Kaliumchlorid

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2016
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Bei Kaliumchlorid handelt es sich um ein Kaliumsalz, das unter anderem in isotonischen Getränken und einigen Medizinprodukten enthalten ist. Darüber hinaus gehört es zu den Bestandteilen einer Elektrolytinfusion und wird beispielsweise bei Kammerflimmern indiziert.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Kaliumchlorid?

Kaliumchlorid (KCl) ist das Kaliumsalz der Salzsäure. Als E508 ist das Mineral in der EU als Zusatzstoff für Lebensmittel zugelassen; die Industrie nutzt es vor allem als Geschmacksverstärker und Festigungsmittel. In der Medizin sind auch die Bezeichnungen Kalium chloratum oder Chlorkalium gebräuchlich.

Kaliumchlorid ist farb- und geruchlos und löst sich gut in Wasser. Deshalb fungiert es im menschlichen Körper auch als Elektrolyt und ist als solches an der Homöostase beteiligt.

Der Stoff liegt in Reinform in festem Aggregatzustand vor und bildet kubische Kristalle. Ein Kaliumchlorid-Molekül besteht aus einem positiv geladenen Kalium-Teilchen und einem negativ geladenen Chlorid-Teilchen. Nicht nur die Medizin und die Lebensmittelindustrie machen sich Kaliumchlorid zunutze: In der Landwirtschaft ist es beispielsweise als Dünger zu finden.

Pharmakologische Wirkung

In isotonischen Getränken und Lösungen kommt Kaliumchlorid zum Einsatz, um den Elektrolythaushalt zu unterstützen. Bei einem gesunden Erwachsenen enthält das Blut etwa 300 mosmol anorganische Elektrolyte pro Liter, einschließlich Kalium. Die meisten osmotischen Stoffe im Organismus sind Elektrolyte. Ein Mangel an Elektrolyten stört die elektrische Balance ebenso wie den Wasser-Elektrolyt-Haushalt des menschlichen Körpers. Kaliumchlorid trägt hierbei neben anderen Elektrolyten, Glukose, Harnstoff und anderen Substanzen zur Homöostase bei.

Kalium spielt eine wichtige Rolle bei der Funktion von Nerven- und anderen Zellen. Kaliumionen sind positiv geladen und tragen damit zum elektrischen Gleichgewicht der Zellen bei. Der osmotische Druck bewirkt, dass Ionen entlang des elektrischen Ladungsgradienten in die Zelle hinein oder aus der Zelle heraus strömen. Ist die Zelle beispielsweise negativ polarisiert, drängen positiv geladene Kaliumionen und andere Teilchen automatisch ins Innere. Dabei müssen sie die Zellmembran passieren, die aus einer doppelten Lipidschicht besteht. In der Zellmembran befinden sich nicht nur Ionenkanäle, durch welche die Ionen wandern können, sondern auch Pumpen. Die Ionenpumpen transportieren geladene Atome von einer Seite der Membran zur anderen. Biochemische Signalstoffe bestimmen darüber, ob die Ionenpumpen aktiv sind oder nicht – und wie gut die Membran für bestimmte Ionen durchlässig ist.

Medizinische Anwendung & Verwendung

In isotonischen Getränken und Lösungen kommt Kaliumchlorid zum Einsatz, um den Elektrolythaushalt zu unterstützen.

Die Medizin setzt Kaliumchlorid bei Kaliummangel ein, um die Kalium-Speicher des Körpers wieder aufzufüllen. Bei Herzflimmern ist unter Umständen eine intrakardiale Gabe notwendig. Diese Entscheidung obliegt jedoch dem behandelnden Arzt. Wie bei jeder Medikamenteneinnahme hängt es auch bei Kaliumchlorid vom Einzelfall ab, ob die Zufuhr sinnvoll ist oder womöglich sogar Schaden anrichten kann.

