Klinische Neuropsychologie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. September 2017
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Viele Patienten mit neurologischen Erkrankungen weisen Verhaltensauffälligkeiten auf, die die Fachsprache als Anpassungsstörungen bezeichnet. Die klinische Neuropsychologie befasst sich mit dem psychischen und physischen Belastungserleben der betroffenen Menschen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Klinische Neuropsychologie?

Die klinische Neuropsychologie ist eine Teildisziplin der Psychologie. Psychologen beschäftigen sich mit der Frage, warum Menschen bestimmte Verhaltensweisen und Verhaltensmuster zeigen und führen diese zurück auf individuelle Erlebnisse.

Neben der „Verhaltensforschung“ geht die Psychologie auch solchen wichtigen Fragen auf den Grund, wie Gefühle entstehen, wie sie sich auf das menschliche Handeln, den Lernprozess, die geistige Verfassung und die Intelligenz auswirken. Sie stellt die alles entscheidende Frage, wie es zu psychosomatischen Erkrankungen kommt und wie diese behoben werden können. Die Neuropsychologie setzt an diesem Punkt an und unterzieht diese Problematik einer besonderen Analyse. Sie versucht Antworten darauf zu finden, ob die zuvor genannten psychologischen Vorgänge mit Eigenschaften oder Teilen des Gehirns verbunden sind.

Behandlungen & Therapien

Die klinische Neuropsychologie ist ein Untergebiet der Neuropsychologie und untersucht die kausalen Zusammenhänge und Beziehungen zwischen Verhaltensauffälligkeiten, denen ein Krankheitswert zugestanden wird und Funktionsstörungen des zentralen Nervensystems, die eng mit der Tätigkeit des Gehirns verbunden sind. Diese Funktionsstörungen lassen sich auf die Motorik, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnisleistung sowie die höheren kognitiven Funktionen und Fähigkeiten zurückführen.

Diese Teildisziplin sieht die geistig-seelische Erkrankung und die ihr zugrundeliegenden physiologischen Erkrankungen und/oder Beschwerden nicht getrennt voneinander, sondern schafft ein einheitliches Bild, auf dem das anschließende Behandlungskonzept beruht. Die klinische Neuropsychologie kennt drei grundsätzliche Therapieformen.

  • 1) Die Funktionstherapie, auch als Restitution bezeichnet, konzentriert sich auf der Grundlage bestimmter neuropsychologischer Behandlungsmethoden auf eine Verbesserung oder Optimierung der Verhaltensauffälligkeiten.
  • 2) Die Kompensationstherapie baut die Bewältigungsfähigkeit des betroffenen Individuums auf und versetzt es in die Lage, sich während dieser Therapie sachlich mit seiner Erkrankung auseinanderzusetzen. Diese Therapieform kommt immer dann zum Einsatz, wenn die Funktionstherapie nicht die gewünschten Ergebnisse bringt.
  • 3) Neuropsychologen kombinieren Therapieansätze mit integrativen Behandlungsmethoden. Dabei werden die Methoden anderer psychologischer Behandlungsgrundsätze und Verfahren aus dem Bereich der Verhaltenstherapie mit den eigenen Therapieansätzen kombiniert.

Drei Hauptkomponenten der Aufmerksamkeitsstörung treten auffällig in Erscheinung: Verarbeitungskapazität, Selektivität und Alertness (Wachheit, Aktivation). Die Verarbeitungsfähigkeit ist begrenzt und erfordert bei bewusster Aufmerksamkeitszuwendung den ungestörten Ablauf der Verarbeitungsgeschwindigkeit von Information, die sowohl geteilt als auch parallel erfolgen muss. Eine weitere Variante ist die kontrollierte und automatisierte Verarbeitung. Die Verarbeitungsgeschwindigkeit stellt die Basisvariable einer großen Anzahl kognitiver Prozesse dar, die ein komplexes Reiz- und Reaktionsverfahren nach sich zieht.

Die geteilte und parallele Verarbeitung ist komplizierter, da mehrere Aufgaben zur gleichen Zeit ausgeführt werden müssen. Diese Verarbeitungsprozesse können eine unterschiedlich intensive Differenzierung der eingehenden Informationen nach sich ziehen. Die kontrollierte Aufnahme von Informationen erfolgt auf einer automatisierten Grundlage und mit einer geringeren Verarbeitungsgeschwindigkeit. Mit der selektiven Wahrnehmung ist ein Mensch in der Lage, die Flut der eingehenden Informationen, der er täglich ausgesetzt ist, bewusst und unbewusst nach Wichtigkeit und Unwichtigkeit zu unterscheiden. Er konzentriert sich auf das Wesentliche und vernachlässigt sekundäre und irrelevante Informationen.

Die klinische Neuropsychologie befasst sich mit dem psychischen und physischen Belastungserleben von Menschen, die von Anpassungsstörungen betroffenen sind.

