Kieferklemme

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 30. Oktober 2017
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Bei der Kieferklemme ist das Öffnen des Mundes zum Teil oder komplett beeinträchtigt. Dieser Zustand kann verschiedene, sehr unterschiedliche Ursachen haben, ist aber generell gut behandelbar und reversibel. Allerdings kann eine Kieferklemme starke Schmerzen verursachen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Kieferklemme?

Die Kieferklemme wird, je nach verbliebener Beweglichkeit des Unterkiefers, in drei verschiedene Grade eingeteilt. Grad I bedeutet eine leichte Einschränkung, Grad II eine maximale Mundöffnung von 10 mm und Grad III maximal 1 mm.

Entscheidend hierbei ist die sogenannte Schneidkantendistanz, also der Abstand zwischen den oberen und unteren Schneidezähnen. Diese Gradeinteilung wird auch zur Verlaufskontrolle der Erkrankung eingesetzt. Unterschieden wird die Kieferklemme von der Kiefersperre, bei der das Schließen des Mundes beeinträchtigt ist.

Ursachen

Die Ursachen einer Kieferklemme sind vielfältig, liegen aber meist in der Muskulatur oder den Nervenbahnen des Kiefers selbst. Häufige Ursachen sind zum Beispiel Krämpfe der Kaumuskulatur, Entzündungen im Mund- und Kieferbereich oder ein Diskusprolaps, eine Art Bandscheibenvorfall im Kiefergelenk.

Krämpfe der Kaumuskulatur können durch verschiedenste Grunderkrankungen, wie etwa Meningitis, Epilepsie, Tetanus, Amphetaminmissbrauch oder Tumorerkrankungen verursacht werden, aber auch als Reaktion auf Schmerzen bei der Mundöffnung auftreten. Diese Schmerzen rühren in den meisten Fällen vom Durchbruch der Weisheitszähne oder deren operativer Entfernung her. Hierbei ist der Krampf der Kaumuskulatur ein reiner Schutzreflex.

Meist krampft sowohl die Muskulatur, die den Mund öffnet, als auch die Schließmuskulatur. Letztere ist allerdings wesentlich stärker ausgeprägt, so dass bei einem Krampf der gesamten Muskulatur am Unterkiefer der Mund geschlossen bleibt.

In seltenen Fällen kann auch eine Unterkieferfraktur eine Kieferklemme verursachen, indem zum Beispiel Knochenfragmente die Beweglichkeit des Unterkiefers einschränken oder verhindern.

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Diagnose & Verlauf

Bei der Kieferklemme ist das Öffnen des Mundes zum Teil oder komplett beeinträchtigt. Dieser Zustand kann verschiedene, sehr unterschiedliche Ursachen haben, ist aber generell gut behandelbar und reversibel.

Diagnostiziert wird die Kieferklemme meist vom Zahnarzt. Sie kann jedoch auch vom Allgemeinarzt, Allgemeinchirurgen oder Kieferchirurgen festgestellt werden. Die Diagnose erfolgt über die Symptomatik, also dass der Mund nicht mehr geöffnet werden kann.

Zur Sicherung der Diagnose kann eine Leitungsanästhesie des Unterkiefers erfolgen: Hierbei werden die Nervenbahnen, die den Krampf der Kaumuskulatur als Schutzreflex verursacht haben, ausgeschalten und der Mund kann wieder geöffnet werden. Zum Ausschluss einer Unterkieferfraktur kann, je nach Hergang, noch ein Röntgenbild gemacht werden.

Der Verlauf nach der Diagnose hängt ganz von der jeweiligen Ursache der Kieferklemme ab. Je nach Grunderkrankung kann sie vom Arzt innerhalb weniger Minuten beseitigt werden, oder aber eine langwierige Behandlung mit Medikamenten und Physiotherapie wird nötig. Im den allermeisten Fällen ist eine Kieferklemme vollständig heilbar und bleibt ohne Folgeschäden.

Komplikationen

In der Regel ist eine Kieferklemme gut behandelbar. Folgeerkrankungen kommen nach den bisherigen Erkenntnissen nicht vor. Die Kieferklemme ist sehr häufig die Folge von lokalen Entzündungen im Kiefergelenk bei einem erschwerten Weisheitszahndurchbruch. Sie verschwindet in der überwiegenden Zahl der Fälle nach der Beendigung der Entzündung.

