Inversio uteri

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 30. Juli 2017
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Die Inversio uteri ist eine Form des Uterusprolaps, die bei der Geburt auftreten kann und in Rahmen der Geburtshilfe als gefährlich Komplikation gilt. Der Uterus stülpt sich dabei komplett oder inkomplett in die Vagina ein oder aus der Scheide heraus. Die Behandlung erfolgt unter Vollnarkose und entspricht einer Repositionierung des Uterus.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Inversio uteri?

Als Uterusprolaps sind verschiedene Vorfälle der Gebärmutter bekannt, die das Organ durch den Geburtskanal zum Teil bis hin zum Austritt nach außen drücken. Die Vagina stülpt sich bei einem Gebärmuttervorfall oft aus, sodass eine kombinierter Scheidenvorfall vorliegt. Gebärmuttervorfällen liegt das Versagen des haltenden Bänderapparats zugrunde. Ein Gebärmuttervorfall während der Geburt ist das Inversio-uteri-Phänomen.

Bei diesem Vorfall stülpt sich wie für Gebärmuttervorfälle charakteristisch die Gebärmutter in die Vagina ein. Inversio uteri zählt zu den mitunter gefährlichsten Notfällen der Geburtshilfe und wird als eine Komplikation während der Geburt verstanden. Die Inversion de Uterus wird mit einer Häufigkeit zwischen einem Fall zu 20.000 angegeben. Damit kommt das Phänomen relativ häufig vor.

Der Vorfall wird nach seiner Ausprägung in eine Gruppe zwischen Grad eins und Grad vier eingeteilt. Grad vier entspricht der vollständigen Inversion. Bei der Ausprägung dritten Grades liegt der Fundus bereits in der Scheide. Bei Grad zwei liegt er dagegen auf derselben Höhe wie das Ostium internum und Grad eins liegt vor, wenn der Fundus ins Cavum uteri drängt.

Ursachen

Die Ursache für eine Inversio uteri ist meist in Fehlern auf Seiten der Geburtshelfer zu suchen. So kann zum Beispiel ein unangemessen starker Zug an der Nabelschnur das Phänomen verursachen, solange der Uterus nicht kontrahiert. Eine ebenso denkbare Ursache ist ein erhöhter Druck des Fundus. Ein hoher Fundusdruck kann vor allem in Kombination mit der Bauchpresse eine Inversio uteri begünstigen.

Viele Faktoren spielen eine zusätzlich begünstigende Rolle. Dazu zählen vor allem konstitutionelle Faktoren wie eine unterentwickelte Anlage der Gebärmutter. Auch lediglich schwache Ligamente oder Strukturen des Uterusbindegewebes können das Phänomen begünstigen. Die betroffenen Frauen sind außerdem oft leptosom. Die Ursache spielt für die Behandlung des Phänomens nur eine äußerst geringe Rolle. Allerdings sollten Frauen mit hypoplastischen Uteri, leptosome Frauen und solche mit schwachem Bindegewebe über ihre allgemeine Disposition für Gebärmuttervorfälle aufgeklärt werden.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Inversio uteri ist wie jeder andere Gebärmuttervorfall extrem schmerzvoll für die Patientin. Die komplette Uterusinversion ist auf den ersten Blick ersichtlich. Die inkompletten Formen sind schwerer zu erkennen, da sich der Uterus dabei als diffus blutige Masse in den Bereich der Schiede schiebt. Da der Gebärmuttervorfall meist mit hohem Blutverlust assoziiert ist, entsteht aus einer Inversio uteri oft schnell ein hypovolämischer Schock.

Dabei handelt es sich um einen sogenannten Volumenmangelschock, der bei einer starken Verminderung des zirkulierenden Bluts entsteht. Das erste Stadium dieses Schockzustands zeichnet sich durch kühle und blasse Haut aus. Im zweiten Stadium ist dieses Symptom mit einer Tachykardie und systolischem Blutdruck unter 100 mmHg vergesellschaftet, wobei die Halsvenen im Liegen kollabieren und die Patienten über Durst klagen. Im dritten Stadium fällt der Blutdruck unter 60 mmHg, der Puls ist kaum mehr tastbar und die Atmung ist flach und schnell. Zusätzlich treten Bewusstseinsstörungen ein.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnostik einer Inversio uteri ist umso schwerer, wenn eine inkomplette Form des Phänomens vorliegt. Geburtshelfer und Ärzte erkennen inkomplette Uterusvorfälle meist nur aufgrund von Erfahrung und diagnostizieren den Gebärmuttervorfall blickdiagnostisch. Die Prognose hängt stark von der Zeitspanne ab, die zwischen dem Vorfall und der Diagnose liegt. Je später eine Inversio uteri erkannt wird, desto eher verursacht sie ernstzunehmende Komplikationen.

