Interstitielle Nephritis

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 10. Juli 2017Geprüfte Qualität
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Die interstitielle Nephritis ist eine Nierenentzündung, die in akuter oder chronischer Form vorliegen kann. Neben viralen und bakteriellen Ursachen kommen unter anderem Autoimmunerkrankungen und medikamentöse Noxen als Auslöser in Frage. Die Behandlung besteht in einer Beseitigung der ursächlichen Noxe und dient dem Erhalt der Nierenfunktion.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine interstitielle Nephritis?

Die Nieren sind die mitunter wichtigsten Entgiftungsorgane im menschlichen Körper. Sie filtern das Blut von Schadstoffen frei und führen diese Stoffe in Form von Harn aus dem Körper ab. Beschädigungen des Nierengewebes können Funktionsbeeinträchtigungen des Filtersystems zur Folge haben. Läsionen im Nierengewebe haben unterschiedliche Ursache.

Entzündungen hinterlassen zum Beispiel Narben im Gewebe, das speziell im renalen Tubublus-System bleibende Beeinträchtigungen der Nierenfunktion hervorrufen kann. Wie bei der Pyelonephritis oder Nierenbeckenentzündung handelt es sich auch bei der interstitielle Nephritis oder tubulo-interstitielle Nephritis um eine entzündliche Erkrankung. Während die Nierenbeckenentzündung meist mit bakteriellen Infektionen assoziiert ist, handelt es sich bei der tubulo-interstitiellen Nephritis nicht zwingend um eine bakterielle Entzündung.

Die Erkrankung zeigt geringe Inzidenz, ist also selten. Die Entzündung wurde 1878 erstmals beschrieben. Als Erstbeschreiber gilt Jean-Martin Charcot. Schon er dokumentierte damals, dass die Erkrankung im Spätstadium das tubuläre Epithel erweitert und zum Tod durch Nierenversagen führen kann. Neben einer akuten Form der Erkrankung wies er auf eine chronische Form hin, die sich über längere Zeit erstreckt und schleichendes Nierenversagen eintreten lässt.

Ursachen

Die Ursachen einer interstitiellen Nephritis unterscheiden sich mit der Form. Die akute Form kann zum Beispiel einer allergisch-hypersensitiven Reaktion auf Medikamente entsprechen, so vor allem auf Antibiotika wie Ampicillin, Methicillin, Cimetidin, NSAIDs, Diuretika oder Protonenpumpenhemmer. Auch pflanzliche Gifte kommen als Auslöser in Frage.

Außerdem kann die akute Variante viraler Natur entsprechen und so beispielsweise auf den Hantavirus zurückgehen. Darüber hinaus können akut parainfektiöse Formen im Rahmen bakterieller Infektionen mit Streptokokken, Legionellen oder ähnlichen Erregern auftreten. Die Ursache der akut autoimmunologischen Form sind wiederum Autoimmunerkrankungen wie das Goodpasture-Syndrom.

Die chronisch interstitielle Nephritis stellt sich als allergisch-toxisches Ereignis wiederum auf andere Medikamente hin ein als die akute Form, so vor allem auf Analgetika hin. Außerdem ist diese Form oft mit Substanzen wie Blei und Cadmium assoziiert oder hat metabolische Ursache, so beispielsweise im Rahmen von Hyperurikämie bei Gicht. Auch Hyperkalzämie, Hyperoxalurie, Hypokaliämie und Zystinose kommen ursächlich in Frage.

Hereditärer Natur ist die chronische Form bei ADPKD. Autoimmunologischer Art ist sie bei SLE, im Rahmen des Sjögren-Syndroms und bei der Sarkoidose. Darüber hinaus existieren infektiöse und obstruktive Erkrankungen wie die chronisch bakterielle Phyelonephritis. Abgesehen davon kann sich die chronische Form auf physikalische Einwirkungen hin einstellen, so unter anderem in Form der Strahlennephritis.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die tubulo-interstitielle Nephritis ist durch ein klinisch vielseitiges Bild gekennzeichnet. Sämtliche Veränderungen des Nierenparenchyms können im Rahmen der Erkrankung asymptomatisch bleiben. Die Läsionen können allerdings ebenso gut zum anteiligen Ausfall der Tubulus-Funktionen führen oder sogar akutes Nierenversagen auslösen.

Bei einer akut manifesten tubulo-interstitiellen Nephritis treten zu den renalen Symptomen teils Hypersensitivitätsreaktionen hinzu. Die Patienten leiden in zumindest 15 Prozent aller Fälle an Fieber, Exanthemen der Haut oder Arthralgien. Manche Patienten klagen über Flankenschmerzen. In der chronischen Form verschlechtert sich der Zustand der Patienten schleichend.

