Jejunostoma

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 23. November 2016
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Ein Jejunostoma (lateinisch Jejunum = „Leerdarm" und griechisch Stoma = „Mund“) bezeichnet eine durch chirurgische Maßnahme angelegte Verbindung zwischen dem Jenunum (oberer Dünndarm) und der Bauchdecke zum Einbringen einer Darmsonde, um die etherale (künstliche) Ernährung des Patienten zu ermöglichen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Jejunostoma?

Dieser Eingriff wird hauptsächlich bei Darmkrebspatienten durchführt. Je nach Ausprägung der Erkrankung kann es notwendig sein, größere Teile des Dickdarms operativ zu entfernen. In den meisten Fällen ist die Legung eines künstlichen Darmausgangs notwendig, da die Funktion des Dickdarms entfällt, was zu einer verminderten Aufnahme von Elektrolyten und Wasserverlust führt.

Die Folge sind breiiger und dünnflüssiger Stuhlgang sowie eine erhöhte Stuhlfrequenz. Jede Nahrungsaufnahme führt zu einer Entleerung. Eng verwandt mit dem Jejunostoma ist das Ileostoma, wenn der verbliebene Darm zur Bauchhaut geführt wird und im unteren Teil des Illeums (Dünndarm) endet. Liegt das Darmende im höher gelegenen Dünndarmabschnitt (Jejunum), liegt ein Jenunostoma vor.

In beiden Fällen haben die Mediziner eine Darmresektion (Entfernung des Dickdarms) vorgenommen. Die zweite Möglichkeit ist, nach Entfernung des Dickdarms eine Verbindung zwischen After (Anus) und Dünndarm ohne Anlage eines dauerhaften künstlichen Darmausgangs zu legen. Diesen Eingriff bezeichnet die Fachsprache als ileoanalen Pouch beziehungsweise als ileo-pouch-anale Anastomose (IPAA).

Funktion, Wirkung & Ziele

Stomata werden endständig oder doppelläufig verlegt. Mit der endständigen Stomata zieht der Chirurg die obere Darmschlaufe durch die Bauchwand an die Oberfläche, wobei ein kleines Darmstück vorsteht. Oft muss der tiefer gelegene Darmabschnitt entfernt werden. Die Legung eines doppelläufigen Darmausgangs erfolgt durch die Ziehung der Darmschlinge durch die Bauchhaut und anschließendes Aufschneiden. Beide Darmöffnungen liegen nun außen und werden in der Bauchhaut vernäht.

Darmstomata dienen dazu, den verbliebenen Darmteil zu entlasten, da er jetzt keinen Stuhl mehr ausleitet. Sie unterbrechen die Darmpassage und werden meistens nur vorübergehend gelegt. Ein Jenustoma wird immer dann gelegt, wenn größere Teile des Enddarms (Mastdarms) einschließlich des Schließmuskels am After entfernt werden müssen. Ohne den Schließmuskel ist der Patient nicht mehr in der Lage, seinen Stuhlgang zu kontrollieren. Einen künstlichen Darmausgang empfinden die meisten Patienten als sehr belastend. Zwangsweise müssen sie sich im Alltag daran gewöhnen. Aus medizinischer Sicht lässt sich mit einem Jejunostoma „normal“ leben, wobei dieser Begriff natürlich auslegungsbedürftig ist und die betroffenen Patienten ihre Situation subjektiv abweichend empfinden können.

Rein medizinisch gesehen ist der Dickdarm kein Organ, dass zum Überleben der Patienten notwendig ist, wie etwa die Nieren, das Herz oder die Lunge. Er dient vor allem der Einfettung und Eindickung des Stuhls. Muss dieses Organ teilweise entfernt werden, besteht keine Gefahr einer eingeschränkten Lebenserwartung. Insbesondere in den ersten Monaten nach der Operation ändert sich der Alltag der Patienten enorm, da sie sich an ihren künstlichen Darmausgang gewöhnen und ihre Lebensgewohnheiten darauf ausrichten müssen. Viele Patienten brauchen eine längere Zeit, um sich an ihr verändertes Verdauungssystem zu gewöhnen, andere wiederum können sich nicht mit dem künstlichen Darmausgang arrangieren.

Als wie belastend diese Einschränkungen empfunden werden, hängt auch immer mit der individuellen Lebenssituation zusammen. Ein künstlicher Darmausgang stellt aus Sicht der Patienten stets eine größere Belastung dar, als ein Dickdarm, der lediglich verkürzt wurde. Dabei handelt sich um einen „Kurzschluss“ zwischen Dünndarm und After. Eine Gesundheitsgefährdung besteht nicht, der Stuhl wird flüssiger, da der Eindickungsprozess fehlt. Ist dieser Kurzschluss nicht möglich, wird ein künstlicher Darmausgang (Jejenustoma) gelegt. Der Dünndarm endet in einer kleinen Öffnung in der Bauchhaut.

