Intrusion

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 11. Oktober 2017
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Die Intrusion ist ein Symptom von Psychotraumata. Auf einen Schlüsselreiz hin erleben die Patienten die traumatische Erfahrung wieder aufs Neue. Die Behandlung erfolgt in einer Kombination aus unterschiedlichen Psychotherapieverfahren und medikamentöser Behandlung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Intrusion?

Traumatische Erlebnisse sind die Ursache unterschiedlichster Erkrankungen der Psyche. Das traumatische Ereignis muss sich dabei nicht auf eine Bedrohung der eigenen Person beziehen, sondern kann auch einer Beobachtungssituation entsprechen. Der Patient wird durch das traumatische Ereignis zutiefst in seinem Weltverständnis erschüttert. Das Ich-Verständnis wird erschüttert. Häufig stellen sich Symptome wie Hilflosigkeit ein.

Im Rahmen verschiedener Krankheitsbilder kommt es nach dem traumatischen Ereignis regelmäßig zur Intrusion. Damit ist das Wiedererleben der traumatisierenden Situation gemeint. Intrusionen können Flashbacks entsprechen. Auch Albträume oder flüchtige Bilder im Zusammenhang mit dem Trauma werden als Intrusionen zusammengefasst. Intrusionen werden in der Regel mit emotional hoher Beteiligung erlebt. Das gegenteilige Symptom ist die emotionale Dumpfheit.

Im Rahmen vieler Erkrankungen wechseln sich Intrusion und emotionale Dumpfheit schubweise ab. Häufig erleben Patienten Intrusion auf bestimmte Schlüsselreize hin, die sogenannten Trigger. Viele Betroffene sind unfähig, die Bilder der Intrusion kontrolliert auszublenden und werden im wahrsten Sinne des Wortes davon überrollt.

Ursachen

Die primäre Ursache einer Intrusion ist ein psychotraumatisches Ereignis. Psychotraumata sind psychische, seelische oder mentale Traumen, die eine seelische Verletzung hervorgerufen haben. Jedes traumatische Ereignis geht mit einer starken Erschütterung der Psyche einher. Auf dem Nährboden traumatischer Erlebnisse können unterschiedliche Krankheitsbilder wachsen.

Das mitunter bekannteste davon ist die posttraumatische Belastungsstörung, wie sie vor allem im Kontext von Kriegsereignissen bekannt ist. Eine posttraumatische Belastungsstörung entsteht nach traumatisierenden Ereignissen katastrophalem Ausmaß. Die traumatisierende Bedrohlichkeit der Situation muss nicht zwingend einer Bedrohung der eigenen Person, sondern kann auch der außenstehend beobachteten Bedrohung anderer entsprechen.

Meist folgt die posttraumatische Belastungsstörung etwa ein halbes Jahr nach dem traumatischen Ereignis. Im Rahmen der posttraumatischen Belastungsstörung spielt die Intrusion eine übergeordnete Rolle, aber auch für Erkrankungen wie die akute Belastungsreaktion ist das Symptom relevant. Ausgelöst wird jede Intrusion von einem Trigger oder Schlüsselreiz, der den Patienten an das durchlebte Trauma erinnert.

Die Intrusion unterscheidet sich von Trauma-Patient zu Trauma-Patient. Darüber hinaus kann sich das Symptom für denselben Trauma-Patienten von Mal zu Mal unterscheiden und so das eine Mal zum Beispiel Albträumen entsprechen und das nächste Mal zu lähmenden Flashback-Bildern während des Tages werden. Der Betroffene durchlebt das traumatische Ereignis bei der Intrusion gegen seinen Willen in unzähligen Einzelheiten.

Dieses Wiedererleben des Traumas umfasst neben Bildern und Wahrnehmungen meist vor allem Gedanken. Kinder mit posttraumatischer Belastungsstörung nach Missbrauchsfällen neigen zum Beispiel dazu, das traumatische Erlebnis nach einer Intrusion im Rahmen des Spiels zu inszenieren. Der Patient hat während der Intrusion keinen Einfluss auf seine Erinnerung und deren Ablauf.

Die Intrusion entzieht sich damit der willentlichen Kontrolle und kann die betroffene Person derart überwältigen, dass "speechless terror" eintritt. Die Patienten sind in diesem Kontext oft weder dazu in der Lage, sich zu bewegen, noch können sie sprechen. Ausblenden lassen sich Intrusionen nicht. In den meisten Fällen wechselt sich das Ereignis der Intrusion unmittelbar mit emotionaler Taubheit ab. Oft meiden die Patienten Situationen, die mögliche Trigger-Reise beherbergen könnten.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei der Intrusion handelt es sich lediglich um ein Symptom. Der Psychologe erkennt es in der Regel in unmittelbarem Zusammenhang mit dem größeren Rahmen verschiedener Primärerkrankungen. Intrusionen sprechen immer für Trauma-Folgestörungen. Die Schwere der Intrusion hängt in gewisser Weise von der Schwere der traumatischen Erschütterung ab.

Nicht jeder Trauma-Patient muss zwingend Intrusionen erleiden. Damit ist die Intrusion zwar ein bestärkendes Symptom im Rahmen der Trauma-Diagnostik, muss aber nicht zwingend zur Diagnose eines Psychotraumas vorhanden sein. Die Prognose hängt für Patienten mit einer Intrusion von der primären Erkrankung und der ursächlichen Trauma-Situation ab.