Die Pathologie unterscheidet sich in Abhängigkeit von der Form. Bei akut interstitieller Nephritis ist das Interstitium odematös verändert. Mononukleäre Infiltrate aus Plasmazellen, Lymphozyten und eosinophilen Granulozyten lassen sich nachweisen. Die chronisch interstitielle Nephritis führt zusätzlich zu tubulärer Atrophie und Glomerulopathie.

Die Symptome und die Pathologie des Nierengewebes geben im Einzelnen Auskunft über die Ursache der Entzündung. Bei allergischen Reaktionen sind Hautsymptome zum Beispiel verbreitet, während sich im Gewebe vermehrt eosinophile Granulozyten zeigen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Laboruntersuchungen bei Verdacht auf interstitielle Nephritis umfassen die Bestimmung von Harnstoff und Kreatinin. Urinsediment sowie 24-h-Sammelurin sind indiziert. Tubuläre Funktionsstörungen können Hämaturie oder Proteinurie, Hyperphosphaturie und Aminoazidurie oder Glukosurie hervorrufen. Außerdem weist ein erhöhter Urin-pH oder Salzverlust auf die Erkrankung hin.

Der Verdacht auf die akute Form kann mit dem Nachweis einer Eosinophilie oder IgE-Erhöhung erhärtet werden. In der Sonografie zeigt sich bei der akuten Form wiederum ein echoreiches und verbreitertes Parenchym. Die Prognose der Patienten hängt von der Unform der Erkrankung und dem Zeitpunkt der Diagnose ab. Die akute Form hat eine relativ günstige Prognose.

Komplikationen

Bei dieser Krankheit kann es im schlimmsten Falle auch zum Tode des Patienten kommen. Der Tod kann dann eintreten, wenn die Nieren versagen und keine richtige Behandlung eingeleitet wird. Ebenso ist der Betroffene dann auf eine Dialyse oder auf eine Organtransplantation angewiesen, um weiterhin zu überleben. Die Lebensqualität wird durch diese Krankheit deutlich eingeschränkt.

Nicht selten leiden die Betroffenen dabei an einem starken Fieber und auch an Beschwerden auf der Haut. Ebenso treten auch Flankenschmerzen auf, die zu Bewegungseinschränkungen führen. Der Alltag wird für den Patienten durch die Symptome deutlich erschwert. Durch die dauerhaften Schmerzen und Beschwerden kommt es weiterhin nicht selten auch zu psychischen Erkrankungen oder sogar zu Depressionen.

Die Behandlung erfolgt mit Hilfe von Medikamenten. Dabei treten keine besonderen Komplikationen auf. Allerdings muss eine Niereninsuffizienz auf jeden Fall vermieden werden, damit es nicht zu einem lebensgefährlichen Zustand für den Patienten kommt. Gegebenenfalls ist die Lebenserwartung des Betroffenen durch die Krankheit verringert. Falls notwendig, kann auch eine psychologische Behandlung des Patienten stattfinden, um Depressionen oder andere Beschwerden zu vermeiden.

Behandlung & Therapie

Bei der Therapie einer tubulo-interstitiellen Nephritis steht die Beseitigung der primären Ursache oder die Behandlung der zugrundeliegenden Erkrankung im Mittelpunkt. Bei medikamentösen Ursachen werden die Medikamente abgesetzt, um die ursächliche Noxe zu beseitigen. Falls akutes Nierenversagen auftritt, findet Hämodialyse statt. Eine medikamentöse Therapie ist vor allem bei Autoimmunerkrankungen angezeigt.

Zur Immunsuppression wird oft Prednison verabreicht. Auch im Zusammenhang mit Therapien intravenöser oder oraler Kortikoidgabe konnten teils Fortschritte beobachtet werden. Außerdem wird seit der jüngsten Zeit Mycophenolat-Mofetil zur Behandlung eingesetzt. Wenn sich die auslösenden Noxe beseitigen lässt, heilen mehr als die Hälfte aller Fälle aus, ohne dass sich chronisches Nierenversagen entwickelt.

Bei der chronischen Form sind oft die Glomeruli der Nieren mit betroffen. Aus diesem Grund kommen bei der Behandlung oft zusätzlich supportive Maßnahmen zum Einsatz. Diese supportive Therapie dient der Vorbeugung chronischer Niereninsuffizienz und soll eine weitere Verschlechterung der Funktion verhindern. Evidenzbasierte Behandlungen stehen nicht zur Verfügung.

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Vorbeugung

Da die interstitielle Nephritis etliche Ursachen haben kann, ist eine allumfassende Prophylaxe nicht möglich.

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