Kardiotokografie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. September 2017
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Bei der Kardiotokografie zeichnet ein Tokograf anhand eines Ultraschall-Tansducers und eines Drucksensors den Herzschlag eines ungeborenen Kindes in Abhängigkeit zur Wehentätigkeit der werdenden Mutter auf, was vorwiegend während der Geburt die Gesundheit des Kindes sicherstellen soll.

Die so gemessenen Daten werden in einem Kardiotokogramm dargestellt und dienen den Geburtshelfern nach einer Auswertung anhand von Schemata wie den Fischer-Scores zum Beispiel dazu, die potenzielle Notwendigkeit eines Kaiserschnitts einzuschätzen. Zum Teil finden Kardiotokografien auch während einer Schwangerschaft statt, sind außerhalb der Geburt aber nur in Ausnahmefällen zu empfehlen, da sie häufig Fehlalarm auslösen und den Arzt so zu einer unnötig frühen Einleitung der Geburt bewegen könnten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Kardiotokografie?

Die Kardiotokografie ist ein gynäkologisches Kontrollverfahren, das den Herzschlag des ungeborenen Kindes in Abhängigkeit zur Wehentätigkeit werdender Mütter abbilden kann. Konrad Hammacher gilt als Erfinder des Verfahrens, das mittlerweile zu den Standardverfahren im Bereich der Schwangerschaftsüberwachung während einer laufenden Geburt zählt.

In der Regel ist die Kardiotokografie ein äußerliches, also nicht-invasives Verfahren und nimmt Messungen über die Bauchdecke der Mutter vor. Ein Ultraschall-Transducer und ein Drucksensor wirken bei der Kardiotokografie zusammen. Sie senden einen Ton in den Mutterleib, der das Herz des Kindes erreicht und ein Echo zurück wirft, das der Berechnung der Herzfrequenz dient. Der Tokograf gibt die Messdaten in Form eines Kardiotokogramms aus, das die Geburtshelfer etwaige Komplikationen oder Probleme während der Geburt früh genug erkennen und im Anschluss daran beheben lässt.

Funktion, Wirkung & Ziele

Die Kardiotokografie wird vor allem während der ersten 30 Minuten einer Geburt durchgeführt, um die Gesundheit des ungeborenen Kindes sicherzustellen. Wenn sich in diesen ersten 30 Minuten keine Auffälligkeiten im Kardiotokogramm zeigen, schalten die Geburtshelfer das Gerät in der Regel ab und zeichnen die Werte erst während der späten Eröffnungsphase wieder kontinuierlich auf. Die Messfühler eines Ultraschall-Transducers und eines Drucksensors werden zur Durchführung des Messverfahrens auf dem Bauch der werdenden Mutter befestigt.

Der Ultraschall-Transducer liegt unter einer Bauchbinde, wo er beweglich bleibt und so der Lage des ungeborenen Kindes angepasst werden kann. Der Transducer sendet schließlich Schallwellen in den Mutterleib, die das Herz des ungeborenen Kindes erreichen und dort ein Echo auslösen. Das zurückgeworfene Echo wird von dem Empfänger des Tansducers registriert und dient der Berechnung der Herzfrequenz. Moderne Ultraschall-Transducer sind außerdem zur Registrierung von Kindesbewegungen in der Lage.

Die Kardiotokografie ist ein gynäkologisches Kontrollverfahren, das den Herzschlag des ungeborenen Kindes in Abhängigkeit zur Wehentätigkeit werdender Mütter abbilden kann.

Da die Herzfrequenz des Fötus bei der Kardiotokografie in Abhängigkeit von den Wehen dargestellt werden soll, misst der Drucksensor zur selben Zeit die Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur.

Das Gerät leitet diese Werte aus der Bauchdeckenspannung der werdenden Mutter ab und zeichnet die so errechneten Daten auf. Infolge von Sauerstoffmangel nimmt die fetale Herzfrequenz zuweilen stark ab. Solche so genannten Dezelerationen lassen sich über die Kardiotokografie dokumentieren und können unter Umständen einen Kaiserschnitt erforderlich machen. Insbesonderes späte Dezelerationen im Anschluss an jede Wehe sind ein Hinweis auf eine Gefährdung des Fötus. Frühe und somit wehensynchrone Dezelerationen sind dagegen meist ungefährlich, solange sie seit Beginn der Geburt bestehen und nicht plötzlich zum Ende hin auftreten.

Um die Messdaten der Kardiotokografie auszuwerten, finden Schemata wie beispielsweise die Auswertung in Fischer-Scores Verwendung. In naher Zukunft soll die Auswertung nach anerkannten Richtlinien weitestgehend computergesteuert erfolgen.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Neben dem Einsatz bei der Geburt raten Ärzte zuweilen auch in der Spätschwangerschaft zu einer Kardiotokografie. Insbesondere kann das bei Risikoschwangerschaften vorkommen. Viele Experten raten von einer Kardiotokografie während der Schwangerschaft allerdings ab, da sich dabei in der Vergangenheit gerade durch das Verfahren Komplikationen ergeben haben. So kann eine Kardiotokografie zum Beispiel Fehlalarm auslösen und den Arzt unbegründet dazu bewegen, eine Geburt einzuleiten.

Wenn die Kardiotokografie innerhalb der Schwangerschaft so zuweilen bei Diabeteskranken oder an Bluthochdruck leidenden Frauen angewandt wird, um etwaige Risiken zu überwachen, ist ein erfahrener und kompetenter Arzt zur Beurteilung des Kardiototogramms unerlässlich. Auffällige Befunde sollten immer durch weitere Untersuchungen abgeklärt werden, bevor der Arzt Maßnahmen in die Wege leitet. Auffälligkeiten gehen oft nämlich auf normale Vorgänge wie zum Beispiel Bewegungen des Fötus zurück.

Bei vorab bereits registrierten Störungen der Herzfrequenzen oder bei dem Risiko einer Frühgeburt findet die Kardiotokografie allerdings zu Recht auch während der Schwangerschaft Verwendung. Bei der Geburt selbst zählt die Messung schließlich zum Standard und ist weder für die Mutter, noch das ungeborene Kind mit erhöhten Risiken oder Nebenwirkungen verbunden. Im Großen und Ganzen ist das Verfahren für die Mutter gänzlich schmerzfrei, das ungeborene Kind sollte aber auch während der Geburt möglichst nicht unnötig lange mit Schallenergie bestrahlt werden.

Die Geburtshelfer müssen in die Interpretation der aufgezeichneten Daten immer auch die Konstitution der Mutter und deren Angaben zur Wehentätigkeit mit einfließen lassen, da der Tokograf bei den starken Bauchumfangsveränderungen einer sehr schlanken Schwangeren beispielsweise schon geringe Wehentätigkeiten mit hohen Ausschlägen aufnimmt. Im Rückschluss kann es bei einer beleibten Schwangeren an Ausschlägen fehlen, obwohl die Wehentätigkeit die Norm längst überschreitet.

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Quellen

  • Feige, A., Rempen, A., Würfel, W., Jawny, J., Rohde, A. (Hrsg.): Frauenheilkunde – Fortpflanzungsmedizin, Geburtsmedizin, Onkologie, Psychosomatik. Urban & Fischer, München 2005
  • Haag, P., Harnhart, N., Müller, M. (Hrsg.): Gynäkologie und Urologie. Für Studium und Praxis 2014/15. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2014
  • Sohn, C. et al.: Ultraschall in Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2012

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