Kalabarbohne

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. Dezember 2016
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In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Kalabarbohne in ihrer Heimat West-Afrika zum Herbeiführen von Gottesurteilen verwendet: Starb der mutmaßliche Verbrecher an der dargereichten Bohne, war er des Verbrechens schuldig, überlebte er und erbrach sich, wurde das als Beweis seiner Unschuld gewertet. Die Samen der Kalabarbohne sind die einzigen giftigen Teile der Kletterpflanze.

Inhaltsverzeichnis

Vorkommen & Anbau der Kalabarbohne

Die Kalabarbohne (Physostigma venenosum) wird auch Gottesurteilsbohne genannt, da man früher mit ihrer Hilfe herausfand, ob eine Person eines bestimmten Verbrechens schuldig war oder nicht. Die mehrjährige Kletterpflanze mit den giftigen Bohnen gehört zu den Hülsenfrüchten (Faboideae). Sie bildet etwa 15 Meter lange Lianen von fünf Zentimeter Durchmesser, die im unteren Bereich verholzt und weiter oben krautig sind.

Ihre Laubblätter haben eine ovale, spitz zulaufende Form und sind etwa 15 Zentimeter lang. Die Blütenstände der Pflanze hängen gestielt seitlich an der Liane herab. Ihre dunkel purpurfarbenen Blüten sind schneckenähnlich zusammengerollt. Die dicken braunen Hülsenfrüchte der Kalabarbohne können bis zu 15 Zentimeter lang werden und enthalten jeweils zwei oder drei nierenförmige dunkelbraune glänzende Samen.

Ursprünglich kam die Pflanze nur in Westafrika vor. Von dort aus gelangte sie nach Indien und Brasilien. Die Kalabarbohne bevorzugt Standorte an Flussufern und wächst mitunter auch direkt im Wasser. Außerdem klettert sie Regenwald Bäume empor.

Wirkung & Anwendung

Die Pflanze mit den giftigen Samen enthält als Hauptwirkstoff das Alkaloid Physostigmin (Eserin), das 1864 erstmals aus der Bohne isoliert wurde. Außerdem kommen in ihr noch ätherische Öle, Schleimstoffe, Harze, Dodecansäure, Linol, Oleum, Palmitin und Stearinsäure, Pottasche vor. Desweiteren enthält sie die Nebenalkaloide Geneserin (0,1 Prozent), Physovenin (0,1 Prozent), Eseramin, Calabarin, Calabacin, Calabarol, Beta-Sitosterol, Stigmasterol, Trifolianol, 48 Prozent Stärke, 23 Prozent Proteine und 2,3 Prozent Fette vor.

Physostigmin und Calabrin haben eine ähnliche Giftwirkung wie Strychnin und sind fast ausschließlich in den Kotyledonen der Bohne enthalten. Aus Gründen der hohen Toxizität werden heute nur noch standardisierte Fertigpräparate und homöopathische Arzneimittel mit den Wirkstoffen angewendet. Früher wurde das Physostigmin in extrem niedriger Dosierung subkutan als Injektion und bei der Augen-Behandlung als Pulver eingesetzt.

Der Wirkstoff führt eine Verengung der Pupillen (Miosis) bei krankhaft erweiterten Pupillen herbei und wird außerdem bei einer Atropin-Vergiftung als Gegenmittel eingesetzt. Als Acetylcholinesterase-Hemmer wirkt es cholinerg und stimuliert den Parasympathikus, sodass es zu gesteigerter Muskelaktivität kommt.

Ursprünglich kam die Pflanze nur in Westafrika vor. Von dort aus gelangte sie nach Indien und Brasilien. Die Kalabarbohne bevorzugt Standorte an Flussufern und wächst mitunter auch direkt im Wasser.

Da der Geruch, Geschmack und farblose Wirkstoff auch die Blut-Gehirn-Schranke passieren kann, sorgt er im Gehirn dafür, dass der Nervenbotenstoff Acetylcholin von dem Enzym nicht abgebaut wird. Er verursacht in höherer Dosierung eine reduzierte Herzfrequenz, regt den Speichelfluss an, lähmt die Atemwege, verengt die Pupillen und stimuliert die Darmperistaltik bei Darmschwäche. In einer Dosis von sechs bis zehn mg ist das Physostigmin tödlich.

