Kammerwasser

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. November 2016
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Das Kammerwasser in der Augenkammer hat wichtige Funktionen für die Versorgung des Auges zu erfüllen. Dabei unterliegt es einem ständigen Gleichgewicht zwischen Zufluss und Abfluss. Störungen dieses Gleichgewichts können zu schweren Augenerkrankungen bis hin zur Erblindung führen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Kammerwasser?

Kammerwasser ist eine klare Flüssigkeit, die sich in der vorderen und hinteren Augenkammer befindet. Es hat eine ähnliche Zusammensetzung wie Blutplasma. Allerdings enthält es weniger Eiweiße und Bilirubin. Daher erscheint es auch farblos. Als Hauptbestandteil besteht es zu 98 Prozent aus Wasser.

Zu den restlichen zwei Prozent gehören Aminosäuren, Elektrolyte, Milchsäure, Ascorbinsäure (Vitamin C), Gluthation, Immunglobuline und Spuren von Wasserstoffperoxid. Das Kammerwasser wird am Ziliarkörper (Corpus ciliare) gebildet und hat die Aufgabe, Hornhaut (Cornea), Linse, Retina und Glaskörper mit Nährstoffen zu versorgen. Des Weiteren sorgt es für die Erzeugung des Augeninnendruckes zur Formstabilität der inneren Strukturen im Auge. Für die Produktion des Kammerwassers sind die Enzyme Alpha-Carbanhydrasen verantwortlich, welche die Umwandlung von Kohlensäure zu Wasser im Ziliarkörper katalysieren.

Anatomie & Aufbau

Die Bildung von Kammerwasser erfolgt in der hinteren Augenkammer am Ziliarkörper. Seine Produktion findet im Epithel des Processus ciliares majores statt. Daran sind drei Prozesse beteiligt. So wird das Kammerwasser durch Ultrafiltration, Diffusion und aktive Transportprozesse gebildet. Seine chemische Beschaffenheit ist zwar ähnlich wie jene des Blutplasmas.

Trotzdem besitzt es eine hochspezifische chemische Zusammensetzung, die seine Separierung vom Blutkreislauf erforderlich macht. Dafür sorgt eine Blut-Kammerwasser-Schranke, welche einen ähnlichen Aufbau wie die Blut-Hirn-Schranke aufweist. Die verschiedenen Zellen des Ziliarepithels sind fest miteinander über "gap junctions" und "tight junctions" verbunden. Dadurch entsteht eine hochspezifische Bindegewebsschicht, die nur spezielle Substanzen zwischen Blut und Kammerwasser passieren lässt.

Vom Corpus ciliare fließt es zwischen Iris und Linse durch in die vordere Augenkammer. Über das Trabekelwerk im Kammerwinkel und den Schlemm-Kanal erfolgt dann der hauptsächliche Abfluss (85 Prozent) des Kammerwassers in den Plexus venosus sclerae, ein venöses Geflecht in der Hornhaut. Von dort gelangt die Flüssigkeit wieder in den Blutkreislauf. Zu einem kleinen Prozentsatz von 15 Prozent wird es unkonventionell über die Gefäße des Ziliarkörpers abgeführt. Das Trabekelwerk stellt ein bindegewebsartiges Grundgerüst dar, das mit Epithel bedeckt ist. Im Augapfel entsteht durch das Kammerwasser ein Augeninnendruck, der die inneren Strukturen im Auge aufrechterhält.

Funktion & Aufgaben

Die Funktion des Kammerwassers besteht in der Versorgung von Hornhaut, Linse, Retina und Glaskörper mit Nährstoffen. Dazu stellt es Aminosäuren, Elektrolyte, Vitamine (Vitamin C) und andere Substanzen bereit. Des Weiteren enthält es auch Immunglobulin G zur Abwehr von Krankheitserregern. Immunglobulin G ist ein Gemisch aus Antikörpern der Klasse G. Diese Antikörper verantworten die Bekämpfung von Viren und Bakterien im Auge. Kammerwasser ist weiterhin auch für die Formstabilität des Augapfels und der inneren Strukturen über die Erzeugung eines Augeninnendruckes notwendig.

Der Druck darf dabei jedoch nicht zu hoch und nicht zu niedrig sein. Deshalb wird er über einen fein abgestimmten Mechanismus der Steuerung von Kammerwasser-Produktion und Kammerwasser-Abfluss reguliert. Dabei erfolgt die Regulierung über eine Stimulierung von Beta-Rezeptoren. Die Produktion von Kammerwasser ist vom Blutdruck und vom onkotischen Druck abhängig. Ein erhöhter Blutdruck führt zu seiner erhöhten Produktion. Die Produktionsmenge von Kammerwasser unterliegt ständigen Schwankungen und nimmt im Alter oder bei Diabetes mellitus ab.

Krankheiten

Das Kammerwasser spielt eine große Rolle bei Augenerkrankungen, die durch Änderungen des Augeninnendruckes hervorgerufen werden. In den meisten Fällen handelt es sich um Störungen, die mit einer Erhöhung des Augendruckes zusammenhängen. In selteneren Fällen ist der Augeninnendruck erniedrigt.

Das kann beispielsweise durch einen Kammerwasserverlust bei Augenoperationen oder Unfällen geschehen. Wenn der Druckverlust nicht schnell ausgeglichen wird, kommt es zu einer Aderhautschwellung. Bedeutender als ein Druckabfall ist jedoch die Erhöhung des Augeninnendruckes. Das führt langfristig zur Schädigung des Auges mit der Folge einer möglichen Erblindung. Die resultierende Erkrankung wird als Glaukom oder Grüner Star bezeichnet.

Das Glaukom ist jedoch keine einheitliche Erkrankung, sondern stellt eine Gruppe von Störungen dar, die mit dem Augeninnendruck zu tun haben oder von ihm beeinflusst werden. In der Regel liegt der Augeninnendruck zwischen 10 und 21 mmHg. Besteht dauerhaft ein Druck über 21 mmHg, kann es langfristig zur Schädigung des Sehnervs führen. Ob und wann es dann zu einer Augenerkrankung kommt, ist je nach Veranlagung individuell unterschiedlich.

Verallgemeinernd kann aber gesagt werden, je länger der erhöhte Druck besteht und je höher er ausfällt, desto wahrscheinlicher wird eine Augenschädigung auftreten. Ein erhöhter Augeninnendruck wird durch eine Störung des Kammerwasserabflusses verursacht. Abflussstörungen von Kammerwasser können durch Arteriosklerose, Diabetes, altersbedingte Erkrankungen, aber auch durch spezielle Augenerkrankungen hervorgerufen werden. So wächst mit zunehmendem Alter das Risiko, an einem Glaukom zu erkranken. Eine Besonderheit ist der Glaukomanfall.

Dabei kommt es aufgrund der Verlegung des Kammerwinkels zu einer plötzlichen Verminderung des Kammerwasserabflusses. Neben der rapiden Verschlechterung der Sehkraft treten Augenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Herzrhythmusstörungen auf. Es gibt jedoch auch Formen der Erkrankung mit einem normalen Augeninnendruck. Auch hier kann jedoch eine Verbesserung der Symptome durch eine medikamentöse Absenkung des Augeninnendruckes erreicht werden. Je nach eingesetztem Medikament wird entweder die Produktion des Kammerwassers verringert oder dessen Abfluss über die Gefäße des Ziliarkörpers erhöht.

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