Körperpsychotherapie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. September 2017
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Unter dem Begriff Körperpsychotherapie werden verschiedene psychotherapeutische Methoden zusammengefasst. Diese behandeln das psychische und physische Erleben des Menschen gleichwertig.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Körperpsychotherapie?

Die Bezeichnung Körperpsychotherapie dient als Sammelbegriff für Psychotherapiemethoden, bei denen der Körper in die Behandlung miteinbezogen wird. Dabei werden Gefühle durch den Körper ausgedrückt. Die Körperpsychotherapie trägt auch die Bezeichnung Körperorientierte Psychotherapie.

In der Körperpsychotherapie wird davon ausgegangen, dass Psyche und Körper nicht voneinander zu trennen sind und eine Einheit darstellen. Die verschiedenen körperorientierten psychotherapeutischen Verfahren haben miteinander eine tiefenpsychologische oder humanistische Orientierung gemeinsam. So verwenden sie das Wahrnehmen des Körpers als Gelegenheit zur Aufdeckung von unbewussten Prozessen der Psyche. Dabei werden diese Abläufe bewusst gemacht. Im Zentrum der Behandlung steht das Empfinden des Körpers während des Therapieablaufes.

Ihren Ursprung hat die Körperpsychotherapie in der Psychoanalyse des frühen 20. Jahrhunderts sowie in den Reformbewegungen von Tanz und Gymnastik. Starken Einfluss auf das Verfahren übte die deutsche Gymnastiklehrerin Elsa Gindler (1885-1961) aus. Gleiches galt für den österreichischen Psychoanalytiker Wilhelm Raich (1897-1957), der mit der Entwicklung der Vegetotherapie den Grundstein für die Körperpsychotherapie legte. Bis in die 90er Jahre führte die körperorientierte Psychotherapie allerdings eher ein Schattendasein in der medizinischen Welt. Dank neuer neurowissenschaftlicher Forschungsresultate stieg jedoch in den letzten Jahren das Interesse an den Verfahren der Körperpsychotherapie.

Funktion, Wirkung & Ziele

Die Körperpsychotherapie hat das Ziel, Psyche und Körper zur gleichen Zeit zu behandeln. Auf diese Weise lassen sich innere Konflikte des Patienten effizienter lösen.

Nach Ansicht der körperorientierten Psychotherapie existieren Körper, Geist und Seele des Menschen nicht getrennt voneinander, sondern als Einheit. Therapierichtungen, die unter dem Einfluss der Tiefenpsychologie stehen, gehen von den Auswirkungen unbewusster psychischer Vorgänge auf menschliches Denken, Fühlen und Handeln aus. Gelingt es, die unbewussten Prozesse bewusst zu machen, bildet dies eine wichtige Grundvoraussetzung für den Heilungsprozess. So will die Körperpsychotherapie einen Zutritt zum Unbewussten durch den Körper bekommen.

In der körperorientierten Psychotherapie wird davon ausgegangen, dass im Körper eines erwachsenen Menschen emotionale Daten vorhanden sind, die aus der frühen Kindheit stammen. Dabei kann es sich um Kernüberzeugungen handeln, zu denen zum Beispiel der Glaube gehört, nicht gut genug zu sein. Der menschliche Körper speichert nach Auffassung der Körperpsychotherapie diese Kernüberzeugungen ab, wodurch der weitere Glaube des Menschen im Hinblick auf die Welt bestimmt wird. Diese Kernüberzeugung bleibt unabhängig davon bestehen, welche Leistungen der Mensch bereits erbracht hat oder was von seinem Verstand eingesehen wurde.

Nach Auffassung der Körperpsychotherapie kann ein Glauben, der gefühlsmäßig verankert wurde, nur durch andere Erfahrungen umgeändert werden, die auf einer gefühlten körperlichen Ebene erfolgen. Die realitätsbezogene direkt gefühlte Alternativerfahrung wird auch als „Gegengift“ bezeichnet. So glaubt zum Beispiel ein Mensch, der sich bislang für nicht gut genug hielt, aufgrund des Gegengiftes, doch gut genug zu sein.

