Iridozyklitis

Letzte Aktualisierung am 30. März 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Iridozyklitis ist eine gleichzeitige Entzündung der Iris und des Ziliarkörpers. Die Ursachen sind vielfältig und eine fachärztliche Behandlung immer erforderlich. Sehbehinderungen und sogar völlige Blindheit sind ohne baldige Ausheilung eine Folge der Iridozyklitis.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Iridozyklitis?

Die Iridozyklitis ist eine Entzündung im Inneren des Auges. Betroffen ist einmal die Regenbogenhaut (Iris) und zum anderen der Ziliarkörper. Das ist eine ringförmige Struktur, die einerseits als Aufhängung der Iris dient, andererseits mit einem ebenfalls ringförmigen Muskel die Linsen-Akkommodation (Einstellung der Sehschärfe) bewerkstelligt.

Die Iris besitzt eigene Muskelstrukturen und funktioniert wie die Blende einer Kamera. Durch den engen anatomischen Zusammenhang der Iris mit dem Ziliarkörper treten Entzündungen an beiden Organen meist in Kombination auf. Daher besteht laut Definition ein kompaktes Krankheitsbild mit der Bezeichnung Iridozyklitis.

Ursachen

Die Iridozyklitis ist als Entzündungserkrankung grundsätzlich auf zwei Ursachen zurückzuführen:

1. Infektionen durch Bakterien oder Viren. Die Ansteckung mit Gonokokken („Tripper“) oder mit Herpes-Viren (Herpes simplex oder Herpes zoster: „Gürtelrose“) greifen auf die Region der vorderen und hinteren Augenkammer über. Sehr selten sind Infektionen mit dem Bakterium Leptospira die Ursache (Morbus Weil).

2. Nichtinfektiöse Ursachen. Hier spielen sehr unterschiedliche Auslöser eine Rolle. Reizende Chemikalien sind als ein Agens bekannt, allerdings sind systemische Grunderkrankungen wesentlich häufiger die Ursache der Iridozyklitis. Eine Reihe von Autoimmunkrankheiten des rheumatischen Formenkreises haben die Augenreizung zur Folge.

Juvenile Arthritis und chronische Darmentzündungen (Morbus Crohn) sind als Auslöser bekannt, daneben Erkrankungen des Bindegewebes wie Sarkoidose und das Sjögren-Syndrom. Wahrscheinlich ebenfalls eine Autoimmun-Störung liegt dem Bechterew-Syndrom zugrunde. Diese Erkrankung vornehmlich der Wirbelsäule ist ebenfalls ein Auslöser der Iridozyklitis.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Zu den charakteristischen Symptomen der Iridozyklitis zählen Sehstörungen und Augenschmerzen. Die Betroffenen leiden an einer übermäßigen Empfindlichkeit gegenüber Licht und nehmen Doppelbilder wahr. Je nach Art und Ausprägung der Augenentzündung können weitere Sehstörungen auftreten, zum Beispiel Schleiersehen oder ein partieller Gesichtsfeldausfall.

In schweren Fällen stellt sich in einen oder beiden Augen eine vorübergehende Erblindung ein. Äußerlich ist die Erkrankung an den Farbveränderungen der Pupille zu erkennen. Verklebungen zwischen Iris und Hornhaut weisen auf eine Iridozyklitis hin. Ein deutliches Anzeichen sind die Ablagerungen von Eiweiß im Bereich der Hornhaut. Die Pupille reagiert auf Bewegungen verlangsamt, oft erscheint der Blick orientierungslos.

Meist sind beide Augen von den Verklebungen und Reaktionsstörungen betroffen. Zu Beginn tritt die Iridozyklitis allerdings nur auf einer Seite auf. Erfolgt keine Behandlung, schreitet die Schädigung des Ziliarkörpers weiter voran, bis es schließlich zu einer Schrumpfung des gesamten Auges kommt.

Die Folge ist die Erblindung des Patienten. Falls die Krankheit frühzeitig erkannt und behandelt wird, können ernste Komplikationen verhindert werden. Die Symptome klingen dann nach einigen Wochen wieder ab, ohne dass der Betroffene Langzeitfolgen oder weitere Komplikationen zu befürchten hat.