Sehr selten kann es jedoch vorkommen, dass auch nach dem Überstehen der Kiefernentzündung eine leichte Kieferklemme zurückbleibt. Auch in diesen Fällen ist mithilfe von Entspannungsübungen eine vollständige Heilung möglich. Allerdings kann die Kieferklemme ausnahmsweise auch mit schwerwiegenden Erkrankungen in Verbindung stehen. Dabei tritt sie hier in der Regel als Symptom auf. Komplikationen als Folge einer Kieferklemme sind zwar nicht bekannt.

Es gibt jedoch Erkrankungen, bei denen es zu einem generalisierten Muskelkrampf der Kiefernmuskulatur kommen kann. Der Mund wird hierbei krampfhaft geschlossen und kann nicht mehr geöffnet werden. Hier stellt ein Muskelkrampf, der sich auch in Form einer Kieferklemme äußern kann, eine der vielen Komplikationen bei diesen Erkrankungen dar.

Zu diesen Erkrankungen zählen unter anderem Tetanus, Meningitis, Kalziummangel im Blut, Abszesse in den Gaumenmandeln, neurologische Störungen, generalisierte epileptische Anfälle, Schädelbasisbrüche oder Tumoren der Ohrspeicheldrüse. Bei Tetanus (Wundstarrkrampf) ist die Kieferklemme sogar eines der Hauptsymptome. Unbehandelt führt Wundstarrkrampf durch Atemlähmung immer zum Tod. Diese Erkrankung gehört zu den schwersten Komplikationen, bei welchen die Kieferklemme eine Rolle spielt.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine Kieferklemme ist eine vollkommene oder eingeschränkte Bewegungsunfähigkeit der Mundöffnung, hervorgerufen durch einen erstarrten Kiefer.

Die Diagnose einer Kieferklemme erfolgt beim Zahnarzt, Allgemeinarzt oder Kieferchirurgen. Je nach Ursache kann der Patient innerhalb von wenigen Minuten geheilt werden. In extremen Fällen kann die Behandlung einige Monate in Anspruch nehmen und mit einer Physiotherapie einhergehen. In der Regel sollte bei der Kieferklemme schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden. Um den Schmerzen kurzweilig Abhilfe zu leisten eignet sich Wärme, um die orale Muskulatur zu entspannen. Auch Schmerzmittel können kurzfristig Abhilfe leisten, sollten jedoch keinesfalls mit Drogen oder Alkohol kombiniert werden.

Die Ursachen können unterschiedlicher Natur sein. Häufig tritt die Kieferklemme bei einer Verspannung der Kiefermuskulatur auf. In diesem Fall empfiehlt es sich den Kieferchirurgen aufzusuchen, um die Diagnose abzuschließen und gegebenenfalls an einen Physiotherapeuten übergeben zu werden. Besondere Störungen treten auch beim Schlucken auf und gehen mit dem Risiko der Aspiration einher. Der Zustand kann unter Umständen sehr schmerzhaft, zumindest aber unangenehm für den Betroffenen sein. Ist nicht klar, woher die Schmerzen kommen, empfiehlt es sich, den Allgemeinmediziner aufzusuchen, um andere Gründe für die Beschwerden auszuschließen.

Behandlung & Therapie

Prinzipiell muss bei einer Kieferklemme immer die zu Grunde liegende Ursache behandelt werden. Das heißt, dass je nach Vorerkrankung die Behandlung einer Kieferklemme sehr unterschiedlich aussehen kann. Liegt ein einfacher Krampf der Kaumuskulatur vor, kann bereits eine lokale Betäubung der Nervenbahnen ausreichen.

Wenn der Krampf allerdings durch eine Erkrankung wie Meningitis oder Tetanus verursacht wurde, muss diese Erkrankung behandelt werden, denn bei Abklingen der Betäubung würde die Kaumuskulatur sonst wieder krampfen. Ist eine Entzündung der Grund, muss eben diese Entzündung bekämpft werden. Dazu reicht oft schon eine einzige Behandlung beim Zahnarzt.

Falls die Kieferklemme durch Schmerzreize ausgelöst wird, kann ein Schmerzmittel Linderung verschaffen. Liegt ein Anfallsleiden mit wiederholten Krampfanfällen vor, muss neurologisch abgeklärt werden, ob eine Therapie mit Antiepileptika sinnvoll ist.

Im Fall einer Fraktur des Unterkiefers kann eine operative Versorgung nötig werden. Auch bei einem Diskusprolaps kann eine operative Reposition erfolgen, oftmals reicht aber in diesem Fall eine Unterkieferschiene aus.

