Kinästhesie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 23. Januar 2017
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Mit Kinästhesie wird die Fähigkeit Bewegungen der Körperteile unbewusst zu kontrollieren und zu steuern definiert. Die Kinästhesie ist demnach eine Empfindug der Bewegung des Körpers, ausgehend vom propriozeptiven Systems.

Inhaltsverzeichnis

Was die Kinästhesie?

Propriozeptive Systeme sind sensorische Systeme, die Vorgänge in den tiefen somatischen Geweben messen - also Muskeln, Gelenken, etc. Die Propriozeption umfasst drei Sinnesmodalitäten: den Bewegungssinn, den Lagesinn und den Kraftsinn.

Die Kinästhesie funktioniert auf Basis von Rezeptoren des Bewegungsapparates in den Gelenken, Muskeln und Sehnen. Genauer gesagt in den Muskelspindeln, Sehenenorganen wie den Golgi-Sehnen und Sensoren in den Gelenkkapseln. Größtenteils läuft die Kinästhesie unbewusst ab.

Häufig werden Bezeichnungen wie kinästhetische Wahrnehmung, kinästhetischer Sinn oder kinästhetisches Sinnessystem als Synonym für die Propriozeption generell verwendet. In diesem Fall ist also nicht nur der Bewegungssinn, sondern auch der Lage- und Kraftsinn gemeint.

Der Begriff Kinästhesie setzt sich aus den beiden altgriechischen Wörtern 'kineō' und 'aisthēsis' zusammen. 'Kineō' steht für "sich bewegen" und 'aisthēsis' für 'Wahrnehmung, Empfindung'. Der britische Neurologe Henry Charlton Bastian verwendete den Begriff um 1800 zum ersten mal, um damit den Bewegungssinn und das im Gehirn zuständige Areal für Bewegungsempfinden - Kinaesthetic Centre - zu bezeichnen.

In der Pflege wird ebenfalls der Begriff Kinästhetik verwendet. Hier beschreibt Kinästhetik ein Konzept, mit der die Bewegung von Patienten schonend unterstützt wird.

Funktion & Aufgabe

Die Propriorezeptoren in den den Muskeln und Gelenken registrieren die Reize. Beispielsweise registrieren die Golgi-Sehenen die Spannung der Sehne, und damit die Kontraktion des Muskels, also seine Bewegung. Auf schnell leitenden Bahnen wird die Empfindung auf das Rückenmark übertragen. Hier kann der Reiz direkt an Motoneurone weitergegeben werden. Das ermöglicht eine schnellere Reaktion, da der Reiz nicht bis ins Hirn geleitet werden muss, um erst dort auf ein Motorneuron übertragen werden zu können. Auf diese Weise funktionierten Reflexe.

Die meisten Reize folgen allerdings der Erregungsleitung über Hinterstrangbahnen und das anterolaterale System über Thalamuskerne zur Großhirnrinde. Die Empfindung von Kraft ist wichtig für die sogenannte Kraftdosierung, also die feine Tonusabstimmung. Nur bei Funktion der Propriozeption ist die Anpassung des Muskeltonus, der Haltung, der Bewegung sowie der Kraftdosierung möglich. Dadurch kann der notwendige Widerstand und die richtige Spannung aufgebaut werden.

Hauptaufgaben des Bewegungssinn sind die Haltungskoordination sowie die Bewegungskoordination. Die Haltungskontrolle wird auch posturale Koordination genannt. Sie koordiniert, dass eingenommene Körperstellungen über einen längeren Zeitraum gehalten werden können, um sie für die benötigte Handlung nutzen zu können.

Mit Kinästhesie wird die Fähigkeit Bewegungen der Körperteile unbewusst zu kontrollieren und zu steuern definiert.

Bei der Bewegungskoordination wird in Grobmotorik und Feinmotorik unterschieden. Diese Differenzierung ist jedoch nicht immer eindeutig, da beide parallel ablaufen können. Beispielsweise beim Werfen eines Balls, was an sich eher einer grobmotorischen Bewegung entspricht, arbeiten die Finger feinmotorisch.

Bei der Bewegungskoordination zeigt sich auch die Wichtigkeit des Zusammenspiels der linken und rechten Gehirnhälfte. Bewegungen der linken und rechten Körperhälfte gehen oft fließend ineinander über. Oft passieren Bewegungen auch unkontrolliert und ohne jegliche Absicht und Notwendigkeit. Diese werden assoziative Bewegungen benannt. Sie treten oft ein, wenn die Gegenseite eine Bewegung nachahmt, die auf der anderen Körperseite ausgeübt wird. Oder auch, wenn eine Person das Verhalten seines Gegenübers nachmacht. Man spricht hier von Spiegelbewegungen.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Kinästhesie hoch komplexe Vorgänge im Körper steuert. Bei näherem Betrachten wird auch deutlich, dass, anders als erwartet, nicht alle Bewegungen der willkürlichen Kontrolle unterliegen.

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Krankheiten & Beschwerde

Eine Störung der Bewegungs- und Haltungskoordination ist eine Ataxie. Es gibt verschiedene Formen von Ataxien. Sie äußert sich in unkontrollierten, überschüssigen Bewegungen. Ataxien können auch bei normaler Muskelkraft, also wenn keine Lähmung vorliegt, auftreten. Es ist zudem möglich, dass nur eine Körperhälfte betroffen ist. In diesem Fall spricht man von einer Hemiataxie.

Die Ursachen können sowohl im zentralen (ZNS) als auch im peripheren Nervensystem liegen. Des weiteren kann man sie nach ihrer Äthiologie, nach dem betroffenen ZNS-Abschnitt und nach der betroffenen Bewegung einteilen. Die Ursachen von Ataxien können genetisch bedingt oder erworben sein. Patienten mit Schilddrüsenunterfunktion der Tumorerkrankungen haben ein erhöhtes Risiko eine Ataxie zu erleiden. Ebenso kann eine Ataxie durch Alkoholmissbrauch oder andere Gifte hervorgerufen werden. Eingeteilt nach dem betroffenen ZNS-Abschnitt kann man eine zerebelläre und eine spinale Form unterschieden, hierbei sind besonders oft Menschen mit Multiple Sklerose betroffen.

Je nach der betroffenen Bewegung lässt sich außerdem eine Standataxie, Zeigeataxie, Gangataxie oder Rumpfataxie unterscheiden. Bei einer Standataxie kann eine Kleinhirnschädigung vorangehen oder auch Erkrankungen des Gleichgewichtsorgans. Sie äußert sich in Haltungsinstabilität und Schwankungen des Körpers. Die Zeige- und Gangataxie äußern sich, wie der Name es vermuten lässt, beim Zeigen auf einen Gegenstand oder beim Gehen. Die Rumpfataxie macht sich dagegen durch Rumpfschwankungen beim Sitzen bemerkbar.

Die Behandlung einer Ataxie richtet sich immer nach ihrer Ursache, die es im Idealfall zu bekämpfen gilt. Das heißt aber auch, dass viele Formen von Ataxien nicht geheilt werden können. In diesem Fall empfiehlt der Therapeut meist Geräte oder Apparaturen, um besser mit der Ataxie umgehen zu können. Das können zum Beispiel Gehstöcke oder spezielle Unterstützungen zum Essen oder Sprechen sein.

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