Kohlenmonoxidvergiftung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 4. Oktober 2017
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Kohlenmonoxidvergiftung kann unbemerkt erfolgen und ist lebensgefährlich. Das Gas verdrängt den lebenswichtigen Sauerstoff aus dem Blut. Schlecht gewartete Öfen sind die häufigste Ursache für eine Kohlenmonoxidvergiftung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Kohlenmonoxidvergiftung?

Eine Kohlenmonoxidvergiftung ist eine Intoxikation mit dem Gas Kohlenmonoxid oder fachbegrifflich Kohlenstoffmonoxid. Medizinterminologisch ist daher der Begriff Kohlenstoffmonoxidintoxikation festgelegt. Die Vergiftung kann in als akute lebensbedrohliche Krise oder als chronische Vergiftung auftreten, die ohne offensichtliche Symptome verläuft.

Kohlenmonoxid ist ein farbloses Gas ohne Geruch. Die Substanz besteht aus einem Kohlenstoff-Atom, das mit einem Sauerstoff-Atom verbunden ist. Die chemische Bezeichnung ist CO (C: Kohlenstoff, O: Sauerstoff). Das Molekül weist große strukturelle Ähnlichkeit mit dem Sauerstoff auf (O2: 2 Sauerstoff-Atome pro Molekül).

Darauf beruht letztlich auch die toxische Wirkung des Kohlenmonoxids. Das Gas bindet sich statt des Sauerstoffs an physiologisch wichtige Strukturen im Stoffwechsel. Dort wird das lebenswichtige Atemgas verdrängt und es kommt zur Kohlenmonoxidvergiftung.

Ursachen

Kohlenmonoxidvergiftung ist ursächlich bedingt durch eine Blockade des roten Blutfarbstoffes (Hämoglobin), der kaum noch Sauerstoff aufnimmt. Dieses Oxidationsmittel kann nicht mehr oder nur noch unzureichend an die Verbrauchsorte getragen werden.

Folge ist eine Sauerstoffnot in den Organen. Für die Muskelzellen bedeutet Kohlenmonoxid zweifachen Stress: Sie verfügen über ein inneres Transportprotein für Sauerstoff, das dem Hämoglobin ähnliche Myoglobin. In gleicher Wiese wirkt das Kohlenmonoxid auch hier.

Darüber hinaus unterdrückt Kohlenmonoxid in allen Körperzellen die Energiegewinnung („Verbrennung“) ganz unmittelbar. Dies wird als innere Erstickung bezeichnet und ist eine weniger bekannte Ursache der Kohlenmonoxidvergiftung.

Eine erhöhte Konzentration von Kohlenmonoxid in der Atemluft kann mehrere Ursachen haben:

1) Unvollständige Verbrennung: Schlecht ziehende Kohle-, Holz- oder Gasöfen, Auto- und Industrieabgase, Brände

2) Natürliche Konzentrations-Spitzen in Höhlen und Bergwerken

Beide Ursachen führen meist zu Unfällen. Jedoch benutzen manche Menschen Autoabgase im Rahmen eines Selbstmordversuches durch Kohlenmonoxidvergiftung.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Kohlenmonoxidvergiftung äußert sich mit Symptomen wie Übelkeit, Kopfschmerzen sowie einer unregelmäßigen Atmung („Cheyne-Stokes-Atmung“). Typisch ist eine Rosafärbung der Haut. Diese Beschwerden drohen bereits bei einer Konzentration von 0,03% des Gases in der Luft. Dieser Wert kann schon in Großstädten bei hohem Verkehrsaufkommen erreicht werden.

In schwereren Fällen kommt es zu Krämpfen und schließlich zur Bewusstlosigkeit. Der Arzt weist am Blutbild das hämoglobingebundene Kohlenmonoxid direkt nach. Schwere akute und chronische Kohlenmonoxidvergiftungen können zu gravierenden Folgeschäden am Nervensystem und den Muskeln führen.

Bereits eine Konzentration von 1% Kohlenmonoxid in der Umgebungsluft bewirkt den Todeseintritt binnen weniger Minuten. Denn Hämoglobin bindet das Giftgas 200-mal stärker als Sauerstoff und reichert sich daher schnell im Blut an. Deshalb führen schon niedrige Konzentrationen zur Kohlenmonoxidvergiftung.

Komplikationen

Eine Kohlenmonoxidvergiftung stellt eine sehr schwerwiegende Belastung für den menschlichen Körper dar. Falls diese Vergiftung nicht rechtzeitig behandelt wird oder über einen längeren Zeitraum andauert, kann es zu einem Bewusstseinsverlust oder weiterhin im schlimmsten Falle auch zum Tode des Patienten kommen. Aus diesem Grund ist bei einer Kohlenmonoxidvergiftung eine sehr schnelle Behandlung notwendig.