Die Bezeichnung Körperpsychotherapie dient als Sammelbegriff für Psychotherapiemethoden, bei denen der Körper in die Behandlung miteinbezogen wird.

Es gibt im Rahmen der Körperpsychotherapie eine Vielzahl an Techniken, wodurch sie nicht leicht zu überschauen sind. Ingesamt wird zwischen drei verschiedenen technischen Kategorien unterschieden. Dazu gehören das Arbeiten mithilfe von Körperachtsamkeit, das Arbeiten mit körperlichen Übungen sowie das Arbeiten durch körperliche Berührungen. Je nach körperorientierter Psychotherapiemethode fallen die einzelnen Techniken unterschiedlich aus. So gibt es zum Beispiel überaus sanfte Berührungen des Körpers, aber auch massive Verfahren. Sie alle dienen der körperlichen Veränderung sowie der Bewusstwerdung. Im Rahmen von körperlichen Übungen werden u. a. Stresspositionen, bei denen eine starke Anspannung erfolgt, eingenommen. Außerdem gibt es minimalistische Experimente.

Dabei untersucht der Therapeut, welche Auswirkungen selbst kleinste Veränderungen des Körpers auf das Bewusstsein des Menschen haben. Von Körperachtsamkeit ist die Rede, wenn sich die Aufmerksamkeit des Patienten auf das innere sowie das physische Erleben richtet. Bei Achtsamkeit handelt es sich um einen Zustand des Bewusstseins, bei dem der Patient Zeuge des aktuellen Erlebens wird, ohne eine innere Wertung vorzunehmen.

Es gibt zahlreiche körperorientierte Methoden, die zur Körperpsychotherapie zählen. Dazu gehören u. a. die Psychotherapie nach Albert Pesso, die Strukturelle Körpertherapie (SKT), die Biodynamische Psychologie und Körperarbeit, die Bioenergetische Analyse sowie die Integrative Körperpsychotherapie. Weitere Verfahren sind die Vegetotherapie, die funktionelle Entspannung, die analytische Körperpsychotherapie und die tiefenpsychologisch fundierte Körperpsychotherapie.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Nebenwirkungen wie bei anderen psychotherapeutischen Verfahren, bei denen Medikamente eingenommen werden, gibt es bei der Körperpsychotherapie nicht. So erfolgt bei den meisten Methoden keine Einnahme von Arzneimitteln.

Dennoch besteht bei manchen Patienten ein gewisses Risiko von Nebenwirkungen, wie zum Beispiel bei Angstpatienten oder Menschen, die unter Depressionen leiden. So greift jede Psychotherapie in die meist komplizierten Verflechtungen der Patienten ein. Dadurch besteht die Gefahr, dass weitere psychische Beschwerden auftreten oder neue hinzukommen. Mitunter fühlen sich die Betroffenen auch überfordert oder abhängig von ihrem Therapeuten. Bei einigen Menschen stellen sich nach dem Besuch einer Sitzung Verwirrung oder Erschöpfungszustände ein.

Ein Problem stellt auch die Wirksamkeit der einzelnen körperpsychotherapeutischen Verfahren dar, die von Methode zu Methode unterschiedlich ausfällt. In Deutschland zählt die Körperpsychotherapie bislang nicht zu den von den gesetzlichen Krankenkassen anerkannten Verfahren, die den Psychotherapierichtlinien entsprechen. Aus diesem Grund wird die körperorientierte Psychotherapie hierzulande nicht als alleiniges Verfahren abgerechnet. Die Therapeuten sind jedoch berechtigt, einzelne Elemente der Körperpsychotherapie in ihre Arbeit einfließen zu lassen.

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Quellen

  • Hüter-Becker, A., Dölken, M.: Physiotherapie in der Orthopädie. Thieme, Stuttgart 2015
  • Möller, H.-J.: Therapie psychischer Erkrankungen. Thieme, Stuttgart 2006
  • Rost, R.: Sport- und Bewegungstherapie bei Inneren Krankheiten. Deutscher Ärzteverlag, Köln 2005

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