Ein Jejunostoma bezeichnet eine durch chirurgische Maßnahmen angelegte Verbindung zwischen dem oberer Dünndarm und der Bauchdecke zum Einbringen einer Darmsonde, um die künstliche Ernährung des Patienten zu ermöglichen.

Ein Stoma ist bei den folgenden Krankheiten induziert: Morbus Crohn und Colitis ulcerosa (chronische Darmentzühndung), Entzündungen durch Ausstülpungen der Darmschleimhaut (Divertikulitis), Morbus Hirschsprung (angeborene Fehlbildung des Darms), Darmverletzungen, zum Beispiel durch Unfälle, unzureichender oder fehlender Schließmuskelfunktion, Darmdurchbruch, postoperativen Komplikationen und angeborenen Dickdarmpolypen. Mit dem künstlichen Darmausgang ragt eine Darmschlinge aus der Bauchhöhle.

Um die Austrittsstelle wird eine Platte zum Schutz der betroffenen Haut angebracht. An dieser Stelle wird der Stomabeutel befestigt, der den austretenden Stuhl auffängt. Zu unterscheiden sind ein- und zweiteilige Systeme. Das einteilige System verbindet Basisplatte und Beutel fest miteinander, sie können ausschließlich gemeinsam gewechselt werden. Das zweiteilige System führt Platte und Beutel getrennt voneinander, die auch unabhängig voneinander ausgetauscht werden können. Der Vorteil dieses Systems ist, dass die Basisplatte auf der Haut nicht täglich gewechselt werden muss, sondern einige Tage dort verbleibt.

Ziel des Jejunostomas ist die Umgehung des natürlichen Verdauungsvorgangs, da der Stuhlgang nicht über den After ausgeleitet, sondern zum künstlichen Darmausgang über die Bauchdecke umgeleitet wird. Durch diesen Eingriff werden Teile des Darms „stillgelegt“ und der gesunde Teil bleibt erhalten. Nach dem Eingriff wird in vielen Fällen eine Ernährungstherapie durchgeführt, um den Organismus an die veränderte Verdauungssituation anzupassen. Um diese Gewöhnungsphase zu überbrücken, führt die Ernährungstherapie dem Patienten wichtige Nährstoffe mittels Infusion zu. Sie gleicht den Nährstoffverlust an Mineralien wie Kalium, Natrium und Magnesium und den Wasserverlust aus.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

In Deutschland leben ungefähr 100.000 Menschen mit einem permanenten oder vorübergehenden Stoma. Aus medizinsicherer Sicht bestehen keine gesundheitlichen Einschränkungen, weil der Dickdarm kein lebenswichtiges Organ ist. Dennoch besteht in der ersten Zeit eine gewöhnungsbedürftige Umstellung durch den „umgeleiteten“ Stuhlgang. Viele Patienten würden diese Umstellung gut meistern, ein großer Teil sei reine Kopfsache, so die Mediziner.

Dennoch berichten viele Betroffene von erheblichen Nebenwirkungen, die nicht nur medizinischer, sondern auch sozialer Natur sind. Viele junge Menschen unter dreißig Jahren müssen nach der Dickdarmentfernung mit einem künstlichen Darmausgang leben. In den meisten Fällen wurde das Organ aufgrund entarteter Polypen entfernt. Diese Patienten klagen über Einschränkung ihrer sozialen Kontakte und dass sie keine „normale“ Beziehung, insbesondere in sexueller Hinsicht, mehr führen können. Unternehmungen mit Freunden seien aufgrund der veränderten Ernährungssituation sehr eingeschränkt. Die größte Nebenwirkung des Stomas ist jedoch chronisches Wundsein der unmittelbar durch das Darmstoma betroffenen Hautstellen.

Wundkomplikationen stellen sich insbesondere dann ein, wenn die Basisplatte nicht richtig zugeschnitten ist und die Hautumgebung nicht vor dem aggressiven Stuhl schützen kann. Für die Wundversorgung gibt es verschiedene Pasten und Cremes, die Reinigung erfolgt mittels Vlieskompressen und pH-neutraler Seife. Die Wundversorgung beschreiben viele Patienten als kompliziert, mehrere Pflaster- oder Verbandwechsel pro Tag sind nötig, wenn die betroffenen Stellen nässen.

Eine große Anzahl der Stoma-Patienten hat die Erfahrung gemacht, dass das Fachpersonal, zum Beispiel Stoma-Schwestern in den Krankenhäusern, aus Zeitmangel mit der Wundversorgung überfordert ist. Sie haben die Möglichkeit, sich über ihren Hausarzt eine fachkundige Wundversorgung in Darmzentren oder durch fachkundiges Pflegepersonal in der Ambulanz vorordnen zu lassen. In manchen Fällen kommt es zu schweren post-operativen Komplikationen wie Infektionen, die einen längeren Klinikaufenthalt notwendig machen.

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