Involution

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 23. Januar 2017
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Bei der Involution der Embryogenese handelt es sich um eine Grundbewegung der Gastrulation. Darüber hinaus steht in Involution in der Medizin oftmals für die natürliche Rückbildung eines Gewebes im Alter. In der Pathophysiologie ist eine krankhafte Rückbildung von Fähigkeiten und Geweben mit diesem Begriff assoziiert.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Involution?

Mit dem Begriff der Involution wird in der Medizin ein degenerativer Vorgang bezeichnet, bei dem einzelne Gewebe oder Organe "schrumpfen". Die Involution ist ein altersphysiologischer Prozess. Verschiedene Organe sind zum Beispiel nur eine begrenzte Zeit lang aktiv und bilden sich nach ihrer aktiven Phase natürlicherweise zurück. Das trifft zum Beispiel auf die weibliche Gebärmutter und die weiblichen Milchdrüsen zu, die sich nach der Geburt eines Kindes auf natürliche Art und Weise wieder zurückbilden.

Diese Definition unterscheidet sich von der embryologischen Definition. In der Embryologie wird unter der Involution eine Phase der Gastrulation verstanden. Bei der Gastrulation stülpt sich die sogenannte Blastula ein, sodass sich die drei Keimblätter ausbilden. Zuvor hat sich der Blasenkeim in der sogenannten Blastulation gebildet.

Die Involution ist die zweite von insgesamt fünf Grundbewegungen der Gastrulation. Der prospektive Entoderm, also ein Anteil des inneren Keimblatts, rollt sich bei der Involution ein.

Funktion & Aufgabe

Die Involution hat in der Medizin unterschiedliche Bedeutungen. Die Hauptbedeutung in der angewandten Medizin ist die der natürlichen und vorgesehenen Degeneration. In diesem Zusammenhang bildet sich bei der Involution ein Gewebe zurück, das physiologischer Weise nur für einen bestimmten Zeitraum aktiv sein muss.

Bei der Involution der Stimme senkt sich die weibliche Stimme nach der Postmenopause wegen des nun höheren Testosteronspiegels zum Beispiel ab. Durch das Testosteron vergrößert sich der Kehlkopf, sodass sich die Grundintonation beim Sprechen absenkt.

Ab etwa dem 40. Lebensjahr sind die Augen von einer Involution betroffen. Eine Altersfehlsichtigkeit im Sinne einer Presbyopie ist die Folge, die insbesondere beim Lesen ohne Brille bemerkbar wird. Eine Form der Involution ist auch die Schwerhörigkeit, die schleichend ab einem Alter von etwa 20 Jahren einsetzt. Beim alternden Menschen stellen sich außerdem Involutionen der Sprache ein.

Mit dem Begriff der Involution wird in der Medizin ein degenerativer Vorgang bezeichnet, bei dem einzelne Gewebe oder Organe "schrumpfen". Das trifft zum Beispiel auf die weibliche Gebärmutter zu.

Wegen natürlicher Zellverluste im extrapyramidalen Nervensystem senkt sich bei der Aussprache die Stimme und die Artikulation wird schwächer. Nach Zellverlusten im pyramidalen Nervensystem kommt es außerdem zu einer Verlangsamung der Aussprache. Auch Wortfindungsstörungen und leichte Demenz sind eine altersphysiologisch natürliche Involution.

Bei der embryogenetischen Involution handelt es sich hingegen um eine Grundbewegung der Gastrulation. Bei der Invagination stülpt sich im Rahmen der Gastrulation der prospektive Entoderm in den inneren Hohlraum der Blastula ein, der als Blastocoel bekannt ist. Ein Teil der Außenwand wird aufgrund von Zellverformungen eingestülpt. Auf diesen Prozess folgt die Involution, bei der sich der prospektive Entoderm einrollt. Anschließend findet die Ingression im Sinne einer Zelleinwanderung des prospektiven Entoderms statt.

Bei der anschließenden Delamination, schnüren Blastulazellen Zellen des Entoderms in das Blastocoel ab. Bei der letzten Bewegung, der Epibolie, überwächst das prospektive Ektoderm bei dotterreichen Eiern das prospektive Entoderm.

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Krankheiten & Beschwerden

Störungen bei der embryogenetischen Involution können Fehlbildungen zur Folge haben oder sogar den Abgang des Kindes herbeiführen. Ab der beginnenden Gastrulation ist der Embryo gegenüber Schadstoffen extrem sensibel. Gastrulationsstörungen können zum Beispiel Sirenomelien oder Steißbeinteratomen entsprechen. Darüber hinaus können zusammengewachsenen Extremitäten, Anomalien der Wirbelsäule, fehlende Nieren oder fehlgebildete Genitalorgane auf Gastrulationsstörungen zurückgehen. Oft sind Gastrulationsstörungen mit Neurulationsstörungen vergesellschaftet, da sich beide Phasen gegen Ende der Gastrulation mitunter gegenseitig überlagern.

Involution hat viele weitere Assoziationen aus der Pathophysiologie und muss im Zusammenhang mit Erkrankungen nicht unbedingt im embryologischen Sinne gemeint sein. Eine Assoziation aus der Pathophysiologie ist zum Beispiel die pathologische Demenz, wie sie im Rahmen von Alzheimer, aber auch im Rahmen von Alkoholismus oder Parkinson auftreten kann. Auch die Aphasie im Sinne eines krankhaften Sprachverlusts ist für diese Erkrankungen typisch und entspricht im weitesten Sinne einer pathologischen Involution.

Da es sich bei allen genannten Symptomen bis zu einem gewissen Grad um natürliche Altersphänomene der Involution handelt, ist die Diagnostik mehr oder weniger schwierig. Um eine natürliche Involution der Sprache und des Erinnerungsvermögens von einer pathologischen Erscheinung abzugrenzen, stehen unterschiedliche Diagnostika zur Verfügung. Das zuverlässigste und standardmäßig angewandte Diagnostikum ist in diesem Fall ein sogenanntes Screening mittels umfassender Standardtests. Im deutschen Sprachraum ist der verbreitetste Test für ein derartiges Screening das Kognitive Minimal Screening. Darüber hinaus steht in Deutschland mittlerweile der CAMDEX aus dem englischsprachigen Raum zur Verfügung. Der Standardtest wurde in Cambridge entwickelt und misst neben der sprachlichen vor allem die nonverbale Intelligenz von älteren Menschen, um Involutionen besser einschätzen zu können.

Die frühe Diagnostik von degenerativen Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson ist aus mehreren Gründen nicht zu unterschätzen. Übende Verfahren können bei erkannter Alzheimer- oder Parkinson-Erkrankung zum Beispiel den Verlauf der Krankheit verzögern. Außerdem sind Medikamente mittlerweile dazu in der Lage, den Verlauf der Erkrankung über viele Jahre annähernd zum Stillstand zu bringen oder zumindest zu verlangsamen.

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