Jacobson-Anastomose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. Juni 2017
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Die Jacobson-Anastomose ist ein Bündel von Nervenfasern im Kopf- und Schädelbereich. Sein Faserverlauf ist für die parasympathische Anregung (Innervation) der Ohrspeicheldrüse zuständig.

Entdeckt wurden diese Nervenverbindungen von dem jüdisch-dänischen Arzt und Forscher Ludwig Levin Jacobson (1783-1843). Ihren Ursprung nehmen sie im Nucleus salivatorius inferior, einem Hirnnervenkern im verlängerten Mark (Medulla oblongata). Gemeinsam mit dem IX. Hirnnerv (Nervus glossopharyngeus) führt ihre Bahn durch eine Öffnung in der Schädelbasis, das sogenannte Drosselloch (Foramen jugulare), aus der Schädelhöhle heraus.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Jacobson-Anastomose?

Unter einigen weiteren Verbindungen (Anastomosen) mit Nachbarnerven kommen die Fasern in die sogenannte Paukenhöhle (Cavitas tympani). Die entscheidende Verteilstation der Äste vor der Ohrspeicheldrüse ist schließlich der Nervus facialis.

So erreicht die Jacobson-Anastomose schließlich als ein parasympathischer Strang des Nervus glossopharyngeus („Zungen-Rachen-Nerv“) ihren Bestimmungsort, die Ohrspeicheldrüse. Das unüberschaubare Nervengeflecht um den IX. Hirnnerv garantiert außerdem die Versorgung des Mittelohrs, der sogenannten Backendrüsen, der Rachenschleimhaut, der Mandeln sowie der hinteren Bereiche der Zunge. In diesem hochsensiblen Bereich können durch Defekte des Nervus glossopharyngeus verschiedene Muskelkrämpfe auftreten. In Frage kommende Auslöser dafür sind u.a. Tetanus, Tollwut oder starke Reizeinwirkungen durch Fremdkörper.

Schädigungen des Glossopharyngeus können außerdem zu Lähmungen der Schlundkopfmuskeln und in deren Folge zu massiven Schluckstörungen führen. In solchen Fällen gerät die sogenannte Nerv-Muskel-Kopplung aus dem gewohnten Gleichgewicht. Auch eine Glossopharyngeusneuralgie kann im Zusammenhang mit der Jacobson-Anastomose zu Tage treten. Hier treten plötzliche starke Schmerzen im weiteren Mundbereich auf, die bis zur Ohrregion reichen können. Sie machen sich bei den einfachsten Bewegungen des Kauens, Schluckens und Sprechens deutlich bemerkbar.

Anatomie & Aufbau

Die von der Jacobson-Anastomose mit Nervenreizungen versorgte Ohrspeicheldrüse (Parotis oder Glandula parotis) gilt als die größte Speicheldrüse im gesamten Kiefer-Mund-Areal. Sie befindet sich auf beiden Seiten des Gesichts jeweils vor und unter dem Ohr.

In ihrer Ausdehnung reicht die Ohrspeicheldrüse vom sogenannten Jochbogen bis zum Winkel des Kiefers. Die Gestalt ist dreieckig und flach. Die Ohrspeicheldrüse wiegt 20 bis 30 Gramm. Sie ist mit einer Faszie (Kapsel aus Bindegewebe) versehen. Innen ist sie in kleine Läppchen gegliedert. Dort befinden sich die Drüsenzellen der Parotis, die den sogenannten Primärspeichel absondern. Dieser weist die Besonderheit auf, seine Zusammensetzung zu ändern, je weiter er im ableitenden System vorankommt. Der sogenannte Ausführungsgang der Ohrspeicheldrüse verläuft weitgehend ähnlich wie die Kaumuskulatur. Er führt durch den Backenmuskel und die Backenschleimhaut hindurch. Der Endpunkt des Ausführungsganges der Parotis liegt in der Mundhöhle. In der Regel ist er im Mundraum gegenüber den oberen Backenzähnen als kleiner dunkelfarbiger Punkt gut zu erkennen.

In der Parotis ist außer der hinführenden Jacobson-Anastomose ebenso der Plexus parotideus zu finden. Dieser ist aus Fasern des VII. Hirnnervs (Nervus facialis) zusammengesetzt. Die aus ihm wegführenden Fasern sind wesentlich verantwortlich für die Aktivierung der mimischen Gesichtsmuskulatur. Erreicht wird die Ohrspeicheldrüse gleichfalls von Abzweigungen und Ausläufern des Nervus trigenimus. Im Bereich der Glandula parotis teilt sich zudem die Arteria carotis externa in ihre beiden Endäste auf. Der Abfluss des Blutes erfolgt zunächst über Verzweigungen der Vena parotidea. Lymphe aus der Parotis gelangt über die sogenannten Parotislymphknoten nach außen.

Funktion & Aufgaben

Der von der Parotis produzierte Speichel ist in einem sogenannten reinen flüssigen Zustand, das heißt wässrig und gänzlich ohne muköse (schleimige) Bestandteile. Er ist dünnflüssig, leicht im alkalischen Bereich und weist relativ große Anteile an Proteinen und Enzymen auf. Davon ist besonders das Enzym Amylase sehr wichtig für die Zersetzung von Kohlenhydraten.

Der Speichel der Parotis zeichnet sich außerdem durch seinen Anteil an Immunglobulinen aus, die der biologischen Abwehr im Mundbereich dienen. Mehr oder weniger häufig vorkommende Erkrankungen der Ohrspeicheldrüse sind Tumore und Mumps (Ziegenpeter). Mumps tritt vor allem im Kindesalter auf und zeichnet sich durch eine starke Schwellung der Ohrspeicheldrüse in Folge einer Virusinfektion aus. Solche Schwellungen sollten, da sie die verschiedensten bösartigen Ursachen haben können, immer sorgfältig von einem Facharzt untersucht werden. Die Hauptgefahr besteht darin, dass die entzündlichen Schwellungen schnell auf empfindliche Bereiche des Gehirns übergreifen können.

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Krankheiten

Diverse Fehlsteuerungen der Jacobson-Anastomose können zu einer ganzen Reihe von Beeinträchtigungen der Ohrspeicheldrüse führen. Besonders Entzündungen greifen schnell um sich, weil die Glandula parotis mit ihrem Drüsengang einen offenen Zugang zur Mundflora hat.

Der Speichelfluss der Drüse wird durch die Bildung von Steinen gelegentlich massiv behindert. Durch diese Speichelsteine finden gefährliche Bakterien leichten Zugang, die wiederum neue Entzündungen auslösen können. Nicht selten treten dann chronische Infektionen auf, die mit Antibiotika behandelt werden müssen. Den Speichelsteinen geht meist eine geänderte Zusammensetzung des Speichels voraus. Sie bestehen überwiegend aus Calciumphosphat und können in der Regel mit einfachen chirurgischen Methoden entfernt werden. Mittels Ultraschall besteht außerdem die Möglichkeit, die Speichelsteine zu zerkleinern, so dass sie über das Kanalsystem natürlich abgeführt werden.

Gutartige Tumore, die Speicheldrüsen des menschlichen Körpers befallen, betreffen zu etwa 80 Prozent die Parotis. Da sie entarten können, empfiehlt sich unter Umständen dennoch die Entfernung. Dagegen ist das Entfernen bösartiger Tumore der Ohrspeicheldrüse oftmals die einzig mögliche Therapie. Das Risiko dieser Operation ist aber groß, weil durch die Ohrspeicheldrüse sehr viele Gesichtsnerven verlaufen.

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