Diagnose & Verlauf

Eine Iridozyklitis verursacht schmerzende Augen und die Patienten werden übermäßig lichtempfindlich sodass sie sich leicht geblendet fühlen. Außerdem sind Sehstörungen zu beklagen. Mit einer Augenspiegelung (Ophthalmoskopie) erkennt der Facharzt das typische Bild mit einer Trübung des Kammerwassers.

Möglicherweise ist auch schon eine Verklebung zwischen Iris und Hornhaut oder gar der Linse eingetreten. Ist es soweit gekommen, werden bereits beide Augen befallen sein, denn zunächst beginnt eine Iridozyklitis nur einseitig. Die Behandlung durch den Augenarzt kann nun mögliche gravierende Folgen der Iridozyklitis verhindern. So kann es nicht nur zu Kalk-Infiltration in die Hornhaut kommen, sondern auch zu grünem (Glaukom) und grauen Star (Cataracta complicata).

Wenn der Ziliarkörper soweit geschädigt ist, dass er kein Kammerwasser mehr sezerniert, beginnt das gesamte Auge zu schrumpfen. Im Zuge einer solchen Entwicklung ist letztlich die Erblindung eine Folge der Iridozyklitis.

Komplikationen

Die Iridozyklitis führt in der Regel zu Beschwerden an den Augen. Die Betroffenen leiden dabei in den meisten Fällen an Sehbeschwerden und an einer Sehschwäche. Weiterhin kann es ohne Behandlung zu einer vollständigen Erblindung des Patienten kommen. Nicht selten führen Sehbeschwerden vor allem bei jungen Patienten zu Depressionen und zu anderen psychischen Verstimmungen.

Die Lebensqualität des Patienten wird durch die Iridozyklitis deutlich verringert. In einigen Fällen ist der Betroffene dann auf die Hilfe anderer Menschen im Alltag angewiesen. Es tritt auch eine hohe Lichtempfindlichkeit auf. Nicht selten ist auch die Reaktion der Pupille verlangsamt und es kommt ebenso zu Schmerzen an den Augen. Die Augenschmerzen können sich dabei nicht selten auch in andere Areale des Körpers ausbreiten und dort zu Schmerzen und zu verschiedenen Beschwerden führen.

Die Behandlung der Iridozyklitis erfolgt in der Regel von einem Augenarzt und führt nicht zu weiteren Komplikationen. Dabei ist der Betroffene auf die Einnahme von Medikamenten angewiesen. Diese können bei manchen Patienten zu Nebenwirkungen führen. Die Lebenserwartung wird durch die Iridozyklitis nicht beeinflusst. In einigen Fällen ist auch die Einnahme von Antibiotika notwendig.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn Symptome wie Augenschmerzen, Lichtempfindlichkeit oder Sehstörungen bemerkt werden, sollte in jedem Fall ein Arzt konsultiert werden. Sollten die Beschwerden ganz plötzlich auftreten und nach spätestens einer Woche nicht abgeklungen sein, wird am besten der Hausarzt aufgesucht. Noch am selben Tag sollte ein Arzt aufgesucht werden, wenn weitere Symptome wie Verklebungen zwischen Iris und Hornhaut oder Farbveränderungen der Pupille hinzukommen. Spätestens, wenn die Sehkraft abnimmt oder es sogar zur vollständigen Erblindung kommt, ist ärztlicher Rat gefragt.

Die Erkrankung kann gut behandelt werden, wenn sie frühzeitig erkannt und behandelt wird. Personen, die an genannten Beschwerden leiden, suchen am besten den Augenarzt oder einen Allgemeinmediziner auf. Die Iridozyklitis tritt vor allem im Zusammenhang mit Virusinfektionen und nach dem Kontakt mit reizenden Chemikalien auf. Auch chronische Darmentzündungen wie Morbus Crohn sowie Erkrankungen des Bindegewebes wie eine Sarkoidose können die Beschwerden verursachen. Wer zu diesen Risikogruppen zählt, sollte bei genannten Symptomen den zuständigen Arzt einschalten.

