King-Kopetzky-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Juli 2017
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Als King-Kopetzky-Syndrom bezeichnet man eine obskure auditorische Dysfunktion oder auch auditorische Verarbeitungsstörung. Auditorisch bedeutet „das Gehör betreffend“. Diese Störung ist noch relativ wenig untersucht, betrifft aber etwa zehn Prozent aller Patienten, die sich aufgrund von Hörproblemen in medizinische Behandlung begeben. Vor allem Erwachsene, ältere Kinder und Jugendliche sind betroffen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das King-Kopetzky-Syndrom

Das King-Kopetzky-Syndrom (KKS) gehört zum Krankheitsbild der auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen. Die Fähigkeit zum verstehenden Hören wird von Medizinern in auditive Wahrnehmung und auditive Verarbeitung der Informationen unterteilt. Wenn nun zentrale Prozesse des Hörens gestört sind, können unter Umständen Zeit-, Intensitäts- oder Frequenzveränderungen akustischer Informationen nicht richtig analysiert und verarbeitet werden.

Geräusche werden in dem Fall nur ungenau lokalisiert oder Störgeräusche nicht ausgeblendet. Das King-Kopetzky-Syndrom bezeichnet im Speziellen eine Fehlfunktion mit schlechterem Sprachverstehen bei Hintergrundlärm. Namensgeber für das Syndrom waren Samuel J. Kopetzky und P. F. King, die die Störung in den frühen 50er Jahren erstmals weitergehend untersucht haben.

Ursachen

Die Ursachen für das King-Kopetzky-Syndrom sind nicht abschließend geklärt. Es werden sowohl organische und genetische, als auch psychische Einflussfaktoren vermutet. Da eine familiäre Häufung des Syndroms zu beobachten ist, kann eine Vererbung nicht ausgeschlossen werden. Als Beispiel für einen psychischen Auslöser des Syndroms ist auditiver Stress.

Das empfindliche Innenohr ist tagtäglich unterschiedlichsten akustischen Anforderungen ausgesetzt und reagiert sehr sensibel als Frühindikator für verschiedene Erkrankungen. So kann beispielsweise latenter nächtlicher Fluglärm oder der Verkehrslärm einer nahen Autobahn akustischen Stress bedeuten, der sich bei andauerndem Zustand zu einer Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung oder anderen Erkrankung des Ohrs manifestieren kann. Auffällig ist, dass es bei einem großen Teil der Betroffenen zeitgleich zu psychischen Auffälligkeiten wie einem erhöhten Level sozialer Angst oder Zwangsstörungen kommt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Betroffene des King-Kopetzky-Syndroms beschreiben Beeinträchtigungen des Hörens und Verstehens von Sprache, vor allem wenn parallel Störlärm hinzukommt. Verschiedene Teilleistungen der auditiven Wahrnehmung können dabei einzeln oder in Kombination betroffen sein. So kann beispielsweise die Fähigkeit, die Schallquelle des Sprechers auditiv räumlich einzuordnen und zu lokalisieren beeinträchtigt sein.

Defizite innerhalb der auditiven Selektion führen dazu, dass Patienten die Sprachinformationen nicht aus allen gleichzeitig auftretenden Alltagsgeräuschen (Unterhaltungen anderer Personen, Betriebsgeräusche von Maschinen und Lüftern, etc.) herausfiltern können. Kinder mit einer auditiven Selektionsstörung haben in der Schule beispielsweise Schwierigkeiten damit, bei Umgebungslärm Laute aus Wörtern herauszufiltern und zu verstehen, was der Lehrer sagt. Ebenso können die Wahrnehmungs- und Verarbeitungsprobleme bei ähnlich klingenden Tönen auftreten.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Begibt sich ein Patient mit Hörbeschwerden in medizinische Behandlung, wird die Untersuchung in der Regel von einem HNO-Arzt beziehungsweise Mediziner mit pädaudiologischem Schwerpunkt durchgeführt. Zunächst werden akute organische Ursachen wie eine Mittelohr- oder Gehörgangsentzündung per Ohrspiegelung (Otoskopie) untersucht. Die Diagnostik beinhaltet weiterhin ein eingehendes Gespräch über die Symptome und Vorerkrankungen.

Ist eine periphere Hörstörung, also eine direkte Schädigung des Ohres, ausgeschlossen, werden unterschiedliche Hörtests durchgeführt. Beim beschriebenen Krankheitsbild zeigen Betroffene im Tonaudiogramm geringfügige Auffälligkeiten in vielen Teilen des Hörsystems, meist im Innenohr. Des Weiteren wird ein Fragebogen zur Erfassung des „Social Hearing Handicap Index” (SHHI) ausgefüllt, der bei diesem Krankheitsbild in auffälligen Werten resultiert.

Ausgeprägt hat sich bei vielen Betroffenen weiterhin eine Geräuschüberempfindlichkeit, die ein sich im Verlauf der Krankheit verstärkendes Schutzverhalten bedingt. Bleibt die Krankheit unbehandelt, ergeben sich für Betroffene vor allem dann Schwierigkeiten, wenn gleichzeitig psychische Auffälligkeiten, wie oben genannt, auftreten. Patienten, die an sozialer Angst leiden und Schwierigkeiten mit dem Sprachverständnis haben, geraten schnell in soziale Isolation.

Weiterhin gehen auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen oftmals mit Sprachentwicklungsverzögerungen, Lese-und Rechtschreib-Schwächen sowie Aufmerksamkeitsstörungen einher. Betroffene können Laute der Sprache nicht richtig wahrnehmen und somit auch nicht korrekt wiedergeben. Eine möglichst frühe Diagnose ist somit gerade bei Kindern und Jugendlichen unbedingt anzustreben, um die weitere Entwicklung entsprechend fördern zu können.

Komplikationen

Durch das King-Kopetzky-Syndrom kommt es vorwiegend zu Beschwerden und Störungen am Gehör. Diese können den Alltag des Betroffenen erheblich einschränken und die Lebensqualität weiterhin verringern. Ebenso treten Beschwerden beim Verstehen und Hören von Sprache auf, sodass eine gewöhnliche Kommunikation für den Betroffenen in der Regel nicht möglich ist

Das King-Kopetzky-Syndrom kann damit auch gewisse Risiken im Leben erhöhen, da Gefahren gegebenenfalls nicht rechtzeitig erkannt werden können. Nicht selten kommt es dabei vor allem bei Kindern zu Störungen der Entwicklung und der Konzentration. Die Betroffnen leiden weiterhin an Entzündungen im Ohr oder im Gehörgang. Im schlimmsten Falle kann es dabei zu einem vollständigen Hörverlust kommen.

Weiterhin können die Kinder auch an Störungen der sprachlichen Entwicklung und an Aufmerksamkeitsstörungen leiden. Die Behandlung des King-Kopetzky-Syndroms erfolgt ursächlich und symptomatisch. In vielen Fällen kann die Grunderkrankung nicht mehr eingeschränkt und der Patient ist auf verschiedene Therapien angewiesen, damit es im Alltag zu keinen Komplikationen kommt. In der Regel kann ein Hörgerät die Beschwerden relativ gut kompensieren.

Behandlung & Therapie

Das King-Kopetzky-Syndrom kann je nach angenommener Ursache auf verschiedene Arten behandelt werden. Gezielte funktionelle Hörtrainings zur Verbesserung der phonologischen Bewusstheit wirken sich laut zahlreicher wissenschaftlicher Studien positiv auf die Fähigkeit zur Lautdifferenzierung aus. Daraus resultiert im Idealfall auch eine Leistungssteigerung bei vorliegender Lese-Rechtschreibschwäche.

Liegen psychologische Ursachen zugrunde und geht die Krankheit mit weiteren neurologischen Symptomen einher, empfiehlt sich zudem eine abgestimmte Behandlung gemeinsam mit einem Psychotherapeuten oder Psychiater. Ganzheitliche verhaltenstherapeutische Konzepte in Verbindung mit Stressreduktion und der Gabe von Medikamenten unterstützen den Genesungsprozess und helfen dabei, ängstliche Anspannungen abzubauen.

In Gruppensituationen wird neben dem aufmerksamen Zuhören beispielsweise auch trainiert, beim Nicht-Verstehen nachzufragen oder sich Eselsbrücken zu schaffen. Oftmals wird auch eine spezielle Bewältigungsstrategie empfohlen. Die Betroffenen sollen dabei bei Hörschwierigkeiten bewusst zusätzliche, nicht hörbare Informationsquellen nutzen und beispielsweise parallel Lippen lesen. Sollte im Rahmen des Hörtests ein messbarer Hörverlust festgestellt worden sein, kann eine Therapie im Bedarfsfall auch den Einsatz eines Hörgerätes empfehlen.

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Vorbeugung

Die infrage kommenden Ursachen für das King-Kopetzky-Syndrom wurden bisher nicht hinreichend untersucht und verstanden. Direkt vorbeugende Maßnahmen können daher nicht formuliert werden. Dies gilt besonders dann, sollte sich die Vermutung einer Erblichkeit des Krankheitsbildes bestätigen. Als Maßnahme zur Vorbeugung können daher nur die Empfehlung einer ganzheitlich gesunden Lebensweise und die Vermeidung von Stress angeführt werden.

Bücher über Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen

Quellen

  • Arnold, W., Ganzer, U.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Boenninghaus, H. G., Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2012
  • Reia, M.: Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2009

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