In der Umgangssprache wird der Begriff Konzentrationsfähigkeit anstatt Alertness verwendet. Es handelt sich um die Aufrechterhaltung bestimmter Aufmerksamkeitsleistungen über einen längeren Zeitraum, die meistens kontrolliert erfolgen. Die phasische Aufmerksamkeit konzentriert sich auf die Aufnahme einer kurzfristig eingehenden Information, wobei Ziel ist, diesen neuen und unerwarteten Reiz so gut wie möglich zu verarbeiten. Das syndromartige Störungsbild der Vernachlässigung (Neglect) zieht taktile, visuelle und akustische Beschwerden nach sich. Die Patienten weisen eine einseitige Vernachlässigung der Extremitäten (Hemiakinese) auf, ordnen Reize lokal falsch zu (Allesthesie) und vernachlässigen eine Raumhälfte.

Ihre Krankheitseinsicht (Anosognosie) ist nicht vorhanden. Sie leiden insbesondere unter eingeschränkter visueller Wahrnehmung, auditorischen Wahrnehmungsstörungen, motorischen Störungen, Kontrollverlust, Halluzinationen, Denkstörungen, Apraxien, Aphasien, Amusien, Amnesien und verschiedenen Arten der Demenz. Die betroffenen Menschen sind nicht in der Lage, Farben, Größen, Konsistenzen, Tonalität, Geräusche, Sprache, Musik, Geschwindigkeit und andere komplexe Reize richtig zu verarbeiten. Sie können eine Gesichtsfeldeinschränkung, mangelnden Orientierungssinn, eingeschränkte Intelligenz, Lernschwierigkeiten, Lese-, Schreib- und Rechenschwäche und Gedächtnisverlust (Schädel-Hirn-Trauma) aufweisen.

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Diagnose & Untersuchungsmethoden

Kopfschmerzen und Migräne können erste Anzeichen sein. Das Gehirn ist mehr als jedes andere Organ auf eine ungestörte Blut- und Sauerstoffversorgung angewiesen. Gefäßerkrankungen (Durchblutungsstörungen) sind ein möglicher Hinweis auf einen drohenden Hirnschlag, Hirnblutungen und Schlaganfall geben. Infektionserkrankungen des Nervensystems in Form von Viren und Bakterien bilden die Vorstufe einer Meningitis. Ist nicht nur die Hirnhaut, sondern das Gehirn direkt betroffen, liegt eine Enzephalitis vor.

Multiple Sklerose ist eine entzündliche Erkrankung des Rückenmarks und Gehirns, die auf eine Fehlregulation des Immunsystems zurückzuführen ist. Die Betroffenen leiden unter kognitiven Wahrnehmungsstörungen und Muskelschwund, der im chronischen Stadium bleibende Schäden und Behinderungen (sekundär chronisch-progrediente Multiple Sklerose) verursacht. Weitere Verdachtsmomente in der Diagnose liefern Hirntumore, Muskelerkrankungen (Muskelschwund, Muskelschwäche), Erkrankungen des peripheren Nervensystems und neurodegenerative Erkrankungen (chronische Gehirnerkrankungen ohne Entzündung und Durchblutungsstörung).

Der erste Schritt auf dem Weg zur Therapie ist die Anamnese, die durch die Befragung des Patienten erfolgt. Die Laboruntersuchung von Blut und Liquor (Nerven- und Gehirnwasser) schließt sich der neurologischen Diagnostik an. Auf diese Weise lassen sich alle Arten von Erregern, Entzündungsparametern und die zuvor genannten Erkrankungen feststellen. Weitere Untersuchungen sind Ultraschall der hirnversorgenden Gefäße, elektrophysiologische Diagnostik in Form von Ableitung der Hirnströme (EEG), Messung der Nervenleitung im peripheren Nervensystem (Elektroneurografie), Ableitung der elektrischen Muskelaktivität (Elektromyografie), Messung der Nervenleitung in Rückenmark und Gehirn (evozierte Potentiale), Registrierung der Augenbewegung (Elektrookulografie) und die Funktionsdiagnostik von Blutdruck und Herzaktivität.

Unverzichtbar für die neurologischen Befunde ist die bildgebende Diagnostik: reguläre Röntgenverfahren, Myelografie, Computertomographie (CT), Angiografie und Magnetresonanztomografie (MRT). Im Fall entzündlicher Hirnerkrankungen und Hirntumore wird eine Gewebeentnahme (Tumor- und Gehirnbiopsie) durchgeführt. Bei Muskelerkrankungen wird eine Muskelbiopsie durchgeführt. Für Multiple Sklerose stehen mittlerweile verschiedene medikamentöse Therapien zur Verfügung, die nicht nur die Beschwerden, sondern auch den Gesamtverlauf günstig beeinflussen.

Durch verbesserte Behandlungsverfahren hat sich die Prognose für Hirntumore erheblich verbessert. Spezialabteilungen in den Kliniken (Stroke Units) kümmern sich fachgerecht um Patienten mit Schlaganfall, Hirnschlag und Hirnblutungen. Für Migräne, Myasthenie und Parkinson werden Neuroleptika verabreicht. Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist die koordinierte Zusammenarbeit zwischen Neurologen, Psychologen, Neurochirurgen, Herzchirurgen und Strahlenmedizinern.

Bücher über Psychologie

Quellen

  • Gleixner, C., Müller, M., Wirth, S.: Neurologie und Psychiatrie. Für Studium und Praxis 2015/16. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2015
  • Köhler, T.: Medizin für Psychologen und Psychotherapeuten. Schattauer, Stuttgart 2014
  • Möller, H.-J., Laux, G., Deister, A.: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2015

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