Komplikationen

Die Inversio uteri stellt einen sehr gefährlichen Zustand dar, der bei der Geburt auftreten kann. In der Regel kommt es dabei für das Kind und für die Mutter zu erheblichen Komplikationen, die das Leben der beiden einschränken können. In der Regel kommt es bei der Mutter zu extrem starken Schmerzen. Diese können mit Hilfe von Schmerzmitteln eingeschränkt werden.

Ebenso ist die Inversio uteri mit einem sehr starken Blutverlust verbunden, sodass die Patientin auch das Bewusstsein verlieren kann. Dabei kann es zur Ausbildung eines Schockzustandes kommen. Ebenso kann der Blutdruck soweit abfallen, dass der Puls der Mutter nicht mehr ertastet werden kann. In der Regel treten dabei auch Bewusstseinsstörungen auf.

Sollte die Inversio uteri nicht rechtzeitig behandelt werden, kann es im schlimmsten Falle zum Tode der Mutter kommen. Die Behandlung der Inversio uteri erfolgt dabei durch einen operativen Eingriff und wird direkt nach der Diagnose durchgeführt. Dabei können die meisten Beschwerden eingeschränkt werden, sodass es zu keiner Gefahr mehr für das Kind oder für die Mutter kommt.

Therapie & Behandlung

Zur Behandlung eines vorgefallenen Uterus muss die Patienten möglichst schnell in Narkose gelegt werden, um die Schmerzen zu minimieren und mit der Repositionierung der Gebärmutter beginnen zu können. Im Rahmen dieser Repositionierung lösen die Ärzte zunächst die Plazenta ab. Nach diesem Schritt muss der umgestülpte Uterus per Hand komprimiert werden.

Erst nach der Komprimierung wird die Gebärmutter in ihre ursprüngliche Position zurückgeschoben. Dabei muss das Organ vor allem den zervikalen Schnürring überwinden. Die Überwindung dieser Barriere kann sich mehr oder weniger schwierig gestalten. Falls die vaginale Repositionierung am Schürring scheitert, wird eine Laparotomie durchgeführt. Bei diesem Eingriff wird der Uterus in seine anatomisch normale Lage geschoben. Die glatte Muskulatur der Gebärmutter darf bei der Repositionierung nicht kontrahieren.

Kontraktionen des Uterus werden durch die Gabe von Medikamenten wie Nitroglycerin, Metasympathomimetika, Magnesium oder Inhalationsanästhetika aufgelöst. Sobald die Reposition abgeschlossen ist, kann durch die Gabe von Sulproston eine Tonisierung der Muskeln erfolgen. Bei den ersten Anzeichen eines hypovolämischen Schocks muss die Patientin außerdem mit einer Volumensubstitution versorgt werden.

Diese Volumensubstitution findet mit isoton kristalliner Salzlösung statt. Wenn bereits ein großer Blutverlust stattgefunden hat, müssen zusätzlich Erythrozytenkonzentrate oder Frischplasma gegeben werden. Um weitere Komplikationen des Schocks zu verhindern, finden außerdem Korrekturen der metabolischen Azidose, Prophylaxen gegen Schocknieren und Therapien des ARDS oder der DIC statt.

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Vorbeugung

Einer Inversio uteri lässt sich mit denselben Maßnahmen vorbeugen, die als generelle Vorbeugemaßnahmen gegen Gebärmuttervorfälle gelten. Zu diesen Maßnahmen zählt vor allem die regelmäßige Beckenbodengymnastik, die allgemeine Gewebeschwächen im Bereich des Beckenbodens reduziert.

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Quellen

  • Beckermann, M.J.: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Schwabe, Basel 2004
  • Feige, A., Rempen, A., Würfel, W., Jawny, J., Rohde, A. (Hrsg.): Frauenheilkunde – Fortpflanzungsmedizin, Geburtsmedizin, Onkologie, Psychosomatik. Urban & Fischer, München 2005
  • Stauber, M., Weyerstrahl, T.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

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