Intrakranieller Druck

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 23. Januar 2017
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Der intrakranielle Druck wird umgangssprachlich als Hirndruck bezeichnet. Er spielt eine wichtige Rolle für die Durchblutung und die Funktion des Gehirns.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der intrakranielle Druck?

Im Englischen ist der intrakranielle Druck als intracranial pressure oder kurz als ICP bekannt. Die Abkürzung ICP ist auch im deutschen Sprachraum gebräuchlich. Der intrakranielle Druck ist der Druck, der in der Schädelhöhle herrscht.

Der Hirnschädel besteht aus sieben Einzelknochen, die das Gehirn umschließen und schützen. Neben dem Gehirn enthält der Hirnschädel Blut und Liquor. Der Liquor cerebrospinalis ist eine Körperflüssigkeit, die von den Plexus choroidei gebildet wird. Sie zirkuliert im gesamten Liquorraum. Der Liquorraum ist ein Hohlraumsystem im Gehirn und im Rückenmark. Da der Hirnschädel bereits in den ersten Lebensjahren komplett verknöchert, muss das Gesamtvolumen von Gehirn, Blut und Liquor im Kopf immer gleich bleiben.

Neben dem Gehirn ist beim erwachsenen Menschen Platz für ungefähr 70 Milliliter Liquor und für 100 Milliliter Blut. Die Verteilung folgt der Monro-Kellie-Doktrin. Demnach liegt die Verteilung stets bei 80 Prozent Gehirngewebe, 12 Prozent Blut und 8 Prozent Liquor. Nur wenn diese Verhältnisse eingehalten werden, kann der intrakranielle Druck konstant gehalten werden. Beim Erwachsenen beträgt das verfügbare intrakranielle Volumen rund 1600 Milliliter. Der physiologische intrakranielle Druck liegt beim gesunden Menschen bei 5 bis 15 mmHg. Umgerechnet entspricht dies 5 bis 20 cm Wassersäule. Bei Kindern sollte der intrakranielle Druck zwischen 0 und 10 mmHg liegen.

Funktion & Aufgabe

Der intrakranielle Druck spielt eine entscheidende Rolle für die Durchblutung des Gehirns. Ohne einen adäquaten intrakraniellen Druck ist die Funktion des Gehirns gefährdet. Der intrakranielle Druck steht dem Druck des Blutes im Gehirn gegenüber. Das Gehirn muss ständig mit nährstoff- und sauerstoffreichem Blut versorgt werden. Es hat eine sehr hohe basale Stoffwechselrate und beansprucht schon im Ruhezustand rund ein Fünftel des gesamten Sauerstoffbestands des Körpers. Nervenzellen sind im Gegensatz zu anderen Körperzellen auch nicht in der Lage ihren Energiebedarf ohne Sauerstoff (anaerob) zu decken.

Bei einer Verminderung der Hirndurchblutung kommt es zu einer Schädigung des Gehirns. Nervenzellen sterben ab. Der intrakranielle Druck beeinflusst die Durchblutung des Gehirns und damit auch das Sauerstoff- und Nährstoffangebot.

Unter physiologischen Bedingungen ist der intrakranielle Druck niedriger als der Druck, mit dem das Blut ins Gehirn gepumpt wird. Die Hirndurchblutung wird also durch den intrakraniellen Druck nicht beeinflusst. Sobald aber der intrakranielle Druck und der Blutdruck im Gehirn gleich sind, wird das Gehirn nicht mehr richtig durchblutet. Es kommt zu einem Mangel an Nährstoffen und Sauerstoff.

Der intrakranielle Druck wird umgangssprachlich als Hirndruck bezeichnet. Er spielt eine wichtige Rolle für die Durchblutung und die Funktion des Gehirns.

Das Hirngewebe, die Hirngefäße und die Liquorräume stehen in einem ständigen Austausch, um Volumenschwankungen auszugleichen. Wenn beispielsweise das Volumen des Hirngewebes zunimmt, kann es durch die Abnahme des Liquor- oder Blutvolumens ausgeglichen werden. Der intrakranielle Druck steigt dann trotz einer Volumenzunahme des Hirngewebes nicht an. Der intrakranielle Druck ist also eine dynamische Größe, die ständig an die aktuellen Gegebenheiten angepasst werden muss.

Ist eine Kompensation nicht mehr möglich, steigt der Hirndruck an. Je langsamer der Hirndruck steigt, umso besser kann die Druckerhöhung verarbeitet werden. 5 bis 10 Milliliter Volumenzunahme können so kompensiert werden. Im Ernstfall kann eine gesteigerte Resorption des Liquors auch größere langsam voranschreitende Volumenzunahmen auffangen. Auch Husten, Niesen oder Pressen erhöhen durch eine Verminderung des venösen Rückstroms zum Herzen den Hirndruck kurzzeitig auf bis zu 50 mmHg. Solche kurzfristigen Druckspitzen können allerdings gut toleriert werden.

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Krankheiten & Beschwerden

Eine Erhöhung des intrakraniellen Drucks kann durch die Volumenzunahme von einem oder mehreren Kompartimenten verursacht werden. Eine Zunahme des Hirnfunktionsgewebes kann beispielsweise durch einen Hirntumor oder durch ein Hirnödem nach einem Unfall entstehen. Auch ein Schlaganfall oder eine Entzündung des Gehirns (Enzephalitis) kann eine Volumenzunahme und damit eine Steigerung des intrakraniellen Drucks hervorrufen.

Der Hirndruck erhöht sich auch bei Abflussbehinderungen. Der Abfluss des Liquors kann durch einen Tumor blockiert sein. Da die Strukturen trotz der Sperre weiterhin Liquor produzieren, kommt es zu einem Stau und somit zu einer Hirndruckerhöhung. Auch ein Abszess kann verhindern, dass das Hirnwasser abfließt. Eine weitere Ursache für eine Behinderung des Abflusses ist eine Hirnblutung. Zudem führen Flüssigkeitsvermehrungen im Schädel zu einer Erhöhung des intrakraniellen Drucks. Solche Flüssigkeitsvermehrungen können metabolisch oder toxisch bedingt sein. Ein weiterer Grund für ein Hirnödem ist eine Hypoxie. Das Gehirn reagiert bei Sauerstoffmangel mit einem Ödem. Häufigste Ursache für ein Hirnödem aufgrund einer Hypoxie ist ein Hirninfarkt. Der Hirninfarkt ist auch als ischämischer Insult oder als Schlaganfall bekannt. Wird durch eine Thrombose ein venöses Gefäß verschlossen, staut sich das venöse Blut im Schädel. Auch dadurch steigt der intrakranielle Druck.

Leitsymptom einer pathologischen Hirndrucksteigerung sind starke Kopfschmerzen. Auch Übelkeit oder Erbrechen können auftreten. Auffällig ist die sogenannte Stauungspapille. Es handelt sich dabei um eine Schwellung der Austrittsstelle des Nervus opticus. Dadurch kann es zu Sehstörungen kommen. Die Stauungspapille wird mithilfe einer Augenspiegelung diagnostiziert. Die Kombination von Kopfschmerz, Erbrechen und Stauungspapille wird als Hirndruck-Trias bezeichnet. Weitere Symptome einer intrakraniellen Drucksteigerung sind Schwindel, ein verlangsamter Herzschlag, Lähmungen der Augenmuskeln und geistige Abwesenheit. Durch den Cushing-Reflex erfolgt ein Anstieg des Blutdrucks bei einem gleichzeitigen Abfall der Herzfrequenz. Dieses Phänomen nennt sich Druckpuls.

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