Klebsiella granulomatis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. Juni 2017
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Klebsiella granulomatis ist ein unbegeißeltes, gramnegatives, stäbchenförmiges Bakterium aus der Familie der Enterobakterien. Es lebt fakultativ anaerob im Cytoplasma großer, einkerniger Zellen und ist der Erreger der Geschlechtskrankheit Donovanosis. Das Bakterium bildet keine Sporen und ist daher für längerfristiges Überleben auf eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch – meist durch Geschlechtsverkehr – angewiesen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Klebsiella granulomatis?

Klebsiella granulomatis ist der Erreger der Geschlechtskrankheit Donovanosis, auch Granuloma inguinale genannt. Das Bakterium gehört zur Familie der Enterobakterien, weil die meisten Arten im Verdauungstrakt vorkommen. Das gramnegative Bakterium ist unbegeißelt und nicht zu selbständiger Fortbewegung fähig. Es lebt fakultativ anaerob im Cytoplasma großer, einkerniger Zellen, gelegentlich auch intrazellulär in bestimmten Leukozyten mit polymorphen Zellkernen.

Seine Erscheinungsform ist pleomorph, das bedeutet, dass es außer der Stäbchenform auch andere Formen annehmen kann. Beispielsweise können noch nicht ausgereifte Bakterien eine kleine kugelförmige (kokkenartige) Gestalt annehmen. Ausgereifte Bakterien der Art Klebsiella granulomatis können elliptische Kapseln ausbilden, kommen aber auch in Abhängigkeit von den Umgebungsbedingungen als Kokken oder Diplokokken vor, bei denen sich jeweils zwei Kokken wie ein Paar zusammenschließen.

Das Bakterium bildet keine Dauerformen und keine Sporen, so dass es für sein längerfristiges Überleben auf eine direkte Übertragung von Wirt zu Wirt angewiesen ist.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Klebsiella granulomatis ist der Erreger der Geschlechtskrankheit Donovanosis, die zu den sogenannten STDs (sexually transmitted diseases) gezählt wird. STDs sind in Deutschland in anonymisierter Form meldepflichtig. Die Krankheit verzeichnet in einigen Entwicklungsländern endemische Verbreitung, da häufig keine medizinische Versorgung vorhanden ist oder sich die Betroffenen die notwendige medikamentöse Behandlung nicht leisten können.

Hauptendemiegebiete fanden sich in Regionen und Ländern wie Indien, Brasilien, Südafrika und Papua-Neuguinea. In Australien grassierte die Krankheit vor allem unter den Aborigines. Aufklärung und bessere medizinische Versorgung konnten die infektiöse Donovanosis mittlerweile stark eindämmen.

Das Bakterium kann nur durch intensiven Hautkontakt übertragen werden. Die weitaus häufigste Art der Ansteckung erfolgt daher durch Geschlechtsverkehr. Die Bakterien besiedeln vorwiegend Gewebe der äußeren Geschlechtsorgane und des Afterbereichs. Mehrere Tage bis mehrere Wochen nach der Ansteckung zeigen sich schmerzlose Ulzera, die mit Geschwüren verwechselt werden können wie sie auch typisch für die Geschlechtskrankheit Syphilis sind. Typisches Abgrenzungsmerkmal der durch Klebsiella granulomatis hervorgerufenen Ulzerationen zu syphilitischen Geschwüren sind ihre Schmerzlosigkeit und ihr gerollter Rand. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal besteht darin, dass bei Infektionen mit Klebsiella granulomatis normalerweise die Lymphknoten nicht beteiligt sind, also keinerlei Schwellungen oder Druckempfindlichkeiten zeigen. Darüber hinaus kann ein mikroskopischer Nachweis mittels Abstrichen oder Biopsien vom Rand der Läsionen Gewissheit bringen.

Das mikroskopische Bild zeigt typischerweise in den Zellen, die vorher nach Wright-Giemsa eingefärbt wurden, sogenannte Donovan-Körperchen. Die Körperchen sind unter dem Lichtmikroskop nach der Einfärbung als ovale Gebilde intrazellulär in Makrophagen und Histiozyten gut erkennbar. Das Bakterium kann nicht auf Nährböden gezogen werden.

Klebsiella granulomatis spricht gut auf bestimmte Antibiotika an. Normalerweise werden die Bakterien mit Makrolidantibiotika oder Tetracyclinen behandelt. Makrolidantibiotika sind normalerweise gut verträglich und wirken auf viele Bakterienarten bakteriostatisch, da sie deren Proteinsynthese wirksam hemmen. Sie werden auch häufig zur Behandlung der Gonorrhoe und zur Bekämpfung von Chlamydieninfektionen verwendet. Die Gruppe der Tetracycline haben eine breite bakteriostatische Wirkung gegen viele gramnegative und grampositive Bakterien. Allerdings haben Tetracycline stark Calcium bindende Eigenschaften, die zu Nebenwirkungen führen und beachtet werden sollten. Eine Behandlung der Donovanosis ist auch mit Cotrimoxazol üblich. Es handelt sich dabei um eine Kombination der beiden Antibiotika Trimethoprim und Sulfamethoxazol mit sehr breiter antibiotischer Wirkung.

Bei der Bekämpfung von Klebsiella granulomatis sollte beachtet werden, dass das Bakterium - wie auch viele andere gramnegative Bakterien - gegen Beta-Lactam-Antibiotika resistent ist.

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Krankheiten & Beschwerden

Unbehandelt kann die Geschlechtskrankheit Granuloma inguinale zu Gewebezerstörungen an den äußeren Geschlechtsorganen und dem Afterbereich führen. Das ist nicht nur mit teilweise entstellenden und verstümmelnden Wirkungen verbunden, sondern die fortschreitende Gewebezerstörung mit ausgeprägten Einblutungen erhöht das Risiko einer mikrobiellen Sekundärinfektion. Durch die vorhandenen Läsionen verliert die Haut weitestgehend ihre Fähigkeit, das Eindringen von Mikroorganismen zu verhindern.

Die stattfindenden Einblutungen ermöglichen es bestimmten pathogenen Keimen, direkt in die Blutbahn zu gelangen. Beispielsweise ist die Donovanosis mit einem erhöhten HIV-Infektionsrisiko verbunden, weil die HIV-Erreger „leichteres Spiel“ für eine Infektion haben. An vorhandenen Einblutungen an den Genitalien ist die normalerweise zu überwindende Hautbarriere stark geschwächt oder fehlt völlig. AIDS-Viren zeigen sich daher als deutlich infektiöser bei Personen, die bereits an Klebsiella granulomatis in fortgeschrittenem Stadium erkrankt sind, als bei Personen, die nicht an dieser Vorerkrankung leiden.

Die Donovanosis ist zwar relativ effektiv mit bestimmten Antibiotika behandelbar, aber es besteht das Risiko, dass es bis zu 18 Monate nach der erfolgreichen Behandlung zu einem rezidivierenden Wiederauftreten der Krankheit kommen kann. Sexualpartner, die bis zu 40 Tage vor dem Auftreten erster Symptome mit dem Infizierten Verkehr hatten, tragen ebenfalls das Risiko einer Infektion.

Erkrankte Personen sollten auch während der Behandlung mit geeigneten Antibiotika auf jeglichen Geschlechtsverkehr verzichten bis zur völligen Abheilung der Krankheit. Damit ist sichergestellt, dass sie während dieser Zeit keine anderen Personen infizieren.

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