Die Betroffenen leiden dabei in erster Linie an akuter Atemnot und auch an Kopfschmerzen. Weiterhin kann es durch die Atemnot zu Panikattacken oder zu Schweißausbrüchen kommen. Falls das Einatmen von Kohlenmonoxid in großen Mengen nicht gestoppt wird, kommt es in der Regel zu einer Bewusstlosigkeit.

Dabei kann sich der Patient durch einen Sturz verletzen. Sollte es danach nicht zu einer Rettung kommen, so verstirbt der Betroffene. Ebenso werden die inneren Organe und Nerven bei der Kohlenmonoxidvergiftung beschädigt, sodass es auch nach einer Rettung zu irreversiblen Folgeschäden kommen kann. Nicht selten kommt es bei der Kohlenmonoxidvergiftung auch zu psychischen Beschwerden.

Bei der Behandlung selbst kommt es nicht zu weiteren Komplikationen. Sie führt allerdings nicht in jedem Fall zu einem positiven Krankheitsverlauf. Gegebenenfalls wird durch die Kohlenmonoxidvergiftung die Lebenserwartung verringert.

Behandlung & Therapie

Kohlenmonoxidvergiftung erfordert eine sofortige Austreibung des toxischen Gases aus dem Blut. Dazu erfährt der Patient eine hyperbare Oxygenierung. Das ist eine künstliche Beatmung mit 100%igem Sauerstoff.

Im einfachsten Fall erfolgt die Gabe über eine Atemmaske, manchmal wird der Patient auch intubiert. Ein Tubus ist ein fixierter Schlauch in der Luftröhre, der spätestens beim Eintritt der Bewusstlosigkeit unumgänglich ist. Überdruckkammern sind eine sehr effektive, schnell wirkende Methode, die leider nicht überall verfügbar sein wird.

Die Patienten müssen ständig überwacht werden, damit der Arzt bei Herz-Kreislauf-Komplikationen umgehend einschreiten kann. Zur Kontrolle gehören auch die Blutwerte, um den Entgiftungs-Status zu klären. Außerdem muss bei einer Übersäuerung des Blutes Bikarbonat (Soda) per Infusion gegeben werden.

Die Nachbehandlung kann eine Rehabilitation erfordern, die auf eine Linderung der Folgeschäden abzielt. Im Falle von Suizidversuchen widmet sich auch der Psychiater dem Patienten nach einer überstandenen Kohlenmonoxidvergiftung.

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Vorbeugung

Kohlenmonoxidvergiftung lässt sich mit wenigen Sicherheitsmaßnahmen vorbeugen. Da die häufigste Ursache mangelhafte Verbrennungsöfen in Zimmern sind, sollte hier regelmäßig ein Fachmann die Wartung durchführen. Messungen der MAK-Werte (Maximale Arbeitsplatz-Konzentration) im Betrieb warnen frühzeitig vor drohender Gefährdung.

In manchen Berufen (Straßenbau, Feuerwehr) lässt sich eine Dauerexposition nicht vermeiden. Hier sollten gegebenenfalls Atemschutzmasken getragen werden. Ansonsten empfiehlt sich das Meiden von Orten mit hohem Risiko einer Kohlenmonoxidvergiftung.

Das können Sie selbst tun

In erster Linie muss der Betroffene bei einer Kohlenmonoxidvergiftung in Sicherheit gebracht und aus dem vergifteten Raum entfernt werden. Eine direkte Zufuhr an Sauerstoff oder im Notfall eine Mund-zu-Mund-Beatmung kann dabei weitere Komplikationen oder im schlimmsten Falle den Tod des Patienten verhindern. Allerdings sollte bei der Kohlenmonoxidvergiftung in jedem Fall ein Notarzt gerufen werden. Dieser kann den Betroffenen versorgen und stabileren. Meistens ist dabei ein kurzer Aufenthalt im Krankenhaus notwendig.

Auch die Übersäuerung des Blutes mit Kohlendioxid muss dabei kontrolliert und eventuell vermieden werden. In einigen Fällen kann die Kohlenmonoxidvergiftung auch zu Langzeitschäden führen, sodass die Patienten auf die Hilfe ihrer Freunde und Familie angewiesen sind.

Sollte die Kohlenmonoxidvergiftung durch einen Suizidversuch auftreten, so muss sich der Betroffene einer psychologischen Behandlung unterziehen. Dabei kann auch der Aufenthalt in einer geschlossenen Klinik notwendig sein. Auch bei den psychischen Beschwerden ist die Hilfe der Familie und von Freunden sehr wichtig und kann zu einer beschleunigten Heilung führen. In einem akuten Notfall muss der Patient ebenso beruhigt und in eine stabile Lage gebracht werden, bis der Notarzt eintrifft.

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Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Ziegenfuß, T.: Notfallmedizin. Springer, Heidelberg 2011

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