Beim Kammerflimmern handelt es sich um eine bestimmte Art der Herzrhythmusstörung. Das Herzflimmern ist durch schnelle Kammerkontraktionen des Herzens gekennzeichnet. Die Kontraktionen folgen regelmäßig aufeinander, mit einer Häufigkeit von ca. 250 pro Minute. Das EKG macht diese Auffälligkeiten sichtbar.

Ärzte verabreichen Kaliumchlorid zur Therapie von Elektrolytstörungen in der Regel intravenös, wenn die Konzentration ein kritisches Maß unterschreitet. Eine schnelle Behandlung ist von großer Bedeutung, da Kaliummangel zum Herzstillstand führen kann. Unter Umständen ist die Gabe mittels eines zentralen Venenkatheters erforderlich. Ein zentraler Venenkatheter ist ein dünner Schlauch, der am Schlüsselbein in eine der wichtigsten Venen des Körpers eintritt. Der Schlauch führt bis vor die rechte Herzkammer.

Ringerlösung, die mittels Infusion den Flüssigkeitshaushalt ausgleichen kann, enthält ebenfalls Kaliumchlorid und weitere Elektrolyte. Die Mischung soll sicherstellen, dass das Blutvolumen nicht auf Kosten des Wasser-Elektrolyt-Haushalts erhöht wird.

Des Weiteren beinhalten einige Zahncremes Kaliumchlorid. Diese speziellen Pasten dienen nicht nur der Reinigung der Zähne, sondern auch der Linderung von Schmerzen. Die Zahncremes sollen Schmerzsignale verringern, die durch die Reizung des Zahnfleisches und der Zähne beim Putzen entstehen. Zahnärzte empfehlen derartige Produkte häufig Personen, die sehr schmerzempfindliche Zähne haben. Die spezielle Zahnpasta soll unter anderem verhindern, dass die Betroffenen das Zähneputzen einstellen, weil sie es als zu schmerzhaft empfinden.

Die Homöopathie setzt ebenfalls Präparate auf Basis von Kaliumchlorid ein. Das Mineral ist unter anderem im Schüßler-Salz Nr. 4 in stark verdünnter Konzentration enthalten.

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Risiken & Nebenwirkungen

Kaliumchlorid kann in sehr hohen Dosen stark toxisch wirken, insbesondere bei direkter Injektion. Eine Überdosis führt potenziell zum Herzstillstand. Wegen dieser Eigenschaft nutzen Tierärzte das Salz, um Tiere einzuschläfern. Auch die Todesspritze, mit der in manchen Ländern Menschen hingerichtet werden, enthält Kaliumchlorid. Die richtige Dosis ist deshalb essentiell. Die Mengen, die in Lebensmitteln vorkommen, gelten als unbedenklich.

Allerdings führt nicht jedes Überangebot von Kaliumchlorid im Körper zum Tode. Charakteristische Anzeichen für die Hyperkaliämie sind Ohrensausen, Taubheit und Verwirrtheit. Darüber hinaus können Halluzinationen, Parästhesien, Muskelschwäche und Zittern auftreten. Die Herzstörungen machen sich in verschiedener Form bemerkbar: Der Puls kann sich verlangsamen und unregelmäßig schlagen. Hyperkaliämie muss nicht die Folge einer Kaliumchlorid-Überdosis sein, sondern kann auch auf massiver Hämolyse, Nierenversagen oder Adynamia episodica hereditaria zurückgehen.

Die Medizin spricht von Hyperkaliämie, wenn der Kalium-Gehalt im Blutserum mehr als 5,0 mval pro Liter beträgt. Myeloproliferative Erkrankungen können den gemessenen Wert jedoch verfälschen. Bei einer solchen Fehlmessung sprechen Ärzte von einer Pseudohyperkaliämie. Die Ursache dafür kann zum Beispiel eine Vermehrung der Thrombozyten sein. In solchen Fällen eignet sich deshalb das Plasma besser als Testsubstanz als das Serum.

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