Knochenhaut

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. November 2016
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Die Knochenhaut (Periost) umhüllt jeden einzelnen Knochen des Körpers mit Ausnahme der Gelenkflächen. Im Bereich des Schädels wird die Knochenhaut als Pericranium bezeichnet. Innere Flächen von Knochen, zum Beispiel Röhrenknochen, überzieht eine dünnere Haut, die mit Endost oder Endosteum bezeichnet wird. Die Knochenhaut ist stark innerviert und mit Blutgefäßen durchzogen. Ihre Hauptaufgabe besteht in der Versorgung des Knochens und in der Unterstützung des Stoffwechsels im und am Knochen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Knochenhaut?

Die Knochenhaut (Periost) umhüllt jeden einzelnen Knochen im Körper und sorgt für den nötigen Stoffaustausch bei den ständig ablaufenden Auf- und Abbauprozessen an und in den Knochen. Außerdem bildet das Periost die Verbindung zwischen Knochen einerseits und Sehnen und Bändern andererseits. Das Periost ist in der Lage, die auftretenden Kräfte an den Anlenkpunkten von Sehnen und Bändern aufzufangen, weil die Haut mit seiner äußeren festen Kollagenschicht durch eine Vielzahl elastischer Fasern (Sharpey Fasern) mit den Knochen verbunden ist.

Neben der Wahrnehmung der wichtigen mechanischen Funktion muss das Periost in der Lage sein, den Knochen mit Nährstoffen zu versorgen und Abbauprodukte aus den Umsetzungsprozessen innerhalb des Knochens aufzunehmen sowie Schmerzempfindungen und andere Sinneswahrnehmungen zu generieren und über geeignete Nervenbahnen weiterzuleiten. Diese Funktionen erfüllt die untere, direkt am Knochen anliegende Schicht, das Kambium oder Stratum osteogenicum. Das Kambium ist zur Erfüllung der Aufgaben stark innerviert und mit Blutgefäßen durchzogen sowie mit Schmerzsensoren (Nozizeptoren) angereichert.

Anatomie & Aufbau

Das Periost besteht aus einer äußeren, festen, Schicht (Stratum fibrosum), die aus kollagenen Eiweißen aufgebaut ist und aus dem direkt am Knochen anliegenden Kambium oder Stratum osteogenicum. Dem äußeren Stratum fibrosum entspringen elastische Fasern (Sharpey Fasern), die mit ihrem „freien“ Ende fest mit dem Knochen verwachsen sind, so dass Sehnen und Bänder durch Anwachsen an dem Periost den nötigen Halt zur Erfüllung ihrer Funktion finden. Das Kambium ist stark innerviert und mit Blutgefäßen durchsetzt, um die Stoffwechselprozesse am und im Knochen bewältigen zu können. Da die Knochen selbst schmerzunempfindlich sind, ist das Kambium unter anderem mit drei verschiedenen Gruppen von Schmerzsensoren (Nozizeptoren) durchsetzt, die auf starke mechanische Reize (A-Mechanonozizeptoren), auf Hitze und starke chemische Reize (A-polymodale Nozizeptoren) oder die auf alle drei Reize (C-polymodale Nozizeptoren) mit Schmerzmeldungen reagieren können. Die Zellen des Kambiums bestehen meist aus noch nicht ausdifferenzierten Osteoblasten, also knochenbildenden Zellen, die für das Dickenwachstum und für die Knochenheilung nach einem Knochenbruch verantwortlich sind.

Funktion & Aufgaben

Das Periost erfüllt drei Hauptaufgaben: 1. Die Versorgung des darunter liegenden Knochens mit Nährstoffen und anderen benötigten Substanzen zur Unterstützung der im und am Knochen ablaufenden Stoffwechselvorgänge sowie Aufnahme von Abbauprodukten. Hierbei stehen die ständig ablaufenden Auf- und Abbauprozesse im Knochen über Osteoblasten (Knochenaufbau) und Osteoklasten (Knochenabbau) im Fokus, das Dickenwachstum der Knochen und die Reparatur bei Knochenbrüchen.

2. Herstellung der mechanischen Verbindung zwischen den Knochen und den Sehnen und Bändern zur Aufnahme und Ableitung der mechanischen Kräfte, die bei der Bewegung der Gliedmaßen in unterschiedlichem Maß notwendig sind. Die Länge der Hebel, über die Gliedmaße bewegt werden, ist meist relativ kurz, damit die Sehnen auch bei abgewinkeltem Arm oder Bein oder einer anderen Gliedmaße innerhalb des von Haut bedeckten Bereichs verlaufen können. Bei Nutzung größerer Hebel müssten zum Beispiel die Sehnen aus der Kniekehle wie feste Schnüre hervortreten, was große Verletzungsgefahren provozieren würde.

3. Der sensorische Schutz der Knochen. Weil die Knochen nicht sensorisch innerviert sind, übernimmt diese Funktion das Kambium der Knochenhaut. Es geht im Wesentlichen darum, gefährliche Beaufschlagungen des Knochens durch mechanische, chemische, thermische oder andere Spitzenbelastungen in Schmerzempfindungen umzuwandeln. Der Hauptgrund für die Erzeugung abgestufter Schmerzempfindungen liegt in seiner Warnfunktion. Die Botschaft lautet, für eine sofortige Beendigung des momentanen Zustands zu sorgen, um so drohenden Schädigungen an dem schmerzenden Bereich zu vermeiden.

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Krankheiten & Beschwerden

Die häufigste Krankheit im Zusammenhang mit der Knochenhaut ist die Knochenhautentzündung oder Periostitis. Die Krankheit betrifft immer nur einen Teil der Knochenhaut und kann unangenehm schmerzhaft sein. In den meisten Fällen wird eine Periostitis durch Überbelastung, Fehlbelastung oder zu häufigen Wiederholungen einer Belastung ausgelöst.

Häufig betroffen sind Knochenhautregionen, in denen Sehnen oder Bänder breitflächig angewachsen sind, wie zum Beispiel am Schienbein oder am Unterarm. Beispielsweise können Jogger von einer Periostitis am Schienbein betroffen werden, weil das Laufen Stoß- und Dehnreize auf die Knochenhaut im Bereich der Sehnenansätze am unteren Teil des Schienbeins innen ausübt. Die Symptome sind auch als Schienbeinkantensyndrom bekannt. Sehr wahrscheinlich bilden sich durch die ständig wiederholenden Zug- und Scherkräfte auf die Knochenhaut Mikroläsionen an den Sharpey Fasern aus, die dann Entzündungsreaktionen hervorrufen.

Eine Periostitis kann auch durch eine bakterielle Infektion, zum Beispiel durch Streptokokken, Staphylococcus aureus oder durch das Mycobacterium tuberculosis ausgelöst werden. Eine bakteriell ausgelöste Knochenhautentzündung unterscheidet sich in der Regel von einer anderen Periostitis durch Begleitsymptome wie heftige, örtlich begrenzte Schmerzen, Gewebeschwellungen und Beeinträchtigung des Allgemeinempfindens.

Unabhängig davon, dass Symptome einer Periostitis medizinisch abgeklärt werden sollten, liegen die Therapiemöglichkeiten in Ruhigstellung, kalten Kompressen und in der Verabreichung entzündungshemmender Medikamente. Im Falle einer bakteriellen Infektion wir der Arzt eine Behandlung mit Antibiotika in Erwägung ziehen.

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