Kardia

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. November 2016
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Die Kardia stellt den Übergangsbereich von der Speiseröhre zum Magen dar. Mit ihrem Öffnen und Verschließen nach der Speisebreipassage wird der Schluckakt beendet. Die verbreitete Refluxkrankheit wird durch eine Kardiainsuffizienz hervorgerufen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Kardia?

Die Kardia als Übergangsbereich von der Speiseröhre zum Magen ist der eingedeutschte Begriff von Cardia. Sie wird wissenschaftlich eigentlich als Pars cardiaca ventriculi bezeichnet. Die Kardia stellt den Bereich des Magens dar, in dem die zweischichtige Muskulatur der Speiseröhre in die dreischichtige Magenmuskulatur mündet. In der wissenschaftlichen Literatur besteht jedoch keine Einigkeit über die Nomenklatur und die Zugehörigkeit der Kardia.

Die klassische Anatomie betrachtet die Kardia als oberen Teil des Magens. In vielen klinischen Veröffentlichungen wird sie aber auch als unterer Ösophagussphinkter (auch UÖS) bezeichnet und damit als Teil der Speiseröhre angesehen. Andere Autoren stellen sie als eigene Struktur dar. Dadurch entsteht bei ihrer Beschreibung zuweilen die Frage, was nun eigentlich gemeint ist. Unabhängig von diesen Betrachtungsweisen ist jedoch in der Regel derselbe Bereich, also der Übergang von der Speiseröhre zum Magen, gemeint.

Anatomie & Aufbau

Wie bereits erwähnt, geht im Bereich der Kardia die zweischichtige Muskulatur der Speiseröhre in die dreischichtige Muskulatur des Magens über. Dieser scharfe Übergang stellt die muskulären Grundlagen der Kardia als funktionelle Einheit dar. Im Gegensatz dazu ist der Übergang vom Plattenepithel der Speiseröhre zum Zylinderepithel des Magens fließend. Histologisch besitzt der Ösophagus mehrere Schichten Plattenepithel, während das Zylinderepithel des Magens einschichtig ist. In diesem Übergangsbereich befinden sich die Kardiadrüsen, eine Untergruppe der Magendrüsen.

Bezeichnenderweise besitzen die Kardiadrüsen bei vielen Säugetieren aber keine Beziehung zum Mageneingang. Ihre Aufgabe ist es, die Bereiche des oberen Magens und der unteren Speiseröhre vor aggressiver Magensäure zu schützen. Dabei produzieren sie Schleim, mit welchem sie diese Bereiche auskleiden. Zwischen Speiseröhre und Magen verlaufen spiralförmige Muskelschlingen, die durch ihre Kontraktion verhindern sollen, dass es zu einem Rückfluss des Speisebreis kommt. Bei einer kurzzeitigen Öffnung der Kardia werden Rülpsen und Erbrechen ausgelöst.

Funktion & Aufgaben

Die Aufgabe der Kardia ist es, den Speisebrei aus der Speiseröhre in den Magen zu transportieren, ohne dass es dabei zu einem Rückfluss kommt. Der Schluckakt besteht im Öffnen der Kardia vor und ihrem Verschließen nach der Passage des Speisebreis. Außerdem sorgt sie auch dafür, dass die aggressive Magensäure nicht in die Speiseröhre zurückfließen kann. Dieser Mechanismus funktioniert auf der Grundlage der Änderung des Spannungszustandes (Tonus) der Kardia durch äußere Einflüsse.

So wird der Tonus durch einen höheren PH-Wert (weniger Magensäure) und einen höheren Eiweißanteil in der Nahrung erhöht. Fettreiche Mahlzeiten, verschiedene Medikamente und bestimmte Genussmittel, wie Nikotin, Alkohol und Kaffee, führen zu einer Verminderung des Tonus. Eine langfristige fettreiche Ernährung oder Genussmittelmissbrauch kann daher zu einer chronischen Schwächung des Schließmuskels zwischen Speiseröhre und Magen führen. Sowohl langfristige als auch kurzfristige Störungen in der Funktion der Kardia lösen Erbrechen, Aufstoßen und Sodbrennen aus.

Krankheiten

Im Zusammenhang mit der Funktion der Kardia ist die sogenannte Refluxkrankheit zu nennen. Bei der Refluxkrankheit kommt es zum gesteigerten Rückfluss von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre. Die Lebensweise hat einen großen Einfluss auf die Entwicklung dieser Erkrankung. So leiden in den Industriestaaten 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung an der Refluxkrankheit. Es ist bekannt, dass sich der Tonus der Kardia bei fettreichen Speisen sowie beim Genuss von Kaffee, Alkohol und Zigaretten erniedrigt. Auf die Dauer erschlafft dadurch der Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen. Es kommt zu einer sogenannten Kardiainsuffizienz (Schwäche der Kardia). Die Folge ist ständiges Sodbrennen.

Besonders beim Liegen oder Bücken kann die Kardia nicht mehr vollständig schließen. Dauert dieser Zustand eine längere Zeit an, kann es durch den Einfluss der aggressiven Magensäure zu einer schmerzhaften Entzündung der Speiseröhrenschleimhaut kommen. In manchen Fällen entwickelt sich aus diesen chronischen Entzündungen sogar ein Ösophaguskarzinom. Bei der Refluxkrankheit werden primäre und sekundäre Formen unterschieden. Bei der primären Refluxkrankheit liegt eine Schwäche der Kardia vor, die nicht durch andere körperliche Veränderungen ausgelöst wird.

Die sekundären Formen sind Folge zugrunde liegender Erkrankungen oder körperlicher Veränderungen. Das können andere Erkrankungen des Verdauungssystems, anatomische Veränderungen des Magens oder der Speiseröhre oder auch Schwangerschaften sein. Die Behandlung der Refluxösophagitis erfolgt meist medikamentös. In hartnäckigen Fällen ist manchmal auch eine Operation notwendig. Langfristig wirkt sich bei einer primären Refluxkrankheit die Änderung der Lebensweise positiv aus. Es sollte eine Ernährungsumstellung zu einer proteinreicheren Ernährung erfolgen. Außerdem ist es ratsam, den Genussmittelkonsum einzuschränken.

Liegen andere Erkrankungen vor, ist es vorrangig, erst diese zu behandeln. Im Gegensatz zur Refluxkrankheit kann es aber auch zu einer Störung kommen, welche als Achalasie bezeichnet wird. Bei der Achalasie steht die Kardia unter ständiger Spannung und öffnet sich nur unregelmäßig. Der Speisebrei kann nicht mehr ausreichend in den Magen gelangen und wird wieder in den Mund zurückbefördert. In unbehandelten Fällen kommt es zu einer Mangelernährung mit deutlicher Gewichtsabnahme. Auch bei der Achalasie gibt es primäre und sekundäre Formen. Die Ursache der primären Achalasie ist noch weitgehend unklar. Die sekundären Formen beruhen auf Schädigungen von Ösophagus-Nervenzellen durch Karzinome in der Kardiagegend, durch Bronchialkarzinome oder durch die Chagas-Krankheit (Infektion mit Trypanosoma cruzi).

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