Knochenmarkspende

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. September 2017
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Aktuell wirbt das Deutsche Knochenmark-Spender-Institut (DKMS) eifrig nach neuen Spendern für Knochenmark. Kein Wunder, stellt eine Knochenmarkspende für viele von Leukämie und anderen Blutkrankheiten betroffenen Menschen die einzige Chance auf Heilung dar. Mit seinen über 6 Millionen registrierten Spendern konnten schon viele Leben gerettet oder verlängert werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Knochenmarkspende?

Knochenmarkspende definiert sich meistens über die Krankheit, die durch eben diese Spende bekämpft werden soll: Leukämie, sporadisch auch als Blutkrebs bezeichnet. Leukämie ist eine sehr gefährliche Bluterkrankung, bei der die Neubildung von weißen Blutkörperchen, den Leukozyten, welche Bestandteil des Immunsystems sind, gestört ist.

Wie bei einer Produktionsanlage, der eine falsche Blaupause vorgelegt wurde, produziert das kranke Knochenmark unaufhörlich fehlerhafte Leukozyten, die anstelle von Fremdkörpern alle anderen Blutkörperchen angreifen. In Deutschland erkranken jährlich rund 10.000 Menschen an Leukämie, darunter auch viele Kinder und Jugendliche. Etwa ein Fünftel aller Erkrankungen endet tödlich. Eine Spende von gesundem Knochenmark ist bis heute die beste Chance auf Heilung.

Bei der Suche nach dem richtigen Spender ist wichtig, dass die HLA-Gewebemerkmale (Humane Leukozyten-Antigene) der erkrankten Person und der des Spenders möglichst identisch sind. HLA-Merkmale sind Oberflächenmerkmale von Körperzellen, bestimmte Strukturen, anhand derer das Immunsystem körpereigene Zellen von denen anderer Organismen unterscheidet. Dabei gibt es viele verschiedene HLA-Merkmale, und auf jedes Chromosom entfallen zwei davon, je eins vom Vater und der Mutter. Zusätzlich zu den über 100 Ausprägungen, die jedes HLA-Merkmal haben kann, führt das zu über 10.000 Kombinationen unterschiedlicher HLA-Gesamtbilder.

Deswegen gibt es für jede Person nur wenige passende Spender. Und nur ein Drittel aller Betroffenen findet Spender innerhalb der eigenen Familie. Deswegen braucht es Fremdspender, die mithilfe des DKMS-Netzwerkes schnell vermittelt werden können. Doch noch immer finden ein Fünftel aller Patienten keinen Spender.

Funktion, Wirkung & Ziele

Es gibt heute zwei verschiedene Anwendungsverfahren, einem Spender Stammzellen aus dem Knochenmark zu entnehmen, wobei die erste deutlich weniger invasiv ist: Es ist die Entnahme von Stammzellen aus dem peripheren Blut. Bei diesem Verfahren muss zunächst dafür gesorgt werden, dass sich Stammzellen aus dem Knochenmark lösen und in den Blutkreislauf gelangen.

Dies wird mit dem Medikament G-CSF bewerkstelligt, das dem Spender in einer viertägigen Vorbehandlung zweimal am Tag unter die Haut gespritzt wird. Anschließend beginnt die eigentliche Entnahme, bei der dem Spender Blut abgelassen und in einem Zellseparator - einer Zentrifuge, die die Blutkörperchen ihrer Masse nach auftrennt - gefiltert wird, bevor es wieder in den Körper zurückgelangt.

Eine zweite, heute nur noch selten angewandte Methode der Knochenmarkspende ist die Punktion des Beckens. Hier wird das Mark direkt aus dem Knochen abgesaugt, was etwa eine Stunde dauert und immer unter Vollnarkose stattfindet. Das Becken wird dafür in aller Regel verwendet, weil es erstens ein sehr großer Knochen im menschlichen Körper ist, der genügend Mark bereitstellen und regenerieren kann. Und zweitens liegt der Knochen an den Seiten direkt unter der Haut, weswegen also nicht tief geschnitten werden muss, um das Becken zu erreichen.

Es gibt zwei verschiedene Anwendungsverfahren einem Spender Stammzellen aus dem Knochenmark zu entnehmen, durch die Entnahme von Stammzellen aus dem peripheren Blut oder durch die Punktion des Beckens.

Diese Punktion ist dennoch erheblich aggressiver als die periphere Entnahme von Stammzellen aus dem Blut, weswegen der Spender bei diesem Verfahren einen Blutverlust von über einem Liter erleiden kann.

Dies wird dadurch kompensiert, dass drei Wochen vor der Spende eine Eigenblutentnahme durchgeführt wird. In diesen Wochen bildet sich genügend Blut nach, und bei der Spende selbst kann dann das aufbewahrte Blut in den Körper zurückgeführt werden. Im Grunde handelt es sich also um eine zeitversetzte Autotransfusion. Das Knochenmark selbst regeneriert sich im eigenen Beckenknochen innerhalb nur weniger Wochen, sodass der Spender keinen bleibenden Nachteil erfährt.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Beide Methoden der Stammzellentnahme bergen gewisse, wenn auch geringe Risiken und Nebenwirkungen: Bei der peripheren Spende können infolge der G-CSF-Behandlung Symptome wie Knochen-, Kopf- oder Muskelschmerzen auftreten, ähnlich wie bei einer Grippe. Allergische Reaktionen können auftreten, jedoch nur in sehr seltenen Fällen. Irgendwelche Langzeiteffekte oder bleibende Nebenwirkungen dieser Behandlung beim Spender sind nicht bekannt.

Die chirurgische Knochenmarkentnahme birgt wegen ihrer Vollnarkose immer ein sehr geringes Restrisiko, wie es bei allen Operationen vorliegt. An der Entnahmestelle am Knochen und an der Haut können Blutergüsse und Schmerzen auftreten. Doch auch diese unangenehmen Effekte heilen in aller Regel im Laufe von nur wenigen Tagen aus. Es kann also zusammengefasst werden, dass die einzigen Nebenwirkungen bei dieser Methode der Knochenmarkspende nichts mit dem Verlust des Marks an sich, sondern mit dem operativen Eingriff und der notwendigerweise in Kauf genommen Verletzung der Haut und des Beckenknochens zu tun haben.

Im Zusammenhang mit möglichen Risiken und Nebenwirkungen der Knochenmarkspende sei noch erwähnt, dass Spender natürlich das Recht haben, ohne Angabe von Gründen von der Spende zurückzutreten, wenn sie sich zu unsicher sind. Allerdings dürfen sie das nur noch so lange, wie die Vorbereitung des Empfängers noch nicht begonnen hat. Denn dabei wird sein verbleibendes krankes Rückenmark mit Chemotherapie und/oder Bestrahlung abgetötet, um eine reibungslose anschließende Ansiedlung des frischen Spenderknochenmarks zu gewährleisten. Deswegen sollte verständlich sein, warum ein Rücktritt von der Knochenmarkspende, während der Patient bereits vorbereitet wird, selbigen in akute Lebensgefahr bringen kann.

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Quellen

  • Pfeifer, B., Preiß, J., Unger, C. (Hrsg.): Onkologie integrativ. Urban & Fischer, München 2006
  • Preiß, J. et al.(Hrsg.): Taschenbuch Onkologie. Zuckschwerdt, München 2014
  • Sauer, R.: Strahlentherapie und Onkologie. Urban & Fischer, München 2009

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