Kokain

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2016
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Die Droge Kokain gilt als eine der stärksten Stimulanzien: Sie hebt die Stimmung, macht wach und leistungsfähig. Und sie ist gefährlich.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Kokain?

Kokain wird aus den Blättern des Kokastrauchs (Erythroxylum coca) gewonnen. Er gedeiht vor allem an den Andenhängen Kolumbiens, Boliviens und Perus in einer Höhe von 600 bis 1000 Metern. Die Blätter enthalten etwa ein Prozent des Alkaloids, das als Kokain bekannt ist.

Alkaloide sind natürliche, stickstoffhaltige Verbindungen, die meist basisch reagieren. Mit chemischen Verfahren extrahiert man das Alkaloid aus den Blättern und verarbeitet es zu Koka-Paste und danach zu Kokainhydrochlorid.

Für den illegalen Drogenmarkt wird dann diese Substanz - sie ist farb- und geruchslos und hat einen bitteren Geschmack - mit Streckmitteln gemischt. Der Konsument kauft es als weißes Pulver, das er durch die Nase schnupft, raucht oder sich in die Vene spritzt.

Pharmakologische Wirkung

Die Droge beeinflusst die Neurotransmitter-Aktivität im Gehirn.

Wie wirkt Kokain? Die Droge beeinflusst die Neurotransmitter-Aktivität im Gehirn. Neurotransmitter sind chemische Botenstoffe, mit denen Nervenzellen an den Synapsen mit anderen Nervenzellen in Kontakt treten und Signale übermitteln.

Vereinfacht gesagt, sorgt nun das Kokain dafür, dass sich im synaptischen Spalt die Konzentration der Neurotransmitter Noradrenalin sowie Dopamin und Serotonin (oft als "Glückshormone" bezeichnet) erhöht. Dazu kommt, dass sich der Abbau von Adrenalin verlangsamt.

Der Effekt: Herz-, Puls- und Atemfrequenz, Blutzucker, Körpertemperatur und Blutdruck steigen, die Pupillen erweitern sich, der normale Schlaf-Wach-Rhythmus wird gestört, das Schmerzempfinden gehemmt. Der Kokainkonsument fühlt sich hellwach, körperlich und geistig leistungsfähig und ausdauernd. Oft ist er euphorisch, hyperaktiv und er neigt zur Selbstüberschätzung und zu einem ungehemmten Redefluss.

Auch das sexuelle Verlangen kann sich steigern. Das Hungergefühl wird hingegen unterdrückt, wahrscheinlich wegen des hohen Blutzuckerspiegels. Doch selbst, wenn der Konsument wie gewohnt isst, nimmt er langsamer zu als gewöhnlich - weil der Stoffwechsel des Körpers gleichsam auf Hochtouren läuft. Schließlich hat das Kokain auch eine betäubende Wirkung. Bringt man es beispielsweise auf die Zunge oder auf Schleimhäute, setzt sehr schnell ein Taubheitsgefühl ein.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Diese betäubende Wirkung auf die Schleimhäute hat sich die Medizin seit dem Jahr 1884 Jahrhunderts zunutze gemacht. Die Ärzte setzten Kokain als Lokalanästhetikums bei Operationen ein - zum Beispiel am Auge, im Mund oder im Hals.

So konnte auf eine immer mit gewissen Risiken behaftete Vollnarkose mit Äther oder Chloroform verzichtet werden. Weiterer positiver Nebeneffekt des Kokains: Es sorgt für eine Gefäßverengung, so dass die Gefahr von Blutungen während der Operation vermindert wurde. Auch gegen Depressionen und Verstimmungen wurde Kokain verordnet.

Anfang des 20. Jahrhunderts war die Droge überall frei erhältlich. Im 1. Weltkrieg entwickelte eine englische Firma sogar Kokain in Pillenform. Zehntausende von Soldaten wurden damit versorgt - um Angst und Hunger zu dämpfen, um sie länger marschieren und besser motivieren zu können. Bis heute weiß man nicht, ob alle Soldaten das Kokain freiwillig nahmen oder ob es ihnen ins Essen gemischt wurde. Tatsache ist, dass es nach dem 1. Weltkrieg viele Tausend kokainsüchtige Soldaten gab. Der Versailler Vertrag setzte dann fest, dass die Droge nur noch zu wissenschaftlichen Zwecken benutzt werden durfte.

Kokain wird heutzutage nur noch selten in der Medizin verwandt, obwohl es noch als Lokalanästhetikum (vor allem bei Augenoperationen) zugelassen ist. Doch inzwischen gibt es viele andere Betäubungsmittel, bei denen - im Gegensatz zum Kokain - keine Abhängigkeitsgefahr besteht.

Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Denn ein regelmäßiger Kokainkonsument läuft Gefahr, schnell psychisch abhängig werden. Er hat ein starkes Verlangen nach der Droge. Weitere mögliche seelische Folgen des Kokainmissbrauchs: Depressionen, Konzentrations- und Antriebsstörungen, Paranoia, Psychosen, Persönlichkeitsveränderungen und - spezifisch für Kokain - der "Dermatozoenwahn", bei dem der Abhängige das Gefühl hat, dass unter seiner Haut Insekten umherkrabbeln.

Auch körperlich bleibt ein Dauerkonsum nicht ohne Konsequenzen. Oft kommt es zu Herzrhythmus- und Sehstörungen, Leberschädigungen, Potenzproblemen, sexueller Interessenlosigkeit, erhöhtem Schlaganfall - und Hirnblutungsrisiko.

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