Je nach Schweregrad der Kieferklemme kann eine Physiotherapie angebracht sein: Diese besteht in verschiedenen Übungen zur Dehnung der Kaumuskulatur, um den vollen Öffnungswinkel des Mundes wiederzuerhalten. Eine Möglichkeit besteht darin, den Mund mit Holzmundspateln auf seine maximale Öffnung zu dehnen und dann einen weiteren Mundspatel einzuführen. Jeden Tag wird ein Mundspatel mehr benutzt, bis die ursprüngliche Mundöffnung erreicht ist. Diese Übung muss allerdings unbedingt unter Anleitung durch einen Fachmann durchgeführt werden, da sonst bei Überdehnung die Muskulatur geschädigt werden kann.

Zusätzlich können Mundspülungen mit warmem Wasser sowie Bestrahlungen des Kiefers mit Rotlicht hilfreich sein, da sich die Muskulatur durch den Wärmeeinfluss entspannt.

Aussicht & Prognose

In den meisten Fällen kann eine Kieferklemme relativ gut behandelt werden. Da sie viele verschiedene Ursachen haben kann, können sich auch unterschiedliche Krankheitsverläufe bei der Kieferklemme einstellen. Der Betroffene muss dabei auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen, da sich die Kieferklemme nicht ohne ärztliche Hilfe lösen lässt. Falls dadurch auch die Zähne oder das Zahnfleisch beschädigt wurden, ist in der Regel auch ein Besuch bei einem Zahnarzt notwendig. Damit können Schmerzen oder Folgeschäden vermieden werden.

Teils leiden die Betroffenen auch an Schmerzen und Schwellungen am Kiefer. Sollte sich ein Geschwür ausbilden, muss ebenfalls ein Arzt aufgesucht werden. Für den Patienten können Komplikationen in Form von Atemnot eintreten, falls die Kieferklemme lange anhält und schwerwiegend ist. Ebenso kann sich eine Fehlhaltung einstellen, die therapiert werden muss.

Die Lösung der Kieferklemme selbst erfolgt ohne Komplikationen. Weitere Beschwerden an den Zähnen oder im Mundraum werden allgemein durch einen Zahnarzt behandelt. In den meisten Fällen stellt sich ein positiver Krankheitsverlauf ein.

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Vorbeugung

Zur Vorbeugung einer Kieferklemme kann ein Patient nur wenig beitragen. Hat man bereits einmal eine Kieferklemme erlitten, ist es entscheidend, die verursachende Grunderkrankung gut zu beherrschen, um ein erneutes Auftreten zu vermeiden.

Tritt die Kieferklemme häufig auf, kann der Arzt ein krampflösendes Mittel verschreiben, damit die Symptome kontrolliert werden können. Bei gesunden Menschen ohne entsprechende Vorgeschichte besteht ohnehin so gut wie kein Risiko einer Kieferklemme, abgesehen von Unfällen mit Beteiligung des Unterkiefers.

Das können Sie selbst tun

Bei einer Kieferklemme sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden. Es gibt allerdings Möglichkeiten zur Selbsthilfe, die das Symptom lindern können. Sollten bei der Kieferklemme auch Schmerzen im Kiefer eintreten, so können diese mit Hilfe von Schmerzmitteln kurzzeitig bekämpft werden. Der Patient sollte allerdings darauf achten, diese nicht über einen längeren Zeitraum und auch nicht mit Alkohol und anderen Drogen einzunehmen.

Um die Muskeln bei der Kieferklemme zu entspannen, eignet sich Wärme. So kann eine Wärmeflasche oder ein Heizkissen aufgewärmt und dabei an die betroffene Stelle gehalten werden. Dies kann zu einer Entspannung der möglicherweise verkrampften Muskulatur führen. Es ist ratsam, das Heizkissen oder die Wärmeflasche nicht zu lange auf der betroffenen Stelle zu belassen um Verbrennungen zu vermeiden. Gegen die Schmerzen hilft ebenso gut Kälte. Dafür eignen sich Eiswürfel oder ein Kühlpad. Die Kühlgegenstände sollten in ein Tuch gewickelt werden, um Erfrierungen auszuschließen. Die Kältebehandlung kann dabei direkt nach der Wärmebehandlung erfolgen.

Bei der Kieferklemme sollten schwere körperliche Tätigkeiten und Anstrengungen vermieden werden. Allgemein sollte bei der Kieferklemme auch ein Arzt oder Zahnarzt aufgesucht werden. Eine ausschließliche Behandlung mit Hausmitteln ist nicht zu empfehlen.

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Quellen

  • Höfler, H.: Entspannungstraining für Kiefer, Nacken, Schultern. TRIAS, Stuttgart 2010
  • Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 264. Auflage. De Gruyter, Berlin 2012
  • Stelzenmüller, W., Wiesner, J.: Therapie von Kiefergelenkschmerzen. Thieme, Stuttgart 2010

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