Irukandji-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. Oktober 2017
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Unter dem Begriff Irukandji-Syndrom werden Symptome zusammengefasst, die durch Nesselgifte einer kleinen Gruppe von Würfelquallen hervorgerufen werden können. Typische Symptome sind heftige Brust-, Rücken- und Kopfschmerzen sowie Muskelkrämpfe, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Bluthochdruck und Schweißausbrüche. In einigen schweren Fällen des normalerweise nicht-tödlichen Irukandji-Syndroms kommt es auch zu Lungenödemen und Gehirnblutungen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Irukandji-Syndrom?

Das Irukandji-Syndrom stellt eine Zusammenfassung der Symptome dar, die durch Berührung mit dem Nesselgift einer kleinen Gruppe von Würfelquallen (Cubozoa) entstehen können. Der Name Irukandji-Syndrom leitet sich von der Würfelqualle Irukandji (Carukia barnesi) ab, weil irrtümlich angenommen wurde, dass die Vergiftungen ausschließlich von dieser Würfelqualle hervorgerufen werden.

Der Name der Irukandji-Qualle geht auf einen in den Northern Territories Australiens beheimateten Stamm der Aborigines zurück. Die Qualle Irukandji ist mit ihren zwei Zentimeter Schirmdurchmesser und bis zu einem Zentimeter langen mit Nesselzellen besetzten Tentakeln im Wasser kaum auszumachen. Die Berührung mit einem der Nesseltentakeln ist kaum unmittelbar zu spüren und im taktilen Gefühl in etwa vergleichbar mit einem Mückenstich.

Die typischen Symptome des Irukandji-Syndroms stellen sich bei etwa zwei Drittel aller Menschen ein, deren Haut mit dem Nesselgift in Berührung kommt. Die Symptome treten mit 30 bis 60 minütiger Verzögerung ein ab dem Eindringen des Giftes in die Haut. Normalerweise lassen die starken Beschwerden bald wieder nach, nur in Ausnahmefällen können sich ernsthafte Komplikationen wie Lungenödeme durch Einblutungen oder Hirnblutungen einstellen.

Ursachen

Die Symptome des Irukandji-Syndroms werden von dem Gift verursacht, das die Nesselzellen der Tentakel bei Berührung in die Haut „schießen“. Die Nesselzellen der Würfelqualle Irukandji enthalten einen mit Widerhaken besetzten Nesselschlauch und einen Vorrat an ihrem spezifischen Neurotoxin. Eine Sinnesgeißel (Cilie), die aus der Zelle herausragt, aktiviert bei Berührung den „Schussmechanismus“, die Zelle platzt auf und der Nesselschlauch bohrt sich in die Haut und injiziert das Gift.

Die Sinnesgeißel entspricht in ihrem Aufbau und Arbeitsprinzip dem von Mechanorezeptoren. Das injizierte Gift ist ein komplexes Neurotoxin, dessen Zusammensetzung und Wirkungsweise (noch) nicht hinreichend geklärt ist. Die Quallen verfügen über Nesselzellen auf ihrem Schirm und an ihren Tentakeln. Die Nesselzellen des Schirms und der Tentakel enthalten unterschiedliche Gifte. Wenn auch die Struktur beider Gifte nicht vollständig bekannt ist, wird als gesichert angenommen, dass das Quallengift eine Komponente enthält, die die glatte Muskulatur des Herzmuskels angreift, also kardiomyopathisch wirkt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Wenige Minuten nach Hautkontakt mit dem Nesselgift der Würfelqualle – meist aber erst nach 30 bis 60 Minuten - zeigen circa zwei Drittel der betroffenen Menschen typische Symptome wie starke Brust-, Rücken- und Kopfschmerzen. Es stellen sich Muskelkrämpfe und Bauchschmerzen ein, die von heftigen Brechreizen begleitet werden.

Akute und krisenhafte Bluthochdruckphasen treten auf, gepaart mit Schweißausbrüchen. Die Symptome können auch in sich wiederholenden zyklischen Mustern auftreten. In den meisten Fällen stellt sich eine vorübergehende Todesangst ein. In Einzelfällen kommt es zu Komplikationen wie Lungen- oder Hirnblutungen, die von den akuten Bluthochdruckphasen verursacht werden können. Da die Einstiche der Nesselschläuche in die Haut häufig nicht bemerkt werden, gibt es in der Regel keine Frühwarnzeichen, die auf die kommenden krisenhaften, äußerst schmerzhaften, Symptome hinweisen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Irukandji-Würfelquallen treten in der Regel nicht isoliert auf, so dass ihr Vorkommen in bestimmten Küstenabschnitten Australiens zu bestimmten Jahreszeiten bekannt ist und Warnschilder an den Stränden darauf hinweisen. Das schockartige Erscheinungsbild der Symptome in Verbindung mit der Möglichkeit, dass an dem entsprechenden Strand vereinzelt mit Irukandji-Würfelquallen gerechnet werden muss, erübrigen zunächst weitere Diagnoseverfahren.

Wenn sich aufgrund der akuten Bluthochdruckphasen keine weiteren Komplikationen wie Lungenödeme oder Hirnblutungen einstellen, klingen die Symptome nach einiger Zeit wieder ab. Ein direktes Gegengift, das die Wirkung der injizierten Neurotoxine aufheben könnte, gibt es (noch) nicht. An den Küsten Australiens, dem Hauptverbreitungsgebiet der Quallen, sind jährlich etwa 60 Menschen vom Irukandji-Syndrom betroffen.