Diese Menge ist in zwei bis drei Kalabarbohnen enthalten. In einer Verabreichung von mehr als ein Milligramm können bei äußerlicher Anwendung (beispielsweise während der Augen-Behandlung) folgende Nebenwirkungen auftreten: Herzrasen, Schweißausbrüche, Muskelkrämpfe und starkes Unwohlsein. In der Folge kann es zu Entzündungen der Atemwege und Augen sowie zu Heiserkeit kommen.

Bei schwerer Physostigmin-Vergiftung, die den Tod durch Atemlähmung verursachen kann, muss der Patient sofort intensiv-medizinisch behandelt werden. Ihm wird der Magen gespült. Er erhält Atropin als Gegenmittel, Aktivkohle und nach Bedarf Natriumsulfat. Gegen die Krämpfe hilft Diazepam. Nicht angewendet werden dürfen Kalabarbohnen-Heilmittel bei Bronchialasthma, Gangrän, koronaren Herzkrankheiten, Harn und Darm-Sperre.

Außerdem sollten Schwangere, Stillende, Kinder und Jugendliche sowie Menschen mit einer Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff das Mittel nicht konsumieren. Wird das Medikament zusammen mit anderen Cholinesterase-Inhibitoren eingesetzt, tritt eine Wirkungsverstärkung ein.

Bedeutung für die Gesundheit, Behandlung & Vorbeugung

Die Wirkstoffe der Kalabarbohne sind ein bewährtes Gegenmittel bei Atropin- und Curare-Vergiftungen. In sehr niedriger Dosis (0,12 bis 0,24 Gramm) wurden sie früher zur Behandlung von Darmkoliken, Glaukomen (Grünem Star), Neuralgien (insbesondere der Trigeminus-Neuralgie), Epilepsie, Verstopfung, Tetanus, Lähmungen (vor allem von durch Myelitis verursachten Lähmungen der Extremitäten und von progressiver Paralyse), Chorea minor, lokomotorischer Ataxie und Bluthochdruck eingesetzt.

Bei Augenleiden kam das Physostigmin lokal zur Anwendung. Heute wird das Mittel homöopathisch in Form von Globuli, Dilution und Tabletten (Teep) verabreicht, da es in dieser Form gut verträglich ist. Das Anwendungsprofil ist ähnlich dem aus früheren Zeiten. Der Arzt beziehungsweise Tiermediziner beseitigt damit durch Darmschwäche verursachte Kotstauungen mit Blähungen. In der Veterinärmedizin wird es subkutan als Abführmittel bei Darmkoliken und Blähungen verabreicht.

Bei der Untersuchung der Augen wird die durch das Atropin verursachte Pupillenerweiterung wieder rückgängig gemacht. Um zu verhindern, dass das Physostigmin in den Körper gelangt, presst der Arzt den Tränengang am Unterlid zu. In der Augenheilkunde wird Physostigmin-Sulfat als Eserinum sulfuricum im Wechsel mit Euphrasia bei Mydriasis (Pupillenerweiterung), Keratitis, Iritis, Irisvorfall und Hornhautgeschwüren verwendet.

Entgegen der früheren Praxis wird der Kalabarbohnen Wirkstoff nicht zur Behandlung von Glaukomen eingesetzt: Seine pupillenverengende und den Augeninnendruck reduzierende Wirkung hält nicht lange genug an, um beim Patienten eine dauerhafte Gesundheitsverbesserung zu erreichen. Für die innerliche Anwendung verschreibt der Homöopath Ur-Tinktur und Teep.

Davon nimmt der Patient zwei bis drei Mal täglich eine Tablette. Zur Verringerung des Blutzuckerspiegels bei Diabetes und zur Parkinson-Behandlung ist eine Dosis von drei gestrichenen Teelöffeln in der Potenz D2 notwendig.

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