Intrauterine Wachstumsretardierung

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 13. Juli 2017Geprüfte Qualität
Sie sind hier: Symptomat.deKrankheiten Intrauterine Wachstumsretardierung

Als intrauterine Wachstumsretardierung wird eine vorgeburtliche Störung der Entwicklung bezeichnet. Synonyme für die intrauterine Wachstumsretardierung sind pränatale Dystrophie und fetale Hypertrophie.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine intrauterine Wachstumsretardierung?

Bei der intrauterinen Wachstumsretardierung kommt es zu einer pathologischen Verzögerung des Wachstums eines ungeborenen Kindes in der Gebärmutter (Uterus). Die betroffenen Kinder werden als SGA-Kinder bezeichnet. SGA steht für "small for gestational age". Eine intrauterine Wachstumsretardierung, kurz auch IUGR genannt, liegt dann vor, wenn Gewicht und Größe des Ungeborenen unter der 10. Perzentile liegen.

Die Ursachen für eine IUGR können genetische bedingt sein oder durch Umweltfaktoren beeinflusst werden. Die Ursache kann sowohl aufseiten des Kindes liegen als auch von der Mutter ausgehen. Die intrauterine Wachstumsretardierung wird meist im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge im ersten oder zweiten Trimenon entdeckt. Rund ein Viertel aller Totgeburten gehen auf eine intrauterine Wachstumsretardierung zurück. Die Wachstumsretardierung kann zu Stoffwechselveränderungen bei den Feten führen, sodass die betroffenen Kinder ein höheres Letalitätsrisiko haben.

Ursachen

Eine fetale Ursache für eine IUGR ist eine Chromosomenaberration. Eine Chromosomenaberration ist eine Chromosomenanomalie, die ein Genom betrifft. Die bekannteste Aberration ist die Trisomie 21, die auch als Down-Syndrom bekannt ist. Auch Fehlbildungen wie Agenesien oder Aplasien können eine Wachstumsverzögerung zur Folge haben. Wenn Viren von der Mutter auf das Kind übertragen werden, können diese die Entwicklung und das Wachstum des Fetus beeinträchtigen.

Die Übertragung erfolgt über die Plazenta. Infektionen der Mutter mit Röteln, Toxoplasmen oder mit Herpes genitalis bergen ein besonders großes Erkrankungsrisiko für das Kind. Die intrauterine Wachstumsretardierung kann ihren Ursprung aber auch in der Plazenta haben. Eine häufige Ursache für ein verzögertes Wachstum ist eine Mehrlingsschwangerschaft.

Platzbedingt kann es zu Wachstumsdefiziten bei einem oder mehreren Kindern kommen. Auch eine Plazentainsuffizienz beeinträchtigt das Wachstum des Kindes. Eine akute Plazentainsuffizienz entsteht durch akute Durchblutungsstörungen. Die chronische Plazentainsuffizienz wird durch chronische Erkrankungen der werdenden Mutter ausgelöst.

Kommt es während der Schwangerschaft zu Bluthochdruck und Proteinurie, so liegt meistens eine Präeklampsie vor. Eine fetale Komplikation der Präeklampsie ist die intrauterine Wachstumsretardierung. Maternale Ursachen der Wachstumsretardierung sind Autoimmunerkrankungen und Nierenerkrankungen. Auch ein Schwangerschaftsdiabetes der Mutter kann sich negativ auf das Wachstum des Ungeborenen auswirken.

Der Fetus wächst zudem verzögert, wenn er zu wenig Sauerstoff erhält. Eine solche Hypoxie kann durch eine Anämie, durch kardiovaskuläre Erkrankungen oder durch Lungenerkrankungen hervorgerufen werden. Auch Bluthochdruck, Alkoholmissbrauch und Rauchen in der Schwangerschaft schädigen das Ungeborene und führen zu einem verzögerten Wachstum. Aufgrund der Gefahr einer intrauterinen Wachstumsretardierung sind einige Medikamente in der Schwangerschaft kontraindiziert.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bei der IUGR kann zwischen zwei Formen unterschieden werden. Die asymmetrische Form tritt in 70 Prozent der Fälle auf. Hier ist zunächst nur das Körpergewicht von der Entwicklungsstörung betroffen. Die Körpergröße ist zwar normal, der Bauchumfang ist jedoch reduziert. Die Kinder haben zu wenig subkutanes Fettgewebe und entwickeln dadurch einen sehr kleinen und dünnen Körper, der von seiner Proportion nicht zum Kopf passt.

Bei der symmetrischen Form der intrauterinen Wachstumsretardierung sind Körpergewicht und Körperlänge des Ungeborenen vermindert. Der Kopfumfang steht zwar im richtigen Verhältnis zum restlichen Körper, das Körperwachstum entspricht aber insgesamt nicht den Normwerten. Durch die intrauterine Wachstumsretardierung kann es zu drastischen Veränderungen im Stoffwechsel des Kindes kommen.

