Kammerwinkel

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. November 2016
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In der vorderen Augenkammer jedes Auges liegt der Kammerwinkel, in dem sich Hornhaut, Iris und Augenkammer treffen. Die wichtigste Aufgabe dieser Struktur ist die Flüssigkeitsregulierung im Auge, die den Augeninnendruck auf einem normalen Level hält. Bei Erkrankungen des Kammerwinkels kann die flüssigkeitsregulierende Funktion der Struktur gestört sein, was den Augeninnendruck ansteigen lässt und damit das Risiko für ein Glaukom erhöht.

Inhaltsverzeichnis

Was sind die Kammerwinkel?

Die Hornhaut, die Iris und die vordere Augenkammer treffen im vorderen Augenabschnitt von jedem Auge in einer Winkelstruktur aufeinander. Diese Struktur heißt Kammerwinkel. Der Mediziner spricht auch vom Angulus iridocornealis, der mit Strukturen wie der Schwalbe-Linie, dem Skleriasporn, dem Ziliarkörperband und dem Trabekelwerk unmittelbar verbunden ist.

Der Kammerwinkel ermöglicht den Abfluss des Kammerwassers, das die Augenkammer zur Ernährung der Hornhaut produziert. Erkrankungen der Kammerwinkelstrukturen werden häufig mit Erblindung in Verbindung gebracht und beinhalten meist einen gestörten Abfluss von Kammerwasser. Bei der sogenannten Gonioskopie prüft der Augenarzt die Funktionstüchtigkeit des Kammerwinkels. Er kontrolliert so zum Beispiel die Durchlässigkeit aller Kammerwinkelkanäle. Bei einem Befund kann er den Augeninnendruck unter Umständen operativ mit einer selektiven Lasertrabekuloplastik absenken und so schwerwiegende Folgeerkrankungen abwenden.


Anatomie & Aufbau

Der Mediziner unterscheidet einen unpigmentierten Kammerwinkelanteil im vorderen Bereich nahe der Schwalbe-Linie von einem weiter hinten gelegenen und meist farbigen Anteil. Der hintere Anteil ist der funktionelle Anteil der Kammerwinkelstruktur und übernimmt die regulierenden Aufgaben des Systems. Kurzum fließt im hinteren Pigmentanteil des Kammerwinkels das Kammerwasser ab. Hier liegt unter anderem der sogenannte Schlemm-Kanal, der in einem ausgeklügelten Kanalsystem mit der Blutbahn verbunden ist.

Der hintere Anteil der Kammerwinkelstrukturen nennt sich auch Trabekelwerk. Den vorderen Teil bildet dagegen die Schwalbe-Linie. Hier trifft das Endothel der Hornhaut auf die Trabekelmaschenwerk. Dieses Aufeinandertreffen lässt eine zarte, graue Linie entstehen. Die weiße Linie zwischen dem Trabekelwerk und dem Ziliarkörperband nennt sich auch Sklerasporn. Oft wird diese Struktur von Pigmentanteilen überlagert und ist damit nicht direkt einsehbar. Das Ziliarkörperband ist ein meist dunkelgrauer Teil des Ziliarmuskels, der im Kammerwinkel zwischen Irisbasis und Skleralsporn gelegen ist.

Funktion & Aufgaben

In der Ecke hinter der Iris sitzt der sogenannte Ziliarkörper. Dieser Ziliarkörper stellt permanent neue Augenflüssigkeit her. Er schützt das Auge so vor dem Austrocknen und gibt Flüssigkeit in die vordere Augenkammer ab. Diese Flüssigkeit dient zur Ernährung der Hornhaut und bleibt in der Kammer gespeichert. Ein Überschuss dieser Flüssigkeit lässt den Augeninnendruck ansteigen und kann schwere Folgen haben. Die Aufgabe des Kammerwinkels ist es daher, das Risiko erhöhten Augeninnendrucks durch den Flüssigkeitsabbau zu senken.