Komplikationen

Durch das Irukandji-Syndrom kommt es zu verschiedenen Beschwerden und Komplikationen. Im schlimmsten Falle kann es ohne Behandlung zum Tode des Patienten führen, wenn es zu Blutungen und Lähmungen im Gehirn oder in der Lunge kommt. Aus diesem Grund sollten Berührungen mit Quallen grundsätzlich immer von einem Arzt behandelt werden. Die meisten Betroffenen leiden dabei an starken Schmerzen im Rücken und am Kopf.

Diese Schmerzen können sich nicht selten auch in andere Regionen des Körpers ausbreiten und dort zu Beschwerden führen. Nicht selten leiden die Patienten auch an Erbrechen und an einer Übelkeit. Weiterhin kommt es zu Schweißausbrüchen und nicht selten auch zu einer Todesangst. Die Lebensqualität des Betroffenen wird durch das Irukandji-Syndrom erheblich eingeschränkt und verringert. Die betroffenen Stellen schmerzen dabei oft sehr stark und schwellen an.

Bei der Behandlung selbst kann es dann zu Komplikationen kommen, wenn Blasen auf der Haut aufplatzen und es damit zu einer Vergiftung kommt. In der Regel können Medikamente und Schmerzmittel die Beschwerden lösen. Die Lebenserwartung wird nicht verringert, wenn die Behandlung frühzeitig eingeleitet wird. Auch weitere Vergiftungen können mit Hilfe von Medikamenten vorgebeugt werden.

Therapie & Behandlung

Bei ersten Anzeichen, die auf das Irukandji-Syndrom hinweisen, besteht die wichtigste Maßnahme darin, an der Haut anhaftende Nesselzellen, die noch nicht „gefeuert“ haben, also noch intakt sind, am Aufplatzen zu hindern, um weitere Vergiftungen zu vermeiden. Am wirksamsten hat sich das Abwaschen der betroffenen Hautstellen mit Essig erwiesen. Der niedrige pH-Wert verhindert die Aktivierung der noch intakten Nesselzellen, weil die Cilien, die Sinneshärchen der Nesselzellen, in dem stark sauren Milieu inaktiviert werden.

Abwaschen mit Trink- oder Salzwasser ist kontraproduktiv, weil die Cilien der Nesselzellen dann auslösen und es zu weiteren Vergiftungen kommt. Ebenso dürfen sichtbare Tentakel nicht mechanisch entfernt werden, weil dadurch weitere Nesselzellen zum Aufplatzen gebracht werden mit der Konsequenz, dass weiteres Gift in die Haut eingebracht wird. Um die starken Schmerzen erträglicher zu machen, kommt eine Behandlung mit opioiden Schmerzmitteln in Betracht.

Auch eine Behandlung mit Magnesiumsulfat kann hilfreich sein, weil Magnesiumsulfat eine krampflösende Wirkung hat. Während die äußere Anwendung von Essig lediglich der Vorbeugung vor zusätzlichen Vergiftungen schützen soll, dienen alle weiteren Maßnahmen der Symptombekämpfung, weil (noch) kein Mittel existiert, das das Neurotoxin der Irukandji-Quallen neutralisieren könnte.

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Vorbeugung

Direkt vorbeugende Maßnahmen, die das Auftreten des Irukandji-Syndroms nach Kontakt mit dem Neurotoxin der kleinen Irukandji-Würfelquallen verhindern könnten, sind nicht bekannt. Der wichtigste Schutz besteht darin, Gewässer mit bekanntem Vorkommen der Quallen zu meiden oder beim Baden, Schwimmen und Tauchen entsprechende Schutzanzüge zu tragen, die in den betroffenen Küstenregionen – hauptsächlich in Australien – angeboten werden.

Das können Sie selbst tun

Einige Beschwerden des Irukandji-Syndroms können vermieden werden, indem der Betroffene einige Punkte beachtet. In der Regel sind anstrengende und vor allem stressige Situationen zu vermeiden, da diese zu einem hohen Blutdruck und weiterhin zu Schweißausbrüchen oder zu starken Kopfschmerzen führen können. Im Falle von Angstzuständen oder bei einer Todesangst muss der Betroffene auf jeden Fall beruhigt werden. In schwerwiegenden Fällen kann dabei auch ein Notarzt gerufen werden. Der Patient muss auf eine regelmäßige und tiefe Atmung achten, um das Bewusstsein nicht zu verlieren. Sollte es zu einem Bewusstseinsverlust kommen, so ist ein Besuch im Krankenhaus notwendig, um Blutungen im Gehirn oder in der Lunge auszuschließen. Bis zum Eintreffen des Notarztes ist eine sichere Atmung und eine stabile Seitenlage sicherzustellen.

Die durch die Nesselzellen entstandenen Blasen auf der Haut dürfen beim Irukandji-Syndrom auf keinen Fall aufplatzen, da es dadurch zu Infektionen oder zu Vergiftungen kommen kann. Mögliche Krämpfe können dabei durch Magnesiumsulfat behandelt werden, wobei das Medikament immer griffbereit sein sollte. Sollten die Blasen allerdings aufplatzen, so können sie mit Essig ausgewaschen werden, um Infekte zu verhindern.

Bücher über Vergiftungen

Quellen

  • Plewig, G. et al.: Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie. Springer, Heidelberg 2012
  • Reichl, F.-X.: Taschenatlas der Toxikologie. Thieme, Stuttgart 2009
  • Ziegenfuß, T.: Notfallmedizin. Springer, Heidelberg 2011

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