Diese Stoffwechselstörungen können sich nach der Geburt ausweiten und verschlimmern und das Risiko für bestimmte chronische Erkrankungen im späteren Leben erhöhen. Zu diesen Erkrankungen gehört beispielsweise die koronare Herzkrankheit (KHK). Dieses Phänomen wird auch als fetal programming bezeichnet.

Suboptimale Bedingungen während der Schwangerschaft führen zu einer irreversiblen Krankheitsanfälligkeit des ungeborenen Kindes. Aus der intrauterinen Wachstumsretardierung resultieren strukturelle Veränderungen in Organen, eine geänderte Zellanzahl, eine veränderte Blutzufuhr und eine veränderte Anzahl von Zellrezeptoren. Die Kinder können diese Veränderungen zunächst gut kompensieren, im Laufe des Lebens entwickeln sie jedoch häufiger Krankheiten als Kinder, die nicht von einer IUGR betroffen waren.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die intrauterine Wachstumsretardierung wird in der Regel im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge im zweiten oder dritten Trimester bei der Ultraschalluntersuchung erkannt. Ultraschallgestützt wird eine sogenannte Fetometrie durchgeführt. Dabei wird das Ungeborene im Mutterleib vermessen. Zu den Routineparametern gehören der Kopfumfang, der biparietale Durchmesser, der Umfang des fetalen Abdomens und die Länge des Oberschenkelknochens.

Bei Auffälligkeiten werden weitere Untersuchungen durchgeführt. Zu diesen Untersuchungen gehören die Dopplersonografie und die fetale Blutgasanalyse. Bei der fetalen Blutgasanalyse wird der Sauerstoffgehalt in den Blutgefäßen des Kindes überprüft. Mithilfe der Kardiototografie wird die fetale Herztätigkeit aufgezeichnet und überwacht. Eventuell wird eine Amniozentese durchgeführt. Hier wird durch eine Punktion der Fruchtblase Fruchtwasser aus der embryonalen Blastozyste entnommen.

Durch spezielle Untersuchungen des Fruchtwassers können genetische Erkrankungen des Embryos abgeklärt werden. Bei Verdacht auf eine Infektion der Mutter wird eine TORCH-Serologie durchgeführt. Der TORCH-Komplex bezeichnet verschiedene Infektionskrankheiten, die während der Schwangerschaft auf das Ungeborene übergehen können. Im Labor wird das Blut der Mutter auf Toxoplasmen, Coxsackie-Viren, Syphilis, HIV, Parvovirus B19, Listeriose, Röteln, Cytomegalie und Herpes-simplex-Viren untersucht.

Komplikationen

Bei dieser Krankheit kommt es schon im Mutterleib zu einer Wachstumsretardierung. In der Regel führt diese Krankheit zu extremen Folgeschäden nach der Geburt und damit zu einer erheblichen Verringerung der Lebenserwartung. In erster Linie leiden die Patienten dabei an einem stark verringerten Körpergewicht. Ebenso können verschiedene Längen am Körper deformiert sein und es kommt zu Schäden an den inneren Organen.

Auch Stoffwechselstörungen können durch die Wachstumsretardierung auftreten und damit im Erwachsenenalter zu verschiedenen Komplikationen führen. In den meisten Fällen können die Beschwerden dieser Krankheit nicht vollständig bekämpft werden, sodass es zu einer verringerten Lebenserwartung und zu einer höheren Infektanfälligkeit nach der Geburt des Patienten kommt.

In einigen Fällen ist auch die geistige Entwicklung des Patienten durch diese Krankheit eingeschränkt oder stark verlangsamt. Dabei kann es auch zu Fehlbildungen am Herzen kommen. Nach der Geburt kann die Wachstumsretardierung nicht mehr kausal behandelt werden. Sollten die Beschwerden schon vor der Geburt erkannt werden, sollte die werdende Mutter auf Drogen verzichten und einem gesunden Lebensstil folgen.

Damit können weitere Schäden eingeschränkt werden. Sollte die Wachstumsretardierung durch eine andere Krankheit aufgekommen sein, so muss unter Umständen eine Frühgeburt eingeleitet werden. Dabei kann es zu verschiedenen Komplikationen kommen.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Therapie & Behandlung

Die Therapie erfolgt abhängig von der Ursache. Alkohol- und Nikotinkonsum müssen sofort eingestellt werden. Ein Ziel der Therapie ist die Verbesserung der Plazentadurchblutung. Die Schwangeren müssen nach der Diagnose häufig Bettruhe halten. Eventuell ist eine stationäre Aufnahme erforderlich. In schweren Fällen wird die Geburt auch vor der 37. Schwangerschaftswoche eingeleitet.

Bücher über SGA & Entwicklungsstörungen bei Kindern

Das könnte Sie auch interessieren:

Welche Erfahrungen und Hinweise haben Sie zum Thema Intrauterine Wachstumsretardierung?

Name oder Pseudonym:

E-Mail: (optional)

(wird nicht angezeigt, nur notwendig, wenn aktuelle Gesundheitsinformationen erwünscht werden)

Kommentar:

(Bitte auf Groß-, Kleinschreibung und verständliche, ganze Sätze achten.)

Sicherheitsfrage: Wieviel sind 30 plus 5?

Bekannt aus: