Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. September 2017
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Die Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie befasst sich mit der Diagnose, Therapie und Prävention psychischer Erkrankungen und Verhaltensstörungen im Kindes- und Jugendalter. Mithilfe medizinischer und psychologischer Verfahren soll die psychische Gesundheit der Patienten hergestellt und erhalten werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Kinder- & Jugendpsychiatrie & -psychotherapie?

Die Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie ist ein eigenständiges medizinisches Fachgebiet. Sie befasst sich mit der Erforschung, der Diagnose und Therapie psychischer Erkrankungen und sozialer Auffälligkeiten bei Heranwachsenden. Auch die Prävention psychischer Krankheiten gehört zu ihren Kernaufgaben.

Um diese Ziele zu erreichen, wird in der kinder- und jugendpsychiatrischen und -psychotherapeutischen Praxis auf Erkenntnisse aus der Medizin, Biologie und Psychologie zurückgegriffen. Diese werden zur Behandlung psychischer, psychosomatischer und neurologischer Erkrankungen, zur Intervention bei auffälligem Sozialverhalten und zur Rehabilitation bei Suchterkrankungen herangezogen.

Als Kinder und Jugendliche gelten hier Jungen und Mädchen sowie Heranwachsende bis zum vollendeten 18. Lebensjahr. In Ausnahmefällen können Kinder- und Jugendpsychiater und -psychotherapeuten auch ältere Jugendliche behandeln. Diese haben entweder ein medizinisches Studium mit Weiterbildung in einer kinder- und jugendpsychiatrischen Klinik oder ein Studium der Psychologie oder Pädagogik sowie eine anschließende Ausbildung absolviert. Entsprechend ist zwischen einer Behandlung durch einen Arzt und durch einen Psychotherapeuten zu unterscheiden.

Behandlungen & Therapien

Die Grundlage der Diagnostik in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie bilden zwei internationale Manuale. Das sind Kataloge bekannter Krankheitsbilder, die eine Klassifikation, Definition und Kurzbeschreibung dieser Krankheiten enthalten. Es handelt sich um den ICD (englische Abkürzung für „Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“) sowie den DSM (englische Abkürzung für „Diagnostischer und statistischer Leitfaden psychischer Störungen“). So umfangreich sie im Bereich psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen sind, so vielfältig ist das Behandlungsspektrum dieser Fachrichtung.

In dieses Spektrum fallen zunächst Intelligenzminderungen und Zustände der Demenz, die bereits bei Kindern und Jugendlichen auftreten können. Diese können mit Entwicklungsstörungen wie Lese- und Rechtsschreibstörungen sowie Rechenstörungen zusammenhängen, während umgekehrt von einer Legasthenie bzw. Dyskalkulie nicht auf verminderte Intelligenz geschlossen werden kann. Auch motorische Störungen können psychische bzw. psychiatrische Ursachen haben.

Auf dem Gebiet der Hyperkinetischen Störungen ist insbesondere das unter Wissenschaftlern umstrittene Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADHS) zu nennen, das allein in Deutschland im Jahr 2011 bei über 600.000 Kindern und Jugendlichen diagnostiziert worden ist und meist pharmakologisch behandelt wird.

Die Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie befasst sich mit der Diagnose, Therapie und Prävention psychischer Erkrankungen und Verhaltensstörungen im Kindes- und Jugendalter.

Auch Tics können im Kindes- und Jugendalter auftreten sowie typische Verhaltensauffälligkeiten, die mit selbstverletzendem Verhalten einhergehen können. Bei einem gestörten Sprachverhalten arbeiten Kinder- und Jugendpsychiater und -psychotherapeuten mit Logopäden und Sprachheilpädagogen zusammen.

Weitere Erkrankungen sind die Autismus und andere Wahrnehmungs- und Kommunikationsstörungen. Auch Schizophrenie kann im Kindesalter auftreten und muss psychiatrisch und psychotherapeutisch behandelt werden. Zu den Affektiven Störungen gehören neben der Depression manische und bipolare Störungen. Ähnlich gravierend können Persönlichkeitsstörungen, Störungen des Sozial- sowie des Sexualverhaltens sein.

Im Kindes- und Jugendalter können Angst- und Zwangsstörungen sowie Belastungsstörungen auftreten. Diese können, müssen aber nicht mit traumatischen Erlebnissen verbunden sein. Ihre Ursache herauszufinden und sie zu beheben gehört ebenfalls zu den Aufgaben von Psychiatern und Psychotherapeuten, die sich auf diese Altersgruppe spezialisiert haben. Ein weiteres Problem, mit dem sich Praktiker häufig konfrontiert sehen, sind Essstörungen wie Anorexie und Bulimie, aber auch Adipositas. Ebenfalls häufig treten in diesem Alter Suchterkrankungen auf.

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Diagnose & Untersuchungsmethoden

Die Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie ist interdisziplinär ausgerichtet. Das heißt, dass hier wissenschaftliches Wissen aus unterschiedlichen Bereichen zusammenfließt, verschiedene diagnostische und therapeutische Ansätze nebeneinander bestehen, einander ergänzen und in Konkurrenz zueinander treten können. Die Grundlage der Diagnostik im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie bilden das Anamnese-Gespräch, die medizinische Untersuchung sowie psychologische Testverfahren.

Unter der Anamnese ist die Vorgeschichte der Erkrankung zu verstehen. Da Kinder und Jugendliche oft nicht in der Lage sind, diese zu schildern, spielen die Bezugspersonen eine entscheidende Rolle. Im Zuge der Anamnese wird nicht nur der Anlass der Untersuchung festgestellt, der Arzt oder Psychologe formuliert auch die Fragestellung für die weiteren Untersuchungsschritte, die für die Auswahl der medizinischen und psychologischen Testverfahren entscheidend sind. Die medizinische Untersuchung kann je nach Verlauf des Anamnesegesprächs auf unterschiedliche Verfahren zurückgreifen. Die körperliche Untersuchung durch den Arzt und die Feststellung der Laborwerte des Patienten ist nur der erste Schritt, auch bildgebende Verfahren wie die Computertomographie und funktionelle Magnetresonanztomographie können zum Einsatz können.

Wenn eine Diagnose feststeht, stehen Kinder- und Jugendpsychiatern und -psychotherapeuten unterschiedliche Testverfahren und Therapien offen, etwa eine medikamentöse Behandlung, tiefenpsychologische oder verhaltenstherapeutische Verfahren. Die Behandlung mit Psychopharmaka kann nur durch den Arzt erfolgen. Häufig eingesetzt werden Medikamente aus der Gruppe der Stimulanzien, Antidepressiva und Neuroleptika. Die Pharmakotherapie stellt selten die einzige Maßnahme dar, sie wird durch gesprächsbasierte und verhaltensbezogene Verfahren ergänzt.

Zudem sind in diesem Bereich systemisch-familienbezogene Herangehensweisen von großer Bedeutung. Dabei rückt nicht nur das betroffene Kind oder der Jugendliche in den Mittelpunkt. Vielmehr wird sein Verhalten innerhalb der familiären Konstellation, im schulischen und privaten Zusammenhang betrachtet. Die Therapie von Kindern und Jugendlichen kann stationär, in spezialisierten psychiatrischen Kliniken, oder ambulant erfolgen. Die Rechtsgrundlage der Arbeit von Kinder- und Jugendpsychiatern und -psychotherapeuten ist unter anderem im Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) sowie im Psychisch-Kranken-Gesetz (PsychKG) gesetzlich festgeschrieben.

Bücher über Psychotherapie

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Remschmidt, H.: Kinder- und Jugendpsychiatrie. Thieme, Stuttgart 2011
  • Steinhausen, H.-C. (Hrsg.): Psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen. Urban & Fischer, München 2010

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