Behandlung & Therapie

Die Iridozyklitis erfordert je nach Ursache verschiedene Kausaltherapien. Liegen systemische Grunderkrankungen vor, muss dein entsprechender Facharzt konsultiert werden. Bei nichtinfektiösen Entzündungsauslösern wird dies meist der Rheumatologe sein.

Die Symptome am Auge behandelt der Ophthalmologe (Augenarzt) mit Glucocorticoiden. Diese kortisonähnlichen Medikamente wirken entzündungshemmend und werden zunächst als Augentropfen angewendet. Führt dies nicht zum Erfolg, werden die Präparate als orale Medikation appliziert. Zur Reduzierung der Entzündungs-Reaktionen eignen sich auch Immunsuppressiva, die eine Alternative zu den Hormonpräparaten darstellen.

Denn Glucocorticoide zeitigen schwere Nebenwirkungen, unter anderem auch diejenigen Augenkrankheiten, die eigentlich verhindert werden sollen. Als weitere Medikation erhält der Patient Augentropfen, die eine zeitweise Weitstellung der Pupille bewirken. Dieser Effekt – zum Beispiel von Atropin - besteht darin, dass die Iris in Bewegung bleibt und nicht mit der Linse oder der Hornhaut verklebt.

Bei infektiösen Iridozyklitiden muss der Arzt die Krankheitserreger bekämpfen. Antibiotika zielen auf eingedrungene Bakterien ab und Virostatika hemmen die Viren-Vermehrung. Allgemeine Linderung bewirkt eine Infrarotbestrahlung bei Iridozyklitis.

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Vorbeugung

Einer Iridozyklitis generell und spezifisch vorzubeugen entzieht sich einfachen Maßregeln. Werden die genannten systemischen Grunderkrankungen festgestellt, sollte der Augenarzt anlässlich der Routinekontrolle darüber informiert werden. Jeder Mensch sollte als aufgeklärter Patient im Blick behalten, dass Infektionskrankheiten dazu neigen, sich im Körper auszubreiten. Gut beraten ist, wer hier auch auf seine Augen achtet. Wenn eine völlige Vermeidung schon nicht möglich ist, dann doch eine sehr frühzeitige Behandlung der Iridozyklitis.

Das können Sie selbst tun

Eine Iridozyklitis bedarf auf jeden Fall einer ärztlichen Behandlung. Die einzelnen Symptome können durch einige Selbsthilfe-Maßnahmen und Hausmittel gelindert werden.

Zunächst sollten Maßnahmen ergriffen werden, um der Blendempfindlichkeit der Augen zu begegnen. Dies kann geschehen durch abdunkeln der eigenen Wohnung, im Freien dunkle Sonnenbrillen tragen und nicht direkt in die Sonne oder helle Lichter schauen. Nach Möglichkeit sollte auf die Arbeit am Computerbildschirm verzichtet werden, ebenso sollte das Lesen oder Fernsehen stark eingeschränkt werden. Kontaktlinsen dürfen erst nach Rücksprache mit dem Arzt wieder eingesetzt werden. Der Mediziner wird dem Patienten empfehlen, auf eine Brille zu wechseln, bis die Erkrankung vollständig abgeklungen ist.

Im Allgemeinen lässt sich eine Iridozyklitis am besten behandeln, indem die Vorgaben des Augenarztes eingehalten werden. Die verordneten Augentropfen sollten nach Vorschrift angewendet und bei Bedarf um eine orale Medikation ergänzt werden. Hausmittel sollten zunächst nicht verwendet werden, da diese das Auge weiter belasten können. Erst, nachdem die Erkrankung abgeklungen ist, dürfen kühlende Auflagen oder Masken angewendet werden, um die Nachsorge zu unterstützen. Auch diese Maßnahmen sollten zuvor mit dem Augenarzt besprochen werden.

Quellen

  • Augustin, A.J.: Augenheilkunde. Springer, Berlin 2007
  • Dahlmann, C., Patzelt, J.: Basics Augenheilkunde. Urban & Fischer, München 2014
  • Lang, G. K.: Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2014

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