Überschüssige Flüssigkeit wird aus diesem Grund durch das Kanalsystem des Kammerwinkels in die Blutbahn abgeleitet. Dabei spielt der Schlemm-Kanal eine Schlüsselrolle. Bei diesem Kanalsystem handelt es sich eigentlich um eine zirkulär verlaufende Vene zwischen Cornea und Sclera. Über diese Vene kann der Kammerwinkel Wasser in intra- und episklerale Venen abgeben, von wo aus es in das venöse System mittels Dränage geleitet wird.

Damit übernimmt der Kammerwinkel im Auge vor allem eine regulierende Aufgaben und sorgt so für einen ausgeglichenen Augeninnendruck. Neben dieser Hauptaufgabe sind einige Strukturen des Kammerwinkels aber auch an zusätzlichen Funktionen beteiligt. So läuft der Ziliarmuskel im Kammerwinkel zum Beispiel in das Ziliarkörperband aus. Dieses Muskelsystem ist für die Verformung der Linse zuständig, die für die Nahsicht erforderlich ist. Damit steht der Kammerwinkel im weitesten Sinne auch in Zusammenhang mit rein sichtrelevanten Aufgaben.

Krankheiten

Wenn der Abfluss des Kammerwassers über den Kammerwinkel gestört ist, steigt der Augeninnendruck an. Annähernd alle Erkrankungen des Kammerwinkels rufen keinerlei Schmerzen hervor, sondern äußern sich höchstens als pochendes oder drückendes Schweregefühl auf den Augen.

Der Arzt unterscheidet bei Erkrankungen des Kammerwinkels ursächlich zwischen einer Abflussstörung aufgrund von verengten Kanälen und einer Störung aufgrund einer Beeinträchtigung der feinmaschigen Trabekelwerkstrukturen. Meist stehen Vernarbungen, zystische Veränderungen, Ablagerungen oder Verletzungen mit einem dysfunktionalen Kammerwinkel in Zusammenhang. Im Akutfall kann ein gestörter Kammerwinkelabfluss durch die Erhöhung des Augeninnendrucks einen Glaukom-Anfall auslösen.

Unter Umständen mündet chronisch erhöhter Augeninnendruck auch in einen klassischen Grünen Star. Im schlimmsten Fall kann diese Erkrankung das Auge letztlich erblinden lassen. Der Augenarzt spricht in diesem Zusammenhang auch vom Engwinkelglaukom. Wenn dagegen krankhafte Veränderungen der Kammerwinkelkanäle vorliegen, ist von einer degenerativen Erscheinung des Trabekelmaschenwerks die Rede, das ein chronisches Offenwinkelglaukom auslösen kann. Der Kammerwinkel kann unter Umständen auch von embryonale Entwicklungsstörungen betroffen sein.

Die Schwalbe-Linie ist in diesem Fall mit Fehlbildungen versehen. Eine missgestaltete Schwalbe-Linie lässt wiederum häufig ein kongenitales Glaukom entstehen. Zuweilen kommen auch Pigmentablagerungen im Kammerwinkel vor. Diese Veränderungen können mit einem Pigmentdispersionsglaukom oder einem zurückgelegenen Winkelblockanfall in Zusammenhang stehen. In seltenen Fällen können pigmentierte Veränderungen des Kammerwinkels auch auf Tumore der vorderen Uvea zurückgehen.

Andere Erkrankungen des Kammerwinkel liegen vor, wenn die Gefäße des Systems abnormale Wuchsformen annehmen. Häufig verweist das auf Erkrankungen wie das Neovaskularisationsglaukom oder eine Fuchs-Heterochromiezyklitis. Wie in die meisten anderen Strukturen des Auges kann sich übrigens auch in den Kammerwinkel ein Fremdkörper verirren. Wenn ein solcher Befund vorliegt, entfernt der Augenarzt den Fremdkörper meist ohne die darum liegenden Strukturen zu beschädigen.

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