Komplikationen

Da es sich bei der Intrusion in der Regel um eine psychologische Beschwerde handelt, kommt es dabei in erster Linie auch zu psychischen Verstimmungen oder zu Depressionen. Nicht selten leiden die Patienten dabei an starken Panikattacken oder Angstzuständen, die weiterhin auch zu Schweißausbrüchen führen können. Die Lebensqualität des Patienten wird durch die Intrusion deutlich eingeschränkt und verringert. In vielen Fällen kommt es zum Abbruch sozialer Kontakte.

Die Betroffenen wirken abgeschlagen und müde und nehmen dabei nicht mehr aktiv am Leben teil. Ebenso kann es dabei zu einem selbstverletzenden Verhalten kommen. Die Patienten sind dabei nicht selten aggressiv oder gereizt und leiden an Stimmungsschwankungen. Weiterhin kann es durch die Intrusion zu unwillkürlichen Muskelbewegungen oder zu Zuckungen kommen, die den Alltag des Betroffenen weiterhin einschränken.

Auch die Konzentration und die Koordination sind durch diese Krankheit meistens eingeschränkt. Die Behandlung kann mit Hilfe von Medikamenten oder durch eine Therapie stattfinden. In vielen Fällen haben die Medikamente weitere Nebenwirkungen und können zu einer starken Müdigkeit führen. Nicht in allen Fällen verspricht die Therapie einen positiven Krankheitsverlauf.

Behandlung & Therapie

Zur Unterdrückung und Linderung von symptomatischer Intrusion stehen medikamentöse Therapien zur Verfügung. Besonders Tranquilizer, Antidepressiva, selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer und Neuroleptika kommen zur Behandlung in Frage. Mit dieser symptomatischen Behandlung ist der Patient allerdings nicht geheilt.

Um eine Heilung zu erzielen, muss eine ursächliche Behandlung erfolgen. Für Trauma-Patienten entspricht die ursächliche Behandlung einer Psychotherapie, die in unterschiedlichen Verfahren angewandt wird. Neben psychoanalytischen Verfahren sind in diesem Zusammenhang imaginative Verfahren verbreitet, die mit inneren Bildern und traumartigen Verarbeitungswegen auf einer tieferen Ebene der Psyche ansetzen.

Verhaltenstherapeutische Ansätze verfolgen dagegen die Exposition gegenüber der traumatischen Reize und erzielen idealerweise eine kognitive Umstrukturierung, die belastende Erinnerungen abschwächt und kontrollierbar macht. In narrativen Verfahren folgt der Patient seinem menschlichen Drang, die einzelnen Intrusionselemente des Traumas zu einer schlüssigen Geschichte zusammenzufügen und sie mit Sinn behaftet in die persönliche Lebensgeschichte zu integrieren.

Bei der Eye Movement Desensitization soll eine intensive Stimulation der beiden Hirnhälften durch Augenbewegung, Klänge oder Berührungen unvollständig integrierte Erinnerungen zur Verarbeitung bringen. Die Gestalttherapie wendet sich zugleich an Körper, Geist und Seele. Darüber hinaus sind körpertherapeutische Verfahren wie TRE-Übungen im Einsatz. Auch kreative Therapieverfahren eignen sich im Einzelfall zur Trauma-Bewältigung, so speziell für Kinder.

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Vorbeugung

Das Symptom der Intrusion lässt sich nur insofern vermeiden, wie sich ursächliche Psychotraumata vermeiden lassen. Vorbeugen lässt sich traumatischen Ereignissen kaum. Schätzungsweise haben 90 Prozent aller Menschen wenigstens ein Trauma im Leben durchlebt. Zwar können Intrusionen durch die strikte Vermeidung von Schlüsselreizen verhindert werden, allerdings ist diese Vorgehensweise kontraproduktiv für die Trauma-Bewältigung.

Das können Sie selbst tun

Neben der medikamentösen Therapie, wird eine Intrusion mittels verschiedener verhaltenstherapeutischer Methoden bewältigt. Von einem Therapeuten angeleitet, können viele dieser Strategien selbst angewendet werden, um eine Intrusion zu vermeiden.

Bewährt hat sich etwa die sogenannte Eye Movement Desensitization, bei der die Betroffenen Klänge, Berührungen und Augenbewegungen anwenden, um Erinnerungen zu verarbeiten. Davon ab gilt es, Schlüsselreize zu vermeiden oder zu lernen mit diesen umzugehen. Auch hier ist eine leitende Therapie angezeigt, die von den Betroffenen im Alltag weitergeführt wird. Dadurch soll die posttraumatische Belastungsstörung langfristig überwunden und damit auch die seelische Gesundheit der Betroffenen wiederhergestellt werden.

Die ursächliche Behandlung kann durch eine symptomatische Therapie der einzelnen Symptome unterstützt werden. Innere Unruhe und Nervosität können mit Hilfe natürlicher Beruhigungsmittel aus der Natur und Homöopathie behandelt werden. Bewährt haben sich zum Beispiel die Heilpflanzen Baldrian und Passionsblume, die als Tee oder in Form von Kapseln oder Dragees eingenommen werden können. Die Homöopathie stellt die Präparate Argentum nitricum, Arnica, Chamomilla und Aconitum napellus zur Verfügung. Bei starken Beschwerden sollte der Arzt allerdings ein medizinisches Arzneimittel verschreiben.

Bücher über Trauma

Quellen

  • Davison, G.C., Neale, J.M., Hautzinger, M.: Klinische Psychologie. Beltz PVU, München 2007
  • Dilling, H., Mombour, W., Schmidt, M.H.(Hrsg.): Internationale Klassifikation psychischer Störungen – ICD 10, Kapitel V (F), klinisch-diagnostische Leitlinien. Huber, Bern 2011
  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015

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