiheitsdressur bestimmte Kunststücke zeigen soll, immer danach mit einem Leckerli oder mit Streicheneinheiten zu belohnen. Mit der Zeit wird es dann diese Verhaltensweisen so sicher zeigen, dass es in einer Show vor Publikum zuverlässig vorgeführt werden kann. Das gleiche Pferd könnte in früheren Zeiten dazu geneigt haben, beim Hufeauskratzen zu treten. Für dieses Verhalten wird es dann nicht gelobt, sondern bestraft, beispielsweise durch einen Klaps, ein unfreundliches Nein oder einfach, indem es nach dem Hufeauskratzen kein Leckerli bekommt. Gibt es die Hufe ohne zu treten, bekommt es aber ein Leckerli.

Das Pferd wird vermutlich mit der Zeit aufhören, beim Hufeauskratzen zu treten, und zwar weil es sowohl beim nicht erwünschten Verhalten mit negativen Verstärkern als auch beim erwünschten Verhalten mit positiven Verstärkern konfrontiert worden ist. Es wird heute viel darüber diskutiert, speziell in der Schule mehr mit positiven als mit negativen Verstärkern gegenüber Kindern zu arbeiten. Früher wurde mehr bestraft, heute wird mehr gelobt, um die Kinder zur Mitarbeit im Unterricht zu bewegen.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Kritik in Bezug auf die Konditionierung wird in erster Linie deshalb geübt, weil viele andere Aspekte beim Lernen dabei außer acht gelassen werden. Dazu gehören das natürliche Neugierverhalten der meisten Lebewesen und auch des Menschen sowie das Lernen am Modell, also das Nachahmen von beobachtetem Verhalten anderer sozial lebender Tiere oder anderer Menschen.

Andere Kritikpunkte sind, dass durch Konditionierung auch Verhaltensweisen antrainiert werden können, die schädlich sind, zum Beispiel, indem unerwünschtes negatives Verhalten gelobt wird. Es ist möglich, so einen Hund zu einem gefährlichen Beißer zu erziehen. Das Beispiel guter und schlechter Zensuren in der Schule als positive und negative Verstärker kann als Erklärungsmodell herangezogen werden, um zu verdeutlichen, wo auch heute noch die Probleme der Konditionierung liegen. Erlebt ein Kind von Anfang an, dass es für seine gezeigten Leistungen immer gute Zensuren erhält, fühlt es sich schon in der Schule bestätigt und wird sich noch mehr Mühe geben.

Zu Hause erhält das Kind dafür zusätzliches Lob von den Eltern oder anderen Familienmitgliedern und fühlt sich weiterhin bestätigt. Es ist anzunehmen, dass sich so ein Kind auch weiterhin zu einem guten Schüler entwickeln wird. Anders ein Kind, das schon zu Beginn der Schulzeit überwiegend schlechte Zensuren erhält. Es empfindet das als Strafe, zu Hause die Enttäuschung der Eltern als zusätzliche Strafe und kann so unter Umständen die Lust am Lernen ganz verlieren und sich der Schule mehr oder weniger verweigern.

Bücher über Psychologie

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Davison, G.C., Neale, J.M., Hautzinger, M.: Klinische Psychologie. Beltz PVU, München 2007
  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015

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